Januar 2019                      www.hermann-mensing.de      

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Di 1.01.19 13:04 man sieht blauen Himmel

Die Glocken des Domes läuteten und eine Krähe schrie, als ich zur Bushaltestelle kam. Ich musste
eine Viertelstunde warten. Als der Bus kam, hatte ich ihn für mich allein. Moin. Frohes Neues, sagte ich. Frohes Neues, sagte der Fahrer, fuhr los und flötete unbekannte Lieder, vielleicht aber waren es auch Lieder, die in seiner Interpretation kaum noch Ähnlichkeit mit mir bekannten Originalen hatten. Der Domplatz war grundgereinigt, das können wir ja, grundreinigen, an Straßenecken aber lag noch verkohlte Pappe, das Land war feucht und bis auf die A1 sehr still. Mein Abend war lang. Das Herumgehen war eher ein Drängen, nichts war, wie es sollte, kein Flow, kaum Freude. Als uns schließlich noch Nachbarn abfingen, die nicht allein trinken wollten, wurde es kritisch. Ich blieb für das mir aufgenötigte Glas Champagner, drängte dann aber zum Aufbruch. Ob heute noch Aufregendes geschieht, wage ich zu bezweifeln. Ich könnte meine Wohnung aufräumen, aber ich tue es nicht, ich mag sie, wie sie ist.


19:31

halb zwölf
am paulus dom
erste raketen steigen
ringsum menschen
überwiegend aus nahost
verschleiert unverschleiert
groß und klein
man grüßt
man bleibt allein
und unter sich


Mi 2.01.19 sonnig 10:04

Ja, es stimmt, ich bin ein Idiot.
Es stimmt aber auch, dass ich kein Idiot bin.
Ganz sicher stimmt, dass alle anderen Idioten sind.
Und auch das stimmt nicht.


12:41

Ich fuhr auf einem Radweg beim Mövenpick, vor mir ein Radfahrer, von rechts ein Fußgänger, von vorn eine Fußgängerin, es schien eng zu werden, ich wich aus, auf die Bewegungen der anderen fokussiert übersah ich einen rotweißen, viereckigen, etwa 100 cm hohen Metallpoller, prallte mit dem rechten Oberschenkel dagegen und stürzte. Die Knochen blieben heil, aber ich habe ein Hämatom, einen klassischen Pferdekuss, den ich mit Arnikasalbe behandele. Ich humple ein bisschen. Nach dem Sturz war mir komisch. Ich hatte das Gefühl, unbedingt etwas trinken zu müssen. Der Mann, der vor mir gefahren war, kam zurück und fragte, ob er Schuld sei. Nein, nein, sagte ich. Wenn es stimmt, dass kleine Unfälle größere verhüten, bin ich fein raus für dieses Jahr. Die Kutsche, zu der ich unterwegs war, meine Arbeit, sagte ich ab.

17:47

in meine Seele
fällt das fernste Licht
in meine Schuhe stapfen Riesen
man sagt die Seele habe ein Gewicht
ich muss für alle Tage büßen
für Jahre
die ich sie geschunden
und überall ist Glück
verschwunden


Do 3.01.19 bewölkt, feucht, 5 Grad vielleicht

Der rechte Oberschenkel ist geprellt, der Schmerz hält sich in Grenzen. Zum Glück bin ich nicht mit dem Knie gegen den Poller geknallt. Der Oberschenkelmuskel wird sich erholen. Ich werde mich heute wenig bewegen, was mir nicht leicht fällt, denn ich bewege mich gern, Bewegung hilft, die Sinnlosigkeit unserer Existenz zu ertragen. Aber so ein massiver Schlag gegen den Oberschenkel fordert Geduld. Ich komme mir vor wie ein Fußballprofi.

19:45

Der Leben saust mir um die Ohren, ich weiß nicht, wo anfangen, also lasse ich alles so lange liegen, bis ich es weiß. Jahresende- und Anfangsblues. Habe ich ununterbrochen, ist jedes Mal schön.


21:18

Ich kann Birdland spielen. Zumindest in einer Version, die der Weather Report Version nahe kommt. Es hat mit dem fis g a / fis g a d Motiv angefangen. Vor ein paar Tagen pfiff ich es, ging zum Klavier, habe mir Note für Note erspielt, und mich dann an die Harmonisierung gemacht, was das Schwierigste ist, und für mich auch das Erstaunlichste, denn eine Note kann in verschiedenen Kontexten, also untergelegten Akkorden, so und wieder ganz anders klingen. Meine Voicings sind nicht in jedem Fall die originalen, glsaube ich jedenfalls, aber sie klingen wie Birdland und ich bin ein bisschen stolz. Morgen kommt meine Klavierbank.


Fr 4.01.19 00:27

Es ist mir ein Vergnügen, den Wisky, den man mir schon seit Jahren zu Weihnachten schenkt, in den langen, dunklen Januarnächten peu a peu aufzutrinken. Mit ein wenig Zurückhaltung reicht der Vorrat bis März, dann habe ich Geburtstag und bekomme Nachschub. Wenn nicht, ist es für den Rest des Jahres mit Whisky vorbei.

