Juli 2011                                        www.hermann-mensing.de          

mensing literatur
 

Bücher von Hermann Mensing bei: Amazon.de  

zum letzten eintrag


1.07.11 9:52

Dieser Zaunkönig singt Akkord- und Quartsprünge mit Trillern, und das schon seit Tagen. Wenn ich ihn höre, denke ich an dich. Muss schon Morgen gewesen sein, weil ich's noch weiß, und weil es einer dieser Träume war, in denen der Träumer weiß, dass er träumt.

Ich erschrak, als ich dich bemerkte, dabei hatte ich mir immer gewünscht, dass du in meine Träume kommst. Die Morgensonne schien in mein Zimmer, in dem ich mit Schlafmaske lag, weil ich geschlossene Fenster und hinab gelassene Jalousien nicht ertrage.

Du tust so, als wärst du nie gegangen.

Wir könnten uns ins Auto setzen und nach Amsterdam fahren. Heute ist ein Tag für Amsterdam. Ich sehe uns durch die Straßen schlendern, vor Cafés, ich sehe uns in kleinen Geschäften, und einmal, im Bijenkorf, habe ich etwas Falsches gesagt. Es ging um ein Kleid, und ich fand, dass es nicht zu dir passt. Da warst du plötzlich lebensgefährlich, so, wie ich dich liebte, eine Frau von Format, während ich, seit du tot bist, nur Durchschnitt treffe, von dem ich mich dann und wann blenden lasse, um das Alleinsein ertragen zu können.

Wenn ich aufwache, schiebe ich die Schlafmaske hoch, schaue auf die Uhr, schiebe sie wieder runter und rolle mich ein. Die Katze sitzt vor der Tür. Sie sagt nichts, sie sitzt nur da und wartet und wartet. Kaum aber stehe ich auf und verlasse das Zimmer, singt sie ihren Morgengesang und geht mir um die Beine.

Es ist frisch heute. Ich kann wieder atmen. Ich bin optimistisch, man könnte fast sagen, euphorisch, wir sprachen schon drüber, wahrscheinlich erinnern Sie sich: die typischen Zeichen manischer Depression. Himmelhoch jauchzend und abgrundtief jammernd.

Lass uns nach Amsterdam fahren.
Ich hab dich für alle Ewigkeit. Ich weiß das zu schätzen. Ich bin stolz.


13:48

The Beatles on heavy rotation

... she said, you don't understand, what I said, I said, no, no, you're wrong, when I was a boy, everything was right, I said, even though you know what you know, I'm ready to leave, and you're making me feel like I've never been wrong ...

Ihr kamt zur rechten Zeit. Wer weiß, was ohne euch aus mir geworden wäre.

20:20

Ich beschäftige eine Reihe von Avataren, die in der Welt unterwegs sind, um zu berichten. Ich habe sie ausgebildet, daher sind ihre Berichte durch die von mir angefertigten Brillen gefärbt. Für genaueren Aufschluss über das Leben arbeiten deshalb auch Agenten aus Fleisch und Blut für mich. Sie leben in unterschiedlichsten Umfeldern, haben unterschiedlichste Ausbildungen, und sind daher der Wahrheit näher als die meisten meiner Avatare.

Ein Agent, eine Agentin, um genau zu schein, schickte mir heute diesen anschaulichen Bericht.
Lesen Sie selbst, sie werden unter Umständen begeistert sein. Ich jedenfalls bin es.

Hallo Hermann,
(sie glaubt, dass es mich tatsächlich gibt, aber das ist eine andere Geschichte)

der Gatte weilte als libanesischer Teppichhändler in Frankfurt und mit mir ist es durchgegangen. Mein Bruder ist ein Mann der Tat, und als er sah, was ich mit unserer Bücherei veranstaltete, war er mir als krimineller Mittäter dienlich.

Zwei Wagenladungen später – inklusive Beifahrerseite - war ich die großen Werke der Literatur für immer los. Bekannte Titel wie “Schwul- na und?“ oder „Leiden macht keine Lust“, eine zugegeben schwierige Phase meines Daseins. Leider kaufte ich in dieser Phase viele Bücher. Jetzt sind sie weg, und ich bin total im Arsch und glücklich.

Das alles machten wir ohne das Wissen des Gatten. Das ist nicht schlimm, weil ich selbstverständlich seine Helge Schneider-, Moers- und Thomas Bernhardt-Scheiße nicht weggeworfen habe.

Helau.
Was aber ganz deutlich zu sehen war: ich besaß mehr Bücher.

Nun ist der Raum schmuddelig und leer, und wo wir schon mal dran waren, verschwanden 4 Billy Regale auf dem Berg Sperrmüll und den 7 Säcken der Stadt Essen im Garten. Mutti ist gründlich. Wenn das weiter so gut läuft, kann ich am Montag streichen. Das wird schon.

Der Gatte war leicht irritiert, aber gottlob war die Hütte so voll mit Helfern, die alle schweigsam sein können, dass er zwar bemerkte, dass etwas anders ist, aber er kam nicht drauf, was. Ich sehe, wie er darüber nachdenkt, aber es will ihm nicht so recht einleuchten. Gut - die Regale im Garten hat er nicht kommentiert. Dass Axel und mein Bruder aussahen wie die Schweine - er beurteilt niemanden nach seinem Äußeren, ein schöner Charakterzug, der sich leider nicht auf sein Weib bezieht - hat ihn auch nicht stutzen lassen.

Jetzt der Trick: man muss seine gewohnten Wege frei halten, in seiner eigenen Umgebung keine Möbel verrücken, und auf keinen Fall eigenmotiviert das Thema anschneiden. Dann ist die Welt in Ordnung. Wenn man das weiß, beherzigt und helfende Hände hat, geht das. Jetzt zaubere ich mit Hilfe von Herrn Bofrost noch ein Curryhuhn und das war´s. Ehrlich? Ich spür meinen Rücken gerade mehr, als mir lieb ist.

Ein bißchen sorge ich mich um den Tibeter. Der versank heute kurz in einem Bücherchaos und war total genervt, weil er keinen Platz im Gästebett fand und überhaupt Angst hatte. Den werde ich heute kaputt kraulen müssen, damit er sich abregt.

Elvis has left the building. Das letzte, was der Gatte sagte: jetzt muss ich dem Trainer mal reinen Wein einschenken, was den Wechsel zur SGS angeht. Das sollte fair über die Bühne gehen! Ich habe ihm nochmals auf den Weg gegeben, dass dies doch P.s (die gemeinsame Tochter) Entscheidung ist, und sie es dem Trainer schon mitteilen wird, sollte sie wirklich wollen. Mal ganz davon ab, ist ja schon lustig, dass er im Moment glaubt, es sei seine Idee gewesen, und er müsse sich um einen reibungslosen Ablauf kümmern. Nur zu, ich reiche die Fackel weiter!

Oh scheiße ist das spät….ich muss dann mal. Gruß A.


Sa 2.07.11 10:47

Wann die Post kommt, oder ob überhaupt, kann in dieser Straße niemand sagen, denn seit der beamtete Postbote abgeschafft und durch meist jugendliche, gern auch tätowierte, in jedem Falle aber täglich wechselnde, desorientierte Hilfskräfte ersetzt wurde, sollte man solche Fragen nicht stellen. Wir stehen schließlich in globalem Wettbewerb.

Der Brief, auf den ich um diese Jahreszeit jedes Jahr sehnlichst warte, schien und schien nicht kommen zu wollen, dann aber, gestern gegen Mittag, sah ich ihn, achtlos in den Flur geworfen. Ich war auf dem Weg zur Waschmaschine, hob ihn auf, öffnete und ballte die Faust.

Geld!!!

Als meine Karriere als Lehrer im letzten Jahr jäh endete und mein Herz wieder frei schlagen konnte, stand ich natürlich vor der Frage, wie ein Schriftsteller mit Avataren und Agenten, die ja auch alle kosten, überleben könne.

Da ich in einem Millieu groß geworden bin, in dem es nie zuviel und immer gerade genug gab, habe ich gelernt, mit Geld umzugehen. Ich hatte gespart, ich schätzte mein Erspartes, ich wog es gegen die Lebenshaltungskosten, die ich täglich in einem Haushaltsbuch notiere und gab mir ein Jahr. Innerhalb dieses Jahres, dachte ich, müsste etwas Gewaltiges geschehen, ansonsten wäre ich pleite.

Die Zuversicht, es zu schaffen, war zu meinem Erstaunen dennoch groß. Heute nun, acht Monate später, habe ich erst ein Zehntel meiner Rücklagen verbraucht, das von mir Erträumte ist eingetreten, ich verdiene immer gerade so viel, dass es reicht. Neue Rücklagen sind so zwar nicht möglich, aber ich kaufe kaum Überflüssiges.

Wenn die Dinge also weiter so laufen, wird mein Konzept aufgehen. Ich kann überleben, ohne meine Haut mit fremdbestimmter Arbeit zu verschleißen. Das ist großer Luxus, und im Augenblick weist vieles darauf hin, dass ich ihn mir weiterhin leisten kann. Darauf bin ich stolz.

Deshalb bin ich gestern in Spendierlaune über den Wochenmarkt geflogen, habe dies gekauft und das gekauft und davon auch noch was und habe gar nicht daran gedacht, dass wir ja nur ein Zwei-Mann-Haushalt sind, und dass ich mit dem Käse eine mittelgroße Gesellschaft versorgen könnte, eine Wundertüte voll verschiedener, feinster Sorten, Reststücke zu 7 Euro das Kilo. Mein Sohn protestierte, grünen und roten Käse werde er nie essen. Musst du auch nicht, sagte ich. Er ist in vielen Dingen ein Ignorant, viele Dinge isst er nicht, er probiert sie nicht einmal, und sie sollten seine Reden zum Frauenfußball mal hören. Aber das ist eine andere Geschichte. Als ich in seinem Alter war, wollte ich alle, die nicht dachten wie ich, hinrichten.

