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Mi 1.07.26 14:43 wunderbarer Sommertag

Die Gerste kommt vom Halm. Der Mais steht mannshoch. Die Wiesen sind gemäht. Die Republik klagt. Es ist alles furchtbar.

22:50

Die Frau hat den seit der Aussaat fast hüfthoch gewachsenen Senf aus dem Beet gerupft. Der Mann hat ihn klein geschnitten, was schwieriger war, als er geglaubt hatte. Mit der Heckenschere funktionierte es nur mühsam. Die andere Schere, eine Rechtshänderschwere für Grobes, funktionierte besser, war aber schwer gängig Der Mann ölte sie, das half. Er hockte im Gras und zerschnitt den Senf auf Streichholzlänge. Die Frau wird ihn morgen als Dünger unterarbeiten. Sie hat zwei Pflanzen gekauft, die dort Platz finden sollen. Der Himmel war den ganzen Tag von stillem Blau und einer bis an den Horizont reichenden Herde weißer Cumulus. Der Mann hatte mit der Frau beim Essen die zweite Halbzeit England gegen den Kongo verplaudert. Er hatte ihr von einer jungen Frau im Bus erzähllt, die ihm gestern halbschräg gegenüber saß. gestern, kaum älter als sechzehn. Sie trug eine große runde Brille mit gelbem, von roten Streifen unregelmäßig durchzogenen Rahmen. Obenauf die grünen Blütenblätter einer Ananas. Die Gläser schienen nicht echt. Von der Stirn bis zum Nacken trug sie einen Igel, rechts und links hingen ihre blonden Haare bis zum Hals glatt herab. Sie trug eine kurze blaue Hose und ein rosafarbenes T-Shirt und hatte mehrere trunbeutelartige Taschen dabei. Darauf und für alle gewollt sichtbar, weil immer wieder zurecht gerückt, lag ein in eine Schonfolie geschobenes Blatt Papier. No catcalling. Keine Kommentare. Keine Komplimente, stand darauf. Fett und groß. An den vier Ecken das nach unten weisende weiße Feministinnenkreuz auf lila Grund. Nun war die zweite Halbzeit vorbei, was ihm ein bisschen leid tat. Die Engländer hatten gewonnen. Kane hatte beide Tore geschossen. Anfangs hatte es so ausgesehen, als würde der Kongo gewinenn, was den Mann sehr gefreut hätte, denn ihm schien der sich anbahnende Erfolg der "kleinen" Nationen eine Tendenz dieser WM. Der Mann zeigt bei großen Turnieren Interesse für dieses aus psychologischer Sicht höchst spannendes Spiel, bei dem der Glaube an die Sache oft mehr bewirkt als größte Kunstfertigkeit.


Do 2.07.26 15:18 windig, bewölkt, hat gerade geregnet

Es hat geregnet. Es ist kühler geworden. Man trägt eine Jacke. Man läuft barfuß. Man friert an den Füßen. Man findet eine Vogelfeder auf der Fußmatte vor der Balkontür. Sieht aus, wie vom Spatz. Die Katz war es nicht. Die Katz ist seit 14 Tagen verschwunden. Der Wind weht über den bewaldeten Hügel an der A1 hinunter ins Dorf. Einförmig zischendes Rauschen. Plötzlich ein stilles Tal. Der Wind hat ausgesetzt. Die Vögel haben Regenpause. Das Kreuz Münster Nord hat nie Pause. Es verschlingt Reisende von einer in die andere Richtung, von einem Abenteuer ins Nächste, in Liebe und Hass. Kein Wunder, dass das Geräusche macht. Zum Glück gibt es die Himmelsrichtungen und den Wind. Der Wind ist unser Verbündeter. Er hält den Verkehr in Schach. Manchmal macht er eine Melodie draus, zu der vielleicht die Amsel ein Solo beisteuert. Die Hitze hängt einem im Körper nach, als trüge meine überall kleine Sandsäckchen. Man geht gleich in den Keller, und übt Paradiddle. Man wollte mit jemand übers Schreiben sprechen, sprach aber lieber über das Leben. Man weiß nicht, ob man für die Lesung proben soll. Man könnte einen Blick darauf werfen, das ja. Der Rest soll passieren. Möglich, dass wir uns sehen, morgen abend in Kinderhaus.