Die Entscheidung, das Bein zu schonen, die letzten zwanzig der achthundert Seiten des Romans "Der große Sommer geht zu Ende" von Adriaan de Jong zu lesen, den ich vor Wochen aus einem Bücherregal neben einer Bushaltestelle mitnahm, Robert Menasse "Die Hauptstadt" zu beginnen, dieses und jenes zu schreiben, zu telefonieren, zu flirten, war genau richtig. Man glaubt nicht, was man mit siebzig noch alles bewegt. Siebzig ist nur eine Zahl. Was zählt, ist der Kopf. Meiner ist ein Kindskopf. Er will nicht erwachsen werden. Ich wollte nie erwachsen werden. Erwachsene öden mich an.

11:12

Die Klavierbank ist gerade gekommen. Rosenholz. Sieht stabil aus. Sitzt sich gut. Ich bin erfreut.

23:10

Ich lese, spiele Klavier, bügle Kerzenwachs aus dem Teppich, gehe auf den Markt und zum Metzger, ich lade meinen Roman zum ersten Mal in diesem Jahr und beginne auf der Stelle, perspektivisch etwas zu verändern, aber noch immer weiß ich nicht, ob ich weiter daran arbeite, oder mich mit dem begnüge, was ist.

Frau S. aus dem Haus an der Ecke tot ist. Das ist die mit dem hinter ihrem Gartenzaun aus mannshohen, blickdicht gereihten Latten geifernden Jagdhund, der, wenn ich ihm die Hand durch die Ritzen steckte, fast verrückt wurde vor Glück. Ihr Mann starb kurz nach meiner Frau. Frau B. erzählte, dass ihre Tochter schon vierzehn sei, sie begreife das nicht, wie lange die schon im Bad brauche, und wie sie dann röche, worauf ich erstaunt fragte, wie lange sie denn schon in ihrem Haus wohne? 12 Jahre, sagte sie, und der Garten ist noch immer nicht in Ordnung. Zwölf Jahre? Gestern war da doch gar kein Haus. -


23:40

Sitze hier mit Tristan und Isolde.



Ist das Leben gefährlich? -


Sa 5.01.19 11:14 bewölkt, feucht

In der Adventszeit kurvte ein Weihnachtsmann über den Prinzipalmarkt. Er saß auf einem großen Dreirad, das mit Weihnachtsbaum, Lichtern, Glitter und Stereoanlage bestückt war, zog einen ebenso aufgeputzten Metallschlitten übers Kopfsteinplaster, hielt wahlweise ein Pappherz oder ein Schild "Love" in die Luft, und ließ sich fotografieren. Kurz vorm Fest ging ich zu ihm. Sag mal, Weihnachtsmann, stehst du hier für eigentlich den Weltfrieden? Nä, sagte er, für Schnaps und Bier, und hielt mir seinen Klingelbeutel entgegen. Ich warf zwei Euro hinein.

13:54

Vorhin bin ich ins Aatal gelaufen, um in einem Bauernladen Eier zu kaufen. Schöne, große Eier, deutlich teurer, als Supermarkteier, aber auch deutlich leckerer. Mitten im Laden liegt meist Hund, ein Berner Sennenhund, glaube ich. Wenn jemand reinkommt, steht er vielleicht auf. Vielleicht aber auch nicht. Ich strecke ihm meine Hand entgegen. Er riecht daran, findet nichts Verdächtiges und schläft weiter. Aber er schläft nicht, das sieht nur so aus. Er wacht. Im Bauernladen bedient man sich selbst. Das Geld legt man in eine Kassette. Ich hatte über Wochen Eierkartons gesammelt, die stapelte ich auf den Tisch. In der Tiefkühltruhe liegt Fleisch vom Bentheimer Schwein und Wild. Manchmal muss eine Hühnerpopulation dran glauben. Sie leben auf den Wiesen an der Aa zwar ein gutes Hühnerleben, aber nach einer gewissen Zeit haben sie ausgelegt. Dann kann man sie als Suppenhuhn kaufen. Ich hatte mal eines. Da war nicht viel dran. Hin und zurück benötigte ich heute eine knappe Stunde. Heute abend mit hoher Wahrscheinlichkeit Tango.


So 6.01.19 11:12 bewölkt, feucht


Mo. 7.01.19 10:40 bewölkt, feucht

Hausputz in der Küche begonnen.


13:21

Es kommt zu Namensdopplungen beim Tanzen: Stefanies, Martinas, Susannes. Manchmal berührt mich die ein oder andere, weil sie geschmeidig tanzt, schön ist, oder beides. Das ist nicht ungefährlich, aber zum Glück bin ich alt, abgeklärt und nicht mehr auf der Höhe der physischen Leistungsfähigkeit. Das verhindert kopflose Aktionen mit hohem Risiko, die ich so liebe. Die Welt ist wundervoll grau. Das beruhigt. Die Küche ist geputzt, in den nächsten Tagen werde ich mir den Rest der Wohnung vorknüpfen. Danach erledige ich die Steuer. Meinen Roman schaue ich nicht an. Er würde mir den Schlaf rauben. Trotzdem fordert er mich täglich heraus. Die Schönen und Geschmeidigen lasse ich schön und geschmeidig sein.