12:00

Neuer Agentenbericht:

geschmeidig glitt ich heute morgen aus dem Bett auf die Knie, blieb liegen und überdachte die Situation. Zwischen mir und der 600er Iboprofen lagen 2 Etagen. Keine Sorge - ich bin unten angekommen, schmeiße Medis mit Kaffee und alles ist schön, wenn die Wirkung einsetzt. Also in ca. 20 Minuten.

Um 21:30 am gestrigen Abend war es soweit: "Sag mal, ich glaub, da stehen Regale im Garten (jaaaa und die sind jetzt vollgeregnet und kommen nie wieder ins Haus, also was?), wie willst du (genau richtig, ich, weil mit Hilfe deinerseits nicht zu rechnen ist) jetzt die ganzen Bücher unterkriegen?"

"Das ist nicht so schwer, P. läßt ihre Regale im Giebel"
Nach einer kurzen Denkpause, basierend auf einem Studium der Mathematik kam die Antwort:“Aber P. hat nur zwei Regale.“

Korrekt soweit.

In der Bibliothek standen fünf 80er Billy Albträume in Weiß, ein 40er und ein 60er. Macht 7 zu 2. Die überschaubare Differenz von 5 liegt draußen unter der Schaukel. Derart in die Enge getrieben, nahm ich eine möglichst entspannte Haltung ein und einen vernunftorientierten Gesichtsausdruck: "Jaaaa, aber ich trennte mich heute von einigen Büchern." Hier kam der Satz, auf den wir alle gewartet hatten: "Du hast was? Du hast Bücher entsorgt?"

Richtig, ich hatte Bücher entsorgt. Noch lief das Gespräch deutlich zu meinen Gunsten, da er noch nicht nach der Menge gefragt hatte und ich mich auf die Schweigsamkeit meines Bruders verlassen kann.

Also weiter im Text. "Ja habe ich. (hysterisch lachend im Container um die Ecke): eine Kollektion Charlotte Link (auch so eine schreckliche Phase), verschiedene Werke über Baader und Meinhoff (sehr schlimm), 300 Bücher über das Leben und Schaffen von Mickey Mouse und Weiteres, vermisst du eines dieser Bücher?“

„Nein.“
„Dann ist ja gut“ .

Ich sah ihn denken. Er hatte die Bernhardt Vertrauensfrage auf den Lippen, wie er da so frei schwebend im Türrahmen hing. Also guckte ich möglichst mit dem 'mach dich nicht lächerlich Gesicht' über den Computer und sagte: “Selbstverständlich habe ich keines DEINER Bücher entsorgt.“

Damit wären wir unweigerlich an der Schnittstelle zur lässlichen Lüge angekommen. Die funktioniert bekanntermaßen so, das das Gegenüber ein beruhigtes Gesicht macht und seiner krummbeinigen Wege geht. Bingo. Geht doch. Aus der Nummer bin ich erstmal raus.

In den kommenden Tagen wird es noch einige dieser Szenen geben, denn was der Gatte noch nicht weiß: er wird sich am Montag von einer Sammlung kaputter Staubsauger und TV-Geräte trennen, und in der darauf folgenden Woche von wackligen Stühlen, Kindertischen, und wenn ich richtig fleißig bin, von einem Teil seiner Ibiza Koffer Sammlung. Ein Hobby, das ich später erklären werde, das aber zur Folge hat, dass es immer wieder zu peinlichen Momenten kommt, wenn der Gas- und Wassermensch versucht, den Verbrauch festzustellen.

Der Tibeter weiß noch nicht, dass er sich von einer gut eingelegenen Kindermatraze trennen muss, aber er hat ja dann die Chance auf Verbündete mit ähnlichem Schicksal.

Ich werde jetzt die Fußballtasche packen und tun, was eine Frau am Wochenende tun muss- jubeln und Kühlakkus verteilen.

Ich wünsch dir einen verregneten Tag und mächtig Gedichte.

Gib alles hermann! Gruß A.

18:07

Gestatten Sie mir zwei erklärende Sätze zu der Agentin A. Sie und ihre Familie (Mann, Tochter und Tibeter, ein Hund) leben in F., einem Stadtteil von E., einer Stadt in NRW. Sie hat sich als Hausfrau getarnt, er weiß nichts von ihrer Agententätigkeit, er betreibt einen Großhandel mit tropischen Lebewesen, die Tochter spielt Fußball, der Tibeter ist gern faul.

20:04

Man kennt den Weg blind, man macht kein Licht, wenn man zum Trommelkeller schlurft, man hat den Schlüsselbund mit den drei kleinen Schlüsseln, denn das Vorhängeschloss ist das Kleinste, dass man damals hat kaufen können, es sollte nur die Tür schließen, Sicherheit braucht man nicht hier unten, hier ist ja nichts, hier stehen Kartons mit Manuskripten, hier stapeln sich hunderte Dias, hier steht das Schlagzeug, und damit der Tag nicht völlig ereignislos in den Abend mündet, hat man beschlossen, ein wenig zu spielen. Aber der Schlüssel will nicht ins Schloss, vielleicht hätte man doch Licht machen sollen, denkt man, blöde, unbelebte Materie, nun funze doch, denkt man, und dann fällt es einem wieder ein, die Atomphysiker hatten es einem gesagt, nichts ist unbelebt, alles kreist umeinander, alles ist ein einziges Kreisen und feste Körper, wie wir sie als feste Körper wahrzunehmen bereit sind, gibt es in physikalischem Sinne überhaupt nicht, es kreist und lebt, dachte man, warum also nicht versuchen, den Atomen gut zuzureden, und siehe, kaum hat man das Vorhängeschloss angesprochen, zeigt es Einsicht, man geht in den Schlagzeugraum, schließt die Tür hinter sich, setzt sich ans Set und spielt eine Weile. Und während man spielt, denkt man, gleich schreibe ich über unbelebte Materie.


So 3.07.11 20:01

Wegen verschärften Wortekels kein Eintrag.


Mo 4. 07.11 9:41

Achtung. Tür defekt. Verletzungsgefahr, steht an der Eingangspforte der JVA. Ich denke, das ist doch ein Knast, wenn da die Tür defekt ist, was soll denn da sonst noch alles defekt sein, und dann sehe ich noch ein zweites Schild: Ausgezeichnet als vorbildliches Bauwerk im Lande NRW.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist eine Anlage, die auf den ersten Blick nicht eindeutig zu identifizieren ist, es könnte ein Friedhof sein, es könnte eine Kleingartenanlage sein, ein Superintendent (ein Mann meines Alters mit grauem, sehr eleganten, kragenlosen pastoralem Hemd) ist sich auch nicht so sicher. Dann entdecken wir Deutschlandflaggen.

Beim Betreten des Gebäudes zeigen wir unsere Ausweise, werden in der bereit liegenden Gästeliste abgezeichnet und dürfen in dem links im Eingangsbereich liegenden Aufenthaltsraum warten. Auch hier sind Schilder angebracht. Eines hat mit dem Verzehr von Heißgetränken zu tun. Darauf steht: ein Besucher 16 Euro, zwei 18, drei 18. Ich frage den Portier, wie das zu verstehen sei, er erklärt es mir, aber ich verstehe es nicht. Und dann ist da noch eine Liste, die festlegt, dass Gefangene des Männerhauses folgende Sportwäsche bekommen dürfen: 2 kurzärmelige Shirts (Poloshirts u.ä.), 2 kurze Sporthosen, 2 langärmlige Pullover oder Sportjacken, 2 Jogging oder Sporthosen, langbeinig, 2 Paar Sportschuhe, 1 Paar Badelatschen, 1 Kappe oder Mütze.

Alles ist grau, vergittert, verschlossen. Als wir über den Hof gehen, werfe ich einen Blick in die Küche. Zwei kräftige Türken stehen vor Töpfen und reden lautstark. Wir passieren einen Sportplatz. Rechterhand und zentral ein Gebäude, das entfernt an das Reaktorgebäude eines AKW erinnert. Das ist die Moschee, witzelt jemand. Auf der Westseite des Sportplatzes der Frauentrakt, auf der Ostseite der Männertrakt. Insgesamt etwa 600 Insassen, davon ca. 150 Frauen.

Wir müssen einen Augenblick warten, rauchen Zigaretten und jemand sagt, Sie werden beobachtet. So fühle ich mich auch. Dann kommt ein Schließer und führt uns durch ein in Wischtechnik organge eingefärbtes Treppenhaus in die kleine Kirche im dritten Stock.



Das Bild hinterm Altar ist von Horst Gläsker.

Noch sind keine Gefangenen da. Sie kommen zehn Minuten später, man hört sie von weitem, dann ist der Raum voll. 70, 80 meist junge Frauen, zum großen Teil Migrantinnen, darunter eine Hand voll Afrikanerinnen und Roma. Es wird viel gelacht, gealbert und geredet.

Wir sitzen da, sind fremd, frei und neugierig.

Der Gottesdienst beginnt. Superintendenten halten Reden, Segen werden gespendet, Hände werde aufgelegt, Lieder werden gesungen, die einzuführende Pastorin hält eine kurze Predigt über das Buch Hiob, danach wird ein kleines Buffett eröffnet und alle machen sich darüber her. Cola, Fanta, Schorle, Wasser, belegte Brötchen.