So 5.07.26 12:05 bewölkt

Man muss feiern, wenn Feste zu feiern sind. Sind keine da, muss man eines erfinden. Irgendeines findet sich immer. Euphorisiert von dem bis auf eine Ausnahme weiblichen Publikum im Alter von 50 aufwärts, beschließt man im Anschluss seiner Lesung der Spitzegastronomie einen Besuch abzustatten. Vor nicht langer Zeit hat der König der Niederlande hier gewohnt, man hat ihn selbst davonfahren sehen Richtung Stadt mit viel Polizei. Vor etwas längerer Zeit war Wilkinghege im Besitz der Droste zu Hülshoff. Man fragt den dienstbaren Geist, mittdreißig, männlich, groß, schlank und aalglatt, nach einem Caipirinha. Den gibt es nicht. Man bestellt einen Riesling und einen Aperol Spritz. Der Geist eilt die Freitreppe hinauf ins historische Gebäude. Ein Bassist und ein Keyboarder kommen ihm entgegen. Sie haben den frühen Abend mit Hintergrundmusik beschallt, vielleicht aber auch einer Gesellschaft auf die Beine geholfen. Ein leichter Wind weht. Ein schwarzweiß mit Weste und Fliege bekleideter älterer Mann bringt die Getränke. Dem Aperol fehlt der Strohhalm. Der Mann ist schon wieder auf und davon, eh man etwas sagen kann. Als er in anderem Auftrag zurückkehrt, bittet man ihn um einen Strohhalm. Das hätte man aber auch gleich sagen können, sagt er pikiert und geht ab. Eine junge Frau bringt einen Strohhalm der Sorte, mit dem man früher, als man noch zu Schule ging, seinen Kakao schlürfte.Sie ist freundlich. Der Preis der Getränke (23 Euro) erscheint in Anbetracht des Personalaufwands angemessen. Man fährt heim, setzt sich auf den nächtlichen Balkon und trinkt den Wein, den einem der Buchhändler geschenkt hat und ist bald angetütert. Am nächsten Abend feiert man den 75 Geburtstag eines lebenslangen Freundes und trinkt alles, was einem angeboten wird. Heute kommt einem die Welt ein wenig verhangen vor. Zum Glück hat man Zeit, langsam auszunüchtern. Nebenan hustet die Frau.

Mo 6.07.26 23:10

fisch mir ein kompliment
das mir im halse stecken bleibt
mach weg was links und rechts
die rinde neidisch von den bäumen reißt
verjag die liebenden
sie lügen dreist
reiß illusionen von den wänden
lass alle stehn mit leeren händen
und sag es gibt was besseres
als dieses


Di 7.07.26 19:33 schwül heute

Gestern habe ich mir bei Geers einen Termin für eine Gehörtest geben lassen. Ich habe den Termin in meinen Terminkalender getippt. Als ich später noch einmal nachschaute, um mich zu vergewissern, fand ich dort folgenden Text, für den ich keine Erklärung habe. Ich schätze, da war ein Mikro an.

brechte und könnte
den namen fertig sein
als expresslapator in dem sinne
dann braucht man
bis zu zwei tage
irgendwann machen
gesagt er kommt
erst am mittwoch
ewiger onkel
dann wäre es natürlich
dementsprechend ja
an dem tag empfährlich
oder am tag des termins
weil danach haben wir
natürlich auch am donnerstag
versucht.



Do 9.07.26 18:13 ruhiges sommerwetter

dir gegenüber
eine handbreit
deine letzte chance
von armlang
hört man nicht
nicht entzweit hälst du balance
du bist bereit
du hast gewicht
dir gegenüber


20:11

eine handbreit
deine letzte chance
von armlang
hört man nicht
man hält balance
man ist bereit
man sagt
du hast gewicht

.
Fr 10.07.26 13:10 ruhiges sommerwetter

Draußen der Garten. Gerodet, bepflanzt, gepflegt. Prächtigster Sommer. Man hat die gewöhnliche Wegwarte und die nesselblättrige Glockenblume trockener, steinharter Erde entrissen, und sie heute morgen hier angesiedelt. Jetzt ist sie im Paradies und gibt sich mit der Alpen Pechnelke und den anderen alle Mühe, sie und ihn zu erfreuen und ihre Nerven zu befänftigen, denn Feinde sind überall. Trio. Da. Gefahr, Gefahr, da, da, Gefaaaahr!!!. Noch fließen Blut und Tränen woanders, quasi stellvertretend für sie Besserverdienende, die ja nichts dafür können, keine verhungernden Sudanesen oder sonstwelche Leidende im globalen Süden zu sein. Es ist unangenehm, ständig davon zu hören und zu lesen. Man hat selbst Sorgen. Sie sind kleiner, bleiben aber trotzdem Sorgen. Ihr setzt eine Krankheit zu, ihm geht seit gut einem Vierteljahr vieles kaputt. Seit Wochen ärgert er sich nun mit seinem Rad herum. Erst war die Kappe für den Akku kaputt. Beim Einbau stellte man fest, dass der hintere Reifen dringend erneuert werden müsse. Außerdem fiel ständig der Strom aus, verschiedene Erklärungen drei unterschiedlicher Fahrradhändler kursierten. Schließlich sagte einer, dass es an der Batterie liegen müsse, denn mit einer Ersatzbatterie hatte der Computer einwandfrei gearbeitet. Das sei Sache für den Deutschen Akku Service. Man fuhr hin. Man erklärte, dass sich die Batterie laden lasse, aber eben immer der Strom ausfiele. Man werde das prüfen, man werde anrufen. Man hoffte, man würde mit einer kaputten Zelle davonkommen. Gerade hat man angerufen. Die Sudanesen sterben, die anderen auch, der Planet stirbt uns unterm Arsch weg, der Akku ist schon trot. Ein neuer kostet 620 Euro. Ungewöhnlich für einen Dichter und höchstens mit dessen protestantischenr Herkunft zu erklären, hat er ein bisschen was auf die Seite gelegt. Nächste Woche wird er also zur Werkstatt fahren, draußen in Hiltrup in Sichtweite des Dortmund-Ems Kanals, seine EC Karte auflegen oder einschieben. Er muss, denn er ist ein halber Mensch ohne Rad. Das schmerzt mehr als die Sudanesen, die anderen und der Planet. Es ist Sommer im Paradies. Stört die Herrscher.