14:25

Ich spreche jeden Tag mit dem Tod. Wir trinken gemeinsam Kaffee, duschen, oder ich spiele für ihn Klavier. Die Gespräche gefallen mir am Besten. Sie sind beruhigend, weil dadurch das Leben lebendig wird. Todesleugner sind arme Würstchen. Sie leben in einem Gebeinhaus, unbd leugnen den Tod. Ich kann von Glück reden, dass ich dem Tod schon früh begegnet bin. Ich war kaum 18, als ich ihm eine ganze Nacht bei der Arbeit zuschauen durfte. Das hat ihm den Schrecken genommen. Ich finde es bewunderswert, dass der Tod nie über seine Pläne spricht. Manchmal habe ich den Eindruck, er hat gar keinen Plan. Da wäre er mir sehr ähnlich.


22:55

vielleicht
ergibt sich
eine frau zur nacht
für dieses herz aus gronau
vielleicht hat sie sich schön gemacht
für mich und meinen kotau
vielleicht tritt sie im traum auf
und behauptet ich sei wach und stark
und groß und schön doch ich bin schwach
vielleicht vielleicht
vielleicht auch nicht
man weiß nie beim gedicht


Di 8.01.19 10:46 bewölkt, feucht, 5 Grad,

es könnte heißen
schon tabletten eingenommen
es könnte sein
dass ich im bett läg
sehr benommen
es könnte alles sein bei soviel jahren
zum glück bin ich eher ruhig gefahren
ich war noch nie im krankenhaus
ich habe selten zipperlein
ich habe sehnsucht und weiß nicht wonach
und wenn ich's wüsste hieße es nur ach
ach komm ach geh ach hab dich doch nicht so
ach komm ach geh sei wieder froh

17:26

Ich hatte dem Misslingen alles Gute gewünscht und frohes Neues gerufen, das Misslingen hatte geantwortet, darauf könne ich mich verlassen. Dann war es verschwunden, und ich sah es mehrere Tage nicht. Am Morgen des 8. Januar 2019 kehrte es zurück. Ich lag noch im Bett, und hörte es in der Wohnung herumgehen. Da die Welt täglich gefährlicher wird, stand meine Machete neben der Tür. Ich hatte sie vor fast 50 Jahren in Guatemala gekauft. Als die Schritte sich meiner Tür näherten, stand ich auf, griff die Machete mit links, öffnete die Tür und schlug zu. Die Machete sang und hackte mit Schwung in meine rechte Wade. Ich sagte es ja, sagte das Misslingen.

21:32

Die Einsamen schauen Lieblingsfilme auf Netlix, sie stricken, hören Musik, sie telefonieren, sie lesen, sie machen alles ganz sauber, sie sitzen am Computer und geraten in Chats, in denen Herzchen verschickt werden, deren Bedeutung man besser nie nachfragt. Sie trinken Rotwein. Viele trinken Rotwein. Sie kiffen. Sie erledigen noch Arbeit. Sie hassen ihre Arbeit, aber sie können nicht ohne, denn die Welt kostet. Sie sind gar nicht einsam, sagen sie. Sie belügen sich. Sie wissen, dass sie sich belügen. Sie schämen sich. Wenn sie jemanden finden, gehen sie mit. Sie sind gar nicht einsam, sagen sie dann, und werden zweisam.


Do 10.01.19 12:10 3 Grad bewölkt, trocken


im abendlicht
erschien mir alles fern
die nacht verglühte und der letzte stern
zu mittag fiel ich oft in leichten schlaf
und wenn dann wieder abend war
und ich die freunde traf
die auch die unerreichbarkeit beklagten
die jeden tag die kunst vermieden oder wagten
dann wussten sie und ich um die vergeblichkeit
und das erzeugte heiterkeit


Fr 11.01.19 12:29 bewölkt, drei, vier Grad, feucht

Heute ist weltweit Suizidtag, der Kapitalismus hängt schon am Seil, da beginne ich natürlich auch mit den Vorbereitungen. Das Wetter spielt mit, das ist super. Ich habe noch dieses Seil vom Polenmarkt am Potsdamer Platz, aber mit hervortretenden Augen und blauer Zunge enden, nein, das möchte ich nicht, das sieht auch nicht gut aus. Und wie wäre das scharfe Messer, dass mir meine Freundin geschenkt hat? Zwecks fachgerechten Harakiris müsste ich es mir in den Leib stoßen, links - rechts - rauf und runter ziehen - eine sehr anspruchsvolle Kombination, aber dann hätte ich ein ehrenhaftes Gemetzel verursacht. Da ich jedoch kein Japanisch spreche, und auch niemandem zumuten mag, sauber zu machen, lasse ich das. Hochhäuser, Türme, hohe Brücken, die ein fachgerechtes Aufschlagen mit sofortigem Exitus garantierten? Gibt es hier nicht, also fällt auch diese nicht unattraktive Möglichkeit aus. Gift? Nein. Also Gift, ich bitte Sie, ich muss ja nur vor die Tür gehen, da ist überall Gift. Den elegantesten und todsichersten Suizid findet man nur im Weiterleben.