Ich mische mich unters Volk. Ich spreche mit vier Frauen. Eine, die seit vier Jahren wegen Drogenhandels sitzt und noch zwei Monate hat. Eine, die mir erzählt, dass viel gekifft würde im Knast und dass alles erhältlich sei. Dass es Vier-Zwei-und Einbettzellen gäbe. Sechszehn Quadratmeter groß. Eine, die sehr schön ist, spreche ich auf ihr Make-Up an. Sie antwortet: eine Frau muss doch schön sein. Russin, denke ich. Auf jeden Fall Osteuropa. Eine, die mich fragt, ob sie eine der Kerzen mitnehmen dürfe, ihre Mitbewohnerin wolle immer früh schlafen, sie wolle lesen. Das weiß ich nicht, sage ich. Eigentlich gibt es nur zu Ostern und Weihnachten Kerzen, sagt sie, pustet eine Kerze aus, gießt den heißen Wachs in eine Serviette und schiebt sich die Kerze hinter den Bund ihrer Socke am linken Bein. Und wenn man Sie jetzt schnappt, sage ich. Sie sagt, sie wäre in Untersuchungshaft.

Später erfahre ich, dass die meisten der Frauen wegen Diebstahls, Betruges und Drogendelikten einsäßen, allerdings gäbe es auch Lebenslängliche, in deren Stammdaten steht: kein Haftende. Die älteste Insassin sei 73, eine Kleptomanin. Ich lerne ein neues Wort: Beischlafdiebstahl.

Beim Verlassen der JVA auf dem Hof fällt mir auf, dass hinter den Zellenfenstern mit Taschenlampen Nachrichten gesendet werden. Vom Frauentrakt hinüber zum Männertrakt und zurück. Sie schreiben Buchstaben, die sich zu Worten reihen.

14:51

Ich habe mich eingemummelt und schlummere, ich schlummere also und denke, oh, ich könnte sie anrufen und auf einen Kaffee einladen, das würde sie freuen, ich meine, auch, wenn sie jetzt nicht mehr hier wohnt, das freut sie bestimmt, ich bin voller Freude und aufgeregt, sie wieder zu sehen, ich drehe mich um, will aufstehen und zum Telefon gehen, und dann fällt mir ein, dass sie tot ist. Das ist jetzt das dritte Mal in zwei Wochen, dass mir so etwas passiert.


Di 5.07.11 9:02

Musste gestern zwischen acht und neun den Telefonjoker ziehen, wählte, konnte nur wie ein Wolf heulen und anschließend kaum sprechen, worauf der Telefonjoker fragte, war's das, und ich sagte, ja, ich glaube, das war's, aber dann stieg die Sonne auf und ich redete doch, redete und hörte zu, erfuhr von der trauernden Mutter und der strahlend hübschen Tochter, die ihren Abi-Ball gefeiert hatte, erfuhr, wie mutig die jungen Leute auf der Feier ihre Rektorin angegriffen hatten, und war zum Ende des Gespräches wieder da, wo ich leben kann, allein, mit Sehnsucht auf immer, aber immerhin, das Heulen war vorüber, die Einsicht hatte gesiegt, der Abend zog auf, der Montagsfilm mit ihm, danach ging ich ins Bett. Auf ein Neues, dachte ich, zog meine Schlafmaske über, stopfte mir die Ohren gegen die Autobahn, und schlief ein. Zwei Tage noch, und ich werde nach Aachen fahren und lesen. Zwei Tage noch und ich werde in Aachen versuchen, Loops live zu sprechen. Ein kleines Abenteuer, immerhin.

18:01

Strahlendes Wetter, also Salsa am Coconut Beach, heute abend.

Vor einer halben Stunden kam frohe Botschaft vom Lieblingsverleger.
Hallo Hermann, schreibt er, ich hab Deinen Roman gelesen und ihn genossen. Es ist lange her, dass ich einen Roman für Kinder gelesen habe, wohl 25 Jahre. Seither hatte sich das nie ergeben, aber ich fand ihn spannend und witzig und sehr angenehm zu lesen. Das als kurzes Zwischenfeedback.

Das freut den Dichter. Es geht um Der Vogel und der Zauberer, ein zeitgenössisches Märchen, das ich sehr gern veröffentlicht sähe. Viel Rückenwind augenblicklich, das tut gut.


Mi 6.07.11 00:52

Betanzte ein bulgarische Riesin, die vorgab, nicht tanzen zu können, aber Riesinnen können oft besser tanzen als alle anderen. Überall war Fleisch, ich schaute nur geradeaus und manchmal, wenn es nicht anders ging, auch woanders hin. Ich brachte ihr Drehungen bei und sie lachte laut. Ich liebe lebendige Frauen.

10:19

Sie müssen die Sache so sehen, sagte ich, Sie sind 62, Sie tanzen drei Stunden und kollabieren nicht, im Gegenteil, Sie könnten noch Stunden tanzen, wäre da nicht immer die lästige Suche nach der nächsten Tanzpartnerin, denn der Kugelblitz hatte abgesagt, er muss immer nur arbeiten und arbeiten, während Sie sich einen schönen Abend machen.

Sie müssen morgens nicht aufstehen, Sie mussten das, letztes Jahr, und es hat Ihnen nicht gefallen. Sie sind 62 und haben ein Leben gelebt, Sie waren nie eingebunden in diesen Prozeß, den man Arbeitswelt nennt, nie hat Ihnen jemand gesagt, Sie müssen dies tun und jenes, Sie haben stattdessen gedichtet und wussten, was Sie da tun, deshalb beschweren Sie sich heute mal nicht, dass Sie ein wenig erschöpft sind, das ist normal.

Ihre Knochen tun nicht weh, alles funktioniert, das ist erstaunlich, erstaunlich ist das, andere kriechen mit 62 und sabbern, aber Sie - nichts davon. Sie sind kontenent, alle Ihnen bekannten Funktionen laufen rund, also ....

Dass Sie sich wie Falschgeld fühlen, hat weniger mit dem Tanzen zu tun, als mit der ungeheuren Menge Adrenalin, die durch so viel Freude ausgestoßen wird. Irgendwann war es dann ja mit dem Tanzen vorbei, Sie fuhren nach Hause, Sie wollten jetzt nur noch schlafen, aber dann kam der Schlaf nicht, der Schlaf hatte überhaupt keine Lust.

Was Sie jetzt wollten, kriegten Sie nicht, also drehten Sie sich von links nach rechts und zurück, und dann fiel Ihnen ein, dass Sie am Nachmittag mit dem Geburtstagskind Tee getrunken hatten. Kaffee können Sie zu jeder Tages- und Nachtzeit trinken, aber Tee, nein, Tee, das hätten Sie wissen können, Tee geht Ihnen auf die Pumpe, Tee rumort noch Stunden später in Ihnen, also, lassen Sie es langsam angehen, morgen verdienen Sie, was andere in einer Woche verdienen, in der nächsten Woche verdienen Sie doppelt so viel, vier Optionen auf Veröffentlichungen in den nächsten zwei Jahren stehen im Raum, das ist sensationell, finden Sie nicht, also, ruhig Blut, es ist schwül, Sie haben geduscht, Sie haben gefrühstückt, Sie wissen, was es heute abend zu Essen gibt, Sie müssen nur noch zum Metzger, der ist gleich um die Ecke, der Ohrenbär, an dem Sie arbeiten, ist fast fertig, nichts drängt, Sie haben nur ein Problem, Sie sind Witwer und kennen den Schmerz, der nicht nachlässt, aber damit müssen Sie leben.

18:27

Die uralte Frage nach hinten und vorn wird hier beantwortet.


Do 7.07.11 10:01

Jetzt wieder die Frage: was ziehe ich an? Ich lese heute zweimal. Einmal für Kinder (Pappnase, lustiger Hut), einmal für Erwachsene (Kulturschwarz). Overall für alle Zielgruppen? Sack? Ich weiß es nicht.


Fr 8.07.11 12:09

In Innenstädten mit Sackgassen ist mein Navigationsgerät nicht präzis genug. Hinweise auf Links und Rechts sind oft missverständlich, auf Straßen, deren Verlauf Kurven folgt, wird man manchmal mit "demnächst links abbiegen" verwirrt, und so kam es, dass wir gestern zunächst vorm Dom landeten, diesem berühmten Dom, in dessen Domsingschule ich lesen sollte, aber offentsichtlich war, dass wir dort gar nicht hätten sein dürfen.

Wir waren trotzdem in die Fußgängerzone gefahren. Wir dachten, wir haben schließlich einen Auftrag zu erfüllen, wir lesen hier, also irgendwo müssen wir hin. Wir waren ein bisschen dumm gestern, vielleicht hatte das auch damit zu tun, dass die Zeit drängte, aber dann, schließlich, beim nächsten Anlauf, kam ein Anruf vom Veranstalter.

Ich beruhigte ihn, ich sagte, wir stehen im Augenblick da und da, und er sagte, ich glaube, ich kann Sie sehen. Wir winkten uns zu. Wieder so ein typischer Fall moderner Kommunikation, an der die Kommunikationsriesen sich dumm und dämlich verdienen. Wir, ausgerüstet mit modernster Technik, standen da wie die Deppen. Aber der Depp ist als Konsument heiß geliebt, der Depp kauft die nächste App und das neueste Gerät, und dann muss er das natürlich ausprobieren. Gelegenheit macht Diebe, sagte man früher, Technik macht Idioten, antworte ich, während mein Mitfahrer über GPS googelt.

