März 2006                                        www.hermann-mensing.de      

mensing literatur
 

Bücher von Hermann Mensing bei: Amazon.de  

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Mi 1.03.06   13:10

Weiße Märzwelt, abtauend.

Spielte auf der Hot-Jazz Session mit dem Bassisten Alex Morsey und dem Pianisten Burghard Jasper, mit dem ich schon mehrfach gespielt habe, ein Monk-Spezialist, der sparsam mit den Pedalen umgeht, atemberaubende Ausflüge mit der rechten Hand unternimmt, musikalisch und swingend.

"Macht es mir nicht zu kompliziert, bitte", sagte ich zu Alex, eh wir begannen.
Der lachte und zählte ein. Da ich kein Notist bin, orientiere ich mich an Themen, die bei den meisten Stücken relativ leicht erkennbar sind. Das Thema des Openers entpuppte sich als ein wenig vertrackt, aber ich hielt mit.

Für einen Amateurtrommler wie mich ist Alex ein Segen. Ich bin auf hoher See, ich habe keine Ahnung von Navigation, aber Alex ist da, und ich muss mich nicht fürchten.

Begleiteten danach eine Sängerin, mit der ich auch schon einmal gespielt hatte. Sie hat ein Landgesicht mit gesunder Farbe, eine Frau Mitte-Ende 30. Man sieht ihr nicht an, dass sie Jazz singt, falls man das überhaupt irgendjemandem ansehen kann, aber sie singt Jazz, und gut.

Das dritte Stück war ein 12/8 und Alex fragte, ob ich beginnen wolle. Bitte nicht, sagte ich, so wie ich in der Mitte der Stückes, als plötzlich alle einhielten und erwarteten, ich würde ein Solo spielen, laut "bitte nein!!!" rief, denn ich mag keine Soli spielen, noch nicht. Spielten stattdessen Forces, die gehn nur über 4 Takte, da bin ich nicht so lange allein.

Soll ich jetzt sagen "hach, war ich gut?"

Alex hat gesagt, ich wär gut gewesen.
Ansgar hat mir applaudiert. Ansgar ist ein Saxophonist, der nach New York gehört, nicht nach Warendorf an die Musikschule, aber das Leben ist hart, für alle.

Dann war Schluss, und was ich Harald (mit dem ich bei der Cactus-Soap zusammenarbeite) nach der Probe erzählt hatte, hatte sich erfüllt. Ich hatte fünfzehn Minuten nicht denken müssen. Das sei schließlich der Sinn der Sache, hatte ich zu Harald gesagt. Harald hatte geantwortet, das wisse er, deshalb betreibe er Zen.

Die Probenarbeit geht voran, die Stimmung ist gut, ich lerne. Es geht mir, wie es mir bei meiner Literaturwerkstatt in Bochum gegangen ist. Ich verstehe mich als Moderator. Ich höre zu, ich ziehe meine Schlüsse, ich unterstütze oder mache Vorschläge. Vor allem aber lerne ich. Viel!!!

Wenn das keine Nachricht ist.
Heute 5 Lesungen verkauft.


14:35

Jedes Leben birgt jederzeit die Gefahr des Scheiterns. Es gibt keine Ausnahmen. Nicht einmal Erfolg kann einen schützen, Erfolg ist nur eine weitere Variante des Scheiterns. Das macht das Leben anstrengend. Aber wenn man dann 15 Minuten nicht denken muss, ein Privileg, hat man vielleicht wieder Energie für den nächsten Tag. Wichtig ist, soviel wie möglich zu geben. Oft bekommt man zurück, aber das darf nie der Sinn des Gebens sein.

 

Do 2.03.06   10:40

Weiße Märzwelt, ganz und gar nicht abtauend.

Im Übrigen weiterhin Zuversicht, nur getrübt, wenn Meister M. Wünsche äußerst.
Wünsche werden in diesem Leben nicht erfüllt.
Alles muss man selber machen.
Keine Sekunde darf man ausruhen, sonst läuft das Leben an einem vorbei und grinst hämisch.