So 13.01.19 14:10 bewölkt, feucht, 8 Grad

Wir werden einander lästig. Wir verschweigen es. Wir werden sehen, wie es auf uns zurückfällt.

21:09

Gott hat uns sind mit äußerster Sorgfalt gestaltet. Es hat eine Weile gedauert, aber seit einiger Zeit (ca. 4 Millionen Jahre) sind die Proportionen unserer Körper in etwa die, die sie auch heute noch sind. Mit kleinen Modifikaktionen hier und dort. Alles ist optimal. Die Ohren zum Beispiel garantieren höchstmöglichen Schallfang mit all den kleinen Verwerfungen in der Ohrmuschel und den gerundeten Rändern, dem Trommelfell und dem Hämmerchen, als säße da ein Schlagzeuger und übersetzt die ankommenden Signale für uns in furiose, ein Leben lang dauernde Soli. Wenn jetzt jemand diese Ohrmuscheln oberhalb des Gehörganges pierct, muss man von Verwirbelungen ausgehen, Schallverwirbelungen, die nicht im Sinne des Erfinders sind. Der Homo Sapiens im Bus trug ferner altrosa Kunstnägel, und da stellte sich mir die Frage, ob bei dem ein oder andere Exemplar vielleicht doch Defizite auftreten, die so nicht geplant waren.


Und warum fand ich dieses Exemplar osteuropäisch? Tja, gute Frage. Ich habe keinen Beweis, nur einen Eindruck. Ich untermauere ihn gern mit dem Hinweis darauf, dass ich aus einer Menschenmenge mit hoher Wahrscheinlichkeit Niederländer, Engländer, Amerikaner oder eben Osteuropäer herausfiltern kann.

Als ich am Nachmittag an der Bushaltestelle mit einem afrikanischen Vater, dessen Tocher und Enkelin ins Gespräch kam, hätte ich gern gefragt, ob der Afrikaner auch so etwas kennt. Ob er sagt, ach, das ist ein Nigerianer, der kommt aus dem Kongo etc. pp. Wahrscheinlich ja, aber ich habe nicht gefragt, bin stattdessen Wind und Wetter entronnen und haben Tango getanzt. Wobei die, mit der ich an diesem Abend gern getanzt hätte, mir wieder einen Korb gegeben hat. Immer mit däußerst plausiblen Einwänden. Aber eines Tages schnapp ich sie mir.


Mo 14.01.19 19:35

Früher stand zwischen Altstadt und Park ein heruntergekommenes Schloss und der Platz davor hieß entsprechend. Nachdem das Schloss nur mit Mühe gesprengt werden konnte, war dort ein Loch, aus dem langsam ein Kaufhaus wuchs. Karstadt. Ringsum entstand der Kurt-Schuhmacher-Platz. Alle jubelten. Der Fortschritt ist da! Aber es gibt Städte, in denen findet er keine Ruhe und geht wieder. So wurde der Kurt-Schuhmacher-Platz schon bald eine Metapher für das Misslingen zeitgenössischer Stadtplanung. Als ich heute von der Neustraße Richtung Kurt-Schuhmacher-Platz blickte, sah ich den Park. Und wo das Kaufhaus gestanden hatte, war wieder ein Loch. Aber niemand jubelte.


Di 15.01.19 11:44 bewölkt 5 Grad

Als ich überlege, noch mehr Beine zu fotografieren, weil Gesichter aus verständlichen Gründe tabu sind, sagt eine blecherne Ansagestimme, man solle auf sein Gepäck acht geben, es seien Taschendiebe unterwegs. Während sie das sagt, treffe ich den Blick einer kleinen, mit wadenlangem Rock bekleideten, eine Netto-Plastiktasche mit sich führenden Frau mit buntem Kopftuch und Pelzstiefeln. Unsere Blicke zucken weg. Der Zug kommt, ich steige ein. Viele Mitreisende schauen auf ihre Smartphones, während die Stadt ausfasert. Im Westen liegen fast blauschwarze Wolken, aber hier scheint die Sonne, und auf den grün konstrastierenden Weiden sind Krähenschwärme. Links der Bahntrasse Rehe.


Mi 16.01.19 12:00 bewölkt, 7 Grad

ich fahre gleich zum supermarkt
und kaufe mir zwei frauen
die eine wird im schrank geparkt
die andere verhauen
im euro-shop gleich nebenan
gibt's heute billig kinder
ich kaufe zwei und zieh sie an
wie hübsche kleine inder
zurück in meinem traumpalast
gründe ich die familie
der binde ich ein seil ans bein
und schmück sie wie ganz vielie


23:52

Bis Ende des Monats lese ich fünf Mal in einer Grundschule, gehe zweimal in ein Konzert und schaue mir eine Ballettpremiere an. Ich bin unterwegs, um nicht zu sterben. Ich bin unterwegs, weil der Schmerz, den die Welt mir verursacht, täglich unerträglicher wird. Das Schlimmste ist, dass ich nie wusste und noch immer nicht weiß, was ich dagegen tun kann. Aller Wahrscheinlichkeit nach bin ich ein Feigling.