14:26


Prächtigster Sommer. Man hat die gewöhnliche Wegwarte und die nesselblättrige Glockenblume trockener, steinharter Erde am Wegrand entrissen, und sie heute morgen im Garten angesiedelt. Jetzt ist sie im Paradies und gibt sich Mühe, mit der Alpen Pechnelke und den anderen sie und ihn zu erfreuen und ihre Nerven zu befänftigen, denn Feinde sind überall. Noch fließen Blut und Tränen woanders, quasi stellvertretend für Besserverdienende, die nichts dafür können, keine verhungernden Sudanesen oder sonstwelche Leidende im globalen Süden zu sein. Es ist unangenehm, ständig davon zu hören und zu lesen. Man hat selbst Sorgen. Ihr setzt eine Krankheit zu, ihm geht seit gut einem Vierteljahr vieles kaputt. Seit Wochen ärgert er sich schon mit seinem Rad herum. Erst war die Kappe für den Akku kaputt. Beim Einbau stellte man fest, dass der hintere Reifen dringend erneuert werden müsse. Außerdem fiel ständig der Strom aus, verschiedene Erklärungen drei unterschiedlicher Fahrradhändler kursierten. Schließlich sagte einer, dass es die Batterie sein müsse, er hatte es mit einer Ersatzbatterie ausprobiert und da hatte der Computer einwandfrei gearbeitet. Das sei Sache für den Deutschen Akku Service. Man fuhr hin. Man erklärte, dass sich die Batterie zwar einwandfrei laden lasse, aber eben immer der Strom ausfiele. Man erwähnte das, um ihn den Mechaniker zu besänftigen, wie man dem Urologen versichert, man müsse nachts nicht raus. Man werde das prüfen, man werde anrufen, sagte der. Man hoffte, man würde mit einer kaputten Zelle davonkommen. Gerade hat man angerufen. Die Sudanesen sterben, der Planet stirbt, der Akku ist schon tot. Ein neuer kostet 620 Euro. Ungewöhnlich für einen Dichter und vielleicht mit dessen protestantischenr Herkunft zu erklären, hat er ein bisschen was auf die Seite gelegt. Nächste Woche wird er also zur Werkstatt fahren, draußen in Hiltrup in Sichtweite des Dortmund-Ems Kanals, der Mann mit den zwei stachelförmigen Oberlippenpiercings wird ihm erklären, warum da nichts mehr zu machen sei, er wird seine EC Karte auflegen oder einschieben. Er muss, denn er ist ein halber Mensch ohne Rad. Das schmerzt mehr als die Sudanesen und der Planet. Es ist Sommer im Paradies.

21:12

Man hat die gewöhnliche Wegwarte und die nesselblättrige Glockenblume aus trockener, steinharter Erde am Wegrand gegraben und heute morgen im Garten angesiedelt. Jetzt sind sie im Paradies und geben sich Mühe, mit der Alpen Pechnelke und anderen die Menschen zu erfreuen und deren Nerven zu befänftigen, denn Feinde sind überall. Noch fließen Blut und Tränen woanders, quasi stellvertretend für Besserverdienende, die nichts dafür können, keine verhungernden Sudanesen oder Leidende des globalen Südens zu sein. Es ist unangenehm, ständig davon zu hören und zu lesen. Man hat selbst Sorgen. Ihr setzt eine Krankheit zu, ihm geht seit gut einem Vierteljahr vieles kaputt. Verstärker. Laptop. Smartphone. Seit Wochen ärgert er sich mit seinem Rad herum. Erst war die Kappe für den Akku kaputt. Beim Einbau stellte man fest, dass der hintere Reifen dringend erneuert werden müsse. Außerdem fiel ständig der Strom aus, verschiedene Erklärungen drei unterschiedlicher Fahrradhändler kursierten. Schließlich sagte einer, dass es die Batterie sein müsse, er hatte es mit einer Ersatzbatterie ausprobiert und da hatte der Computer einwandfrei funktioniert. So etwas sei Sache für den Deutschen Akku Service. Man fuhr hin. Man erklärte, dass sich die Batterie zwar einwandfrei laden lasse. Man erwähnte das, um den Mechaniker zu besänftigen, wie man dem Urologen versichert, man müsse nachts nicht raus. Dass häufig der Strom ausfiel, hatte man schon gesagt. Man werde das prüfen, man werde anrufen, sagte der. Man hoffte, man würde mit einer kaputten Zelle davonkommen. Gerade hat man ihn angerufen. Die Sudanesen sterben, der Planet stirbt, der Akku ist tot. Er hat 20000 auf dem Buckel. Ein neuer kostet 620 Euro. Ungewöhnlich für einen Dichter und vielleicht nur mit dessen protestantischer Herkunft zu erklären, hat er ein bisschen was auf die Seite gelegt. Nächste Woche wird er zur Werkstatt fahren, draußen in Hiltrup in Sichtweite des Dortmund-Ems Kanals, der Mann mit den zwei stachelförmigen Oberlippenpiercings wird ihm erklären, warum da nichts mehr zu machen sei, er wird seine EC Karte auflegen oder einschieben. Er muss, denn er ist ein halber Mensch ohne Rad. Das schmerzt mehr als Sudanesen, globaler Süden und der Planet. Es ist Sommer im Paradies.

