August 2011                                        www.hermann-mensing.de          

mensing literatur
 

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zum letzten eintrag


Mo 1.08.11 10:23



ich zieh den kopf ein
doch das grau zieht nach
erheb mich mutig
doch das herz liegt brach
ich hätte fragen
doch die antwort kneift
ich will es wagen
doch es ist nicht ausgereift
ich klage nicht
und gehe kompromisse ein
erleb was sommer heißt
in decken und bei einem wein
ich hätte nächte zu verschenken
und ein herz
stattdessen muss ich an verluste denken
und den schmerz
ich staple freunde und die zeit zieht
erbitte sonne und ein wunsch kniet
ich hatte einen schatz und der ist fort
ich geh zurück an meinen platz
und weiß dass dort
sich alles jederzeit ereignen kann
und fang von vorne an.



mann in decken. von h.p.berkman


Di 2.08.11 9:28

Posthure stand auf einem roten VW-Bulli, der vorhin vorüber fuhr. Ich saß beim Kaffee. Eh ich den Blick schärfen konnte, war der Wagen längst fort.

14:28

Zwei junge Männer gehen vorbei und werfen ihren Müll über die Hecke in Georgs Garten. Ich springe auf. Ich brülle etwas hinüber. Irgendetwas Verletzendes. Sie brüllen zurück. Ich brülle, sie brüllen. Sie gehen weiter. Ich stürze aus dem Haus, stehe auf der Straße und fordere sie zum Kampf. Sie sind 50 Meter weg. Ich mache Tamtam, sie auch. Einer von ihnen nimmt einen faustgroßen Stein. Ich traue ihnen das zu, und verfolge die Sache nicht weiter. Ich würde schießen jetzt. Und nachher könnte ich nicht sagen, wieso.


Mi 3.08.11 10:26

Man hätte,
als die toastbrotdicke Katze
zum ersten Mal
vor dem Balkon auftauchte,
NEIN
gesagt,
und nicht gewagt,
sie doch herein zu bitten,
dann hätte man allein gelebt
und sich an ihrer Schönheit nie
geschnitten.

Doch da man JA rief,
ja, du fettes Ding, komm her,
hat man es jetzt
doppelt so schwer,
sie abends nur ein Stück
vom Fußende des Betts nach rechts zu schieben,
denn schließlich will man selber richtig liegen,
und nein zu sagen,
wenn sie wieder ihre Lieder singt,
mit denen sie den Mensch zum Essengeben zwingt,
und Acht zu geben, wenn sie kämpfen will,
und zuzuhören, wie sie schnurrt,
so still.

Seltsam ist auch,
dass noch kein fester Name für sie gilt.
Der eine nennt sie Puuss,
der andre Mopsi,
Anna war auch schon im Spiel,
doch da sie sowieso nicht hört,
macht das nicht viel.

Sie ist,
wie manche sich den Buddha wünschen,
sie muss nichts tun, und es genügt ihr, da zu sein.
Sie ist zuweilen unsichtbar, doch wir sind nie allein.


22:09



es fand sich niemand
der mich retten wollte
denn jeder hat genug mit sich
trotzdem gelang mir eine volte
ich rette mich nun ohne dich

ich sage gut wenn jemand fragt
ich lächle es fällt gar nicht auf
ich habe einmal dich gewagt
und keine lust auf einen neuen lauf


Fr 5.08.11 21:34

Wir machen Ferien, wir wissen nicht wohin, wir haben, was wir brauchen, aber keinen Sinn.


So 7.08.11 11:39

Vor einer halbe Stunde zeigte mein digitales Thermometer am Küchenfenster 16,5 Grad. Leichter Südwest geht, im Augenblick zeigt es 16,1 Grad, verglichen mit den mörderischen Temperaturen, denen sich der Mitteleuropäer gern in die Arme wirft, um an überfüllten Stränden zu vergessen, dass sein Aufenthalt nur temporärer Natur ist und er sich trotz aller Anstrengungen, den Alltag auszublenden, in eben diesem befindet, in dem alles Geld kostet, die Nächte nur mit Hilfe von tropfenden, laut summenden Klimaanlagen halbwegs erträglich sind, und er sich am Morgen inmitten fremder, ihm mehr oder weniger symphatischer Menschen um das Frühstücksbuffet drängt, ist es an meinem Küchentisch geradezu friedlich.

Bei 16,8 Grad, Sonne und fast klösterlicher Stille muss ich auf niemanden Rücksicht nehmen und darf tun und lassen, was ich will. Die Frage ist nur, was das sein könnte. Man nennt das die Qual der Wahl. Die einen verzweifeln daran, andere haben Hobbies, wieder andere beginnen sich mit ihren Frauen zu streiten oder mit ihren Männern, damit etwas passiert. Sie leben in zerrütteten Ehen, er unten, sie oben und fragen sich, wie lang das noch weitergeht, obwohl sie wissen, dass es längst aufgehört hat, und wie das überhaupt je hatte anfangen können.

Mein Thermometer zeigt 17,4 Grad. Ich habe gefrühstückt. In meinen Schubladen warten Romane auf Fertigstellung, in meinem Kopf drehen sich Räder und mahlen Worte, Kirchgänger kommen vorbei, ich könnte lesen, ich könnte aus dem Fenster schauen, ich könnte ein Gedicht vertonen, aber ich will nicht. Falls es je eine Sicherheit gab in meinen 62 Jahren, war es diese: ich wusste immer, was ich nicht will. Das ist immerhin etwas, sage ich mir, und träume mich an die Seite eines weiblichen Körpers, der in der Lage wäre, mich über die Zeit zu retten, die ich noch habe. 34 Jahre, falls ich so alt werde, wie meine Mutter, 25, falls ich meinem Vater folge. Und so wünsche ich mir und Ihnen einen schönen Sonntag. Da hinten zieht Regen auf.

14:18

Aktuelle 19,5 Grad.

18:27

20,5 Grad. Den Tag vertrödelt.


Mo 8.08.11 10:29

Erfrischende 12 Grad. Man errötet, wenn man Fremden erklärt, warum man den westfälischen Sommer liebt. Man fühlt mit für die Freunde im Zelt auf den Klippen beim Erzfeind, denkt an die langen Sommer der Kindheit, man hatte ein Gedicht auf den Lippen, war aber zu faul, es aufzuschreiben, man hat dieses und jenes getan ohne Aussicht auf Mehrwert, abends hat man getrommelt im Landsmann, ist heimgefahren, hat an der Vergangenheit geschnuppert, die umwerfend schön war, aber doch nur Vergangenheit ist, man hat den Tod vor Augen, wenn man vom Leben spricht, ein Wasserhahn tropft, manchmal hat man Visionen und stellt fest, dass sie schon lange vorher gesehen wurden, man hat diesen Tag und hatte alle Tage vorher, man wundert sich ein bisschen, dass man noch da ist und ob man nicht besser Ich sagen sollte, welches Ich, fragt man dann, und stellt fest, dass man gerüstet ist für den Tag, komme, was wolle.