Do 17.01.19 12:29 bewölkt, feucht, kaum über 5 Grad


23:30

Wenn ich nicht gleich nach dem Aufstehen beginne, etwas zu tun, entgleitet mir der Tag oft auf angenehmste Art und Weise. Solche Tage sind nur mit dem Gleichmut eines Buddha zu ertragen. Ich habe also heute nichts begonnen, ich habe gespült, mich rasiert und mir den Kopf geschoren, ich habe gelesen, Klavier gespielt und herumgesessen, ich habe Folge 4 der Holocaust Serie gesehen, und war über die deutsche Kaltblütigkeit, Effizienz, Grausamkeit und die Ergebenheit der Juden erschüttert, die sich erst viel zu spät wehrten,
ich habe die verworrene Weltlage mit großer Sorge zur Kenntnis genommen, ich habe Suppe gegessen, den Tag über hätte ich am liebsten nicht anderes getan als essen, aber ich konnte mich zügeln, und so ist es weitergegangen. So geht es jeden Tag, es sei denn, ich zwänge mich, aber Zwang geht mir gegen den Strich. Hätte ich mich je einer Disziplin unterworfen, wäre ich ein großartiger Klavierspieler. Ein noch besserer Trommler. Ich unterwerfe mich aber nicht. Mit dem Schreiben geht es mir ähnlich. Wenn es aber nur ums Geld geht, erledige ich die dafür notwendigen Tätigkeiten ohne mit der Wimper zu zucken. Am liebsten sind mir Arbeiten, bei denen ich nicht denken muss. Vor einer Weile habe ich eine Tätigkeit aufgegeben. Drei Jahre hatte ich jemandem zweimal die Woche vorgelesen, dann konnte ich dessen gesundheitlichen Zustand nicht mehr ertragen. Eine seiner Hirnhälften war durch einen Schlaganfall stillgelegt. Wenn ich fragte, wie es ihm gehe, sagte er großartig. Ich bewunderte ihn. Ich hatte Mitleid. Und ich schämte mich, weil ich für eine Stunde dreimal so viel bekam, wie ich als Kutscher bekomme, wo er doch eigentlich jemanden gebraucht hätte, der sein Freund ist. Er hat Geld. Er kann alles bezahlen. Er kauft sich alle möglichen Dienste, trotzdem kam ich mir nuttig vor. Das Geld, dass ich nun nicht mehr verdiene, fehlt mir nicht. Ich richte meine Ausgaben immer nach dem, was ich habe. Wenn ich wenig habe, gebe ich wenig aus. Wenn mehr da ist, werde ich großzügiger. Ich mache nie Schulden, ich überlege genau, ob ich etwas will oder nicht. Es hat sich herausgestellt, dass alles, was ich nur wegen des Geldes tue, Ärger bringt. Ich treibe im Strom. Ich rufe. Die am Ufer sollen hören, was ich von ihnen halte. Ich werde Buddha.


Fr 18.01.19 00:57

Letzte Woche war ich in einem von zwei Gitarrenläden, die es in Münster noch gibt, ein kleiner Laden, in dem ein Mann mit Pferdeschwanz arbeitet. Ich wollte eine akustische Bassgitarre ausprobieren. Schon seit Wochen überlege ich, eine zu kaufen. Ich wäre dann das lästige Harmonisieren los und könnte mich auf die Melodie, in diesem Falle die Basslinie, konzentrieren. Ich müsste ein Lied nur ein paarmal hören, dann wüsste ich, wo der Hase läuft. Ich fragte also nach akustischen Bässen, er zeigte mir zwei, einen davon, den unteren, wollte ich aus der Halterung nehmen, aber das wollte er lieber selbst tun, und sagte, ich solle im hinteren Raum warten, er habe noch mit Kunden zu tun. Während ich wartete, kam E., ein Holländer, den ich schon lange kenne. Ich erzählte ihm vom Klavier- und Ukulelespielen, und dass ich überlegte, einen Bass zu kaufen. Er zeigte mir eine App (IRealPro), mit einer großen Zahl von Liedern aller möglichen Genres, jeweils begleitet von Schlagzeug, Gitarre und Piano, die man transponieren, langsamer und schneller spielen kann. Sie zeigt wahlweise Noten und Grifftabellen für Klavier, Ukulele oder Gitarre. Die habe ich mir auf mein Tablet geladen. Jetzt kann ich 8 days a week auf der Ukulele spielen.

18:26

Die Sonne schien, aber im Schatten war es teils spiegelglatt, als ich heute morgen zum Bauernladen fuhr. Die drei Hühnervölker scharten sich eng um ihren mobilen, von Sonnenkollektoren beleuchteten Stall, ein Hahn schrie. Ich fragte nach Wildschweinfrikadellen, die ich dort vor einer Weile gekauft hatte, aber sie waren nicht vorrätig. Ich kaufte Eier, fuhr heim und frühstückte. Den Rest des Tages habe ich Klavier gespielt, den Text von 8 days a week ausgedruckt und zur Ukulele gesungen.

