April 2012                                        www.hermann-mensing.de          

mensing literatur
 

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zum letzten eintrag


So 1.04.12

Seit über zwanzig Jahren besitze ich diesen Hut. Ein klassischer Herrenhut, Filz, grau, im Schweißband meine Initialen. Ich erinnere mich nicht mehr an die Motive meines Kaufes, wenngleich jetzt, wo ich daran denke, vage Bilder des Hutgeschäftes Stark vor mir auftauchen, ein innerstädtisches Geschäft mit Tradition. Möglich, dass ich ihn danach dann und wann einmal getragen habe, aber er hat es in der Hierarchie meiner Kopfbedeckungen nie in die vordersten Ränge geschafft. Ich nehme an, ich fühlte mich zu jung für so einen Hut. Heute früh nun, ich war bei sonnigem Wetter erwacht, das sich jedoch sehr bald verdunkelte, sah ich ihn. Seit Jahr und Tag behütet er meinen Kollegen Herrn Dante, dessen Büste auf meinem Kleiderschrank steht. Ich nahm Dante den Hut ab, klopfte den Staub vom Filz, setzte ihn auf und dachte, was für ein schöner Hut, zog meinen Mantel an und ging Brötchen kaufen. Niemand machte Anstalten, mich in einen wie auch immer gearteten April zu schicken.

18:03

Nun (well well well, wie Engländer sagen würden), Sie haben es selbstverständlich bemerkt, dies ist gar nicht der erste April. Der erste April fällt wegen eines Schaltproblems zwischen gregorianischem und julianischem Kalender in diesem Jahr aus und beginnt also erst morgen. Sie dürfen sich nun vor den Kopf schlagen und sich wundern, dass es so etwas gibt. Und ich wünsche Ihnen noch einen geruhsamen letzten Märztag. Ja, ja...


Mo 2.4.12
11:34

so nett, der hausputz

der mann hat wasser aufgewärmt,
er hat die küche ausgeräumt,
die nacht von abreise geträumt,
jetzt wird der winterschmutz entfernt.

zunächst geht's unter alle schränke,
was da liegt, sagt er lieber nicht,
auf knien spürt er, wie sein kreuz bricht,
beim recken krachen die gelenke.

aha, ein sanfter schimmer schon,
der erste schmutz ist fast dahin,
ein zweiter waschgang jedoch machte sinn.

sieh an, welch wunder klares wasser wirkt,
ein kaffepäuschen jetzt und dann
geht unser mann den rest der wohnung an.


16:20

so nett, danach

was hat der mann nicht weg gewischt,
und was dabei gefunden,
und hat sich seit den morgenstunden,
die reine lehre aufgetischt.

die lehre vor der strahlend frische,
die leere nach der tat,
die hoffnung, dass bald einsicht naht,
wenn lang genug er wische.

nun also ist's getan und fertig,
der mann hat einen fetten blues,
sein herz sehnt sich nach news.

es sehnt, und hoch ebbt das gefühl,
es hat ein leben vor sich, bitte,
darauf jetzt käse und die vollkornschnitte.


Di 3.04.12
9:52

Endlich gibt's auch hier einen Gemüsetürken, gleich um die Ecke, wenngleich ich eher glaube, dass es ein Iraner ist, more sophisticated anyway. Jedenfalls muss ich jetzt nicht immer gleich ein Pfund Irgendetwas kaufen, sondern nach Bedarf eins, zwei, drei, die Auswahl ist größer, alles ist frisch und sogar Succuc gibt es. Roxel entwickelt sich. Allerdings gab es vor dreißig Jahren schon einmal so ein kleines, feines Gemüsegeschäft, das aber im harten Existenzkampf untergegangen ist.

Und sonst? Die Erkältung ist so gut wie besiegt, der Frühling schreitet voran, das Geld ist knapp.

12:47

ich kann heut alles, jederzeit,
und bin im falle eines falles gern bereit,
ich weiß nicht, wie es kommt, dass es so ist,
ich weiß nur, dass es prima ist,
ich weiß, dass es mit einem fingerschnipp vorbei sein kann,
und ahne, dass ich dann von vorn anfang,
ich habe keinerlei gewissheit,
preise stattdessen einen honigblonden schatz,
ertrag des lebens stoische gemeinheit,
und räume meiner trauer einen platz,
ich warte auf erlösung und im traum hab ich es oft ersehnt,
sowas passiert, wenn man sich aus dem fenster lehnt.

14:33

für chris

auf dem balkon treibt eine birke,
ein flickenherz hängt überm stuhl,
ich sitze, lächle und bewirke
dass ich mich nicht im dunklen suhl,
auch deine blumen sind noch da,
du weißt schon, alle, die dich kränzen,
du bist bei mir, bleibst wunderbar,
verdanke dir ein leben ohne grenzen.


Mi 4.04.12 14:34

Davon kann man als kleiner Dichter nur träumen. Ein Gedicht erscheint zeitgleich in New York, Rom und München. Kaum ist es gedruckt, wird es Wort für Wort abgeklopft. Vorne weg Hendrik M. Broder, der uns Absatz für Absatz erklärt, was drin steht in diesem moralinsaueren Gedicht, das keine poetische Kraft ausstrahlt, es sei denn, man hält das, was gesagt werden muss, a priori für Poesie.