Die Domsingschule ist eine Grundschule mit musischem Schwerpunkt. Hier werden Knaben und Mädchen für den Chor gezüchtet. Der Klerus liebt engelsgleiche Kinderstimmen, manchmal liebt er noch etwas anderes, zweifelsfrei aber liebt er prächtige Gewänder, und dazu muss er natürlich Schuhe tragen. Man kennt das vom deutschen Tattergreis in Rom, dieser Leuchte der modernen Aufklärung, dessen Schuhe rufen beim Christopher Street Day immer wieder Entzücken hervor.

Diese standen in einer Vitrine im Kreuzgang. Es gab sie in rot, in blau, in ich weiß nicht mehr wie vielen Farben, fünf oder sechs Paar. Der Kreuzgang wird von der Domsingschule genutzt, im Schatten der großformatigen Gemälde, die den Leidensweg Jesu zeigen, eine Lego-Rummelecke. Immerhin, dachte ich, wenn man schon den ganzen Tag diesen halbnackten, gebeugt unterm Kreuz schreitenden Erlöser ertragen muss, immerhin - eine Legoecke.




Ich würde im Quadrum lesen, dem Innenhof mit gotischem Brunnen in der Mitte.




Die erste Lesung begann um 17:00 Uhr für Kinder ab acht. Nun denkt man vielleicht, das Leselust Festival in Aachen, das es seit 16 Jahren gibt, ist eine eingeführte, professionell beworbene Veranstaltung, da strömen die Massen, aber die Massen strömten nicht.

Vor mir saßen zwölf, dreizehn Kinder, ein paar dazugehörige Mütter, ein Großvater, ein, zwei Großmütter. Massen, das wird einem in solchen Augenblicken schnell klar, strömen nur, wenn einer einen Namen hat, denn die Masse, das hat Elias Canetti in Masse und Macht beschrieben, liebt sich selbst wegen ihrer Dichte, und wenn die nicht gewährleistet ist, fühlt sich der Einzelne unwohl, denn dann hat er ja eine Entscheidung getroffen, die er vor sich selbst verantworten müsste, und da bleibt er lieber zuhause.

Aber ich bin Profi. Ob da nun dreizehn oder dreitausend sitzen, ich gebe mir Mühe. Ich plunkere auf meiner Ukulele, ich komme in Betriebstemperatur, erste Sätze sind gewechselt, die Rathausuhr spielt ein kleines Lied, schließlich lese ich. Das jüngste Kind ist vier, das älteste zehn. Wir geraten schnell ins Fabulieren, ins Spielen, ins Weiterspinnen, zum Schluss habe ich auch den Großvater im Boot, der bei einer Szene den Pfiff beisteuert, die Mutter, die sich als Geheimagent von uns fotografieren lässt, wir sind bester Stimmung und könnten noch Tage lesen. Als es schließlich vorbei ist, ernte ich Lob.

Ich entlasse die Dreizehntausend, die johlen und Transparente schwenken, mit einer leichten Verbeugung. Mein Lieblingkind war Sherlock, ein Vierjähriger mit hohem Mitteilungsdrang. Er lebt in Chicago, erzählte er. Ich hatte ihn erst für ein Mädchen gehalten. Das R spricht er wie ein Amerikaner, rund und mit der Zunge am Gaumen.

Ansonsten ist sein Deutsch perfekt. Seine Mutter ist Deutsche. Als es um die Erde geht und um die Frage, ob der Australier tatsächlich mit dem Kopf nach unten hänge, und wie man dorthin gelange, sagt Sherlock, mit einer Rrrrrakete. Dann erzählt er, dass er schon mit dem ICE gefahren sei, und mit einem IC, der aber gar keiner gewesen wäre, sondern ein Eurrrregio, und dass man ihm eine Fahrt mit dem Thalys versprochen habe.

So einen sprachgewandten Vierjährigen habe ich noch nie getroffen.

Zum Abschied erklärt mir Sherlocks Mutter, dass Sherlock aus dem Schottischen stamme: Loch, der dort häufig anzutreffende See, sheer - sher = rein, tief. Sherlock = der reine, tiefe See. Danke, sagte ich, das wusste ich nicht.


Sa 9.07.11 9:37

Nachdem eine ältere Dame mir versichert hatte, wie großartig sie meine Lesung gefunden hätte, trat sie einen Schritt näher und sagte, das wäre aber doch sicher autobiographisch, nicht wahr? Nein, sagte ich. Das konnte sie nicht recht glauben. Ich überlegte, ob ich es ihr beweisen, verraten solle, dass jeder Text autobiographisch ist, dachte aber, das würde die Sache nur unnötig in die Länge ziehen. Sie bedankte sich für den schönen Abend und verabschiedete sich.

Der Turm des Doms leuchtete im Abendlicht. Man hatte mir das angekündigt. Der Turm würde leuchten, hatte man mir gesagt und ich hatte geantwortet, die kirchlichen Baumeister wäre eben auch Meister der Inszenierung.

Es war 22:00 Uhr, ich hatte zum Schluss die schöne Frau vorgetragen, das Playback, die Stimme über das Micro, der Raumklang im Quadrum der Domsingschule, ich hatte das gut hingekriegt, fand ich, jetzt aber müssten die geistlichen Herren schlafen, hatte man mich ermahnt, was ich schade fand, denn ich hätte gern weiter gelesen.

Kaum war die eine Dame gegangen, trat eine andere heran, viel jünger, sehr elegant in blauer Jacke, mit kurzem, schwarzen Haar und roten Lippen. Sie sagte, was die immer haben mit ihren autobiographischen Bezügen, als wäre das von Belang. Ich hatte sie während des Lesens dann und wann angeschaut, jetzt hätte ich sie vielleicht auf ein Glas eingeladen, aber ich hatte ja noch den weiten Heimweg.

Wieder keine Massenveranstaltung, Frauen zwischen dreißig und vierzig, bis auf einen Mann in der letzten Reihe, ein Mittdreißiger mit langem Haar, ich wette, ein Schreiber, aber der sagte nichts. Eine Großmutter, die schon am Nachmittag mit ihrem Enkel da war, sagte, wie sie die Liebe zum Detail genossen habe, das habe ihr schon an meinem Roman für Kinder so gefallen, da wären deutliche Parallelen, und ich verriet ihr, dass ich keinen Unterschied mache beim Schreiben für Kinder und Erwachsene, allein die verhandelten Themen wären andere, so grundlegend anders aber auch wieder nicht. Sie bedankte sich. Gern, sagte ich.

Eröffnet hatte ich den Abend mit zwei Gedichten. Der Veranstalter hatte Rotwein ausgeschenkt, der Abend war mild, die Akkustik gut, die Zuhörer aufmerksam, wenngleich nicht so lebendig wie Kinder, aber das wusste ich vorher. Dennoch, es wurde gelacht, ich legte eine Halbzeitpause ein, man stand und redete miteinander, dann las ich noch zwei Kapitel.

Der Veranstalter hatte gefragt, ob er mein Honorar überweisen solle oder ob ich es lieber bar haben möchte. Bar, hatte ich gesagt. Bargeld fühlt sich gut an. Mit einem Bündel Bargeld in der Innentasche meines Jacketts (viele kleine Scheine und einige große) verließen wir Aachen.

Ich war glücklich. Der Tag glühte am Horizont aus. Ich bin groß und berühmt, dachte ich noch, nicht einmal die Presse bewegt ihren Arsch, wenn ich lese. Aber die darf mich. Die wird schon noch kommen, dachte ich, die kommt schon noch, keine Angst.

Literatur ist nichts weiter als Unterhaltung. Unterhalten sie einmal einer Gruppe ihnen völlig Unbekannter zwei Stunden mit Worten, dann werden Sie wissen, was Kunst ist.

17:48



als ich den korken zog
stieg eine luftsäule auf
ich erschrak
dann sah ich
dein licht deine wärme
und ergriff deine hand

wir verschwanden
hinter der blume
dort war es ruhig

ich glaube
es sirrten insekten herum

wir kreisten am himmel
doch wir waren nicht da

wie seltsam sagte ich
ach sagtest du
daran gewöhnt man sich schnell


So 10.07.11 15:21

Ich fürchte, ich muss das Leben erfinden. Könnte ich erzählen, was Samstag zwischen 21:00 und Sonntagfrüh 3:00 Uhr an diesem Tisch, auf dieser Wiese, zu diesem Anlass unter all den unterschiedlichen Menschen verhandelt, beredet, fantasiert wurde und schließlich im Rausch mündete, wäre ich Loriot.

Aber das bin ich nicht. Ich war Teilnehmer, Redner, Fantast. Jemand wurde 60. Das allein ist Grund für Spott, Häme und dumme Witze. Es gab ein Buffet, es mangelte an nichts, selbst das Wetter hatte ein Einsehen. Es wurden Flaschen geöffnet und achtlos leergetrunken, die das Geburtstagskind lieber verborgen gehalten und allein mit seiner Frau getrunken hätte, aber als er das bemerkte, war es zu spät. Jahrelang in Eichenfässer gelagerte rote Tropfen wurden einfach hinunter gespült.

Es waren Verwandte anwesend, nahe Freunde und fast Fremde, eine Gesellschaft, wie sie heterogener nicht hätte sein können. Wortführend über lange Zeit war eine Gruppe noch immer träumender Indienfahrer (Psychologen, Pädagogen, Sozialarbeiter), die sich darin gefallen, jährlich in entlegenen Weltgegenden Eingeborene zu bestaunen und sich davon seltsam angerührt zu fühlen. Ihr grauhaariger Leitwolf scheute keinen noch so dummen Satz und stellte Spekulationen in den Raum, die jedem Nüchternen peinlich gewesen wären und die Berauschten so wortlos machten, dass sie sich nur noch in Lachsalven retten konnten.