Di 22.01.19 21:15

Die Männer kennen sich. Der eine sagt, er gäbe ein Foto, auf dem sie nebeneinander stünden. Er habe eine Baskenmütze auf. Der andere kann sich nicht erinnern. Seine Erinnerung an den Mann mit der Baskenmütze setzt erst viel später ein. Vielleicht, weil der Mann mit der Baskenmütze, der damals ja noch ein Junge war, auf keinem der Fotos in seinem Fotoalbum auftaucht, vor allem nicht neben dem mit dem Wasserkopf. Der habe hinter ihm gesessen, sagte er, aber als sie sich fünfundfünzig Jahre später trafen, konnte sich zunächst keiner der beiden sich daran erinnern, dass er Eckehardt hieß. Eckehardt wurde von allen gehänselt. Als es nach vier Jahren Volksschule um den Aufstieg ging, im Zeugnis stand "steigt", stieg Eckehardt nicht mit, Eckehardt blieb, der mit der Baskenmütze stieg dahin, wohin die Kinder der besseren Familien immer stiegen, aufs Gymnasium, während der andere auf die Realschule stieg.

Danach dauerte es noch einmal fast zehn Jahre, eh es das erste verbürgte Treffen der beiden gibt. Ein Foto, aufgenommen auf der Treppe der National Gallery in London beweist es. Danach gibt es zwar sporadische Begegnungen, aber keine feste Freundschaft. Der eine nämlich, der mit der Baskenmütze, flog als Steward für die Lufthansa um die Welt und schickte Ansichtskarten von exotischen Orten, die damals noch Traumziele waren, der andere schwenkte als Zivildienstleistender Nachttöpfe auf der Chirurgie eines kleinen Krankenhauses. Das war noch vor der großen Privatisierungswelle des Gesundheitssystems. Und auch danach trafen die beiden eher selten aufeinander. Aber gestern saßen sie zusammen, tranken Wein bis in den Morgen und erzählten sich Geschichten. Am Morgen fehlte dem mit der Baskenmütze das Hörgerät. Es war ihm aus dem rechten Ohr gerutscht. Beide suchten eine Weile, bis der andere es fand. Es lag unter einem Sofakissen.

23:06

eh ich ins bett geh
und in träume falle
den morgen fern seh
mit lügen
die aufs pralle daunenkissen rieseln
mit jahr mit tag mit stunde
ausgewiesen
damit ich später sagen kann
das damals
das war dann und dann
das war ein guter tag und jener nicht
das war ein leicht- und das ein schwergewicht
das hab ich gut gemacht
das hab ich nicht bemerkt
da wurd ich ausgelacht
und bin nicht umgekehrt
das war das schönste und das bleibt es
auch wenn es mittlerweile längst entleibt ist
es ist doch meins und meine seele hütet es
ich mach die tür zu
draußen wütet es
nun gute nacht mein liebes leben
ich habe dir vergeben



Mi 23.01.19 14:04 sonnig mit leichter Bewölkung, plusminus Null

Berufsverkehr. Schnee, vier Minuten Spätung, die mir den Anschluss vermasseln würden. Ich hoffte bei jeder Haltestelle, der Bus würde vorüberfahren, aber er hielt. Als er die Haltestelle erreichte, an der ich umsteigen musste, fuhr der andere Bus gerade davon. Zwanzig Minuten warten also, bisschen frieren. Es wird langsam hell, es ist grau. Ich schüttle die Nacht in kalter Luft aus, das hilft. Ich rufe den Veranstalter an und sage, dass es fünf Minuten später werden könnte. Schließlich schaffe ich es doch fünf Minuten vor der Zeit. Der Bibliothekar begrüßt mich. Er könnte sowohl Mann als auch Frau sein. Fünfzig Kinder kommen zu ersten, noch einmal so viele zur zweiten Lesung. Die erste Gruppe ist vorbereitet. Jedes Kind hat einen Zettel mit Fragen. Am liebsten würde sie sofort loslegen, aber erst einmal singe ich ein paar alberne Strophen, um ihnen die Scheu zu nehmen, danach hören sie mir aufmerksam beim Lesen zu, und dann fragen sie. Die zweite Gruppe ist nicht vorbereitet. Die zweite Gruppe ist auch weniger aufmerksam. Wäre ich jetzt ein junger Vater, wäre mir wohler, mein Kind hätte zur ersten Gruppe gehört.


Do 24.01.19 15:00 bewölkt, könnte Schnee geben, Frostgrenze

Heute war die Presse vor Ort. Sie nahm ihre Aufgabe ernst, was mir gefiel. Mehr später. Ich muss schlafen jetzt.