Ich halte es für einen altersaufgeblasenen, eitlen, mir nichts Neues verkündenden Text von einem Nobelpreisträger, der Angst davor hat, dass man ihn für einen Antisemiten hält. Ich habe dieses Problem schon lange nicht mehr. Ich weiß ja, was ich bin und was ich nicht bin, insofern sind die in diesem Text vertretenen Positionen für mich Schnee von Gestern.

Israel ist ein Staat mit nicht haltbarer Gründungsidee, seine Siedlungspolitik ist menschenverachtend und unverschämt, und die ständigen Verweise auf das Schicksal des Volkes Israel empfinde ich als Erpressung. Falls der Staat Israel auf Dauer überleben will, muss er sich mit denen einigen, die das Land schon immer bewohnt haben: Muslime, Juden und Christen. Bisher tut es das nicht. Bisher betreibt es grausamste Vertreibungs- und Siedlungspolitik. Ich weiß nicht, wie das Problem zu lösen ist. Aber ich weiß, dass es so, wie es ist, zu nichts Gutem führt, insofern hat der Nobelpreisträger natürlich recht.



Do 5.04.12 9:52

Herr M. bereitet sich auf das Treffen mit The Real Fullmooners vor. Dazu benötigt er Kondition, inneren Frieden, ein Schlagzeug und einen gut gefüllten Magen. Es wird Musik gemacht, es werden Drogen konsumiert, legale wie illegale Substanzen, und die teilnehmenden Männer freuen sich schon seit Wochen wie die Kinder. Diese Treffen, die etwa alle drei, vier Monate stattfinden, nachmittags beginnen und bis zum nächsten Morgen dauern, werden jedes Mal zeitnah zum nächsten Vollmond terminiert (6.04.12 21:18). Man erhofft sich davon Inspiration, schließlich bewegt so ein Vollmond die Meere, warum also nicht auch vier ins Alter fortschreitende Männer. Die Musik wird sehr laut sein, man wird wenig Schlaf bekommen, aber der Probenraum ist weit entfernt von bewohnten Gebieten, man wird niemanden stören. Es kribbelt schon. Man möchte sofort losfahren. Vorher aber muss man sein Schlagzeug abbauen, verpacken, zum Auto tragen, einladen, das ist ein bisschen anstrengend, das hätte man gern bequemer. Aber man kann nicht alles haben. Man heißt neuerdings liebster Herr M., das muss reichen.


Fr 6.04.12 16:02

So ein Herrenabend macht matt. Er dient der kollektiven Entgrenzung, und die zu erreichen ist anstrengend. Die Herren haben Rock 'n Roll auf ihre Fahnen geschrieben, Überlebende der noch immer funktionierenden Illusion von einem anderen Leben. Ihr Musizieren gleicht Zusammenkünften von Sufis. Man versucht, Gott zu begegnen, der sich, im Fall der Real Fullmooners in Tönen offenbart. Die sind improvisiert, wie der Abend, improvisiert ist und nur ein Ziel kennt: vier Männer aus vier Welten die Einsamkeit überwinden zu lassen, miteinander zu teilen.

Ihre letzte Zusammenkunft war enttäuschend gewesen. Die Männer, die solche Abende nie ohne die Illusionsverstärker Alkohol und Haschisch in Angriff nehmen, waren schon vorm ersten Ton berauscht. So etwas führt zu nichts, das hatten sie gewussst, aber nun - es war eben so gekommen.

Diesmal sollte das anders werden, und es wurde anders. Von 18 Uhr bis fast 24 Uhr spielten sie ein Set nach dem anderen und hatten mehrfach Kontak mit Gott. Alle strahlten. Nur dem Schlagzeuger und dem Pianist war klar, dass auch er Illusion ist, aber das verrieten sie nicht. Sollten die anderen doch selbst drauf kommen.

Gegen Mitternacht erhält der Schlagzeuger eine Nachricht. Hauen Sie auf das Schlagzeug oder über die Stränge, wünscht man ihm. Der Schlagzeuger und die anderen machten sich gerade auf den Weg zum Wald und zum weiten Feld. Sind unterwegs zum Wettwichsen, anwortete der Schlagzeuger. Da gewinnst du bestimmt! kam es postwendend zurück. Am Wald tranken die Männer Fläschen Magenbitter und wankten schon sehr. Bei der Musik, die sie danach noch zustande brachten, war Gott schon zu Bett gegangen.

Einmal schaute der Schlagzeuger auf. Der Gitarrist, der zu viel trinkt, während der Schlagzeuger nie zu viel trinkt und höchstens wegen eines Joints kurze Verschnaufpausen benötig, der Gitarrist also schrie seine Gitarre wund wie immer, wenn er spielt, denn es ist ihm nicht beizubringen, dass man sich dann und wann zurücknehmen muss. Schlagzeuger, Pianist und Bassist zeigten schon Zeichen von Unlust.