12:45

Die Mittagshitze ist immer das Schlimmste. 11.8 Grad, zum Glück erfrischender Regen. Die Komplikationen des frühen Morgens, die Fragen nach dem Ich, dem Sinn, dem Wohin und Woher, nach dem Warum überhaupt, dieser Menschenmist, der immer alles genau wissen will, liegt hinter mir, ich habe mich in die kühle Küche zurückgezogen, habe die Straße im Blick und das Thermometer, kann also jederzeit reagieren, wenn es mit der Hitze zu schlimm werden sollte, ich habe Arbeit auf dem Rechner und sie geht gut von der Hand, ich bin froh, dass ich jetzt drinnen bin, denn Gluthitze ist nicht gut für den Menschen.


15:17

Sie geht langsam. So langsam geht niemand hier, niemand trägt derart bunt bedruckten Katoen, schon gar kein Tuch um den Kopf mit so einer lasziven Würde, auch niemand weit und breit, der so ein Gesäß hätte. Sie passiert den sichtbaren Raum vor meinem Küchenfenster, ist vielleicht vor einem Jahr vor Lampedusa aufgebracht worden, jetzt ist sie hier, spricht die Sprache nicht, ist schokoladenbraun, und jeder, der sie sieht, denkt, was macht sie bloß, woher kommt sie und wohin geht sie, wobei man bei der Langsamkeit ihrer Bewegung kaum ausmachen kann, ob sie woher kommt und wohin geht, oder ob es nicht eher so ist, dass sie einfach da ist, von einem Kontinent auf den andern gefallen, und was soll sie nun hier, bei 17,5 Grad, und ob sie je die Sprache der Eingeborenen lernen wird, steht in den Sternen. Hier also ist sie, unübersehbar, man würde viel für sie zahlen da unten, wo Gesäß und Körperfülle Ausdruck für Wohlstand sind, aber dafür zahlt in diesen Breiten niemand, nur das Sozialamt, das zahlt und hilft ihr, aber auf Dauer, das weiß sie und das wissen alle, die sie so sehen, kann das keine Lösung sein, sie wird sich selbst helfen müssen, und ich drücke ihr dabei die Daumen, wissend, dass sie es schwer haben wird, aber wir haben es auch nicht leicht.

Facebook-Kommentare zum Text.

A:

Glauben Sie, die Dame, die Sie so beschreiben, fände sich darin wieder? Und glauben Sie, sie würde verstehen, dass Sie ja so naja, wir hatten das schon. Wo wohnen Sie denn, dass Ihnen solches vor die Augen geht, so gaaanz gaaanz langsam?

Ich:

Nein. Sie würde das nicht verstehen, weil sie die Sprache nicht kennt. Aber ich hatte ja schon angedeutet, dass ich bei Ihnen einen emanzipatorischen Ansatz vermute und glaube, dass Sie da gewissermaßen einer Wahrnehmungstrübung aufsitzen. Wahrscheinlich haben Sie auch ein Problem mit klaren Sätzen. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

A:

Klar habe ich ein Problem mit klaren Sätzen, was haben Sie denn gedacht? Deswegen hab ich ja auch keine der klaren Autorität entlehnte kopftätschelnd herablassende Haltung zu armen Negerweibern. Ist ein Problem, seh ich ein. Sie sind ja so liebevoll, so wirklich menschlich. Nee, Glückwunsch jetzt mal, so unter uns. Ich hoffe, das war klar genug. Und noch klarer: Ja, ich habe einen ziemlich emanzipatorischen Ansatz. Probleme damit?

B: (springt für A in die Bresche)

Bezahlen. Schokoladenbraun. Gesäß. Laszivität. Lampedusa. Langsamkeit. Kommt und geht von Nirgendwo nach Nirgendwo. Gefallen. Bin ja mit allem einverstanden, aber mir fehlt etwas, und es ist nicht der Raum der vor dem Küchenfenster von einer schier "Unbeweglosen" eingenommen werden kann. Ich weiß auch was mir an der kleinen Geschichte fehlt (ich weiss ja oft was mir fehlt), aber ich bin im Zweifel darüber, ob ich es hinschreiben soll.

Gerade zum Schluss verfleddert der Text enorm, und ich frage mich auch, ob es die Aufgabe des Autors sein sollte die Daumen zu drücken, und dabei noch darauf hinzuweisen, dass das leben i.a. kein Leichtes ist. Aber was mir am meisten fehlt ist Leichtigkeit, was mir am zweitmeisten fehlt Sinnlichkeit. Und ich glaube nicht mal, dass man jemand "gerecht" beschreiben muss, oder gar kann, geschweige denn es versuchen sollte, aber vielleicht sollte man den magischen Moment zum Mittelpunkt machen. Das kann durchaus etwas zu tun haben mit Schokolade deren Sprödigkeit bei 17,5° wohl sehr groß sein kann...Aber: es ist nicht meine
Geschichte, deshalb muss sie mir auch nicht unumwunden gefallen...:-)

A: (bedankt sich)

Herr B. macht vor, wie man's macht, mit einem Lächeln. Sehr schön. Danke. Ich war da eher etwas unsouverän. Um es vorsichtig auszudrücken, einer muss mich ja schonen ;)


B: (gebauchpinselt)

einer muss für alle gehen...das kenn' ich...:-)

C: (greift ein)

Es ist ziemlich oft der letzte Satz (man kann das ja mal überprüfen), der die Haltung bloßlegt nach diesen ganzen lyrischen Spielchen... ach Gott, wir haben es ja auch nicht leicht... Also wenn ein reicher Mann einer armen Frau ihr Schicksal erklärt tstststststs

B: (jetzt in Hochform, bietet Interpretationshilfe)

Ich sagte, Hey kleines Mädchen, er ist der Teufel, er ist alles was ich nicht bin, er verbirgt seine niederen Absichten hinter dem Lächeln eines Heiligen. Alles zu was er gut ist, ist Ärger, und manche sagen, er sei mein Double, und es gibt sogar welche die sagen, wir seien Ein und der Derselbe. Aber der silberzüngige Teufel hat nichts zu verlieren, und ich lebe eh' nur bis ich sterbe, jeder von uns nimmt seine Chancen wahr, jeder von uns zahlt die Rechnung, der silberzüngige Teufel und ich (K. Kristofferson - silver tongued devil)


17:36

Senkrecht stürzendem Regen und komfortablen 14.3 Grad ist nichts hinzuzufügen.
Man fühlt sich wohl und denkt sich seinen Teil.


Di 9.08.11 9:16

Die Grundfarbe heute: grau, wenngleich der Augenblick blau ist. Wind zerrt am Sommerflieder und schiebt den nächsten Regen heran. So werden Max Balkontomaten nie rot. Das Geräusch zum Tag: das Brummen eines Baggers, der die erst vor zwei oder drei Jahren erstellte Bushaltestelle wegdengelt. Während an den Börsen virtuelles Geld vernichtet wird, macht man es hier real. Temperaturen wie gestern, allerdings keine armen lasziven Negerweiber, wie von der Trauerrednerin P. aus B., gebürtig aus L., gestern in einen Text interpretiert. Stattdessen: Badewannenjupp mit Zigarrenstumpen im Mund. Er muss den Fortgang der Bauarbeiten begutachten. Meine Katze interessiert all das nicht. Sie ruht auf dem Balkon, und jeder wäre gut beraten, es ihr nachzutun. Ich aber starte mein Tagwerk und grüße.