13:35

In den siebziger Jahren lebten wir im Dachgeschoss eines Jahrhundertwendehauses an der Maximilianstraße. Es war schön dort, hoch über Münster. Vorgestern erzählte mir jemand, er habe damals auch in der Maximilianstraße gelebt. Einmal habe er mich mit einer Talking Heads Platte unterm Arm die Straße heraufkommen sehen. Das hätte ihn schwer beeindruckt, denn er hatte zwar schon von den Talking Heads-, aber noch nicht von ihrer Platte gehört. Ich kannte den Mann nicht. Ich sehe ihn erst seit etwa einem Jahr im Hot Jazz Club. Er steht immer in einiger Entferung von der Bühne und swingt unauffällig mit. Gestern sprachen wir zum ersten Mal miteinander. Er hat Kunst studiert und ist beim Taxifahren hängengeblieben. Netter Mann. Mittelgroß. Drahtig. Dunkelblondes Haar. Ernstes, aber freundliches Gesicht. Sicher gibt es noch viel mehr Geschichten in Köpfen von Menschen, die ich nur am Rande oder gar nicht kenne, bestimmte Bilder von mir, Eindrücke, die dreißig Jahre alt sind und seitdem in ihren Erinnerungen lagern.

15:40

Säßen da, tränken ein Kännchen Tränen, rauchten und lachten.

 

Fr 3.03.06   9:45

Still kriecht mein 57er näher und ich habe nicht die geringste Sehnsucht, mit all denen zusammen zu hocken, die bis in die tiefe Nacht schlechte Luft verursachen. Möchte höchsten mit denen sein, die mir lieb sind, aber wer weiß, der Horror Vacui kann plötzlich kommen, hinter jeder verschneiten Ecke kann er hervorspringen und schreiend nach Publikum verlangen und dann beugt man sich besser: kauft Bier, rollt Joints, sorgt für Musike und ZACK: hat man die Bude wieder voll von genau denen, die sie immer bevölkern.

Bitte. Wenn es sein muss.

Was den Dichter angeht, es scheint, dass er sich einem Entschluss nähert.
Er sieht eine Chance, das Jahr 2006 hauptsächlich mit dem Vortragen seiner Geschichten verbringen zu können. Die Perspektiven sind gut wie lange nicht.

Warum sollte er all den unverkauften Manuskripten noch eines hinzufügen?
Schließlich wären die meisten sowieso nicht entstanden, wenn es nicht einen Verlag gegeben hätte, der Interesse zeigte. Meister M. könnte also 2006 einmal NICHT SCHREIBEN. Einfach einmal nicht schreiben, das klingt doch gut, oder, ist aber nicht ganz so einfach, denn M. schreibt gern und eigentlich immer.

NICHT SCHREIBEN wäre die Devise des Mutigen, wenngleich sie eingeschränkt werden muss, denn dass M. nicht schreibt, ist Lüge. Er steckt bis über beide Ohren im Cactus-Theater Projekt, vor ihm liegen zwei Hörspielworkshops, die je eine Woche dauern und deren Ergebnis auch Geschriebenes sein soll.

Das Schreiben bleibt also trotz des Verzichtes auf eine NEUE GESCHICHTE Alltag.

Aber auch der Verzicht kann von einem Tag auf den anderen obsolet werden, dann nämlich, wenn die Agentin, die positive Signale sendet, mit einem Verkauf winkt und Nachschub fordert.

Meister M. ist, das wird ihm mit jedem Tag klarer, auf seine vorgerückten Tage Profi geworden. Was das in der Konsequenz bedeutet, vermag er noch nicht zu übersehen. Auch die Frage, ob er es je hat werden wollen, ist noch nicht beantwortet. Davon aber einmal abgesehen, hat er eine Hintertür. Wenn er durch die hindurch geht, ist alles Gerede von Profi sein sofort passé.

Hier wartet nämlich das Weihnachtsgeschenk seiner Frau: der hüpfende Floh, die Ukulele.
Seit dieses possierliche Instrument im Haus ist, steigen Herrn M. zu kaum vorhersehbaren Zeiten Erleuchtungswölkchen auf, in denen steht: mache ein Lied draus.

Und so dilletiert M. mit den wenigen Griffen, die er bisher beherrscht, findet im Fundus des GESCHRIEBENEN einen Text nach dem anderen, der geradezu nach Musik schreit, und schreibt LIEDER. Tatsächlich. Eines ist schon produziert, nächsten Freitag gibt es ein zweites, und es gibt einen Plan: wir produzieren ganz viele davon. Vielleicht bringen wir sogar eine Band auf die Beine.

Zukunftsmusik, die schönste Musik aller Zeiten.