Der Gitarrist beugte sich vornüber, vielleicht, weil er dort Töne vermutete, verlor das Gleichgewicht und verschwand sehr langsam seitwärts zwischen Verstärker und seiner in einem Ständer stehenden zweiten Gitarre. Die Wand verhinderte, dass er ganz umfiel. Halbschräg, hilflos lehnte er eine halbe Minute. Der Schlagzeuger vermutete, dass sein Kreislauf eingeknickt sei, aber der Gitarrist spielte. Er kämpfte mit seinem Gleichgewicht, das offenbar nirgendwo zu finden war, er spielte und mühte sich, bis er stand und über die Vertikale schwankte wie ein sehr hohes Gebäude, dass an der Spitze kreist, und traf tatsächlich noch einmal auf Gott, wenn auch nur kurz. Die anderen profitierten kein bisschen davon.

Das letzte Set hatte der Schlagzeuger geschwänzt. Er hatte auf dem Sofa gelegen, froh, nichts mehr spielen zu müssen, sollten die anderen spielen, er lag gut wie er lag, allerdings war er nicht sicher, ob die anderen nicht vielleicht doch auf ihn warteten. Ob er denn schon müde sei, fragten sie, als sie fertig waren, es ging auf halb zwei. Er sagte, er könne sich eine finale Entgrenzung durchaus noch vorstellen, worauf die anderen nickten und meinten, das könne man bestimmt noch versuchen, aber dann griff doch die Müdigkeit um sich und alle legten sich schlafen.


Sa 7.04.12 11:50

Man weiß ja nicht, wer im Hintergrund sozialer Netzwerke herumpfuscht, Daumen hebt oder senkt, die Gedankenpolizei oder sonstige Arschlöcher, darum fand ich es doppelt interessant, als ich heute feststellte, dass mein Posting zum Grass Gedicht gelöscht worden war.

Schönes Erlebnis gestern auf dem Heimweg. Ich stand auf der Linksabbiegerspur vor einer roten Ampel. Auf der Geradeausspur auf gleicher Höhe ein blauer, uralter Opel-Astra-Kombi, darin vier dunkelhaarige Männer. Mit einem Blick Roma. Unsere Blicke treffen sich, ich nicke, man lacht herüber und macht Zeichen. Das Fenster runterdrehen, signalisiert man. Das tue ich. Von nebenan ruft es: Ich auch Musik. Schlagzeug. Aaaah, jetzt begreife ich. Kollegen also. Ich rufe, dass wir die ganze Nacht Musik gemacht hätten und ich auf dem Heimweg sei. Große Freude im blauen Astra. Daumen werden gereckt. Was für Schlagzeug? ruft es. Tama, sage ich. Tama gut! kommt zurück. Und Sonor Snare! kann ich noch rufen, dann schalten die Ampeln um, wir grüßen und fahren fort.


So.8.04.12 19:55

Der Sonntag geht zuende,
Herr M. gähnt und klappt zu,
schaut stille an die Wände,
und geht doch nicht zur Ruh.


Mo 9.04.12 11:12

Ich hatte Ostereinkäufe in drei Supermärkten geplant, von denen ich annahm, Qualität jeweils zu Preisen zu erhalten, die meinem Budget entsprächen, ich hatte eine Liste, aber bei den exotischen Früchten im ersten Supermark gleich hinterm Eingang links begann ich, meinen Plan umzuschreiben, an der Fleisch- und Wursttheke gab ich jede Zurückhaltung auf, schlug noch bei Käse und Weinen zu, so dass ich nur noch zum Bäcker musste. Jetzt wäre der Tisch zu decken, aber das überließ ich Max, der tut so etwas gern und macht es mit Liebe.

Zu viel, dachte ich, als ich die Einkäufe im Kühlschrank verstaute, wieder zu viel eingekauft, liebster Herr M., aber immerhin, die Fleischfachverkäuferin und ich waren uns einig, dass man besser zu viel als zu wenig im Hause hat.

Als die Gäste kamen, zeigte sich, dass zwar reichlich da war, aber so viel zu viel war es nun auch wieder nicht, wir saßen, wir frühstückten, wir feierten unser kleines Ostern, tranken Sekt und rauchten auf dem Balkon, wir machten einen Osterspaziergang, nicht zu weit, nicht zu lang, ich fuhr eine Probefahrt auf Jans neuer Bakfiets, dem Urban Arrow, ein Elektrorad, das wie ein Zäpfchen davon schießt, wenn man an der richtigen Stelle um Unterstützung nachsucht, dann waren alle fort. Ich überschaute die Reste, dachte, nachher, legte mich aufs Sofa und verbrachte eine Stunde mit The Real Fullmooners. Neueste Ergebnisse unserer Session waren im Netz, und die Annahme, dass diese zehnte Session seit September 2008 unsere bisher beste war, bestätigte sich.