13:33

Der Wind springt noch immer ums Haus. Er meint es nicht gut mit den Tomaten. Schon zweimal hat er den Topf mit der Pflanze umgeweht. Dabei hat sie drei ihrer hoffnungsvollsten Früchte eingebüsst, die jetzt, grün, auf Verwendung warten. Aber was macht man mit grünen Tomaten?


Mi 10.08.11 8:15

Bei 9.3 Grad bleibt mein Blut dickflüssig. Ich muss warten, bis die Sonne höher kriecht. Der Himmel ist blau. Jemand schreibt, grüne Tomaten könne man essen, man müsse sie nur mit Knoblauch und Speck braten, Solanin sei hitzeinstabil. Ein anderer sagt, lieber nicht und auf keinen Fall roh. Ich habe sie auf einen Teller gelegt, auf den Balkontisch gestellt und hoffe, dass sie nachreifen. Das Finanzamt meldet, ich hätte zuviel Steuern gezahlt. Die Radiogeschichte ist fertig. Jetzt heißt es: verkaufen. Falls ich verkaufe, leiste ich mir ein Abendessen mit meiner Leserin A. aus E., die mit viel Menschenverstand für mich Korrektur gelesen hat und fahre in Urlaub. Falls ich nicht verkaufe, arbeite ich um und biete die Geschichte Verlagen an. Falls nirgends Interesse besteht, hänge ich meinen faltigen Arsch aus dem Fenster. Irgendetwas passiert schon, da bin ich sicher.

12:44

Ich war auf dem Markt. Ich habe der Olivenfrau vorgeführt, wie man einen Matjes fachgerecht in die Speiseröhre versenkt, habe einem Bettler gegeben und einem anderen nicht und mir einen Milchschäumer gekauft. Es hat sich also etwas ereignet. Wer glaubt, Ereignisse ereigneten sich nur in der Ferne, irrt demnach. Das Ereignis ist immer und überall. Also Augen auf! Liebe Mitmenschen sage ich besser nicht, denn jeder hasst ja den andern, so gut er kann. Sogar M., ein gutherziger, der Inkontenenz und Demenz sich nähernder Dichter, führt schwarze Listen. Da stehen die drauf, die im Falle um sich greifender Gesetzlosigkeit, die von Britannien jederzeit herüber schwappen kann, dran glauben werden. Manchmal, abends, hockt dieser Dichter auf seinem Sofa und stellt sich vor, wie er sie alle zerlegt. Das kann unappetitlich werden, aber nun, die Arbeit muss getan werden, danach wird es bestimmt auch nicht besser.

13:49



ein schletterming
falattert unbeirrt durch meine flaura
die vorm blakon sich brüsten tut
er hat die allerschönste aura
und einen rosaroten hut

er hat verwandte in brasilien
die essen gern indianer
sein vetter motte isst textilien
ein and'rer nur veganer

so ist die welt
die jeden tag für mich performt
wer hat sie dlamas bolss bestellt
sie strichgecodet und genormt

man weiß es nicht vor allem ich
bin gern becirct und schlage übern strang
bewege und erheitre mich
schon über sechzig jahre lang


Do 11.08.11 8:56

Ich habe da eine Geschichte in sieben Folgen. Sie heißt: Das kleine Tier, aber die einzelnen Folgen haben noch keine Titel. Da drängt sich natürlich die Frage auf: wo findet man die? Geht man herum, schaut in den Himmel, und hofft, dass sie in den Wolken stehen? Setzt man sich aufs Rad und strampelt so schnell, bis sie einem aus der Ritze tropfen? Nimmt man Drogen und hat eine Erleuchtung? Wenn ja, welche Drogen? Opium, Kokain, LSD, THC, Alkohol? Ich weiß nicht. Tut man Artfremdes, etwas, das einen beschäftigt, gräbt einen Garten um, chattet Anzüglichkeiten, spült, bügelt oder repariert irgendetwas?

Sie sehen, ich weiß es nicht. Immerhin weiß ich, dass ich gestern Tanzen war. Und dass der Tänzer mit dem rotblonden Zopf 500 T-Shirts besitzt. Er hat ein Extrazimmer dafür, das hat er mir selbst erzählt. Und jedes T-Shirt ist akkurat gebügelt und gefaltet. Ich weiß auch, dass meine kosovarischen Nachbarn heute in Urlaub fliegen. Sie haben mir ihre gesamten Tiefkühl- und Kühlschrankvorräte vermacht. Ich konnte mich nicht wehren. Sie stellen immer alles ab, wenn sie fortfahren, und irgendwohin müssten sie jetzt ja damit hin. Meinen Einwurf, ich hätte gar keine Tiefkühltruhe, haben sie nicht gelten lassen. Jetzt habe ich bergeweise Bratrollen, Cevapcici und gebratene Hähnchenschenkel. Was mache ich damit? Ich kann das nicht alles essen? Andererseits bin ich natürlich stolz, dass sie's mir bringen.

Ich schätze, bei komfortablen 16.0 Grad mache ich mir erst einmal einen Kaffe und löse dann Schritt für Schritt alles auf. Gehe spazieren, fahre Rad, nehme alle Drogen, derer ich habhaft werden kann, grabe um, chatte Anzügliches, spüle, bügle, repariere, dann werde ich schon sehen.

23:19

Früher habe ich Radiogeschichten auf Band gesprochen. Ich hatte einen walkman. Jetzt habe ich eine digitale Maschine, die nicht einmal ein drittel dessen kostet, was mein walkman kostete. Sie kann tausendmal mehr und ist so groß wie ein Mobiltelefon. Heute zwischen 11 und 14 Uhr habe ich aufgenommen. Jetzt werde ich die Geschichten ein paar Tage hören, dann weiß ich mehr.


Fr 12.08.11 9:40

Falls Bitter als Adjektiv auf Sommertage anwendbar ist, dieser ist bitter. Nicht, dass er so kalt wäre wie einige Tage vorher, nein, wir registrieren erwärmende 15.9 Grad, man kann also nicht meckern. Es ist das knapp über die Dachfirste schleifende Grau und der Aggregatzustand der Luft, der verdrießt. Kaum erwacht hörte ich Regen auf einen Gartentisch unterm Schlafzimmerfenster trommeln, der meiner Katze als Zugangshilfe dient. Ich werde mich wohl in Arbeit vergraben, jetzt gleich. Mein Ego polieren und überdenken, was wichtig ist. Ich bin ja allein, da ist es nicht einfach, herauszukriegen, was gut und was schlecht für mich ist. Sie wüsste das. Sie würde mich durch ihre Anwesenheit trösten. Bist du da? frage ich. Möglich, sagt sie. Aber du glaubst das ja nicht. Du ja auch nicht, sage ich. Stimmt, sagt sie, und so bleibt es dabei: nichts gilt als die Gegenwart. Alles andere ist Hokuspokus zur Beruhigung der Massen. Ich kann es einfach nicht glauben. Es geht nicht.

15:25

Der Wind geht scharfer und schärfer
im Westen zuckt der Blitz
am Strandenrand stehn' Werfer
mit Geld für'n Parkuhrschlitz.


Sa 13.08.11 12:52

Nein, ich kann mich nicht an den 13. August 1961 erinnern. Der Mauerbau muss mir am Arsch vorbei gegangen sein. Ich war noch Indianer. Ich musste fesseln, knebeln, erobern und den anderen klar machen, wer ich bin und wenn ja, wie viele.