Wenn nur erst der Winter vorüber wäre, der sich klammert und klammert.

10:30

Angenommen, wir gingen den Weg, der links zum Bildrand führt, wir wären in zehn Minuten auf dem Deich, sähen übers Watt, am Horizont flirrte vielleicht das Festland, vielleicht aber auch nicht, wir liefen über die Deichkrone zum rechten Bildhorizont, kämen zum Wald unterm Leuchtturm, durchquerten ihn, hielten uns links, stapften über die Düne und dann wäre da bald das Strandcafé. Ich tränke Corenwijn, Frau M. heiße Schokolade mit Sahne, wir schauten aufs Meer und alle Fragen wären erledigt.

Keine Geschichten, keine Lieder, gar nichts.

Dabei vergisst man leicht, dass man hier ist, nicht dort. Der Ort: Ameland

 

Sa 4.03.06   12:50

vereinzelt vallen vneevlocken vom virmament.

18:10

Und, haben wir die Nase voll von überzuckerter Welt, von Frost und Eis?
Ja, haben wir! Voodoo. Es soll Frühling werden, verdammt....

 

Mo 6.03.06   10:08

Wir wünschen Herrn Hermann Mensing zu seinem 57 Geburtstag alles Gutes, viel Freude auf seinem weiteren Lebensweg und gutes Wetter.

13:50

Gereihert? -
viermal, höchstens acht.
Kontrollverluste? -
Heimbach, Juli 62: vor der Nacht.

Besuchte Länder? -
Viele. Um die Uhr.

Vertane Chancen? - Ungezählt.
Berufe? - Dieser, selbst gewählt.

Worüber man nicht spricht: sehr gern.
Das Ende? - Hoffentlich noch fern.

Die Aussicht: mal getrübt, mal glänzend.
Die Einsicht: stets sich selbst ergänzend.

Die Fragen? Höchstens eine.
Die Antwort? - Meistens keine.

 

Di 7.03.06   11:22

Wie soll ich meine Feinde lieben, wenn ich nicht einmal meine Freunde leiden kann?

 

Mi 8.03.06   10:17

Nicht weit vor uns ist der Ereignishorizont eines schwarzen Loches.
Jemand bewegt sich darauf zu. Ich beobachte ihn.
Es ist mein Vater. Mit jedem Schritt kommt er dem Ereignishorizont näher.
Der Ereignishorizont ist der Rand eines schwarzen Loches.
Hat man ihn überquert, bleibt nichts mehr.

Jedenfalls sieht es so aus, als mein Vater ihn überschreitet.
Ich sehe, dass er verschwindet.
Er löst sich in seine molekularen Bestandteile auf.
Für mich ist er fort.

Nun aber gibt es Physiker, die sagen, dass mein Vater das Überschreiten des Ereignishorizontes ganz anders wahrnimmt. Er registriere nicht, dass er sich auflöse. Er träte nur ein in einen anderen Zustand.

Dieses Ereignis und seine Folgen seien nach den uns bekannten Naturgesetzen berechenbar.
Berechenbar also sei, dass der den Ereignishorizont eines schwarzen Loches überschreitende eine objektiv wahrnehmbare Existenz vor Überschreiten und eine berechenbare, objektiv jedoch nicht wahrnehmbare Existenz nach Überschreiten des Ereignishorizontes habe.

Ich verstehe das als Metapher.
Sie sagt: es gib ein Leben nach dem Tod.
Ob mich das beruhigen soll, weiß ich nicht.

 

Do 9.03.06   10:14

Da ich keine Leidenschaft für Fussball pflege, war mir gestern egal, ob Mailand oder München gewinnt. Ich konsumiere Fußball als dramatische Form der Unterhaltung, oft auf hohem Niveau. Selbst, wenn der fußballerische Witz fehlt, erlebe ich fast immer Momente tiefer Menschlichkeit.

Ich war allein, hatte beschlossen, Musik zu hören (Michael Landau Trio im Kopfhörer) und dazu das Spiel zu schauen. Fußballspiel ohne Kommentar. Fußball, bei dem mir niemand etwas vormachen kann. Bei dem mir Gesichter auffallen, Gesten, bei dem mir auffällt, wie Mannschaften auseinanderfallen. Bei dem ich begreife, was es bedeutet, wenn Spieler ohne Ball sich nicht bewegen. Und was es heißt, schnell nach vorn zu gehen. Und wie die Hoffnung mit jeder Minute geringer wird und dann doch noch einmal aufflammt und wieder verlischt.