Gegen 17 Uhr erledigte ich das Aufräumen, Spülen, Staubsaugen. Dann war klar Schiff und ich vertrödelte den Rest des Tages. Teilte das Kopfkissen auf dem Sofa mit meiner Katze und ließ mir die Ohren voll schnurren. Leider hat sie manchmal einen etwas schlechten Atem, aber wenn sie mir eine ihrer Vorderpfoten auf den Kopf legt und diese ganz hohen Töne surrt, ist mir das egal.

14:18

Gegen zehn wurde mir klar, dass ich nur eine italienische Espressokanne habe, um Kaffee zu kochen. Bei 10 Gästen würde ich mich blöd kochen. Ich dachte, eine Bodrum Kanne wäre die Lösung, aber hatte ich eine? Ich hatte eine gehabt, das war sicher, aber war die nicht zerbrochen? - Nein, das waren die Teegläser. Ich ging in den Keller. Die Bodrum Kanne wartete schon. Zehn Minuten später kamen die ersten Gäste.

16:25



Der Morgen war nicht so wie heute,
es regnete, doch überall war Glück,
wir ahnten nicht, was es bedeute'
wir sah'n nur dich, du kleines Stück.

Ein Kopf, der uns bekannt vorkam,
zwei Arme, Beine, alles dran,
für uns, vor Glück den Kopf im All,
begann das Leben Knall auf Fall.

Alles war neu, nichts, wie wir's kannten,
und jeder Atemzug war ein Geschenk,
und wenn wir nachts nach etwas rannten,
wurd' Müdigkeit mit Liebe eingerenkt .

Das Altern ging jetzt plötzlich schneller,
und als dein erstes Wort fiel, war's ein Fest,
und wenn es dunkel wurde, wurd' es heller,
wir war'n vor Ort, in unserem Nest.

Da bin ich immer noch, allein,
ich hocke drauf und staune,
mach Frieden, wische allen Schein
davon und bleib bei Laune.


Di 10.4.12 20:05

Als jemand
anno 1789 in Paris
das Mundorgeln erfand,
war jedem, der's probierte, klar,
es raubt dir den Verstand.

Es raubt dir Haus und Hof und Garten,
zerrüttet auch die Aristokratie,
nichtsdestotrotz, man konnt' es kaum erwarten,
man orgelte sogar im Zirkus Knie.

Es orgelte der Eskimo,
obwohl's ihm furchtbar kalt kam,
man orgelte auch anderswo,
wo's manchem schnell den Rest nahm.

Es war so kurz nach World War Tu,
als man das Mundorgeln verbot,
das Volk war ausgezehrt, es brauchte Ruh,
da tat Enthaltung not.

Als man im Jahr 2012
das Mundorgeln wieder gestattet,
hatten die meisten diese Kunst verlernt
und sich stattdessen immer nur beschattet.

Doch gab's im Horst und anderen Nischen,
Adepten, die das Mundorgeln verehrten,
sie mussten nachher meistens wischen,
eh sie den nächsten Gang verzehrten.


Do 12.04.12 12:47

Ich habe sehnlichst darauf gewartet. Dann zeigte sich an diesen Büschen, die gern um Kindergärten herum wachsen, erstes zartes Grün, die Vögel wurden aufdringlicher, dieses passierte und jenes, der Mai ist noch nicht gekommen, aber die Bäume haben längst ausgeschlagen.

Ich recke und strecke mich, ich gähne, denn gestern war ich Tanzen und am Nachmittag habe ich in einem Schrebergarten ein Beet umgegraben, nichts Großes, eine Fläche von vier mal vier Metern vielleicht, dennoch war ich anschließend müde wie ein Hund. Aber da ringsum Vögel sangen und die Blüten Pracht verbreiteten und ich mich in bester Gesellschaft befand, war das sehr schön. Zudem habe ich Akelei und Schachbrettblume kennengelkernt. Die Schachbrettblume blühte.

Akelei



Schachbrettblume



Heute nachmittag werde ich den Rest des Beetes umgraben. Und dann, Schritt für Schritt, wird es wieder konkret auf dem Schreibertisch. Ich schiebe schon eine ganze Weile Ideen hierhin und dorthin, vorher aber muss noch gefeiert werden, morgen Salsa in Osnabrück, Samstag Party bei Lisa, nächstes Wochenende Salsa Festival im Uferlos und Party bei Laura. Himmel, wie soll das alles gehen bei meinem schmalen Gehalt? Egal, das Leben ist schön.


Sa 14.4.12 16:36

Mein Sofa reicht an einem Tag wie heut
von hier bis tief nach Feuerland,
wo ich mit dir das ABC erfand,
nicht einen Tag hat's mich gereut.

Ich strecke mich bis Tuvalu,
und hebe, was ich leben kann,
ich nehme deine Namen an,
und bleibe was ich bin, dein Mann.