Die andere Gruppe, Mitglieder einer in den Siebzigern populären Band, sahen sich von ihm mit dem Wunsch konfrontiert, man möge ein Reunionkonzert aufführen. Wie das vonstatten gehen sollte, wusste keiner so recht, schließlich sind Jahrzehnte vergangen, Leben wurden gelebt und komplizierteste Verrenkungen mussten überstanden werden, Dinge mussten getan werden, die man nie hatte tun wollen, und dann so etwas.

Jemand würde das übernehmen müssen, jemand müsste das organisieren, aber wer sollte das tun? Ich nicht, der Jubilar auch nicht, und der anwesende Professor, Spiritus Rector der Band, und kaum je in Beziehung zu seinem Bauch, wurde im Verlauf lustiger und lustiger, so dass es schien, er wolle hier nie wieder fort, der würde es auch nicht tun.

Reden gingen hin und her. Sätze blieben im Raum, weil Menschen mit ADHS einfach dazwischen fuhren, alle Konversationsregeln mißachtend, neue Sätze stiegen auf, und schon bald war kaum noch jemand in der Lage, irgendeine wie auch immer geartete Logik dahinter zu entdecken.

Die dritte Gruppe schließlich hatte die ersten Stunden des Jubelfestes damit verbracht, dem Damenfußball zu huldigen, was verständlich sein mag, dem Fest aber ein wenig abträglich war, denn schließlich hatte Deutschland am Ende verloren, die Stimmung der Fans war getrübt.

Wie gesagt, ich kann das alles nicht wiedergeben, ich bin überfordert.

Gegen vier trat ich den Heimweg an. Der Morgen zog auf, der Himmel begann sich schüchtern zu färben, die Vögel sangen aus voller Kehle und mehrere Flugzeuge waren auf dem Weg, enthemmte Urlauber in den Süden zu transportieren, damit sie sich dort für zwei Wochen zum Affen machen können.

Mich ging das alles nichts an. Ich fuhr freihändig bis zur Hauptstraße. Hätten sich Gleichgewichtsstörungen gezeigt, ich hätte den Rest des Weges zu Fuß zurückgelegt, aber es kam eine stabile Geradeausfahrt zustande, also fuhr ich auch den Rest des Weges größtenteils freihändig, um eventuell patroullierenden Gesetzeshütern eindeutig beweisen zu können, dass mit mir alles in Ordnung sei. Ich legte mich aufs Ohr und schlief bis 15:00 Uhr.

The same procedure next year, James?


Mo 11.07.11 19:10

Nichts war greifbar heute, Hirngespinste wohin ich schaute, einmal war Besuch da, einmal war ich beim Bäcker, einmal beim Metzger, einmal habe ich einen Mittagsschlaf gemacht, einmal habe ich gebügelt, gewaschen, ein Montag, und ich durfte ihn ungestraft ziehen lassen. Das ist Luxus.


Di 12.07.11 10:15

Zielgerade erreicht. Zwei Folgen noch, und die Radiogeschichte steht in ihrer ersten Version. Morgen Workshop in Nordhorn. 6 Stunden mit fünfzehn jungen Menschen. Da sind wir natürlich gespannt, denn wir haben ja einen Plan. Der Plan heißt: mal sehn, was passiert. Das ist unser Lieblingsplan. So machen wir das immer. Mit diesem Plan sind wir bisher bestens gefahren. Sollte dieser Plan nicht aufgehen, weil alle denken, ich müsste vorkauen, bleibt immer noch Zeit, etwas aus dem Ärmel zu schütteln. Habe ja dreißig Jahre alles möglich da reingeschoben.

19:10

Immerhin die Perspektiven für die letzten zwei Folgen abgesteckt, mehr war nicht drin heute. Ich bin faul. Sommerfaul.


Mi 13.07.11 20:04

Sechs Mädchen, zwei Jungen, die Älteste 12. Das kann ja was werden, dachte ich, diese Literaturwerkstatt. Und es wurde was. Was, erzähle ich morgen. Ich gehe nämlich jetzt tanzen. Heute abend werde ich mir den Arsch wund tanzen. Wenn Sie schon mehr wissen wollen, klicken Sie hier.


Do 14.07.11 10:23

Schatzi ist unterwegs, der Kugelblitz und ich tanzten. Der Literaturworkshop hatte alle begeistert, man versprach, mich auf höhere Ebenen zu loben. Als ich heim kam, hatte mein Sohn gekocht, alles war also Bestens, um beim Tanzen tot umzufallen. Ich hatte mir das heroisch ausgemalt: ich würde tanzen, bis ich zusammen bräche. Alle stünden entsetzt herum, ich aber würde sagen, liebe Freunde, genau so habe ich mir meinen Abgang vorgestellt, kommt jetzt bloß nicht auf den Gedanken, mich zu reanimieren, kommt alle zu meiner Beerdigung, feiert, tanzt, trinkt. Danke. Auf Wiedersehn.

Aber wie das so ist, ich brach und brach nicht zusammen, ich verlor literweise Schweiß, aber nichts tat weh, ich atmete gleichmäßig, keinerlei Anzeichen auf baldigen Exitus. Der Kugelblitz lief geschmeidig, dass es eine wahre Freude war, wir zeigten, was wir konnten, um diese hyperventilierende, sich gegenseitig beobachtende, zickige Salsa Szene noch neidischer zu machen, als sie ohnehin ist. Augenausstecher, Selbstdarsteller, na ja, immer noch einen Dreher mehr und die Arme werfen. Das alles tanzten der Kugelblitz und ich in Grund und Boden. Und als ich dann heim fuhr, fühlte ich mich wie der König der Welt. Tanzen ist von allen Drogen, die ich kenne, die billigste und gesündeste.


Fr 15.07.11 10:07

Die Ex meines Neffen hatte nicht lange gewartet, da war schon ein Neuer da. Sie hatte sich den nächsten in ihrer Nähe gekrallt - einen Pastor. Mittlerweile ist der Pastor auch schon wieder ein Ex und hat seinerseits eine Neue. Die Ex meines Neffen hat auch einen Neuen, alle scheinen ständig Neue zu haben oder Exe zu sein.

Die Neue des Ex der Ex meines Neffen hat zwei Hunde mit in die Beziehung gebracht. Einen Jack-Russel und ein getigertes uraltes, sabberndes Hundetier, boxergroß. Dagegen ist nichts zu sagen, Hundeliebhaber brauchen devote Hausgenossen, die tun, was sie sagen, dieser Jack-Russel aber denkt, dass alles ihm gehört. Er verbellt mich, was ich empörend finde, denn ich wohne länger hier als er. Morgens, wenn andere Hundebesitzer ihre Haustiere anleinen, um sich von ihnen ums Viertel zerren lassen, lässt die Neue vom Pastor ihre Hunde in unserem Garten frei. Dort rumoren sie dann. Vor allem der Jack-Russel hat nichts Besseres zu tun, als sich in einem schlaffen Fußball zu verbeißen und ihn knurrend tot zu schütteln. Heute früh überlegte ich, ihn mit einem Eimer Wasser eine Lehre zu erteilen, war aber zu faul, aufzustehen. Glücklicherweise zieht der Pastor bald aus. Früher war unser Garten ein Spielplatz für die Kinder des Hauses. Früher war da was los, aber seit ständig alle Exe sind und ihre Kinder zweiteilen müssen, ist es in diesem Garten sehr ruhig geworden.


Sa 16.07.11 01:01



es war nicht auszumachen
ob der mond noch voll
oder ein bisschen angeknabbert schon
den Himmel hob
als ich per rad nach hause schnob

nicht auszumachen
ob ein blöder
ein kaum zu haltender
und schnöder
ein hinterletzter reim mir in den laptop flösse
oder ich heiliges verschösse

nicht auszumachen
ob ich's lebend schaffte
mich nackt auszög und dann den mond begaffte

nicht auszumachen
wo das glück bleibt
und wem unglück steht
achtung - jetzt reim - verweht?

so radle ich
und hinter mir kriecht licht
und da es näherkommt
ist tempo pflicht

ich mache strecke
achtung - reim -
entdecke

das dunkel
und den nachtgeruch
den schattenwuchs
herrn wumbaba im nebeltuch
grüße kaninchen igel fette taube
und glaube


So 17.07.11 16:18

Im Supermarkt meines Vertrauens, an dessen Fleischtheke ich manchmal Tzatziki-Spieße verlange, wenn ich Souvlaki-Spieße meine, gab es gestern Streusalz im Angebot, und da fragte ich mich, wissen die mehr als ich, gibt es ein Wikileak für zu erwartende, einschneidende Klimaveränderungen, oder ist das, was man im Augenblick als Sommer verkauft, nur das, was wir verdient haben. Ich war mir unsicher, der Sommer ist schließlich vorbei, er ereignete sich zwischen März und Juni, und plötzlich dachte ich, wenn das so ist, kaufe ich nicht drei, vier, nein - hundert Säcke Streusalz, dann kann ich in zwei, drei Wochen, wenn wieder Schnee liegt und alles Streusalz ausverkauft ist, vielleicht einen Schwarzhandel aufziehen und meine Kasse aufbessern.

Ansonsten antriebsloses Dahindämmern, das heute abend vielleicht in den Besuch eines Open-Air Konzertes am Aa-See mündet: die 9te von Ludwig van.