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Sa 11.07.26 18:45 Sommer

ihm gegenüber
wuchs seit einem jahr
ein haus zum himmel
mit tausend fenstern
aus jedem schaut ein mensch mit tier
es herrscht hier nun seit ewigkeiten ein gewimmel
ein hickhack
unterstützt von hektolitern bier
diese bewohner wurden fest mit eingebaut
erörtern früh bis spät die lage
mitunter werden sie sehr laut
was tun mit ihrer immer gleichen klage


So 12.07.26 9:42 Sommer

Männern aller Altersgruppen in weißen Hosen, Hemden, grünen Jacken und Hüten, an denen Rehhaarrosetten, an manchen Hahnenschlappen angebracht sind, haben sich auf dem Kirchplatz versammelt. Viele haben eine Flasche Bier in der Hand. Manche tragen einen Säbel. Das sind die Fahnenträger. Polizei und Ambulanz stehen bereit. Der Schützenverein St. Jacobi wird 400 Jahre alt. Der Westfälische Friede ist nicht in Sicht, als sich 1626 Männer zusammenschlossen, um sich gegen die marodierende Soldateska des 30jährigen Krieges zu wehren. Schützenvereine aus den umliegenden Dörfern sind zu Gast, sogar ein Frauenschützenverein. Jeder Verein hat eine meist kunstvoll gearbeitete Standarte. Die von Roxel wurde von Annette von Droste Hülshoff bestickt. Die Lautsprecher knacken und fiepen. Ein Redner sagt: Schützenbrüder, stillgestanden. Die Augen links. Die Schützen ignorieren das. In der Rede geht es um Heimat und Schutz, um Verbundenheit und Brauchtum. Der Oberbürgermeister spricht auch. Und der Mann von der Kirche. Er trägt einen Strohhut. Die Bratwürste duften. Es ist 30 Grad. Die Schützen werden aufgefordert, beim Abmarsch durchs Dorf zum Sportgelände an der Feldstiege Viererreihen zu bilden. Die Kapelle biegt um die Ecke. Die große Pauke wird von einer Frau geschlagen. Das Königspaar und sein Hofstaat vorneweg. Das mit den Vierrerreihen und dem Gleichschritt ist so eine Sache. Schon bald werden die meisten betrunken sein.

13:40


ihm gegenüber
wuchs seit einem jahr
ein haus zum himmel
es hat tausend fenster
aus jedem schaut ein mensch mit tier
hier herrscht nun täglich ein gewimmel
ein hickhack
unterstützt von hektolitern bier
seine bewohner wurden fest mit eingebaut
erörtern früh bis spät die lage
mitunter werden sie sehr laut
mit ihrer immer gleichen klage


Mo 13.07.26 10.56 Sommer

Das Zimmer ist abgedunkelt, die Welt licht und aufgeheizt. Man muss nirgendwohin. Man hat Wünsche. Man hofft, dass sie sich nie erfüllen, dann hätte man noch ein Problem. Man findet nachts nur unruhigen Schlaf und tags nie zu sich. Man liest Zeitung und ist entsetzt. Man hat viele Bücher und liest jedes noch einmal. Man hat ein Leben. Es vergeht jeden Tag schneller, aber das täuscht. Die Erde dreht sich, die Tage werden kürzer, das Paradies kann man nicht fassen. Man weiß, was falsch ist und richtig. Alles Gerede ist nutzlos. Man spürt Leere. Man wartet. Letting the days go by. Man war dabei, als die Talking Heads im August 1980 im Central Park spielten. Well, how did I get here?


Di 14.07.26 10:24 Sommer

Man will, dass es regnet. Man ginge nackt in den Garten. Aber es ist keine Wolke in Sicht. Das Denken fällt schwer. Man kann sich aber erinnern, dass man geschrieben hat. Sein Leben lang hat man nichts anderes getan. In den 80ern hat man unter dem Eindruck des drohenden Zerfalls der Ozonschicht "Aufwärts mit D." geschrieben. Der Roman sollte bei Rowohlt erscheinen, aber man bekam Krach mit dem Lektorat. Man liegt auf dem Sofa und bewegt sich nicht. Die Ozonschicht hat sich erholt. Alles wird wärmer. Man hat keine Angst, man ist alt, man stirbt eh, aber man fürchtet um seine Kinder und Enkel. Die Träume sind ausgeträumt. Bald regiert künstliche Intelligenz. Was kann man darüber sagen? Nichts. Nicht einmal Geoffrey Hinton, der Godfather der KI, weiß, wie sie funktioniert. Es weiß aber, dass sie neuronale Netze webt. Ende der Sechziger hat man mal eine Geschichte gelesen, in der ein Computer von der Größe eines kleinen Samsonite die Welt regierte. Gestern abend wollte man Trommeln, aber die Sommerpause hat begonnen. Schade um die Paradiddle, die man täglich übt. Man hätte sie gerne verschenkt.