Mo 16.4.12 11:34

Gestern Bandprobe. Spielte auf einem silbrig glitzernd, changierenden Gretch Schlagzeug mit 26er Bassdrum. 26 Zoll, fast 70 Zentimeter Durchmesser also, das bummst. Ganz hervorragend bummst das, da möchte man gar nicht aufhören. Wir probten, denn am kommenden Samstag werden wir auf dem Geburtstagsfest eines Landtagskandidaten spielen, ein netter Mensch. Wir fragen uns allerdings, warum er uns nun schon zum zweiten Mal engagiert. Wir sind ja nicht gut, wir spielen zwar ungewöhnliche Lieder, aber gut sind wir nicht, wenngleich schlecht auch nicht zutrifft. Vielleicht haben er und seine Gäste beim letzten Mal geglaubt haben, sie hörten da etwas Außergewöhnliches?

Wie gesagt, wir wissen es nicht, aber wir sind engagiert, und da wir vor allem eines sind, faul, haben wir beschlossen, den Gig wie immer anzugehen, mit höchstem Risiko und minimaler Vorbereitung. Wir freuen uns schon, denn das Buffett wird umfangreich sein, die Gäste werden Rang und Namen haben, vielleicht ist auch der Diözesanadministrator wieder dabei, der jetzt Bischof ist.


Di 17.04.12 10:49

Manchmal komme ich mir vor wie ein Händler, der in seinem Geschäft auf Kunden wartet. Wenn die Tür aufgeht, schaue ich auf und mustere ihn. Grüße. Höre mir an, was er wünscht und mache ihm ein Angebot. Wenn es dann um den Preis meiner Arbeit geht, wird es kompliziert. Am Liebsten hätte man alles umsonst. Oder möglichst billig. Die Qualität meiner Arbeit wird dabei kaum nachgefragt. Das ist dumm, finde ich.

Gerade aber rief einer an und hat mich für vier Lesungen gebucht. Immerhin. Die meisten anderen aber, denen ich Mails schicke und Gedichte, damit sie anbeißen, halten sich bedeckt, denn die Krise hat mittlerweile fast jede Gemeinde im Griff, alle hocken auf Schulden, haben nicht den leisesten Schimmer, wie sie ihre Haushalte sanieren könnten und verzichtet lieber darauf, einen Schriftsteller zu einer Lesung zu engagieren. Wenn Löcher in den Straßen sind und die sozialen Dienste nicht mehr funktionieren, trifft es zuerst den Bildungssektor und die Kultur. Das ist noch dümmer. Dumm und kurzsichtig. Aber ich kann es nicht ändern und bin dennoch guter Laune.


Mi 18.04.12 14:53

Großer Schreck, als ich meinen Rechner hochfahren wollte. Nichts geschah, auch nicht nach mehrfachem Aus- und wieder Anstellen, bis ich auf die Idee kam, das System im abgesicherten Modus zu starten, was mir als Laie auch nicht viel sagt, aber zumindest vertrauenswürdig klingt: abgesicherter Modus, mal sehen also. Im abgesicherten Modus fragte mich der Rechner Dinge, die ich nicht verstand, ich klickte wahlweise hier und dort, dann auf Escape, und siehe, das System fuhr hoch. Nun macht es wieder einen stabilen Eindruck. Womöglich hatte es sich verschluckt, wenngleich das eine Metapher ist, die eher auf uns und unsere komplizierte Physis anwendbar wäre, aber ich übernehme sie einfach, mein Rechner hatte sich verschluckt, basta, nun hat er keinen Kloß mehr im Hals, ich habe ihm gleich danach eine Defragmentierung gegönnt, und hoffe, dass er mir noch viele Jahre treu ist.


Do 19.04.12 10:26

Ich strecke mich, aber es hilft kaum. Ich müsste noch ein paar Stunden schlafen, dann ruhen und wieder zu Bett gehen, ich müsste frühstücken, an den Strand gehen, ein paar Stunden durch Wald laufen, einen Happen essen und wieder schlafen, mich auf die Terasse setzen und Es Vedra beobachten, der, manchmal von Wolken umflort, aufragt, dann liefe ich über die Engelsman Duin zum Bornriff und von dort Kilometer, wäre am Abend in Berlin oder in Venedig, die Honigblonde wäre auch da, unser Geld würde für kleine Sprünge reichen, wir täten aber trotzdem den großen Satz, wären schweißgebadet und hätten noch eine Stunde, eine Stunde noch, riefe jemand in den Raum, also machen Sie etwas draus, und wir machten was draus, wir dehnten jede Sekunde und hätten am Ende sowohl gewonnen als auch verloren. Ja, so müsste das sein heute, an einem Tag, an dem kaum Worte zu finden sein werden, die Bettwäsche wäre gebügelt und sonneblumenfarben, von der Baustelle dränge Radau herein.

13:46

Der liebste Herr M. hatte sich zur Mittagsruhe gelegt, die Decke zurechtgezupft und gedacht, gut, wieder ein Tag, der verstreicht, ein Tag, an dem man nutzlos versucht, wie seine Katze zu werden oder wie das Rotkehlchen auf der Fensterbank vor der Küche, wieder so ein Tag, hatte er gedacht, wohl wissend, dass deren Zustand für Homo Sapiens unerreichbar bleibt, als er plötzlich aufschaute und die Fenster sah, die nach Frühjahrsputz riefen.