Heute erreichte mich eine Anhörung zur einer Ordnungwidrigkeit. Ich hätte, wirft man mir vor, dann und dann da und da die zulässige Höchstgeschwindigkeit außerhalb geschlossener Ortschaften um 36 Kilometer überschritten.

Das könnte teuer werden, wären da nicht folgende Fehler im offiziellen Anhörungsschreiben.
Als Fabrikat meines PKW wird Renault angegeben. Ich aber fahre einen Mitsubishi. Zudem wird ein Ort genannt, denn es so nicht gibt. Ihm fehlt das N am Ende. Die Schreibkraft des Kreises R. hat offensichtlich gepfuscht.

So weit ich die Regeln verstehe, kann das nur bedeuten, dass ich mich weigern werde, die Ordnungswidrigkeit zuzugeben. Ich meine, wenn ich sie an einem Ort begangen habe, den es nicht gibt und in einem Auto gefahren bin, das ich nicht besitze, wie sollte ich da bezahlen?

Dumm gelaufen, Landrat, kann ich nur sagen, aber Formfehler sind Formfehler.

Falls Juristen unter meinen Lesern sind, wäre ich für einen Rat dankbar.
Schätze ich die Wirkung von Formfehlern richtig ein?

So. Und sonst?
Nun, heute nachmittag zunächst zur Affentennisweltmeisterschaft, später zu einem Junggesellenabschied.


So 14.08.11 11:10

Es regnet. Es ist mild. Ich habe beschlossen, mit einem Zitat zu beginnen. Es stammt von Matthias Brandt, dem jüngsten Sohn Willy Brandts. "Jeder, der alle Tassen im Schrank hat, ist doch zerfressen von Selbstzweifeln. Die Irren, die richtig Gefährlichen - das sind die, die glauben, dass sie gut sind."

Ich widme das einer Schamanin, die mich seit vierzehn Tagen mit Neuigkeiten aus dem Jenseits versorgt. Bilder von irrenden Seelen, die in hellem Licht über Brücken gehen. Vorzugsweise mit Pastellkreide gezeichnet. Oder mit Erzählungen, die mir eine Existenz im fünfzehnten Jahrhundert andichten. Ich war seinerzeit Mönch, der Griechisch und Latein lehrte und für ketzerische Thesen einstand. Die Schamanin war meine Tochter, und wer, glauben Sie, war schon damals meine Frau? Richtig. Meine tote Frau. Und wie kam ich damals zu Tode? Auch das sollten Sie wissen.

So versorgt mit dem Trost der heiligen Reinkarnation lasse ich den Sonntag heranschleichen. Lasse die Schamanen im Ort und sorge mich um das, was mir wichtig ist. Freue mich über das Vertrauen, das mir entgegen gebracht wird. Freue mich, dass man mich zu Rate zieht und ernst nimmt. Alles ist im Fluss. Ich fließe mit und staune wie ein Kind. Ich finde, dass ich das gut mache. Ich bin mit mir im Reinen. Ich habe keine Leichen im Keller.

Und ich habe immer noch Urlaub, wenngleich das Konzept Urlaub mit meinem Lebensentwurf kollidiert. Aber das macht nichts. Ich habe mir ihn ja selbst ausgesucht.

14:28



Hach, wie plötzlich Falten sich wie Spalten auftun,
gestern waren sie doch noch nicht da,
und wie fies die eig'nen Geister dich dann ausbuhn,
gestern war doch alles wunderbar.

Und wie großartig das letzte graue Haar jetzt glänzt,
gestern war die Glatze doch nur halb so groß,
und wie die Prothese neuerdings den Biss ergänzt
gestern war doch höchstens eine Krone los.

Hach, das Leben ist ein Abenteuer,
unerträglich heiter, ungeheuer,
voller Lust und hundsgemeiner stand-up comedy.
Fick mir daher heute selbst ins Knie.


17:57

Junggesellenabschiede gehen gar nicht, das sagen alle. Deshalb ging ich hin. Ich war eingeladen. Der zu Verabschiedende war auch nicht begeistert, zumal er ein Sträflingskostüm tragen sollte. Selbstredend eines mit Kugel am Bein, deren Befestigung, technisch nicht ausgereift, schon nach kurzer Zeit aufgab. Die Begleiter des Junggesellen: drei Handwerker aus dem Großraum Bremen, zwei Kreative, zwei Juristen, ein Dichter. Sicher ahnen Sie, wer der Älteste war.

Wie, stand als Frage im Raum, wäre eine derartige Albernheit ironisch zu überhöhen, damit man als Teilnehmer nicht vor Scham im Boden versänke. Der kleine Karton mit FICKEN Schnaps würde da nicht weiterhelfen. Geeignet für Handtasche, Ehekrach, Steuerflucht, Nachbarschaftsbesuche, Sauna Abende, Bahnstreiks, Kriegsdienstverweigerung, Alpenüberquerungen, Mondparty, Emanzipationsseminare, Aktionärsversammlungen, Outings, Schwulenparaden, (ja, noch mehr) Karnevalspolonäsen, Behördengänge, Bundestagsdebatten, Krönungen und Geburtstage.





Auch der Bauchladen, dessen Inhalt der Sträfling zu veräußern hatte, war für das Niveau der Veranstaltung nicht fördernd. Slips, Kondome, Leckmuscheln, einige, tatsächlich geschmackvolle Postkarten, Schlangenarmbänder, sich selbst entfaltende Tücher, ein Prickelpitspender und vieles mehr.

Liebeswürfel etwa, ein Set, das von einem Paar in den Enddreißigern gekauft wurde. Überhaupt wurde gegen jede meiner Erwartungen viel gekauft, und der Frohsinn, der sich bei diesen Verkaufsgesprächen entwickelte, war durchweg zutiefst menschlich und kein einziges Mal peinlich.

Peinlich wurde es erst, als eine konkurrierende Junggesellenabschiedsparty aufschritt. Deren Junggeselle trug einen Slip über der Hose, in den er, zur Verdeutlichung seiner Intelligenz, eine Art Bullenpenis geschoben hatte. Die Rückseite seines Slips war ein blankes Gesäß aus Plastik. Die Männer trugen T-Shirts mit dem Aufdruck: Pistensau.

Muhahahaaaa, dachte ich, und dachte dabei an den kleinen Kavallier aus Manche mögens heiß.

In unserer Gruppe herrschte viel Uneinigkeit über die anzusteuernden Ziele. Als es nach zwei Stunden und Einnahmen von etwa 50 Euro zu regnen begann, steuerten wir die Altstadt an. Es gibt dort zwei kleine Straßen, die links und rechts von laut dröhnenden, überfüllten Bars gesäumt und von russischen Türstehern bewacht sind. An den Eingängen findet man häufig Schilder: Keine Junggesellenabschiede. Wir kamen dennoch hinein, der Junggeselle musste seinen Bauchladen aber draußen lassen.

Es war laut in diesen Bars, und in einer war die Bedienung äußerst unfreundlich, wenn nicht gar unzugänglich. Eine junge Frau mit, stellte ich staunend fest, Achselhaar. Das machte sie irgendwie menschlich.