Mo 18.07.11 10:06

Der alte, stocktaube Meister nahm sich Zeit, eh er zur Sache kam. Es war seine letzte Symphonie, nichts eilte. Erst im dritten Satz taucht das Thema auf und verschwindet gleich wieder. Vielleicht hat es ihn erschreckt, er war gerade so schön in Schwung mit den Triolen seiner 6/8 Raserei auf den Violinen, man weiß das ja nicht, er hockte wahrscheinlich in seiner Stube und komponierte sich den Arsch wund, dann aber, im vierten Satz, musste er sich dem Thema stellen.

Jetzt wird es staatstragend, pathetisch und weltrettend. Die Ode an die Freude. Zwei Großmeister, Beethoven und Schiller. Die Sänger recken die Brust. Die Akkustik am Aa-See war nicht vom Besten, zumal das Orchester mit Mikrofonen über eine PA verstärkt wurde, die eher für ein Popkonzert taugte. Es klang alles ein bisschen blechern und hatte zuviel Hall.

Na ja, jedenfalls singen die Tenöre, die Soprane und der Chor, und wenn so viele Menschen singen, während ein Orchester spielt, neige ich dazu, merkwürdige Dinge zu verstehen. Vielleicht lag es ja auch nur daran, dass ich schon seit über einer Stunde auf einer Treppenstufe saß, man weiß es nicht, jedenfalls hörte ich den Chor ständig: "der Doktor schlägt die Schwester" singen und wusste natürlich, dass das im Text nicht vorkommt. Der Fall erinnert an den weißen Negel Wumbaba, Sie erinnern sich?.

Und dann das Finale. Diese klassischen Komponisten sind sich in den finalen Takten ihrer Symphonien fast alle gleich. Sie müssen immer noch ein Crescendo nachlegen, vielleicht, weil sie häufig für die Aristokratie komponierten, und die wollten etwas fürs Geld.

Die Menschen hatten sich das Rückgrat krumm gesessen. Die Honoratioren durften auf Stühle direkt vor die Bühne, das Volk saß auf Treppenstufen und Bänken, aß Eis, Pommes, trank Bier und Wein, während "der Doktor die Schwester" schlug.

Zum Applaus sprangen alle auf. Sicher hatten sie von standing ovations gelesen und wollten das ausprobieren. Wahrscheinlicher aber war, dass sie nicht länger sitzen konnten. Es folgte eine Zugabe, dann begann das Feuerwerk. Ein großartiges Feuerwerk mit einem krachenden Also sprach Zarathustra am Himmel überm See.

Wer das wohl bezahlt, fragte jemand neben mir. Der Sponsor, dachte ich. Bei mir liegt der Fall ganz ähnlich. Ich habe auch einen Generalsponsor, der mir alles bezahlt: Miete, Unterwäsche und so weiter. Aber das ist eine andere Geschichte.

16:44

Die ersten sechs Folgen für's Radio sind fertig. Die siebte und letzte schreibe ich morgen. Man soll nicht übertreiben.


Di 19.07.11 19:13

Nutzte das Wetter und schlug mich mit dem Rad ins Grün, in die Stadt, hierhin und dorthin.


Mi 20.07.11 9:37

Nutzte jedoch nichts. Der Zustand ist unveränderbar. Er heißt: Allein.

14:31

Neuer Agentenbericht:

Der Gatte kam, sah und wußte sofort, irgendetwas ist anders. Er saß auf P.s Schreibtischstuhl, der jetzt an seinem Platz steht und nach einer Weile sprach er: “Ist der neu?“ - „Aber nein, der ist von oben.“ Jeder andere Autist mit einem IQ von weit über Durchschnitt hätte gefragt, wo der alte Stuhl ist - so aber war die Antwort: “Ach so.“ Schön ist, Frage und Antwort passen, und Frage wird nicht mit weiterer Frage gekontert.

1:0 für Team Blau.
Kurzes Verharren in der Küche und - nichts und.

Da, wo seine Sammlung leergeknabberter Müslikartons stand, steht jetzt eine Blumenvase. 2: 0 . Es sieht nach einem glatten Durchmarsch aus, aber selbst ich weiß: das Spiel ist erst gewonnen, wenn der Schiri pfeift.

Ansage Team Blau: „Wenn du deinen Koffer auspackst, wag es nicht, deine Herrenduft durchtränkten Anzüge in meinen Kleiderschrank zu hängen.“ Nachdrückliches Knurren und ein finsteres Gesicht unterstreichen die Ernsthaftigkeit der Ansage.

Ergo packt er den Koffer nicht aus. Ich halte das für ein taktisches Foul und warte auf den Pfiff- aber nix passiert, und somit steht es 2:1. Dann der Versuch, den Stürmer von Team Blau mit 2 wunderbaren Flaschen Miyake aus dem Duty Free  zu bestechen.

Ausgleich in der 28. Minute. Ich bin auch nur ein Mensch.

Die zweite Halbzeit beginnt erst um 18:30 und Team Blau inklusive des hervorragend duftenden Stürmers befinden sich in einer taktischen Besprechung. Soll heißen, statt der Sehne eines Hirsches, dem Schnabel einer 4 fach gemästeten Gans  und anderer Absonderlichkeiten gibt es heute abend Pasta und Salat. Das dürfte ein lockeres 3:2 für Team Blau werden.

Ich werde dich über den Ausgang der Partie unterrichten.


Do 21.07.11
8:53

Neuer Agentenbericht:

1.

Endlich habe ich „Das schwarze Buch“ gelesen. Mir scheint das Lippenlesen plausibler als das Gedankenlesen und der Text dadurch stimmiger als zuvor. Trotzdem würde ich das Buch gerne vorläufig zur Seite legen und nicht veröffentlichen, weil ich mir jetzt nach den „Räubern“ eine ungewöhnlichere Geschichte wünsche, mit der wir etwas mehr Aufmerksamkeit erregen könnten. Ich glaube, dass das Ihrem Renommee als Autor gut tun würde. Gibt's ein Projekt oder vielleicht auch nur eine Idee für ein neues Buch, das dieses Potential haben könnte?   G.

1.1

Aaach, Frau G. dieses verdammte Verkaufen und das Renommee.
Ich hänge ihnen mal "Der Vogel und der Zauberer" an, aber ob der das Potential hätte, mir und meiner Arbeit Renommee zu verschaffen, weiß ich auch nicht. Ich weiß nur, dass ich, wenn ich lese, die Hörer immer auf meiner Seite habe. Der Vogel und der Zauber ist ein zeitgenössisches Märchen. Ich hoffe, dass es ihnen gefällt. H.

1.1.1

Ja, ich weiß, das ist frustrierend. Die „Berühmten“ können schreiben, was sie wollen, von denen wird jeder Schwachsinn gekauft, und bei den Nicht-berühmten reichts nicht, wenn ein Text einfach gut ist. Das nervt mich auch. Ich lese. G.

1.1.2

Ich glaube, die Mathematik nennt dieses Phänomen das "reziproke Verhältnis." .-)) H.

1.1.3

Naja, wenns schon benannt ist, kann die Lösung nicht mehr weit sein! G.

9:52

Ein dickes Paket von der Deutschen Rente aus Stralsund. Ich verstehe kaum, was wie berechnet wurde, aber zum Glück habe ich die Telefonnummer eines Sachbearbeiter, den ich namentlich kenne, ein sehr kooperativer Mensch, den rief ich an und der erklärte mir, dass alles beim Alten bleibt.

Fr 22.07.11 9:52

Herr M. wird eine Reise machen. Er fährt nach Nordbayern. In Knetzgau wird er mit Albert Early Bird and the Working Worms ein Konzert spielen. Albert Early Bird ist er selbst. Die Working Worms sind die anderen. Knetzgau liegt zwischen Bamberg und Schweinfurt. Dort fließt der Main. Das Konzert wird von niemandem bezahlt. Es ist ein Freundschaftsdienst.

Gestern hat er geprobt. Da die Working Worms und er seit über zwei Jahren nicht mehr Musik gemacht hatten, war es anfangs ein wenig schleppend. Aber dann öffneten sich die verschlossenen Türen. Deshalb freut er sich auf das Konzert. Es wird draußen stattfinden. Man hofft, dass es nicht regnet, aber wer weiß das, es ist ja Sommer, Regenzeit.

Herr M. spürt augenblicklich eine Abneigung gegen tägliches Berichterstatten. Er tut das ursächlich für sich, er hat das gern getan all die Jahre, wenn aber jemand rückmeldet, das sei "Seelenstriptease vom Allerfeinsten", fühlt er sich falsch verstanden. Dann erklärt er das zwar, aber er weiß, dass er das nicht nötig hätte.

Anfangen ist eine Sache, aufhören eine ganz andere. Es gibt doch soviel zu erzählen, sagt er sich, speichert, lädt auf den Server hoch und ist wieder allein. Die Ferien beginnen. Alle, die können, verlassen das Nest und kriechen woanders unter. Falls es Freunde gibt, halten sie sich zurück. Alle haben Angst. Ich weiß nicht, warum und wovor, aber jeder lebt hinter Mauern verschanzt. Es ist elend. Und die einzige, mit der das zu ertragen war, ist tot.

18:18

Ich bin nicht mit dem Jenseits verbandelt und glaube nicht. Das einzige, was mir immer plausibel schien, war Reinkarnation. Nicht, dass Sie nun befürchten müssten, ich könne ihnen aus vorherigen Leben berichten, davon weiß ich nichts. Nur die Tatsache, hier sein und denken zu können, dass schon einmal jemand gewesen ist, der den gleichen Gedanken hatte, verbindet mich mit Reinkarnation. Schon als Kind konnte ich mir das vorstellen. Ich fand das weder seltsam noch außergewöhnlich.