Da war er schon auf den Beinen, holte Glasreiniger, Lappen und alte Zeitungen, räumte die Fensterbänke und dann ging es Schlag auf Schlag: Wohnzimmerfenster, Balkontür, Küchenfenster. Fertig. Nun würde die Mittagsruhe doppelt schön, dachte er, vielleicht sogar ein wenig paradiesisch, denn nun hatte er ja etwas Vorzeigbares getan, während die Arbeit des Schriftstellers kaum Vorzeigbares zutage brachte, es sei denn, da wäre gerade wieder einmal ein Roman erschienen, aber sein letzter liegt ein Jahr zurück und die neuen Arbeiten harren nach wie vor in Lektoraten auf das, was kommen mag. Nichts Vorzeigbares also, dachte Herr M., bis auf die geputzten Fenster und Text über nichts und wieder nichts in Hülle und Fülle, aber wen interessiert das schon, dachte er weiter, da kann man besser den Fangschuss setzen oder Einkaufen gehen, damit zur verabredeten Tageszeit etwas auf den Tisch kommt. Später dann wird er aufbrechen, um eine Bärlauchsuppe zu sich zu nehmen, den Bärlauch hatte er selber gepflückt, er kennt da Stellen im Häger Buchenwald.

14:26

Als er schließlich doch noch aufs Sofa kam, erinnerte er sich daran, dass die Revolution nach wie vor auf sich warten ließ. Er stand wieder auf und bereitete alles vor. Es würde die erste Revolution, die ohne Opfer auskäme. Allerdings hielten das viele für unmöglich, alle übrigen auch, und so beschloss Herr M., dass die Revolution warten könne, schließlich hatte er nur noch zwei Jahre bis zur Pension, danach würde er unter dem Schutz der Seniorenvereinigung "Gib Ruh" unauffällig Weichen stellen und Fäden ziehen, und dann sah er sich schon, wie er mit den Grauen Panthern, die ja irgendwie verschwunden waren über die Jahre, plötzlich umwerfende Erfolge feierte im Hinblick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse, die übrigens, das stand heute früh in der Zeitung, trotz Krise doch gar nicht so schlecht wären, das stand da, tatsächlich, aber seit Herr M. eine alte Dame kennt, die trotz rüstigen Gesamtzustandes in die Demenz abwandert, ist er sich sicher, dass die deutschen Zeitungsredaktionen von dementen Redakteuren übervoll sein müssen, denn noch vor wenigen Tagen hat er das Gegenteil gelesen, und vor wenigen Wochen das Gegenteil vom Gegenteil und so weiter, und so ruft er vorsorglich "Gib Ruh" an und vereinbart ein konspiratives Treffen bezüglich schnellen Handelns noch in diesem Jahrtausend.


Fr 20.04.12 9:43

Noch einen Tag oder zwei, dann ist es so weit, dann öffnen sich die Blüten der japanischen Kirsche vorm Küchenfenster. Um die Ecke blüht schon eine, aber die hat einen Standortvorteil, die Morgensonne. Morgen also oder übermorgen,wie jedes Jahr zwischen dem 20. und dem 25. April, wird der Blick aus dem Küchenfenster zur Raserei, da leuchtet es rosa, da will ich gar nichts anderes mehr sehen. Ein paar Tage bleibt das, dann löst sich alles in Blütenblätter auf, die Bürgersteige sind voll davon, es hat geschneit, denkt man, dann beginnt der Mai.

Jetzt aber warten nicht weit vorm Küchenfenster zehn, fünfzehn Menschen an der Bushaltestelle. Sie sind Mitte Dreißig. Einer hat einen Alu-Rollkoffer, in dem ein IPod steckt. So etwas hatte ich vorher noch nie gesehen. Der IPod speist den Alu-Rollkoffer mit billigstem deutschen Schlager. Die Umstehenden gehen wohl auf eine Reise, vielleicht reisen sie nach Mallorca, denn dort, hört man, sei so ein Alurollkoffer mit IPod ganz normal, die Insel sei sozusagen ein einziger Rollkoffer, um den deutsche Staatsbürger stehen, um mitgebrachte Getränke zu trinken. Gute Reise, denke ich noch, als der Bus hält. Der Fahrer ist Afrikaner, der Alukofferbesitzer regelt die Lautstärke herunter, die Türen zischen zu, der Bus fährt weiter.

Gestern nacht war ich mit dem Rad unterwegs. Rechts von mir die Venus als strahlende Heldin, hinter mir die Stadt und die langen Lichtfinger herannahender Autos, die über Felder irrlichtern, sie mustern, bis sie schließlich auch mich angreifen. Dann sind die Autos vorbei, die nächsten aber sind längst unterwegs, schicken mich als Schatten voran, den ich, so scheint es zumindest, nicht einholen kann. Wenn die Autos aber näherkommen, mich einholen und überholen, bewegt mein Schatten sich rückwärts, büßt seinen Vorsprung ein, hat einen Augenblick gleiche Höhe und fällt zurück. Ein Bus kommt mir entgegen. Betriebsfahrt leuchtet auf der Anzeige. Ich freue mich auf mein Bett. Ich freue mich über das Leben. Alles ist gut im Augenblick, alles ist unglaublich gut, man sollte gar nicht weiter darüber reden.