Gegen zwei, viele von uns waren betrunken, wurde der Besuch einer Tabledancebar, im Vorfeld hin und her diskutiert, schließlich beschlossen. Ich hatte mich darauf ganz besonders gefreut, war aber wegen der fortgeschrittenen Zeit und dem Zustand einiger nicht mehr in Stimmung, und habe, das wurde mir heute mittag berichtet, doch wohl einiges verpasst. Einen Kuss auf das Gesäß einer Tänzerin etwa.

Nun ja, man kann nicht alles haben. Der Sonntag war verregnet. Im Augenblick scheint Abendsonne. Ein Intermezzo der neu definierten Jahreszeiten: Frühling, Arschloch, Herbst und Winter.

Stehen zwei Männer am Grill und grillen Würste. Sagt der eine: entschuldigen Sie, ihr Penis liegt auf dem Rost. Antwortet der andere: deshalb, ich hatte mich auch schon gewundert, dass ich die Wurst nicht umdrehen konnte.

Muhahahaaaaa.

Noch jemand FICKEN?

Schmeckt übrigens gut, dieser Schnaps, ein Jostabeerenlikör, eine Kreuzung aus schwarzer Johannesbeere und Stachelbeere, irgendwie zitronig und mit relativ wenig Alkohol. 15%.


Mo 15.08.11 13:04

Der Holunder im Garten ist schwer von Früchten. Ich könnte Saft draus machen oder Gelee, aber heute hatte ich andere andere Pläne. Der Ohrenbär sollte endlich fertig werden. Nun ist er fertig, ausgedruckt, mit einem Schreiben für die Redaktion versehen und geht gleich auf die Reise.

15:13



als der
handstand dement wurde
lag er oft waagerecht
und wehrte sich
wenn man ihn aufrichten wollte
ein handstand
ist ein handstand ist ein handstand
schrie er
der radschlag der kopfstand
der schlagballweitwurf
und die flugrolle
saßen in nach schweiß riechenden turnhallen
aßen käsebrote
und machten witze über den handstand
aber sie hatten sich zu früh gefreut
bald darauf wurde auch der kopfstand dement
und der radschlag
und der schlagballweitwurf und die flugrolle
der radschlag wollte beim rundfunk arbeiten
die flugrolle bekam panikattacken
und der schlagballweitwurf
behauptete schwanger zu sein
so kam eins zum anderen
und die olympiade fiel aus
nur der handstand
machte sich keine sorgen
nur der handstand sorgte sich nicht
er lag immer noch waagerecht
und schrie seine weisheit hinaus in die welt



Di 16.08.11
14:11




vertreter schlugen vor
dichter an verkehrsreiche kreuzungen zu stellen
es gäbe mehr als genug
man müsse ihnen schmeicheln
schon täten sie alles
was die direktoren davon hielten
nun sagten die
dichter sind unzuverlässig
manche werden gefährlich
wenn sie mehr als einmal pro tag essen
dann doch lieber posaunisten
die hätten
die hände nicht frei
die könnten
nicht reden
und wenn man denen bezirke zuteilt
dann solln se mal sehen

seitdem erbrechen sich
überall männer ins blech
autofahrer landen in vorgärten
kaum ein liebhaber
kann noch klar denken
die sonne geht später unter
tiefdruckgebiete ziehen woanders hin
und der absatz von margarine
hat sich verdoppelt

niemand
kann sich etwas erklären
kaum einer
hat etwas gesehen
die kinder sagen
es sei schöner jetzt als vorher
und an flugzeugen
hängen al-kaidi kämpfer
in bunten tütüüs

die westliche welt
hat wieder ideale
und siegt
die päpste haben mätressen
alle sind glücklich
und wissen nicht wieso


15:03

Als ich letzte Woche den Nachmittag mit Julius, unserem Enkel, verbrachte, schauten wir uns auch ein Bilderbuch an. Bilder vom Bauernhof. Da kann man erzählen und Namen nennen und Geräusche machen, von Muuuh bis Iaaaah und Quaaak. Auf zwei Bildern sieht man im Hintergrund Windräder. Die fand Julius bemerkenswert. Immer wieder wies er mich darauf hin.

Heute morgen sind wir zum Longinusturm gefahren, um uns Windräder aus der Nähe anzuschauen. Interessant war, dass er das erste, zu dem er gerade hinaufschaut, groooooß fand, das andere aber, zweihundert Meter weiter, eher klein. Da greift das Prinzip der Perspektive und die daraus zu ziehenden Schlussfolgerung natürlich noch nicht.





Mi 17.08.11
9:28

Es gibt kaum etwas Niederschmetternderes, als einen Roman auf den Weg zu bringen. Kaum sind erste Sätze geschrieben, wird mir alles so fragwürdig, dass ich beschließe, mich zu vertagen. Heute nicht, sage ich, und weiß ganz genau, dass es auch morgen nicht sein wird, und dass ich, hätte ich meine Sinne halbwegs beeinander, nie mehr einen Satz schriebe und es meiner Katze gleich täte. Aber der neue Roman ist längst fertig, es gilt nur, ihn zu überarbeiten. Trotzdem. Ich will das nicht. Ich schöpfe aus meinem Repertoire von Übersprungshandlungen und bin off. Moderater Sonnenschein, man könnte glauben, heute würde ein schöner Tag. Heute wird ein schöner Tag. Ich werde den Nachmittag mit Julius verbringen.


Do 18.08.11 9:10

Andiamo.
Ich hatte gerade den nächsten Übersprung geplant, als Läuterung einsetzte. Also lud ich das zu überarbeitende Manuskript und begann. Und wenn ich einmal begonnen habe, höre ich nicht eher auf, bis die Arbeit getan ist. Abends sitze ich auf dem Balkon, erhalte SMS vom Kugelblitz und antworte ihr. Das fühlt sich seltsam an, denn der Kugelblitz ist gerade mit dem Auto nach Bulgarien unterwegs, und da denkt man ja gleich, Balkan, ehemalig sozialistischer Bruderstaat irgendwo da unten, aber die SMS überwinden jede Distanz, zwischen 21 und 22 Uhr entwickelt sich ein Dialog, dann sagt man Gute Nacht, wünscht eine gute Reise, liest noch ein wenig, gegen Mitternacht taumelt der jüngste Sohn erschöpft vom Preußenspiel ins Haus, das muss nervenaufreibend gewesen sein, sagt man, und er bestätigt das. Ausgleich in der letzten Minute. Jetzt aber ran an die Buletten.

20:20

Letztens auf Fippes Fest in Westheim




Fr 19.08.11 12:58

Letztens auf Fippes Fest

Albert Early Bird & the Working Worms






Sa 20.08.11 00:19

Um das Holland Kasino in Enschede betreten zu können, musste ich meinen Ausweis vorlegen. Er wurde gescannt. Salsa wäre im zweiten Stock, sagte man. Meinen Rucksack könne ich nicht mitnehmen. Ich erklärte, dass nur ein Handtuch drin sei. Gut, sagte man, dann. Ich sagte, dass ist ja hier wie in einem Hochsicherheitstrakt. Wie in Schipol, sagte man. Wir lachten. Ich fuhr steile Rolltreppen hinauf. Im ersten Stock Black Jack Tische und Slot Maschinen, im zweiten nur Slot Maschinen, eine Bar, eine Tanzfläche. Rotes Skaileder, eine merkwürdige Mischung aus Raumschiff Enterprise und Puff. Es fühlte sich nicht gut an. Ich blieb eine knappe Stunde und fuhr wieder nach Hause.