Ab sofort werde ich häufiger Fußball ohne Kommentar sehen.

Im zweiten Drittel der ersten Hälfte fällt mein Blick auf ein Transparent auf der Seitentribüne: zehn, fünfzehn Meter lang, etwas über einen Meter hoch, darauf in roten Buchstaben auf weißem Grund: Contra la repressione. Gegen die Unterdrückung. Gegen welche? dachte ich. Wer unterdrückt wen? Ist es schon so schlimm, dass man auf Champions-League Spielen darauf aufmerksam machen muss?

Heute früh, noch im Schlummer, weil ich lang wach gelegen und über die Soap nachgedacht hatte, klingelte das Telefon. Eine äußerst penetrante Dame war am Hörer, eine Dame mit investigativem Ton, die mehrfach betonte, sie sei Schulleiterin der ... Schule, ich hätte doch eine Mail geschickt und böte Lesungen an, ob ich ihr nicht einmal etwas zu lesen schicken könne? Und Referenzen?

Ich verwies sie auf meine Webseite. Da fände sie alles. Die könne sie nicht öffnen, behauptete sie. Ich erklärte ihr, wie das geht. Wieviel so eine Lesung kosten solle, fragte sie dann. Ich beantwortete ihre Frage, hasste sie aber längst. Sie sprach zuviel Subtext. Nun will Sie mich für den 5. November 2007 buchen, nachdem ich dumm genug war, mir auch noch den Preis drücken zu lassen, und ich soll mich melden. Nach den Osterferien. Das werde ich nicht tun.

12:52

Haben Sie schon einmal Menschenfleisch kaufen ausgegooglet? -
Sehen Sie, ich auch nicht. Um so erschütterter war ich, auf der Statistik meiner Webseite, die Suchausdrücke auflistet, mit denen Surfer zu mir gelangt sind, eben dieses Menschenfleisch kaufen zu finden.
Da sitzen dann diese Menschen vor ihren Terminals und surfen sich durch die Welt nach dem ultimativen Kick?

16:20

Was soll der Dichter nun davon halten???

Meine Agentin:

Lieber Herr Mensing,
gestern erhielt ich eine Absage von ..., aber interessanterweise mit
einem langen Kommentar, fast länger als Ihr "Wunschbaum". Ich werde
Ihnen den Kommentar von Frau ... zu Ihrer Information zuschicken. Er
deckt sich ziemlich genau mit dem, was auch ich schon öfter angedeutet
habe. Sie können schreiben, sonst würde ich Sie nicht vertreten, aber
man hat immer den Eindruck, dass alles zu schnell, zu hastig
geschrieben ist und ein intensives Durcharbeiten der Texte viel bringen
würde.
Inzwischen habe ich auch den "Verfluchten Fluss" noch einmal geprüft,
aber ich kann mich nicht damit anfreunden. Hier ist eher das Problem,
dass die unheimlichen Elemente Staffage bleiben, Requisiten, die nicht
so recht zusammenpassen und auch auf mich als Leser nicht unheimlich
wirken.
Den Brief von ... schicke ich heute ohne Kommentar an Sie
weiter.

Ich glaube, erst einmal gar nichts.

 

Fr 10.03.06   9:45

Nachdem ich eine Nacht lang erst einmal gar nichts geglaubt habe, glaube ich auch das nun Folgende nicht. Aber immerhin, zur Verteidigung könnte es taugen.

Rezensionen meiner Arbeiten

Sackgasse 13

Bücher Schau, Wien: Der Leser verfolgt die Erlebnisse mit Spannung, aber auch mit purem Vergnügen. Oft kann man herzlich lachen, was bei der heutigen Jugendliteratur eine Seltenheit ist. (...) Hermann Mensing ist ein Autor, den man sich merken muss. Sehr empfehlenswert für Leser ab 10 Jahren!