Sa 21.04.12 13:23

Die Kirschblüte verregnet. Das gefällt mir nicht.


So 22.04.12 12:36

Man könnte sagen, es war eine bezahlte Probe. Man könnte sagen, es war ein Konzert. Oder man sagt, es war das Beste, was Albert Early Bird & The Working Worms seit ihrem legendären Auftritt auf dem Knetzgau Festival im Sommer 2011 gespielt haben.

Sie haben so leise gespielt, das nicht einmal die Panacotta auf den Tellern zitterte.

So leise haben sie gespielt, dass der große Steinway seine Freude hatte und das Fender Rhodes kaum zum Einsatz kam. So leise, dass man hätte denken können, die Luft vibriere und sich umschaut, ohne recht sagen zu können, woher dieses Vibrieren kommt. Es kommt (natürlich) von Albert Early Bird, eine erotisierende Mischung aus Tönen und Pausen, Lieder, die der ein oder andere erkannt haben mag, andere, die selbst die Musiker erst während der Aufführung erkannten.

Die Zuhörer, darunter der Bundestagspräsident mit seiner hübschen jungen Freundin, der ehemalige NRW-Minister für Arbeit und Soziales, ein Regierungspräsident, Bundestagsabgeordnete, Professoren (hastenichgesehn), Prälaten, Männer in schwarzen Anzügen und weißen Stehkrägen, wussten nie genau, spielt Albert Early Bird oder ist dieses ionisierende Geräusch vielleicht doch nur in ihrem Kopf.

Ein fröhliches Fest von großzügigen Gastgebern für Gäste, die ihnen offenbar freundschaftlich verbunden waren, für all die also hat Albert Early Bird & The Working Worms musiziert, bis sich Bier trinkende Männer um den Zapfhahn zu scharen begannen, sich Albert Early Bird vorsichtig bis auf Armlänge näherten und verschwörerische Zeichen machten, die wohl bedeuten sollten, wie begeistert man wäre.

Zu dieser Zeit waren die illustren Gäste schon fort, eine Frau Mitte Fünzig stand in der Nähe der Männerrunde und tanzte versunken von einem Bein auf das andere, immer darauf achtend, nicht aus dem Rahmen zu fallen. Sie wäre gern herum gesprungen, aber das tut man in diesen Kreisen nicht, eigentlich wird kaum je irgendwo ausgelassen getanzt, es sei denn, alle sind alkoholisiert. Nur die Salseros tanzen ohne einen Tropfen Alkohol nächtelang.

Aber das ist eine andere Geschichte. Diese neigt sich dem Ende zu. Wir spielen Little Wings und Echoes, zum ersten Male an diesem Abend haut Albert Early Bird rein, aber nur kurz, er will die Illusion der dezenten Töne nicht noch im Nachhinein verwirren.

Dann gibt es Geld. Lohn, könnte man sagen. Hundertfünfzig pro Mann, das freut. Der nächste runde Geburtstag der Gastgeberin ist in sechs Jahren. Dazu sind wir schon eingeladen. Ich bin dann fast siebzig, man darf also gespannt sein.

PS.

Juni 2011. Knetzgau. Albert Early Bird in Aktion




Mo 23.04.12 10:34

es muss an einem kühlen montag doch
ein vers aus nichts zu schmieden sein,
versatzstücke, die sonst allein,
sich paaren unter meinem joch.

es sollte doch, trotz hagelschlag,
ein hauch von frühling möglich werden,
ein lied, das uns'rer existenz auf erden,
ein wenig glanz verleiht für diesen tag.

sei nett, ruft es, schreib ein sonett
nichts leichter, sieh, da kommt es schon,
steigt majestätisch auf den thron.

grüßt alle, die das leben schätzen,
schenkt wein aus und gibt allen frei,
damit das leben eine freude sei.


Di 24.04.12 10:01



die brandung - eine schnelle straße,
die frühlingsnacht aus blauem fleece,
ein ice im hintergrund und glück in einem maße
ein whisky, wein, und ich genieß.

ein strandkorb, gleich bei der fabrik,
der abendhimmel: eine lichtgirlande,
sie honigblond und jederzeit imstande,
dass ich in ruhe in die zukunft blick.

ganz leicht kommt alles auf's tapet,
auch schweigen, schmerz, natürlich lachen,
die graue stadt liegt heute an der see,
unmöglich, etwas falsch zu machen.

komm, trinke, rauche,
ich küss dir tropfen von der nase,
komm, schau mich an, ich liebe jetzt zwei frauen,
ihr, die der krebs nahm, stell ich rosen in die vase,
und dir schenk ich vertrauen.


Do 26.04.12 11:12

Als M. und ich gestern vorm Marktcafé saßen, tauchte eine der gefährlichsten Klatschbasen der Westfalenmetropole auf. Ich vermied Blickkontakt, bemerkte aber, dass sie uns musterte. M. und ich verabredeten, ihr Stoff für ihre Erzählungen zu geben und verließen den Ort Arm in Arm, ohne sie eines Blickes zu würdigen. Nun ist es durch, sagte M., und ich sagte, ja, nun ist es durch.