Mi 15.07.26 10:58 Sommer

das waren emotionen pur
als während der hitze 2026
menschen auf den strassen kollabierten
menschen in A menschen in B töteten
und umgekehrt C und D überall
und die blauen wahlen gewannen
gänsehautfeeling großartiges leben
erfinden kann man so etwas nicht
man möchte sich noch einmal bedanken
bei diesen protagonisten
die leidenschaft zeigten und zeigen

11:09 chatgtp auftrag: mach hoffnungsvoll

das waren emotionen pur
als während der hitze 2026
menschen auf den straßen einander halfen
fremde füreinander da waren
hände reichten statt wegzusehen
überall
und trotz aller herausforderungen
die hoffnung nicht verloren ging
gänsehautfeeling
großartiges leben
erfinden kann man so etwas nicht
man möchte sich noch einmal bedanken
bei diesen protagonisten
die mitgefühl zeigten und zeigen
und bewiesen
dass menschlichkeit stärker sein kann


Do 15.07.26 12:30 bewölkt, kühler

Ob man je die Gegenwart finden wird, weiß man nicht. Man hat aber gesucht. Man ist jeden Tag aufgestanden, um zu suchen und hat dabei alle Fehler gemacht, die ein Mensch machen kann. Wenn man gut war, hieß das noch lange nichts. Hinter dem Guten stand immer das Schlechte und redete einem dazwischen. Umgekehrt war es ähnlich, nur dass das Gute nicht immer so verführerisch war wie das Schlechte. Man ist gut gewesen, man ist schlecht gewesen, das kann man mit Sicherheit behaupten, darüber hinaus man nichts verstanden. Weder das Gerede der Politik noch das Gerede der Frauen. Frauen schienen genau zu wissen, was Männer gut und schlecht macht. Was sie nicht verstanden, war, dass Männer Aufgaben haben, die mit den Aufgaben der Frauen wenig zu tun haben. Es gibt Momente, in denen sie sich dennoch treffen. Sofort glauben viele, das müsse Liebe sein. Dabei scheint nur die Gegenwart auf, wo Vergangenheit und Zukunft sich treffen, man hat das schon oft erfahren. Das sind die schönsten Augenblicke des Leben. Wie gern würde man statt des herrschenden totalen Krieges den totalen Frieden verkünden, in dem nicht nur die Waffen schwiegen, sondern sich alles um die Welt dreht, die Welt als Flora und Fauna und alle Menschen. Aber da beißt sich der Hund in den Schwanz. Das Schlechte redet dazwischen, und so kommt es, dass selbst die, die in Verantwortung sind, und Gutes wollen, scheitern. Die Gegenwart ist immer da, nur wir sind lieber woanders. Überall riecht es nach Ende. Deshalb ist es wichtig, anzufangen. Der Tag schreitet voran. Das Fahrrad ist noch immer nicht fahrbereit. Es ist angenehm kühl. Die Katze liegt auf dem Sessel und schläft. Die Frau ist zur Kur.


So 19.07.26 bewölkt 8:45

Sprich dir nach: es ist Sonntag. Es ist frisch. Du liegst im Bett. Du hattest Kaffee. Leichter Wind geht durch die Birke. HIn und wieder gurren Tauben. Du hast Zeitt. Du hast keine Alterseinschränkungen bis auf dein Alter, aber das ist normal. Es gibt tausend Dinge zu tun, aber du musst sie nicht ztun. Du musst nicht zum Tango nach Osnabrück. Du musst nicht zur Session am Hawerkamp. Du besuchst weder die, den noch die. Du bist allein zu Haus. NIemand wird sprechen. Kein Wort kann falsch verstanden werden. Wie man an der Birke sieht, kommt der Wind aus Süd-West, fast schon West. Es ist grau, aber es regnet nicht. Und bleibst liegen. Du hast zu lesen. Du liest Animal Triste von Monika Maron. Du liest seit Monaten ein Buch nach dem anderen. Andere puzzeln. Manchmal denkst du an die Freunde, die du nicht mehr siehst. Sprich dir nach: es ist Sonntag. Du willst nicht wissen, was in der Welt geschieht. Dir reicht der Blick aus dem Schlafzimmerfenster. Du machst noch ein wenig die Augen zu.


11:40

ich hab nicht alle tassen
ich habe keinen schrank
ich hab nicht alle nadeln auf der tanne
kein bares auf der bank
ich bin nicht ganz dicht
ich hab ne schraube locker
das fällt ins gewicht
und meine schüssel fiel vom hocker
ich habe ein rad ab
uns einen weichen keks
ich ticke nicht richtig
aber ich bin unterwegs

15:37

ich hab nicht alle tassen
ich habe keinen schrank
ich habe keine nadel auf der tanne
kein bares auf der bank
ich bin nicht dicht
ich habe eine schraube locker
ich hab gewicht
und meine schüssel fällt vom hocker
ich hab ein rad ab
uns ich habe einen weichen keks
ich tick nicht richtig
ich bin unterwegs