Bulletin. Kritisches Monatsmagazin für Kinder und Jugendmedien, Leseförderung und Lesekultur, 32. Jahrgang. 5/2001 "...Ohne Hexen, Zauberer und Magie, aber mit einem stinkenden Monsterschatten lehrt uns Hermann Mensing das Fürchten. Tim zieht mit seiner Familie in ein altes Haus am Stadtrand, in die Sackgasse 13. Beim Einzug stimmen düstere Vorzeichen auf die Ereignisse ein. Nach und nach macht sich das Grauen breit und kreist die Familie immer enger ein. Obwohl alle das Entsetzen riechen und fühlen - selbst das Hauskaninchen wird wahnsinnig vor Angst - findet jeder plausible Erklärungen für die merkwürdigen Vorkommnisse im Haus. Auch als Leser weiß man lange nicht, ob der düstere Schatten, der die Neumanns bedroht, nicht nur ein Hirngespinst ist. Das Buch driftet nur ein klitzewenig ins Reich der Horrorfantasie ab, doch das allein lässt einem die Haare zu Berge stehen. Gott sei Dank beschreibt Mensing den Alltag mit einer großen Portion Humor, vieles ist vertraut und bekannt, so dass sich Lachen und Gruseln die Waage halten."

Der zehnte Mond

Unbedingt empfohlen! (ekz-informationsdienst)

Das Vampir Programm

"Spannende Horrorzutaten pfeffert Mensing mit einer kräftigen Prise authentischen Kinderalltags. In den knappen, pointierten Sätzen voller Witz und Empathie steckt die besondere Qualität der Geschichte." Esther Kochte, Bulletin für Kinder- und Jugendliteratur.
"Spannend und flüssig geschrieben. Der einfache Satzbau und die leicht nachvollziehbare Handlung kommen jüngeren Kindern ab 8 entgegen, auch wenn sie noch nicht ganz so flinke Leser sein sollten. Gern empfohlen!" (Sabine Grunwald ekz-Informationsdienst)

"Schön, dass Mensing seinen Protagonisten viel Selbständigkeit verleiht, ohne sie zu altklugen Besserwissern zu machen. Dabei sind die Jungen dieser Geschichte alles andere als fehlerfrei, irren sich häufig und haben auch Angst. Keine strahlenden Helden, nur (fast) ganz normale Jungen eben." (Heike Eickhoff, Westfälische Nachrichten)

Buchvorschlag Börsenverein

Abends am Meer

Von den Nöten, Freuden und Träumen eines 16-Jährigen.
Teke ist ein schwarzer Deutscher. Sein Traummädchen ist weiße Niederländerin. Tekes "Traum mit Mädchen" lässt sich nicht so leicht in die Realität überführen, als es aber doch gelingt, sich mit ihr zu treffen, bemerkt er bald, dass alles nicht so einfach ist, wie es eigentlich in der Liebe sein sollte. Als ob nicht eine Staatsgrenze zwischen zwei Verliebten Hindernis genug wäre, gibt es auch Probleme mit den Eltern, die doch nicht so liberal sind, wie sie gerne scheinen würden.
Eine träumerische Geschichte, eine differenzierende Erzählung über Freundschaften mit Ausländern, Minderheiten, Kinder farbiger Eltern mit viel Einfühlungsvermögen in die labile Gefühlswelt Pubertierender mit ihren großen Sehnsüchten und Hoffnungen erzählt.
Angela Zemanek- Die Literaturdatenbank des Österreichischen BibliotheksWerks

Der heilige Bimbam

Der heilige Bimbam ist ein packender Weihnachtskrimi für Kinder ab 9 Jahren. (Berliner Morgenpost 30.11.02)

Voll die Meise

"Eine flüssig erzählte Geschichte, die Abenteuerlust, innere Spannung und Sensibilität des Protagonisten glaubwürdig widerspiegelt und die unaufdringlich für verantwortungsvolles Handeln steht. (Sabine Grunwald - ekz Informationsdienst)

Flanken Fouls und fiese Tricks

Bulletin Jugend & Literatur 4/2002: Flott geschriebener Roman um den leicht aufbrausenden Tuxe, der wegen einer Fehlentscheidung wütend auf Schiedsrichter und Trainer ist. Mensing geht auch auf negative Seiten des Fußballspiels ein: gewalttätige Spieler und rassistische Fans. Tuxe und sein Freund, der Pole Wojtek, überstehen einen Überfall und bewähren sich in einem Turnier. Die spannende Erzählung bezieht glaubwürdig soziale Probleme ein, ohne in sentimentale Elendsmalerei zu verfallen. Lesetipp