Heute erreichte mich eine Nachricht einer jungen Frau,
die Tochter einer Arbeitskollegin meiner Frau, ein wildes Kind damals, wir mochten sie sehr. Auf unserer Hochzeit hatte sie mit unseren und anderen Kindern die Gäste bedient.

Irgendwann spät in der Nacht saß ich mit ihr und drei anderen Kindern in unserer Küche, um das Geld, das Gäste ihnen zugesteckt hatten, aufzuteilen. Und irgendwann sagte sie: Hermann, ich hab dich lieb. Das hat mich gerührt.

Danach habe ich sie fast zwanzig Jahre nicht mehr gesehen.
Und dann wieder zehn Jahre nichts von ihr gehört.
Heute hat sie mich auf Facebook entdeckt. Daraus entwickelte sich der folgende Dialog.

R.

Hallo lieber Hermann......Monsieur......habe die Ehre. R.

H.

Hi R.,

was bist du für ne schöne Frau.
Freut mich, von dir zu hören.
Hör mal hier rein. www.hermann-mensing.de/hoerbar.htm

R.

Soll ich Charmeur zu dir sagen?
Nun. Schöne Gedichte. Habe gerade mal 'reingehört. Ich finde deine Stimme toll.
Ich wollte dich eigentlich mal anrufen im letzten Jahr. Habe es aber nicht gemacht, weil ich mich nicht aufdrängen wollte. Es gab da etwas, das zu thematisieren eine gewisse offene Grundhaltung spirituellen Dingen gegenüber voraussetzt; und in dieser Hinsicht kann ich dich nicht einschätzen. Sagen wir mal, ich hatte einen Traum..... Auf meiner Webseite äußere ich mich in der Richtung - wenn du magst, schau' mal rein.

Liebe Grüsse R.

H.

nee, sag lieber Hermann.
Ich nehme an, du hast von Chris geträumt?
Du weißt, dass sie tot ist, oder?

R.

Lieber Hermann,

ich habe mich mit ihr unterhalten. Sie hat mich quasi kontaktiert.
Aber bevor du mich für bekloppt hältst, habe ich geträumt. Ja, na klar weiss ich von ihrem Tod. Ich habe sie ja "drüben" getroffen, wo ich mich ab und an aufhalte. Ich arbeite u.a. mit den Seelen Verstorbener. Sie trat vor ca. einem Jahr an mich heran, und klagte, sie könne nicht weiter ziehen, da sie noch zuviel hielte. Ich bin ihr dreimal begegnet. Jetzt ist sie weitergezogen. Sie ist von einer vertrauten Seele in Empfang genommen worden, und ich bin sicher, dass es ihr sehr gut geht. Wenn dir das nicht zu befremdlich erscheint, können wir darüber gerne mal telefonieren. Nach Münster komme ich so bald nicht.

Lg. R.

H.

grüß sie von mir, R., wenngleich ich dich für "bekloppt" halte, grüß sie, obwohl - ich spreche ja oft mir ihr. Ich hatte sie zuhause, nachdem sie gestorben war. Sie war fast drei Tage bei uns. An ihrem Todestag kamen abends alle Freunde. Sie lag im Wohnzimmer. Wir haben ihre Musik gespielt, getrunken, gegessen, gelacht und geweint. Das was sehr schön, R., und ich liebe sie jetzt noch mehr als früher.

Herzlich H.

Wenig später habe ich R. angerufen. Ich wollte es genau wissen. Sie hat mir erzählt, dass sie schon als Kind Kontakte hatte, diese aber nicht einordnen konnte. Eine Weile habe sie sogar gefürchtet, sie sei verrückt. Dann erst habe sie begonnen, sich mit ihrer medialen Fähigkeit (so nennt sie das) auseinander zu setzen und sich weiter zu bilden. Sie legt Wert darauf, nicht mit Esoterik in Verbindung gebracht zu werden.

Interessant in diesem Zusammenhang finde ich, dass Chris auch einmal Kontakt mit einer Verstorbenen hatte. Sie sah ihre Mutter. Sie war eben eine ungewöhnliche Frau, meine Frau. Zwei ihrer nahen Verwandten haben ähnliche Fähigkeiten.

22:45

Vor einer Stunde am Aa-See

 

UliK und Le SNOB (Frankreich): “ GLISSSSSSSSSENDO ”

In langen schwarzen Gewändern ziehen die 9 Musiker ihre choreographischen Spuren über den See, als würde Schwerkraft keine Rolle spielen. Ihren Instrumenten entströmt eine sanfte Symphonie nach Noten von Philip Glass und Michael Nyman. Der Show-Titel leitet sich ab von ‚Glissando‘, was in der Musik die ‚gleitende‘ Veränderung der Tonhöhe beschreibt. Dieses ‚Gleiten‘ übertragen die Künstler aus Frankreich dabei in ihren schwebenden, feierlichen Tanz. Idee und Inszenierung zu GLISSSSSSSSSENDO stammen von UliK, einem deutschen Künstler, der nach eigener Aussage „mit seiner Arbeit den Begriff Maschinenkomiker“ kreiert. Erwarten Sie das Unerwartete: Ein irreales, poetisches Ballett auf einer Seebühne im Aasee.


Mo 25.07.11 10:18

Das bevölkerungsdichteste Land der Republik geht in die Sommerferien, und da scheißt sich der Stauprognostiker natürlich die Hosen voll. Statt dem Stau zu entgehen und am Freitagabend die weite Reise nach Knetzgau anzutreten, beschließen Professor Eiermann und Albert Early Bird, denen die dümmlichsten Künstlernamen anhängen, die man sich denken kann, sieht man vom Gitarristen ab, der sich Jarvis Harvey Goldonkel nennt, erst am Samstag zu fahren.

Der Zielort ist eingekreist, man hat sich die zu befahrenden Autobahnen gemerkt, man weiß exakt, wie viele Kilometer zurückzulegen sind und wann man eintreffen wird. Das Navigationsgerät hat es vorhergesagt, dann wird es abgestellt. Man benötigt es erst vor Ort, denn es gilt, einen Acker von über 13000 Quadratmetern Größe am Ortsrand der zu Knetzgau zählenden Gemeinde Westheim zu finden. Kein Stau. Freies Fließen, stellenweise beunruhigend leere Autobahnen.

Westheim begrüßt den Reisenden mit einer großen, auf einem Hang aufgestellten Werbefläche, auf der steht: Wir wollen hier keinen Urwald!!! Das ist interessant, ist doch sonst jeder darauf bedacht, alles, was fließt, wächst und sonstwie dem weiten Feld der "Umwelt" zuzurechnen ist, nach jahrhundertelanger Ausbeutung zu "renaturieren". In Westheim gehen die Uhren offenbar anders.

Der Main ist nicht weit, die Landschaft rollt herrlich, der Steigerwald thront überm Ort, das zu renaturierende Objekt der Begierde, der dazu nötige Antrag aber ist, wie Albert Early Bird später vom Patron erfahren wird, von der bayerischen Staatsregierung abschlägig beschieden worden. Schließlich befinden wir uns südlich des Weißwurstäquators, hier wird absolutistisch regiert, noch ein Urwald würde die Interessen der Fortwirtschaft betreibenden Einheimischen in einem Maß beschränken, das durch die Rechte des Gemeinwohls auf Erholung nicht hinnehmbar wäre. Also kein Urwald.

Nun gut. Der Patron, Herr Möckes, ein 82jähriger ehemaliger Landwirt, dem der Acker gehört, der kein Acker mehr ist, sondern eine weite Wiese mit von ihm gepflanzten Bäumen, einer Bildhauerwerkstatt und zwei Wohnwagen am hinteren Rand, wird zur dessen Freude und Freizeit genutzt, und zweimal im Jahr werden dort Feste gefeiert. Einmal feiert die Jugend, vierzehn Tage darauf feiern die Alten.




Der Wohnwagen von Albert Early Bird. Ein komfortabler Schlafplatz, für ihn reserviert, schließlich war er nach dem Patron der älteste Anwesende. Wieso auf dem Tisch neben einer Geldbörse, Schminkutensilien, Stapel Rechnungen und einem Taschenrechner Kondome lagen, konnte Herr Early Bird nicht sagen, registrierte es jedoch mit Schmunzeln. Für ihn waren die sicher nicht dorthin gelegt worden.






Das ist der Patron, Herr Möckel, ein liebenswerter Mann, zwanzig Jahre älter als Herr Early Bird. Seine Enkel hätten ihm zwar einen Rollator geschenkt, er aber zöge die Gehstöcke vor, sagt er lachend. Er ist auch Bildhauer. Ob die Skulpturen von der Werkstatt von ihm sind, wusste Herr Early Bird nicht, es ist aber anzunehmen.




Die Festwiese am frühen Nachmittag. Ganz hinten die Bühne.





Obwohl man Herrn Early Bird versichert hatte, ein Schlagzeug werde vor Ort sein, hatte er seines mitgenommen. Zum Glück, denn das Set vor Ort war ein Instrument, das Herrn Early Bird wenig Freude bereitet hätte. Seines hingegen, ein dreißig Jahre altes Tama Superstar ist ein Set, das er nie aus der Hand geben wird, weil es klingt, wie er will, dass ein Schlagzeug klingen muss.




Die Stimmung war gut. Gutes Göller Bier aus dem Fass wurde in Steinkrügen serviert, eine Bar wurde hergerichtet, das Wetter spielte mit, das Fest begann. Albert Early Bird and the Working Worms bereiteten sich gerade auf den ersten Set vor, als Professor Eiermann die Nachricht vom Tode Amy Winhouse erreichte. Darauf widmete die Band ihr das erste Lied.