Mo 20.07.26 8:00 bewölkt 12 Grad

Man wird lange Hosen anziehen nach den Hitzetagen. Männerbeine hatten den hochsexualisierten Auftritten der Frauen eh nichts entgegenzusetzen.. Es wird wohl auch regnen. Wäre nicht Montag, man würde Schaps trinken und hoffen, der Welt auf einige Zeit zu entkommen, aber man trinkt montags nicht, man trinkt eigentlich nie, bis auf ein zwei Glas Roten am Abend und die Flasche Schnaps, die Malt Whiskey heißt, zweimal im Jahr. So bleibt einem die Nüchternheit, das Leben kommt einem nüchtern unter, daran ist nichts auszusetzen. Man muss dann aber auch etwas tun, man muss machen und tun, man schneidet ein Video. Man hatte eine Dreiviertelstunde auf dem Klavier improvisiert, nun ist man auf der Suche nach dreißig schönen Sekunden. Man findet sie und stellt sie als Reel ins Netz. Nach einer halben Stund hat es 200 Aufrufe und jemand sagt very nice playing. Man wundert sich. Jemand anderes sagt, das "Grüne Kleid" passt jedem, der sich in Geschichten und somit Menschen hineinfühlen kann. Diese Geschichte liest man nicht einfach, man lebt sie, Seite für Seite, Abschnitt für Abschnitt, Zeile für Zeile. Noch jemand anderes sagt, das Grüne Kleid könne das Lieblingsbuch der Buchhändlerinnen werden. Man denkt, oha und beschießt, dem Hochmut einen Fall anzubieten. Man trägt eine Aluleiter zu den Brombeerbüschen und steigt bis zur vorletzten Stufe. Der Fall bleibt aus, und man hat bald 400 Gramm Brombeeren. Man kauft Törtchen, Mascarpone und Kouvertüre. Daraus plus Sahn wird man Brombeertörtchen für die ehrenamtlichen Oxfamfrauen und einen selbst machen, aber erst morgen früh. Für den Rest des Tages kann man nicht garantieren. Es kann alles passieren.


Mi 22.07.26 21:39 bewölkt und frisch

Man musste schlafen. Vierundzwanzig Stunden am Stück, so anstrendend ist die Welt. Man kommt sich blöd vor, um halb zehn im Bett. Die Birke versinkt in der Dämmerung. Die Katze ist gegangen. Sie war zweimal da, früh hat sie guten Tag gesagt, am Spätnachmittag hat sie sich auf den Sessel gelegt und geschlafen. Das Bett war sicher und warm. Man hatte zu lesen. Animal 'Triste ist zuende. Man hat mal eine Geschichte von Maron gelesen, in der eine Krähe eine wichtige Rolle spielte. In Endmoränen? Man weiß es nicht, aber Endmoränen liegen bereit. Man hat noch hunderte andere Bücher. Aber dann hat man doch das getan, weswegen man um halb zehn ins Bett gegangen war. Hat sich umgedreht und die Augen zugemacht. Heute hängt der Himmel trostlos herum. Es ist wie so oft. Kaum haben die großen Ferien begonnen, wird das Wetter schlechter. Nachher geht man zur Fußpflege. Der Bassist hatte einem davon erzählt und da hat man gedacht, man ist alt, es gibt kaum noch etwas zu erleben, geht man zur Fußpflege. Das momentane Alleinsein (sturmfrei) kommt 60 Jahre zu spät. Damals hätte man was reißen können. Heute reißen höchsten die Bänder. Der Salat, den man gestern eingepflanzt hat, scheint Fuß gefasst zu haben. Der Blutweiderich auch. Die neue Batterie für's Rad ist gekommen, man kann wieder ausschwärmen. Alles ist gut, nur die Frau ist nicht da. Die Frau ist zur Kur.

10:09

es gefällt mir
dass ich eine niederländische oma habe
es gefällt mir nicht
ein lied auf deutschland zu singen
ich erinnere mich an jede demütigung
wegen meiner herkunft
fast überall
nur in israel nicht
das grundgesetz gefällt mir
nach 77 jahren ist es zeit
es wort für wort zu verwirklichen
sollten demnmächst die schatten regieren
muss ich mir etwas einfallen lassen
ich werde mit danger dan sprechen


Fr 24.07.26 19:.47 Sommer, wenngleich frisch heute früh

Die Hörgeräteakkustikerin, kaum 30, hatte einen feinen, dunklen Bart. Er stand ihr gut. Es schien, sie schaue einen genau an, um rauszukriegen, ob und was man über Frauenbärte dächte. Nach ein paar Sätzen verflog ihre Neugier, die vielleicht auch Misstrauen war, und sie erklärte einem, wie sie beim Hörtest vorgehen würde. Man hatte auf dem Hinweg mehr als zwanzig Frauen gesehen, alle trugen enge Leggins, die naturgetreu abbilden, worauf toxische Geschöpfe nicht achten sollen, da ist eine Frau mit Bart ein intimeres Erlebnis. Auf dem Heimweg flüssigen Pflanzendünger gekauft. Es gab ihn für jedes denkbare Gewächs, er kostete immer €7,95, und da man nicht für jede Pflanze gesondert einkaufen wollte, nahm man den für alle Pflanzen brauchbaren. An der Kasse eine Deutsch-Afrikanische Muslima von so klassischer Schönheit, dass man kaum hinschauen mochte, allerdings war sie nicht sonderlich freundlich. Mittags mit SUV und Spaten ausgerückt, um am Lyrikweg gemeinen Blutweiderich auszugraben, der nun im Garten steht und noch nicht recht weiß, wie er sich verhalten soll. Ansonsten ist man heute nicht zu retten. Man hat wieder dieses untrügliche Gefühl, hier nichts zu suchen zu haben. Man wüsste keine Zerstreuung, keine Droge, man weiß nichts, was ja nicht schlecht ist, aber heute trifft einen die Sinnlosigkeit härter als an anderen Tagen. Man wird wahrscheinlich bald ins Bett gehen. Außerdem ist die gute Brille verschwunden.