Eselsohr 6/2002 "Der Ball ist Rund, die Scheine sind eckig" Mit Blick auf die oben angesprochene oberflächliche und nur auf die Geldbeutel der Käufer schielende Massenproduktion - die kaum ein gängiges Klischee auslässt - (...) gibt es Ausnahmen, wie Hermann Mensings "Flanken, Fouls und fiese Tricks" beweist. Das Thema Fußball bildet hier lediglich den Rahmen einer mittelstädtischen Milieuschilderung und konturiert darin eine zeitgenössische Familie und deren Alltag. Es wird so ein Ausschnitt moderner, deutscher Kindheitserfahrung vermittelt, der in seiner Intensität besticht und gleichsam exemplarisch wirkt, obgleich Lokalkolorit aufscheint. Der anfänglich tragische Konflikt zieht sich wie ein Leitmotiv durch das gesamte Buch, dessen zentrale Fragestellung beständig um die Gegenpole Recht und Unrecht kreist. Fast zwangsläufig geraten dabei weitere Gegensätze wie Freundschaft und Hass, Menschlichkeit und Gewalt oder Intelligenz und Dummheit in den Focus. Der Autor erzeugt Spannung, Nachdenklichkeit und Kurzweil während der gesamten Lektüre. Was sich im Vergleich mit vielen anderen Fußballbüchern als besonders wohltuend abhebt, ist der gänzliche Verzicht auf weibliche Nebenrollen. Sie sind dort ohnehin meist Staffage oder werden krampfhaft dazu bemüht, einen angeblich permanenten Geschlechterkampf abzubilden. Hermann Mensing hingegen schreibt ein klassisches "Bubenbuch", dem es durchaus genügt, eine starke, kompetente und kluge Mutterfigur vorzustellen. Ein kleines Meisterwerk (Für Leser ab 8) Erhält den "Fällt aus dem Rahmen" Preis - Eselsohr 6/2002

Flanken, Fouls und fiese Tricks

Spannendes und jugendgerechtes Fußballbuch

Wenn ich die letzten Jahre hinsichtlich fesselnder Fußballbücher Revue passieren lasse, fallen mir Titel wie Nick Hornbys "Fever Pitch", "der Traumfänger" über den deutschen Torhüter Lars Leese oder "das Lexikon der Fußballmythen" bzw. -nieten ein. Überhaupt nicht einfallen will mir ein Titel, der das Thema Fußball nicht nur spannend sondern auch jugendgerecht aufbereitet.
Zugegebenermaßen: Der Titel "Flanken, Fouls und fiese Tricks" von Hermann Mensing klingt nicht gerade nach einem Buch, das man als jugendgerecht empfinden würde; aber es handelt sich tatsächlich um den Schmöker, den man einem D- bzw. C- Jugendlichen einer Fußballmannschaft unter den Weihnachtsbaum legen möchte.
Im ersten Moment des Durchblätterns fällt auf, dass sich seit meinen eigenen Versuchen als hoffnungsvoller Nachwuchskicker ( zwischen 1977 und 1986) einiges geändert hat: Die Protagonisten heißen nicht mehr "Manni" ("der Libero") oder "Kalle" (dank eines Herrn Rummenigge ein beliebter Stürmername) sondern Tuxe, Krikke, Rasta und Ferdi. Und von Sepp Herbergers "elf- Freunde- müsst- Ihr- sein!"- Mentalität ist anfangs auch nicht viel zu spüren.
Tuxe Krickmann ist ein Individualist, der sich wegen einer Fehlentscheidung in einem Spiel nicht nur mit dem Schiedsrichter anlegt, dementsprechend einen Platzverweis kassiert; sondern sich auch noch so mit dem Trainer überwirft , dass eine Rückkehr in die Mannschaft unwahrscheinlich scheint. Aber wie es so geht: Wo eine Tür geschlossen wird, öffnet sich manchmal eine andere. Tuxe kann sich mit dem polnischen Jungen Wojtek anfreunden. Dieser ermöglicht ihm Spielpraxis in einem neuen Team. Doch bevor die beiden ihren Spaß am Fußball ausleben können, müssen sie aber einige unangenehme Erfahrungen mit ihrem Umfeld durchleben, das ganz offensichtlich Vorbehalte gegen diese Freundschaft hat. Zum Glück hat Tuxe in seinem toten Großvater einen guten Berater ... .
Das ist also im Großen und Ganzen die Story, die der Autor spannend erzählt, und in die er gekonnt einige große Wahrheiten wie "Torwarte tunneln ist wunderbar." einfließen lässt.
Dadurch, dass der Autor auch persönliche Erfahrungen verarbeitet, das Buch einen sehr ordentlichen Anhang mit Statements zu Hooligans und Skinheads enthält und die wichtigen Internetadressen der großen Fußballverbände im deutschsprachigen Raum nennt, ist das Buch ein lohnendes Weihnachtsgeschenk.