Ain't no sunshine when you're gone.

Im Vorfeld war über PA und Mikrophonierung gesprochen worden. Wir hatten das abgelehnt. Das hätte die Dinge nur kompliziert und wir sind es gewohnt, ohne PA aufzutreten. Wir hörten einander, und schnell wurde klar, dass dieser Gig einer unserer Besten werden würde.

Wir hatten mit dem Lied für Amy begonnen, was aber nicht bedeutet, dass dies Lied nicht in ein anderes münden kann, im Gegenteil, das Konzept des freien Spiels, wie wir es pflegen, hält alle Türen offen, so dass es nicht ungewöhnlich ist, dass ein einmal begonnenes Lied in zwei, drei andere übergeht, um anschließend wieder dahin zurück zu finden, wo es begonnen wurde. Es war eine schöne Raserei, und noch schöner war, dass alle anderen das auch fanden.

Gegen einundzwanzig Uhr waren wir fertig, danach spielten noch zwei andere Bands, u. a. eine vom Schwiegersohn mit zwei Enkelinnen. Der Rest der Nacht wurde vom Laptop beschallt. Auffallend viel früher Rock 'n Roll, Beatles, Balkan-Musik, eine angenehme Mischung. Dazu Caipirinhas, dann und wann eine Kräuterzigarette. Das Fest hörte eigentlich nicht auf. Als die letzten gegen neun am Morgen in ihre Zelte verschwanden, waren andere schon wieder auf den Beinen, um den Fortgang vorzubereiten.

Herr Early Bird zog sich gegen vier in seinen Wohnwagen zurück. Gegen elf frühstückte er, der Patron und seine Frau kamen, man saß beieinander, die Tafel war reich gedeckt, gegen sechzehn Uhr machten wir uns auf den Heimweg. Nächstes Jahr, das ist verabredet, werden wir wieder dorthin fahren.

Ana Tidaephobie, Jarvey Harvey Goldonkels Schwester, machte während des Frühstücks den Vorschlag, bei einem unserer nächsten Auftritte eine barbusige Polin Drehorgel spielen zu lassen. Inspiriert wurde dieser Vorschlag durch eine uppige Oberfränkin, die Herrn Early Bird schon am Abend aufgefallen war und die jetzt, während sie saßen und die Nacht besprachen, im Unterhemd am Grill hantierte.

Ana hatte Herrn Early Bird gesagt, er trüge eine "begabte Hose". Was das denn sei, fragte er, obwohl er es ahnte, aber da die Begriffe junger Menschen ständigem Wandel unterlegen sind, wollte er Sicherheit.

Das ist Ana Tidaephobie.
Anatidaephobie ist die Angst, von Enten beobachtet zu werden.



Bleibt eigentlich nur noch, von Tobias zu berichten. Er gehört auch zur Familie. Herr Early Bird und er haben viel miteinander gesprochen, Tobias war Bierzapfer und Mädchen für alles, er hat Herrn Early Bird von seinem Job und seinen Kollegen erzählt, und irgendwann gegen zwei sah Herr Early Bird ihn tanzen. Er tanzte sehr ungewöhnlich, und als Herr Early Bird fragte, was das für ein Tanz sei, sagte Tobias, er tanze eine "Kiste". Da hat Herr Early Bird mitgetanzt, was sehr lustig war.





Di 26.07.11 9:55

Wieder einer dieser betörenden Sommertage. Bei 13 Grad weiß ich nicht, ob ich schwitze, oder ob es der tropische Regen ist, der mich so angenehm kühlt, liefe ich sonst doch Gefahr, der Dehydrierung, dem Sonnenstich oder der Scheißerei zu erliegen.

Nach meinem Ausflug mit Albert Early Bird und den Working Worms bin ich heil heimgekehrt, froh, nicht dieses unstete Rock 'n Roll Leben führen zu müssen, das die Band schon seit Jahren rund um den Globus zu führen verdammt ist, dieses Anhämmern von Groupies an Türen ertragen zu müssen, diese ständige Aufmerksamkeit wildfremder Menschen, dieses Anhimmeln und Juchzen, das aufkommt, wenn die Band sich in der Öffentlichkeit zeigt, froh, stattdessen still auf meinem Balkon sitzen zu können, in sonnenabweisende Decken gehüllt, Zeitung und frisch gebrühten Capuccino zur Hand, ja, geradezu glücklich nenne ich mich und die Umstände, die mir ein sorgenfreies Leben garantieren, alle Habe in weltweit agierenden Raubtierfonds gesplittet für mich an Hunger, Ausbeutung und Unterdrückung arbeitend zu wissen, stündlich von Fondsmanagern informiert reagieren zu können auf neue, gewinnträchtige Wege, diese Habe weiter zu mehren.

Dazu Freunde an meiner Seite, die sich geradezu rührend um mich kümmern, immer ein offenes Ohr haben, vorurteilslos und verständnisvoll zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen, vorbeikommen, ja, gerade diese Freunde sind es, die hier und dort leben, denen kein Weg zu weit ist, keine Ausrede zu dumm, Verabredungen zu brechen, ein erfülltes Dasein in einer rundum heilen, gesunden Welt, in der alles ist, wie es sein muss. Was sonst könnte ich sagen? Jeder ist sich selbst der Nächste. Die humanistische Grundhaltung unserer Herrschenden, ihre liebevolle Fürsorge für das Kapital, ihre Opferbereitschaft, all das erfüllt mich mit tiefer Dankbarkeit, ja, ich darf sagen, Demut.


Mi 27.07.11 14:50

Vor drei oder vier Jahren habe ich auf einer Brache Sommerflieder ausgegraben und vor unserem Balkon eingesetzt. Mittlerweile ist er auf sicher drei Meter Höhe gewachsen, nur mit dem Blühen lässt er sich Zeit, denn eh die Sonne ums Haus kommt, ist Mittag vorbei, und falls sie dann tatsächlich scheint, genügt ihm das nicht für frühes Blühen. Jetzt aber blüht er und die Pfauenaugen kommen von weit her, um ihn zu besuchen. Zum ersten Mal habe ich Sommerflieder im Müllertal in Luxemburg gesehen. Da war er voll von Pfauenaugen, faszinierend.




Do 28.07.11 9:53

Heute bleibt alles, was an Überzeugungen in mir gewachsen ist, außen vor. Ich führe diesen Norweger auf einen öffentlich Platz und überlasse ihn dem Volkszorn. Er wird einen furchtbaren Tod sterben und niemand täte das Leid. Höchstens, dass sich der ein oder andere schämte. Trotzdem wäre alle froh, dass er weg ist. Ich auch. Ich kann mir vorstellen, ihn in kleine Stücke zu hacken. Ganz langsam. Die Dilemmata unserer Existenz sind ein Grauen. Es kommt mir so vor, als hätten wir die alttestamentarischen Gepflogenheiten nie überwunden, und die Botschaften des neuen Testamentes wären Lippenbekenntnis geblieben. Was also tun?

12:55



eine amsel spaziert übern dachfirst
wind webt einen kompass
grashalme strecken sich
die sonne streicht
müde augen aus träumen
nur die zeit sträubt sich noch
sie kennt alle wege
und jedes ergebnis
auch wenn heute ein kater maunzt
und wenn morgen ein baby schreit
ist es ihr einerlei



Fr 29.07.11 12:17



ich zieh den kopf ein
doch das grau zieht nach
erheb mich mutig
doch das herz liegt brach
ich hätte fragen
doch die antwort kneift
ich will es wagen
doch es ist nicht ausgereift
ich klage nicht
und gehe kompromisse ein
erleb was sommer heißt
in decken und bei einem wein
ich hätte nächte zu verschenken
und ein herz
stattdessen muss ich an verluste denken
und den schmerz
ich staple freunde und die zeit zieht
erbitte sonne und ein wunsch kniet
ich hatte einen schatz und der ist fort
ich geh zurück an meinen platz
und weiß dass dort
sich alles jederzeit ereignen kann
und fang von vorne an.



mann in decken. von h.p.berkman


So 31.07.11 11:59

Ich lese ein merkwürdiges Buch. Es heißt Mopus, und ich weiß nicht, worum es geht. Ich liege auf dem Sofa, die Decke bis zum Kinn gezogen, es ist Sommer. Draußen verbellt ein kleiner schwarzer Hund meine Katze, die unter den Büschen sitzt und ihn anstarrt. Soll er doch kommen, sie wird ihm die Schnauze perforieren, wie sie das mit dem Yorkshire Terrier gemacht hat, der auch gedacht hat, er könne sich aufspielen. Seitdem wechseln Herrchen und Frauchen die Straßenseite. Bob Dylan singt, ich fröstle, die Pfauenaugen können bei diesem Wetter nicht fliegen, der Sommerflieder blüht nutzlos.

Gegen acht schob ich die Schlafmaske hoch, sah, dass nichts drängte, schob sie wieder herunter und rollte mich. Und da stand sie im Zimmer. Sie trug ein blaues Kleid mit diagonalen weißen Streifen. Ich machte Platz. Sie legte sich zu mir. Sie kommt häufiger jetzt. Letzte Woche schliefen wir miteinander. Wie gesagt, es ist Sommer. I want you, I want you. honey I want you, I want you so bad...

15:24

Ein paar Grad wärmer, drei Pfauenaugen flattern heran. Die Taube sitzt im gestümperten Nest in der japanischen Kirsche. Sie ist wieder scheinschwanger.

18:15

Pink Floyd und Abendsonne. Was einen so ankömmt, den langen Tag über.


 

 

 



 












 

 

 

 

 

 

 


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