10:51




die sonne scheint
ein guter tag, sich aufzuhängen
ich knüpf schon mal das seil und ordne die papiere
ich hab gemeint
gescheh'nes ließe sich verdrängen
ich habe mich getäuscht und akzeptiere

als ich schon auf dem schemel steh
hinunter schau und letzte grüße sende
sticht mir ne wespe in den zeh
und ich bring's nicht zuende

der zeh schwillt, flüche steigen hoch
ich renn ins bad und kühle
koche kaffe und lebe noch
lache mich aus und fühle

so macht das leben wieder sinn
die eierfrau bringt ware
ich gratuliere mir und bin
der alte unbesiegbar wunderbare


So 21.08.11 16:43

Klopfe Satz für Satz, wäge jedes Wort, habe einen neuen Titel, der dem Roman Halt gibt von der ersten bis zur letzten Seite. Ich sitze seit zehn, es war still und die Sonne schien. Vor einer halben Stunde entschloss ich mich, Blumen für sie zu schneiden und fuhr hinaus zu den Gladiolen. Da war der Himmel schon grau und ein paar Tropfen fielen, aber erstaunlicher war, dass es innerhalb kurzer Zeit drückend und schwül wurde, mir tropfte der Schweiß, der Nachbar sprach von Kopfschmerzen und müden Gliedern. Nun, das betrifft mich nicht, mein Kopf scheint das vertragen zu können, aber jetzt sitze ich hier und bin schweißgebadet, die Gladiolen stehen in der Vase und ich glaube, für heute ist Feierabend.


Mo 22.08.11 10:37

Sie trug einen beigen Rock und eine taillierte, mit Goldlaméfäden durchwebte Kostümjacke, er Khakihosen und ein Poloshirt. Beide Anfang Siebzig. Ich sah, wie sie zunächst aus sicherer Entfernung beobachteten, was im Hinterzimmer des Landsmann vor sich ging. Laute Musik, Tanzende, Raucher, Trinker. Wenig später waren sie näher gekommen. Offenbar gefiel es ihnen. Irgendwann begann die Frau sich schüchtern zu bewegen, eher eine Erinnerung an die Vergangenheit war das, sie hatte nicht vergessen, wie schön es ist, wenn man tanzt, sie hatte es nur seit ewigen Zeiten nicht mehr getan, aber jetzt, hier, unter all den Menschen, unter die sie und ihr Mann durch Zufall geraten waren, da würde es sicher nichts ausmachen, oder, dachte sie, keiner schaute krumm, keiner lachte sie aus, also bewegte sie sich und kriegte schließlich auch ihren Mann dazu, sich mit ihr zu bewegen. Ganz unbeholfen tanzten die zwei, sogar eine Drehung gelang, und ich dachte, wie schön, das hätten die beiden sicher nicht gedacht, dass sie an diesem Abend noch so viel Freude hätten. Als sie gingen, nickten sie mir schüchtern zu. Ich war guter Laune. Ich hatte einmal Schlagzeug gespielt, später einen Araber, der seinen arabischen Blues allein in die Welt hinaus sang, auf der Djembe begleitet, der Regen hatte sich verzogen, jemand hatte mir etwas zugesteckt, ich machte mich auf den Heimweg. In Höhe des oberen Aa-Sees dachte ich, dass es schöner wäre, das mit jemandem zu teilen, rief einen Freund an, erklärte ihm die Situation, und er sagte, klar, wenn du Whisky trinkst, rauche ich mit. So kam es, dass die Nacht fortschritt und ich erst spät ins Bett kam. Gerade dann rief ein anderer Freund an, um mir mitzuteilen, dass er für drei Wochen auf die Faroer Insel fährt, und da war ich ein bisschen neidisch.


Di 23.08.11 9:41

Bis spät vorm Roman gesessen, gedacht, bis der Kopf schwirrte, geschlafen, im Traum rauscht und donnert es, Wind fährt herum, ich erwache, stehe auf, schließe die Fenster, lege mich wieder und bin um sieben schon auf den Beinen. Selbst Schuld. Auf Romanen sollten auch Hinweise stehen. Romanschreiben kann zu schweren Schlafstörungen führen.

17:21

Ordentlich was geschafft. Wenn das Wetter stabil bleibt, tanze ich nachher am Beach.


Mi 24.08.11 8:46

Besser, man bewegt sich nicht und lässt die Jalousien herab. Es wird schweißtreibend. Neue Nachbarn schleppen Kartons, meine Katze lässt sich feiern. Ich werde Gebühren erheben demnächst. Therapeutische Katzengebühr für Kinder und Erwachsene. Erwachsene zahlen doppelt.

Prächtiges Tanzwetter gestern, kaum hatte ich mich einmal gedreht, zerfloss ich und vergaß meinen Namen. Als alle noch abwarteten und nicht die ersten sein wollten, sah ich eine Mittdreißigerin mit um die Schulter gelegtem Tuch und bordeauxfarbenen Baumwollhosen, die um ihr Gesäß hing wie Lappen. Sie stand an der Tanzfläche und bebte so vor sich hin und ich dachte, egal, tanzen ist tanzen. Ich fragte. Sie sagte, sie sei eigentlich Solotänzerin und lasse sich überhaupt nicht führen. Emanze, wie? sagte ich, denn in die Schublade passte sie gut, und sie sagte: Hippie. Möglich, antwortete ich. Also tanzen wir? Sie nickte. Und dann stolperte sie herum, als hätte sich nie jemand einen Takt ausgedacht und ich brach das Elend sofort wieder ab. Danach aber entwickelte sich der Abend rasant. Ich saß kaum, und hatte gute Tänzerinnen. Mit einer, die wegen eines Meniskuss(es) noch vor Wochen befurchtete, sie könne nie wieder tanzen, tanzte ich auch, und wir staunten, wie gut das schon wieder ging. Sie konnte sich sogar drehen und war, glaube ich, ziemlich glücklich.

Gegen Mitternacht fuhr ich heim. Milchdunst vom Boden bis zu den Sternen, wundervoll. Und der übliche Vergucker an der Autobahnbrücke. Dort endet der Lärmschutzwall, ich nehme an, Überreste der Berliner Mauer, vorgefertigter Beton, der sich zum Geländer der Brücke hin duckt und knickt, und da sehe ich regelmäßig ein Paar Arm in Arm. Obwohl ich weiß, dass ich mich vergucke, sehe ich sie. Ich liebe das. Neben Verhörern sind Vergucker oft amüsant, manchmal umwerfend.

Heute abend könnte ich schon wieder tanzen. Und was soll ich sagen, ich werde es tun.
Dazu passt dieses Lied. Wenn Sie mal hören mögen, bitte.

Ich glaube, den Roman werde ich heute ruhen lassen. Ich werde erst einmal bügeln.