Von Olav Sprenger Titel Magazin http://www.titel-magazin.de

Große Liebe Nr. 1

"Das Buch hat es in sich. Der 16-jährige Steff erzählt von einem Schlagzeug-Workshop in Polen. Was dabei passiert, das ist die erste große Ablösung von Familie und Freunden, dazu ein großer Hunger, Liebe zu erfahren. (...) M. berichtet in hinreißender Subjektivität: bildhaft, in treffsicheren Worten und kein bisschen cool. Das "heftigst katholische" Polen, 150 Verrückte, die Musik machen, der auf dem schmalen Grat erster Liebe unsicher balancierende Steff, dazu eine wache und keusche Kasia, die Geschichte nimmt den Leser gefangen und sollte vielen Jugendlichen angeboten werden. (Hildegard Schaufelberger - "Buchprofile für die kath. Büchereiarbeit" 12/01)

11:35

Ich wüsste nicht...
sagt' ich zum Spiegelbild im Bad und dreht' mich fort.
Ich konnt' mich schwach erinnern, dass ich ähnlich hieß wie ich,
doch tief in meinem tiefsten Innern kannte ich mich nicht.
Ich hätte gerne mehr gewusst, doch floh stattdess' den Ort.

 

Sa 11.03.06   11:45

Denn alles was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht. (G. Öthe)

15:55

Als dilettierender Linkshänder habe ich heute einen Schritt nach vorn getan und meinem hüpfenden Floh die Seiten umgespannt. Nun muss ich alles, was ich seit Weihnachten gelernt habe, neu lernen. Das aber macht nichts, denn schon jetzt merke ich, dass es so, wie es jetzt ist, korrekt also, mit der A-Saite unten und der G-Saite oben, auf Dauer besser gehen wird. Werde nun üben. Bis zu den ersten Lesungen ist noch Zeit, bis dahin kann ich ein Liedchen aus dem Ärmel schütteln. Muss ja nichts Großes sein, drei Akkorde reichen, dazu ein witziger Text, ab geht die Post.


Mo 13.03.06   8:42

Im Café Destan träfe sich die Parallelgesellschaft, hatte mein Neffe lachend gesagt, und dort spiele er Samstag mit Emre. Mein Neffe ist Musiktherapeut im Landeskrankenhaus, spielt in zwei türkisch-deutschen und einer deutsch-afrikanischen Band. Als er fragte, ob ich Lust hätte zu kommen, sagte ich ja. Schließlich ist Neugier Teil meines Berufes. Ich habe keine Ahnung von Parallelgesellschaften. Hin und wieder erfahre ich ein wenig von unserem jüngsten Sohn, zu dessen Freundeskreis Kurden, Türken, Jordanier, Albaner und Russen zählen und da staune ich oft, deren Weltsicht unterscheidet sich nämlich sehr von der amtlichen Deutung der Dinge.

Das Café Destan liegt an der Kanalstraße, nicht weit von der Maximilianstraße, an der wir Anfang der achtziger Jahre wohnten. Unser altes Haus ist jetzt ein hochmodernes Stadthaus mit Aufzug und Eigentumswohnungen verschiedener Größen. Wir standen davor und waren uns nicht mehr sicher, ob wir tatsächlich je dort gewohnt hätten. Etwas über zwanzig Jahre ist das her, und wir waren sogar uneins über die Frage, ob das Treppenhaus früher nicht links war?