So 26.07.26 20:08 regnerisch

Natürlich hat alles ein Ende. Man ist besser dran, wenn man es nicht verstehen will und sich auf das Ende konzentriert, dann kann man sich freuen. Noch größer wird die Freude, wenn man sich das Leben als Wurst vorstellt: dann hat es zwei Enden. Das erste ist das Ende des Unbewussten, das Ende des Raumes, aus dem alle kommen und von dem niemand etwas weiß. Wir wissen nur, dass wir als Vehikel für diese abenteuerliche Reise unsere Mütter gebrauchten. Das zweite Ende führt zurück in das Unfassbare, in dem alles möglich sein kann, aber nicht muss. Ob Anfang und Ende gleich sind, wissen wir nicht. Es ist aber denkbar. Mit solch schönen Gedanken hat man den Nachmittag verbracht. Am frühen Morgen hat man das Haus verlassen. Der Sonntagsschlaf stand noch hinter den Fenstern. Man ist in den Wald gegangen. Der Wald ist gleich um die Ecke. Er atmete ruhig. Man schwenkte die Arme und kreiste um die Achse. Danach hat man bis halb zehn geschlafen, ist aufgestanden, hat gefrühstück und den Thermo Komposter aufgebaut, der gestern mit Hermes kam. Möglich, dass alles längst vorüber ist, und man hat es nicht mal gemerkt, hat man gedacht. Wenn sowieso alles so ist, dass man es nicht versteht, nie verstehen wird und nicht einmal könnte, muss man wach sein. Wach sein macht mächtig. Man spürt dann, dass das Unappetitliche der Gegenwart, die gesellschaftlichen und politischen Ungereimtheiten, das Unrecht, kurz, die Gewalt, die jeden morgens zur Arbeit zwingt und abends in zweifelhafte Unterhaltung entlässt, irgendwann vorbei ist. Irgendwann ist das vorbei und das ist ein Grund, sich zu freuen.


Mo 27.07.26 8:57 wechselnd bewölkt

Es hat geregnet heute nacht. Im Süden brennt die Welt. Riesige Flächen lichterloh. Die Meteorologen sagen, dass die nächste Hitzewelle unterwegs ist. Man ist früh aufgestanden. Gegen sechs saß man auf dem Rad und hat eine Runde gedreht. Man hat Rehe gesehen. Die Rehe haben einen genau beobachtet. Dann haben sie entschlossen, dass man nicht gefährlich ist. Man wird jetzt noch ein Nickerchen versuchen.

12:54

Es gibt einen Kreisverkehr in der Nähe, der im Grunde nutzlos ist, denn zwei der davon abzweigenden Straßen, der Vorbergweg und Haus Uhlenkotten, sind nur wenig befahren. Junge Menschen mit entsprechendem Testosteronspiegel nutzen ihn nachts gern für Experimente. Sie fahren herum und herum und freuen sich, wenn die Reifen quietschen, geradezu euphorisch werden sie, wenn der Wagen auszubrechen versucht. Nicht weit entfernt verläuft der Kinderbach, harmlos mäandernd dem Horstmarer Landweg folgend, vor ein paar Jahren Ursache für eine schlimme Überschwemmung in Kinderhaus. Vorgestern, man kam vom Tango, lag der Bach trocken. Heute führte er eine handbreit Wasser. Vorgestern hatte man nach dem Tango beim Italiener im Westend einen Grappa getrunken, weil man so guter Stimmung war. Die Lieblingstänzerin, mit der alles klappt, was mit vielen anderen nicht klappt, war nach fast dreijähriger Tangoabstinenz (sie findet die Szene arrogant, Besserverdiener, sagt sie) plötzlich aufgetaucht. Tanzen wir, hatte sie in ihrem schwäbischen Dialekt gefragt. Natürlich, hatte man gesagt. Der Grappa wurde gebracht, ringsum war es laut, Pizzen wurden gegessen und Pasta, als plötzlich Rettungsfahrzeuge auftauchten. Krankenwagen, Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr, Leiterwagen, noch mehr Einsatzfahrzeuge und ein Kran so groß, dass man annehmen konnte, es müsse sich um eine Katastrophe handeln. Aber keines der Fahrzeuge fuhr mit Sirene. Sie defilierten am Westend vorbei, bogen in die Wilhelmstraße und parkten eines nach dem anderen. Alle schauten ihnen nach. Ein Feuer war nirgendwo zu sehen, auch sonst keine Anzeichen von katastrophalen Zuständen. Die Türen der Fahrzeuge gingen auf, junge Männer stiegen aus, sammelten sich und machten sich auf den Weg zur Eisdiele gleich neben der Pizzeria. Als sie dort ankamen, klatschten die Menschen. So gewertschätzt freuten sich die Feuerwehrleute. Und man selbst war auch irgendwie gerührt.