16:09

Manchmal schläft ein Text irgendwo und weiß nicht, wozu er gut ist. Dann schneide einen Loop und mache mich auf die Suche danach. Manchmal geht das schnell, manchmal nicht. Den Text zum Loop von Joni Mitchell fand ich beim zweiten Versuch.




ich schlug herrn mensing vor
sich öffentlich und stilgerecht
vermittels eines unerhörten wortes zu entehren
per salti sätze beizufügen und in leeren
seit langem ungenutzten aufzugschächten
mit mächten, die ihm nächtens an die schädeldecke klopfen
die öffentlichen wege zu verstopfen
dem lieb gewonnenen per demutsgeste zu entrinnen
den hoch verschuldeten ein heim zu spinnen
ich riet ihm, alle mittel frei zu setzen
um so im nichts mit den verletzten
ein lied in dur und moll zu singen
sie in ein schützendes korsett zu zwingen
ich insistierte, dass es heute noch geschehen müsse
nur mut erübrige die faulen kompromisse
ich gab ihm beiderlei geschlecht
schenkt' ihm den himmel und das recht
auf jedes wort, auf jeden satz
ich räumte ein und aus und machte platz
vor allem aber drehte ich die welt für ihn
addierte eins und eins im sinn
und hatte, als dem tag das auge brach
ein messer, das ins heute stach
den abschied, den er sich erträumt
und das willkommen für ihn eingeräumt
herr mensing dankte, war erstaunt
hatte gedichte anberaumt
herr mensing neigte sich in einen satz
und machte seiner freude platz


Do 25.08.11 9:59

Heute wird es kompliziert. Nicht, dass es nicht schon immer kompliziert gewesen wäre, nein, so ist das nicht, aber ich habe eine Entscheidung vor mir hergeschoben. Heute führt kein Weg daran vorbei. Ich muss ein Hochzeitsgeschenk finden. Irgendetwas. Etwas, was unsere kleine Familie am Drehen hält, hatte der Bräutigam vorletzte Woche gesagt. Aber zum Teufel, was denn? Die beiden sind Mitte Dreißig. Sie lieben Kunst. Er liebt Gärten. Einen Baum? Eine Bonsai? Einen Rosenstock? Himmel hilf. Bis morgen 18 Uhr muss es getan sein, sonst kann ich da nicht hingehen.

12:39

Ich staune oft, wie viele Wege, Abzweige, Gabelungen, Kreisverkehre, Dörfer und Städte sich in meinem internen Speicher aufhalten, sagen, siehst du den Bauernhof, dahinter gleich links, dann dem Wald folgen, der bringt dich zur Kanalbrücke, die überquerst du und dann geradeaus.

So ein Orientierungsspeicher ist mehr wert als ein Navigationsgerät, wenngleich ein Navigationsgerät an Orten, an denen man noch nie war, auch hilfreich ist. Den Ort aber, den ich gerade anfuhr, kannte ich, kenne ich, und bin jetzt froh, dass ich den ersten Gedanken, Autobahn, abfahren und ankommen, in dem Augenblick verwarf, als ich mich ins Auto setzte. Westfalen ist so umwerfend schön, dass mir die, die an überfüllten Stränden liegen und liegen, fast leid tun.

Schönes vom Tanzen?

Nun, ich war nach dem Beach ziemlich erschöpft und zögerte, ob ich's nicht übertriebe, führe ich wieder los, aber dann fuhr ich, traf einen Angler am Kai, der mir von Zandern, Aalen, Barschen und Karpfen erzählte, saß eine Weile vorm Club, und dann tanzte ich.

Tanzte mit dieser zierlichen Blonden, die in der Regel mit ausgewählten Tänzern tanzt, Hochleistungsdreher und Formvollender, die ich eher argwöhnisch beäuge, weil ich deren Schwerpunkt nicht sonderlich schätze. Ich hatte sie bisher gemieden, weil ich sie für arrogant halte, und ich glaube, das ist sie auch, aber mit ihr zu tanzen machte Spaß und zu führen war sie ganz leicht.

Als ich also so auf dem Beat trieb, sah ich ein blondes, propperes Ding, Mitte zwanzig vielleicht, und ich dachte an Teppa, eine Finnin, die ich mal kannte, als ich 18 war. Unsere Blicke trafen sich mehrfach, und ich las immer, tanz doch mit mir.

Ein oder zwei Stunden später, ich war schweißgebadet und musste pausieren, kam sie zu mir und sagte, du, tanzen wir mal. Gleich, sagte ich, okay, gleich. Dann war gleich vorbei und wir tanzten. Sie kannte die Schritte nicht, sie ließ sich schwer führen, aber es war lustig.

K. meinte später, sie habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass es mir gelänge, ihr auch noch den zweiten Träger ihres Tops herunter zu tanzen, das hätte sie gern gesehen. Ich hätte auch nichts dagegen gehabt. Ganz zum Schluss tanzte ich mit einer im Leopardenkleid. Sie hatte meine Größe, war schlank, nicht mehr zwanzig, und was immer ich tanzte, sie konnte mithalten. Big Fun.

Auf dem Heimweg saß sie am Kai. Um sie vier, fünf ganz junge Frauen, eine davon ihre Tochter. Sie feierte Geburtstag. Ich setzte mich zu ihnen, man bot mir ein Stück Torte an, ich aß mit Genuss, ich verabredete mich mit ihr auf Samstag, die Angler angelten immer noch, aber nicht ein Fisch hatte gebissen.

17:24



Höchst amüsiert schaut Meister M. an sich herab,
prüft hier und da das frische Fettgewebe,
erwähnt, er wolle in kein Grab,
ins Feuer nur, verstreun im Wind (so in der Schwebe).

Man solle bloß nicht glauben, dass er müde sei,
nur weil er Fürze fahren lasse!
Man werde seh'n, wie er das Leben doch noch fasse,
wie er sich wehre gegen Einerlei,

dass
er noch immer hoffe, klug zu werden,
noch immer glaube, dass seine Karte sticht,
und souverän verlacht er seine Beschwerden
und tut, als spüre er sie nicht.

So groß, so schön, so strahlt sein Stern,
so hätte er sein Leben gern,
so wäre alles, wie es soll,
in Dur zumeist, nur selten Moll.


Sa 27.08.11 13:13



die erste links hieß von der einsamkeit befreit
die zweite rechts zum bitt'ren ende
der kreisverkehr war zum verzicht bereit
die sackgasse versprach mir bände

in vielen straßen herrschte stoßverkehr
ich hörte sprachen die verenden
ich saß auf einer bank, ich roch das meer
und würde grüße senden

ich simste mich in alle welt
und fragte, wer noch zu mir steht
im traum hatt' ich mir vorgestellt
dass irgendwo noch wind weht

ich wusste, was zu tun war und ich tat
das naheliegende und tat es gern
ich freute mich, wenn jemand mich um etwas bat
tags drauf war es vergessen und schon fern

so ist die woche fort, ich hab die frische luft
und mir wird langsam klar, was bleibt
wer kommt, wer geht, wer anderswo verpufft
und wüsste niemand, der mich einverleibt