Fuhr auf dem Heimweg durch einen Buchenwald. Es gibt kaum Schöneres um diese Jahreszeit. Das Buchenblatt öffnet sich wie ein Fächer, das Grün ist zart, Licht flirrt, und eigentlich will man, dass alles so bleibt.


Fr 27.04.12 12:25

Das erste Vierteljahr ist fast vorüber, auf dem Tisch liegen drei Stapel CDs, die mich durch die dunkle Jahreszeit begleitet haben, aber alle zu besprechen führte zu weit. Ich beginne mit James Blake. Ich hatte ihn im Radio gehört und gedacht, Himmel, wer ist das? Dann hat es drei Monate gedauert, eh mir klar wurde, wer das ist, seitdem höre ich diese CD, die alle Tugenden wahrt, die ich mag, die sich zurück hält, die vor prescht, die laut und leise ist und sehr melodiös.

Dem, der es rau mag, empfehle ich Bob Dylan, Tell Tale Signs, zwei CDs mit unveröffentlichten Aufnahmen aus den Jahren 1989-2006. Musik von Männern, die niemandem etwas beweisen müssen.

Pendikel, eine Band aus Osnabrück, für die ich mich schon vor Jahren begeisterte, haben im letzten Jahr eine CD auf den Markt gebracht, die mich sehr enttäuschte. Seit vier Wochen jedoch läuft sie bei mir in Heavy Rotation. Manchmal benötigt Musik eine Weile, eh sie durchdringt. Sehr gute Musik, etwas verrutschter Titel "Pendikelland".

Suffjan Stevens "The Age of Adz" ist so komplex, dass nur Hören und Wiederhören hilft. Ich habe ihn zudem im letzten Jahr in Essen life gesehen. Ein äußerst sperriger, eigenwilliger Musiker, ein Genuß auch in stereophoner Hinsicht, falls ich Sterne vergebe, sind es fünf für ihn. Fünf von Fünf.

Medeski Martin and Wood: immer wieder.
Iron an Whine "The Shepherd's Dog", sehr entspannt.
Regina Spektor "Soviet Kitsch" Ich liebe sie.
Trixie Whitley "Black Dub". Wuchtig.
Stephen Duffy "Runout Groove". Robbie Williams Songschreiber. Besser als Robbie.
Rainer Von Viele "Live den Lebenden". Gutes Video auf Youtube, schlechte Platte. Fehlkauf.

So. Das reicht.


Mo 30.04.12 9:56

Stratocumulus mit leichter Drift von Südost nach Nordwest, was kein schlechtes Zeichen ist, sie bringt die Geräusche der Autobahn und ruhiges Wetter. Heute könnte ich mein Auto zum TÜV fahren, mein Fahrrad reparieren, ich könnte Katarina Rotzepruster wieder aufnehmen, eine Geschichte, die in ihrem Ursprung sicher zehn Jahre zurück liegt, wahrscheinlich länger. Damals war sie ein Ohrenbär, also eine Radiogeschichte für Kinder, vom SFB produziert und von vier ARD Anstalten gesendet, danach lag sie einfach nur herum, und irgendwann hatte ich begonnen, einen Roman daraus zu bauen, war aber an entscheidender Stelle hängen geblieben, vielleicht auch nur von Faulheit übermannt oder Wichtigerem gedrängt. Jedenfalls habe ich den Text lange nicht angeschaut. Nun liegt er schon wieder seit zwei oder drei Wochen neben meinem Rechner, und das Problem, das ich mit ihm habe, ist noch immer das Gleiche.

Gestern aber, als ich auf dem Rad saß, fiel mir das Gespräch ein, das ich mit M. geführt hatte, die davon sprach, dass sie sich manchmal wünscht, bestimmte Tage einfach ausschneiden zu können, so dass sie nicht stattfinden. Ich fuhr durch die Alvingheide, ich fotografierte, und dachte, wenn ich diese Idee mit meiner Geschichte zusammen brächte, könnte ich sie fort führen.

Jetzt, wo die Sonne durchbricht, bin ich ganz sicher. Zunächst aber wird das Fahrrad geflickt.

12:21

Das Auto ist beim TÜV und ich hoffe inständig, dass es nicht gleich wieder in die Hunderte geht. Das Fahrrad ist geflickt, angenehme 19 Grad machen den Balkon attraktiv, mal schaun, wie es weiter geht.

16:25

Der Flieder blüht,
und morgen werden's neununddreißig Jahre
seit sie und ich beschlossen,
dass wir uns zusammen tun,
für immer, hatten wir gedacht,
und bald werden's drei Jahre,
seit sie starb.

Ich kann sie sehen,
sprechen, kann sie fühlen,
ich kann ihr alles sagen, nach wie vor,
ich sitze zwischen allen Stühlen,
und bin so klug, als wie zuvor.


16:35

Es geht in Hunderte.






























 

 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

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