Mi 29.07.26 13:50 33 Grad

Es ist leichter gesagt, den Tag verstreichen zu lassen, als ihn verstreichen zu lassen. Lesen kann helfen. Man stößt auf Sätze: "Grauenhaft ist es. Kein Leben. Gar kein Leben. (....) Es geht nichts vor. Langweilig. Alt. Tot. Grauenhaft. (...) Die Welt war eine bröcklige Angelegenheit, nicht zu fassen, man fiel von Leere zu Leere. Man trug einen Sack voll Finsternis in sich herum. Dieser Doktor Otternschlag wohnte in der tiefsten Einsamkeit, obwohl die Erde voll ist von seinesgleichen. In den Zeitungen fand er nichts, das ihn sättigte. Ein Taifun, ein Erdbeben, ein mittelgroßer Krieg zwischen Schwarzen und Weißen. Brände, Morde, politische Kämpfe. Nichts. Zu wenig. Skandale. Panik an der Börse. Verluste von Riesenvermögen. Was ging es ihn an. (...) Ein Blatt schrie lauter als das andere, und zuletzt hörte man kein einziges mehr, wurde blind und taub und fühllos durch den lauten Betrieb des Jahrhunderts." Vicky Baum "Menschen im Hotel" 1929. Es ist alles beim Alten. Man kann davon ausgehen, dass es Abend wird. Viel mehr ist nicht zu erwarten.


Do 30.07.26 13:58 36 Grad

Man liegt rum. Man übt ein bisschen. Man liegt rum. Man isst einen Happen. Man liegt rum. Man muss nix. Man hat geschrieben, was zu schreiben war. Es ist nix dabei rumgekummen, außer, dass man es getan hat. Darauf ist man stolz. 36 Grad Celsius. Man sucht seinen zweiten Pantoffel. Das kann doch nicht angehn, denkt man, erst geht alles kaputt, der Reihe nach geht erst alles kaputt und ins Geld, dann verschwindet die gute Lesebrille, für die man gerade erst teure Gläser gekauft hat, und jetzt der Pantoffel. Fehlt nur noch, dass einem die Worte entgleiten. Man rechnet mit allem. Gut, denkt man, vielleicht hilft Kaffee. Aber Kaffee hilft nicht. Kaffee kann nicht helfen, denn man ist zu faul, einen aufzusetzen. Es ist noch ein Rest Gin da, den könnte man mit Tonic trinken, aber auch dafür ist man zu faul, außerdem ist Alkoholf böse bei diesen Temperaturen. Früher ist man tausende Kilometer gefahren, um stabile 30 Grad und mehr genießen zu können, damals in Frangokastello, weißt du noch, denkt man, alle splitternackt von früh bis spät, the wind came in from Africa. Heute heißt das Klimawandel, und niemand genießt ihn. Alles fällt trocken, der Fluss, die Talsperre, das Hirn. Man wird doch Kaffee kochen. Man will ein Stück Kuchen. Man setzt sich aufs Rad. Der Fahrtwind gleicht dem Wüstenwind im Tal der Könige, man trug eine Jalabiya, das Rad war ein quietschendes Ding, auf dem Weg lag eine schwarze Schlange. Es zieht zu. Man wird sehn, ob es kracht. Einmal, die Kinder waren noch klein, es war Sommer und das Wort Klimawandel hatte sich noch nicht eingenistet, krachte es so heftig. dass die alte Straße voller Hagelkörner lag. Die Kinder sammelten zwei Tüten voll, die wir im Kühlschrank eine Weile aufbewahren mussten. Ob man eine homöopathische Dosis THC zu sich nehmen soll? Nein, nein, lieber liegt man wieder so rum und wartet, bis es Abend wird. Dann fährt man zur Session. Da sind schöne Frauen.


Fr 31.07.26 9:19 18 Grad

Schon gestern abend konnte man es spüren. Rechts hing der volle Mond, vor einem die Landstraße hinab ins Stevertal, über der Nebelbänke tanzten. Man fror und war sich nicht sicher, ob genügend Benzin im Tank war. Man war losgefahren, als die Wärme noch in allen Ecken brütete. Dann, hinterm Berg bei Schapdetten, hatte es zu regnen begonnen. Gegen halb elf, als die Session vorbei war (wunderbare Hillibillies waren vor Ort, so dass man hätte glauben können, man wäre in West Virginia, Tennessee oder Kentucky) hatte es zu regnen aufgehört. Heute gegen sieben hing Dunst in den Bäumen, Hochnebel, man konnte nach all der Hitze endlich wieder tief atmen. Man machte den kleinen Spaziergang, und da, oben im Wald, überkam einen plötzlich das Gefühl, man sei angekommen. 330 Tage sind vergangen, seit man umziehen musste. Vom ersten Tag an hatte man das Gefühl, man habe Glück gehabt, man habe sich verbessert, aber das bedeutet noch längst nicht, dass man angekommen ist. Heute früh also die plötzliche Ansage: Sie sind angekommen. Sie werden aller Voraussicht bis an ihr Lebensende hier bleiben. Sie teilen ihr Leben mit einer Frau. Ankommen bedeutet nicht, dass nicht jederzeit alles schiefgehen kann, sondern dass man den Unwägbarkeiten begegnen kann, ohne ständig gegen sich selbst zu kämpfen. Au backe, dachte man. Soviel Erkenntnis am frühen Morgen. Wenn das mal gut geht. 330 Tage hat es gedauert. Man freut sich. Man ist ein bisschen erschöpft. Man liest, es habe 10000 Hitzetote gegeben in den den letzten Wochen, für heute sind 34 Grad vorhergesagt, aber danach sieht es nicht aus. Man hat überlebt, aber es ist ja noch längst nicht vorbei. Man wird jetzt Brombeeren pflücken, dann wird man ein wenig ruhen, dann wird man sehen. Die Katz ist gekommen. Sie liegt auf dem Teppich. Noch ein paar Tage, und die Frau ist auch wieder da.