Fr 25.01.19 12:00 bewölkt, um die 0 Grad, könnte Schnee geben

Zwei kleine, dicke Frauen Mitte bis Ende fünfzig, der Physiognomie nach an der Grenze zur Debilität und ein Mann Mitte dreißig steigen zu. Sie reden laut über Smartphones. Der Mann hat einen großen Karton und eine Plastiktasche dabei, aus der er, kaum hat er sich gesetzt, bis zum Aussteigen (ca. 20 Minuten später) ununterbrochen Essbares befördert. Ich höre, wie die Cracker krachen, wie das Papier vom Marsriegel aufgerissen wird, ununterbrochen stopft er Dinge in sich hinein, ich ekle mich, ich möchte hingehen und sagen, wenn Sie so weiterfressen, haben Sie in spätestens zehn Jahren ein gewaltiges Problem, falls Sie nicht sowieso schon eines haben, was wahrscheinlich ist, denn er sagt, heute habe ich hundert, aber meistens liege ich bei zweihundertfünfzig. Was das für Werte sind, weiß ich nicht, aber sie klingen, als würde ich sie nicht haben wollen.


14:52

die wölt die wölt
ist grau in grau
ich schau ich schau
und werd nicht schlau
ich habe alles umgenäht
und nichts hat sich gedreht


So 27.01.19 13:22 bewölkt, feucht, um die sechs Grad

Wer ins Pumpenhaus geht, weiß, dass er schlicht sitzt. Eine Stunde, vielleicht sogar zwei. Er weiß aber auch, und das ist wichtiger, dass es dort Dinge zu sehen gibt, die man in Münster und weit darüber nicht alle Tage zu sehen bekommt.
Eine Stunde also, während zwei Tänzerinnen und zwei Tänzer in der Nacht herumgehen und von Flammen verzehrt werden. Die Nacht bricht brutal über die Zuschauer ein. Sie sehen die Hand vor Augen nicht. Sie hören eine Musik, die mit leicht schneller schlagendem Herzschlag synchron geht, auch eine Stunde, ohne harmonische und rhyhtmische Veränderung. Als das Licht dann angeht, sieht man auf eine kastenförmige Bühne, deren Boden, hintere und rechte Bühneseite als Projektionsfläche für fließende, grau-weiße Muster dienen. Man könnte an Wasser denken, an den Fluss des Lebens. Diese Projektionen bewirken einen Zustand, den ich als Kind kannte. Ich stellte mich auf eine Brücke über einem Wehr und starrte auf das darüber schießend Wasser. Die Brücke bewegte sich. Die Dachkonstruktion des Pumpenhaus hebt sich. Und da stehen plötzlich vier Tänzer. Sie stehen immer plötzlich irgendwo auf diesem Viereck, mit harten Schnitten über die ganze Spielzeit des Stückes vom Choreographen hierhin und dorthin geführt. Manchmal verändert die Lichtregie die Projektion, es bleibt zwar das gleiche Fließende, aber in anderen Ausschnitten mit horizontalen und vertikalen Schatten, diese auch wandernd, so dass harte Lichtkorridore entstehen. Die Tänzer (ohne /Innen: die Tänzer) wirken katatonisch. Ihre Köpfe hängen vornüber gebeugt, ihre Hände zittern, sie sehen aus wie Zombies, wenngleich besser gekleidet. Sie kommen dem Publikum in radikalen Schnitten näher. Sie stehen am Bühnenrand. Als hätten sie Parkinson. Sie treten auf der Stelle. Wenn sie so herumgehen, ist alles hoffnungslos. Man wünscht sich einen Augenblick illusionären Glücks, aber wenn dann in einer diagonal getanzten Szene Frohsinn vorgeführt wird, ist alles noch hoffnungsloser, verzweifelter. Ihre Versuche, zueinander zu finden, Mann zu Frau, Körper zu Körper, sind katastrophal. Dieser Grundstimmung setzt man sich aus, wenn man Roberto Castellos "In Girum imus nocte te consumimur igni"sieht. Es kann magisch werden, so dass es einen hineinzieht in diese trübe düstere Welt, oder es langweilt. Katharsis findet nicht statt.


Mo 28.01.19 11:14 bewölkt, feucht, wie gestern

Vor Wochen hatte ich einem Impuls folgend ein Ticket für den deutschen Singer/Songwriter Gisbert zu Knyphausen gekauft. Gestern war es so weit. Ich fuhr zur Sputnikhalle. Richtige Lust hatte ich nicht. Aber ich war gespannt auf das Publikum. Wie alt wäre es? Wie sähe es aus? Endzwanziger. Mittdreißiger. Mit und ohne Hipsterbärte. Eher ohne. Attraktive junge Frauen? Ja, ein paar. Bekannte? Nein. Der Sänger mit Band. Ich habe eine CD von ihm, die mir gefällt, aber Studio und Bühne sind wie Tag und Nacht, und Knyphausen hat die Bühnenpräsenz eines Brotes. Zudem folgten die Stücke, die ich gehört habe, eh ich, wie andere, vorzeitig ging, einer vorhersehbaren Dramaturgie. Leiser Beginn, dramatisch lauter werdender Zwischenteil, dann wieder leiser. Es swingt, da kann man nicht meckern, aber alles in allem war es eher altbacken und langweilig. Dafür hätte ich das Sofa nicht verlassen müssen. Andererseits ist es immer interessant, aus dem Haus zu gehen.