So 28.08.11 19:29

die haselnuss fällt braun vom strauch
der hund geht gassi mit madame
die katze leckt sich ihren bauch
das leben lehnt am stamm

der baum hebt müde einen ast
der ast hat's am meniskus
der maler pinselt seinen quast
das haus liebt einen nachtbus

der kugelblitz ist ziemlich rar
das weizenbier steht stille
der heinzelmann geht in die bar
die päpstin nimmt die pille

so könnte alles gut ausgehen
und niemand hätte es gemerkt
die börse flatuliert in wehen
der euro wär gestärkt


Mo 29.08.11 11:03

Alles kommt zwei bis vier Wochen früher dieses Jahr, sagte der Gärtner, als ich ihm erzählte, dass ich gestern schon reife Haselnüsse gesehen hatte, und dann sprachen wir über das Klima, wer Schuld sei und ob unsere Erinnerungen an lange, heiße Sommer und ebenso lange, kalte Winter nicht vielleicht Täuschungen wären, ja, räumten wir ein, gut möglich, außerdem, sagte er, würden wir einfach nicht alt genug, um Klimaveränderungen wirklich einschätzen zu können, Erdrotation, die unstabile Erdachse, das alles verursache ebenfalls Klimaveränderungen, Gletscher schmölzen, Gletscher bildeten sich neu, das Polareis nehme zu und ab und zu, und solche Vorgänge wären nicht in einem Leben abgehakt, die erstreckten sich über tausende von Jahren, ja, nickten wir, so ist das wohl, und dann fuhr ich heim, Kastanien liegen schon unter den Bäumen und Eicheln fallen, und ich dachte, zwei bis vier Wochen früher, dann fällt Weihnachten auf Anfang Dezember, und mein nächster Geburtstag wäre im Februar. Interessant, dachte ich, was man so alles erlebt bei knapp vierzehn Grad Celsius, die ja in Fahrenheit besser klängen: 42 Grad also an diesem Augusttag, an dem niemand weiß, wie das alles ausgeht, das Klima, die Finanzkrise, der politische Umbruch in Nordafrika, und was sonst noch geschieht, Tag für Tag, und ich denke, ich schalte ab, mich tangiert das weder vorn noch hinten, ich habe ja nur dieses eine Leben, und das vertrödle ich nicht mit solchen Sorgen, ich sorge dafür, dass es mir gut geht und wenn es mir gut geht, geht es vielleicht jemand anderem auch gleich besser, weil er spürt, dass es nicht strafbar ist, sich gut zu fühlen und das Leben zu lieben, das denke ich, parke vorm Haus und sehe zu, dass ich ein Geburtstagsgeschenk unbeobachtet in die Wohnung schaffe und verstecke bis morgen.


21:45

Ich hatte sie gewarnt. Ich hatte gesagt, hör zu, lass mich in Frieden, hau ab. Aber dann ist sie nicht abgehauen. Hat so getan, ja, hat eine Runde gedreht, ist zurückgekehrt, und da habe ich sie mir geschnappt. Ich hielt sie in der hohlen Hand und warf sie zur Tür hinaus. Sie hat ein Bein verloren dabei.

Es war auf der Landstraße zwischen Ahaus und Gras, als vor einer Kurve aus dem linken Bankette eine Ratte auftauchte. Ich war weit genug fort und schätze, dass sie es schaffen würde. Ich wollte aber nicht bremsen. Ausweichen wollte ich auch nicht. Ich schätzte einfach nur, dass sie es schafft, aber sie sah merkwürdig aus, struppig, und mit einem Buckel, als trüge sie einen Kohlensack, und sie lief langsam. Viel zu langsam. Sie humpelte vielleicht sogar, ich war heran, sie war mittig vorm Auto und ich dachte noch immer, dass sie es schafft, sie hätte stehen bleiben müssen, aber dann spürte ich, dass ich sie überfahren hatte, schaute über die Schulter und sah sie. Sie sah schon fast so aus, wie alle anderen platt gefahrenen Lebewesen auf Straßen.


Die 30.08.11 14:52

Rein rechnerisch ergeben drei Seiten pro Tag 90 Seiten im Monat, die verschluderten Tage abgerechnet vielleicht doch nur 60, das müsste gehen, dachte ich, drei mickrige Seiten pro Tag müssten sich doch aus dem Nichts kratzen lassen, ich müsste nur lang genug sitzen und in die Leere starren, der Kopf ist doch voller Geschichten, vielleicht sollte ich ihn gegen die Wand schlagen, dachte ich, das könnte helfen, und dann hätte ich wieder einen Roman, den niemand kauft.


Mi 31.08.11 9:24

Bei 9,4 Grad Außentemperatur habe ich es mir auf dem Balkon gemütlich gemacht. Habe meine Beine in einen Schaffellsack geschoben, trage eine Mütze und versuche, die Schnittchen, die ich zum Frühstück dekoriert habe, mit Handschuhen zum Mund zu führen. Das geht. Die Zeitung liegt auf dem Tisch. Hunde führen ihre Menschen aus. Meine Katze ist unterwegs, um den Hunden aufzulauern. Busse halten und fahren an. Die Sonne scheint. Die Tomaten am Strauch reifen. Sie schmecken sehr gut. Ein junger Mann hat gestern einen sogenannten Diskus sehr weit fort geworfen, worauf er vor Freude sein Hemd zerriss. Ich habe gestern ein Romankapitel geschrieben. Jetzt überlege ich, was ich zerreißen könnte. Die Nacht habe ich bei wie immer weit geöffnetem Fenster verbracht, die leichte Sommerdecke jedoch durch mein Federbett ersetzt. Auch heute werde ich ein Romankapitel schreiben. Ich werde Romankaptiel schreiben, bis ich greis und erschöpft die Löffel abgebe. Das sind schöne Aussichten.

15:58

Um noch mehr zu sehen, setzte ich mich aufs Rad und fuhr ein wenig herum. Wenn die Beine arbeiten, benötigen die Muskeln Blut, die im Kopf zirkulierende Blutmenge verringert sich, bald darauf setzt beruhigendes Nichtdenken ein. Ich sitze also und strample, hier geht es ein wenig bergab, dort bergan, aber das sind nur eiszeitliche Verschiebungen, keine Berge, Mergel und Lehm, von sonstwo herangeschoben. An Alleebäumen hängen wahlweise dicke Birnen und Äpfel, die Goldrute blüht, ich bin zufrieden. Ich habe Koordinaten für das nächste und übernächste Kapitel gezogen, ich bin nicht in Eile, bin noch nicht mittellos, und bestimmt werde ich staunen, was da alles zutage kommt, wenn ich so weitermache. Das sind auch schöne Aussichten.

18:58

Da haben sie den Diktator beseitigt, es floss Blut jede Menge, viele, die seinen Sturz unterstützt haben, haben bis vor kurzem noch gute Geschäfte mit ihm gemacht, dann wurde es opportun, die Rebellen zu stützen, und nun klatschen wir. Die Verzweifelten haben gesiegt. Wenn aber hier Verzweifelte um sich schlagen, klatschen wir nicht. Dann jammern wir  in Talkrunden über die Jugend. Ich weiß, dass Gewalt nicht geht. Aber da, wo sie den Diktator beseitigt haben, ging es nicht ohne. Hier ist es auch bald so weit. Hier bricht bald Wut aus. Deshalb sollten wir klatschen. Sollten den Jungen Mut machen. Wenn wir, die Eltern, nicht klatschen, machen wir uns schuldig an unseren Kindern.























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