19:59

Gegen Abend fehlen mir die Worte. Keines hat sich verabschiedet, sie haben nur einen Brief dagelassen. Du wirst neue verpflichten müssen, steht darin. Lade sie aus dem Internet. Filtere sie aus deinen Büchern. Mit uns ist nicht mehr zu rechnen. Ich habe viele Bücher und ich habe die meisten gelesen, die Worte darin gehören also so gut wie mir, dachte ich, aber auch die verweigern nun die Zusammenarbeit. Kein Wunder, an so einem verschissenen Regentag.


Di 29.01.19 13:15 ein bisschen heller als gestern, Sonne sogar

Ich habe den Januar redigiert. Was fehlt, ist die "Winterreise", ein Tanzabend am 19.01 von Hans Henning Paar im Großen Haus des Theaters Münster. Hans Zender, ein zeitgenössischer Komponist und Dirigent, hat Schuberts Kompositionen interpretiert und mit viel percussiven Farben in die Gegenwart gebracht. Wind rauscht. Manchmal klingt es, als scratche ein DJ. Keyboards, wenn ich richtig gehört habe, die Soundflächen legen, klassisch die Geigen, Celli, der Bass und die Harfe, Posaunen hingegen hin und wieder an der Grenze zu einer auffällig wohl klingenden Dissonanz bliesen, alles aber in enger Verbindung zur romantischen Basis. Der Tenor ist dabei Teil des tanzenden Ensembles. Auf der Bühne steht links eine hohe, metallische Fläche, darin ein großes Tor mit Spitze, hinten eine quadratisch, durchsichtig gefächerte hohe Rückwand, die durch verschiedenes Licht wundervollste Möglichkeiten des Schatten- und des weichgezeichneten Spiels bietet. Und was weiß ich von den Tänzern, außer, dass sie getanzt haben, natürlich. Die Krähe ist mir in Erinnerung. Der Doppelgänger. Ansonsten habe ich keine Erinnerungen an Bewegungen oder Interaktionen. Ich erinnere mich aber, dass ich gern zugeschaut habe. Dass ich Bühne und Licht deutlicher erinnere, hat wohl damit zu tun, dass sie sich nicht bewegt.

 



Mi 30.01.19 15:34 bleierner Himmel, gepuderte Dächer, um 3 Grad (geschätzt)

Wir träumen von der Kurischen Nehrung. In der ersten Variante fahren wir mit demZug bis Berlin, fliegen von dort nach Vilnius, mieten ein Auto und fahren durchs Land. In der zweiten mieten wir das Auto in Münster, fahren nach Norden, folgen der Ostseeküste bis Danzig, kreuzen die Masuren und dann Litauen Richtung Klaipeda, Kurische Nehrung. Hertz vermietet für Reisen nach Litauen keine Autos, zu gefährlich, Autoklau allerorten, Sixt schon, schließt aber deutsche Fabrikate wie Audi, Mercedes, Volkswagen und BMW aus. In der dritten Variante fahren wir mit dem Zug nach Kiel und von dort mit der Fähre nach Klaipeda. Die neueste Variante wäre ein Flieger nach Riga, von dort mit einem Mietwagen Richtung Kurische Nehrung, und von Klaipeda zurück nach Kiel.


Do 31.01.19 11:26 leicht bewölkt, Frostgrenze, weiße Dächer, weißes Land

Wenn man Ich sagt, beginnen die Probleme. Wer ist Ich? Nehmen wir an, Ich wäre das schreibende Ich. Wer ist dann das Ich, das nicht schreibt? Ich schreibe ja nicht ununterbrochen. Manchmal muss auch gefrühstückt werden, oder der Körper, den ich Ich nenne, braucht eine Dusche. Das mit dem Ich ist also äußerst haarig. Man kann sich auf nichts verlassen, deshalb ist "man" häufig eindeutiger, zielt es doch diffuser auf das sich dahinter verbergende Individuum. Einfach wäre es, das Individuum mit dem Ich gleichzusetzen, aber ich fürchte, (wer fürchtet?) das greift zu kurz. Das Ich Ich zu nennen, ist also nicht immer ratsam und vor allem nicht aufschlussreich, denn keiner weiß, wer Ich ist. Ich ist eine maßlose Behauptung.

Es liegt Schnee. Der Monat ist vorüber. Es ist einiges passiert. Aber das, wovon ich annahm, es würde passieren, ist nicht passiert. Ist das ein Misserfolg, oder Einsicht in die Tatsache, dass man Dinge nicht zwingen kann? Ich tippe auf Letzteres.


16:16

hab mit wundern
in den tropen rumgesessen
hab auf bergen fern gesehen
blau kann ich auf einem bein noch stehen
hab das meer befahren und die autobahn
hab die dicksten frauen und den steilsten zahn
flach gelegt und wieder aufgestellt
hab im bett geschlafen und im zelt
hab die schlange und die böse welt
und das fernsehn abbestellt
und demnächst im februar
bleibe ich so wie ich war