Das Café Destan ist ein türkischer Imbiss mit Marmortreppe, die in einen Keller führt. Oben gibt es Döner und Bratwurst, Pommes und Köfte, unten ist das Café. Ein nicht gerade gemütlicher Ort, eher ein gekachelter Keller. Links ist eine Bar, rechts eine Bank mit türkisch-arabischen Sitzkissen, im Raum stehen schwarze Aluminiumstühle um Tische, und dann gibt es eine kleine Bühne. Dahinter ist eine Fototapete. Sie zeigt das Gesicht einer Frau. Eine Spiegelkugel dreht sich unter der Decke. Auf der Bühne: mein Neffe und Emre. Außer mir und meiner Frau sind vier Gäste anwesend: ein Mann und eine sehr dicke junge Frau, denen man sofort ansieht, dass sie Patienten im Landeskrankenhaus sind, ein zierlicher, dunkelblonder Mann, der vor seinem Hefeweizen noch zierlicher wirkt, ein über Durchschnitt großer Türke mit langem, zum Pferdeschwanz gebundenen Haar.

Emre singt, mein Neffe begleitet auf verschiedenen Trommeln, manchmal spielt er Gitarre. Ich hatte gehofft, da würde einer die türkische Laute spielen, aber Emre spielt Gitarre und ich kann nicht abschätzen, was das für Lieder sind. Im Verlauf des Abends kommen noch ein paar türkische Gäste, ein Mann um die dreißig und drei sehr attraktive junge Frauen, und bald fällt mir auf, dass sie fast jedes Lied mitsingen: also Schlager.

Ich hatte sich wie Gockel aufführenden Jungtürken erwartet, Karikaturen, die Kanak-Sprach sprechen und immer auf dem Sprung sind, sich, ihre und der Türkei Ehre gegen jeden auch noch so eingebildeten Feind zu verteidigen. Stattdessen diese attraktiven jungen Frauen und später noch junge, eher zurückhaltende Männer, die, wenn erwünscht, akzentfrei Deutsch sprechen, untereinander jedoch ihrem Heimatidiom treu bleiben.

Zwei der jungen Männer sind mit blonden Frauen gekommen. Beide mit aussagefähigen Brüsten. Wobei wir sofort bei den Vorurteilen landen: türkische Jungs mögen blonde Mädchen mit großen Brüsten.

Da saßen wir also, meine Frau und ich, Emre sang diese seltsamen Lieder, ich bestellte Tee, in der Hoffnung, türkischen Tee zu bekommen, ich bestellte frische Datteln, weil ich dachte, nun gut, dies ist ein türkisches Café und die Datteln stehen auf der Karte, aber Datteln waren ebensowenig zu haben wie Baklava, und der Tee war nicht türkisch, sondern ein Glas heißes Wasser mit dazu geliefertem Teebeutel.

Ernüchternd, fand ich, aber meine Frau fand das alles sehr authentisch. Und als wir eine Weile so gesessen hatten, fühlte auch ich mich mehr und mehr entfernt vom eiskalten westfälischen Winter, seltsam verrückt an einen Ort, der wohl nur deshalb besteht, um dem Heimweh einen Platz einzuräumen.

Ich spielte bei zwei Nummern die türkische Trommel, bei einer tanzte ein türkisches Mädchen mit verzücktem Gesicht, an zwei Tischen gurgelten die Wasserpfeifen, eine am Tisch eines jungen Türken mit schon beschriebener blonder Freundin, die zweite an unserem Tisch. Der Neffe hatte sie spendiert. Sie schmeckte seltsam staubig und so ganz anders, als ich sie aus Jerusalem in Erinnerung hatte, oder aus Kairo.

Als wir das Café Destan gegen 23 Uhr verließen, waren noch ein paar Gäste gekommen und der Neffe meinte, als er das letzte Mal dort gespielt habe, sei es erst nach Mitternacht richtig voll geworden. Im April spielt er wieder dort. Mal sehen, vielleicht wechsle ich dann wieder für ein paar Stunden in die Parallelgesellschaft.

14:40

Neues?
Aufregendes? Anregendes? Erregendes? -
Nö, nüscht.

 

Di 14.03.06   9:10

Immer noch nüscht.

13:15

Oder doch: kaufen Sie oder kaufen Sie nicht, aber behelligen Sie mich nicht mit ständig wechselnden Einwänden, die auf dem Humus ihrer Sozialisation gewachsen sind. Versuchen Sie, all das zurückzustellen und sich verzaubern zu lassen. Falls ihnen das nicht gelingt, mag es an mir, es kann aber ebensogut an Ihnen liegen. Versuchen Sie nicht, alles an mir festzumachen. Ich bin nur ein Dichter. Ich dichte für Sie, nicht für Ihre komplizierten Neurosen. Wenn es um Neurosen ginge, hätte ich selbst genügend auf die Waagschale zu werfen.

Verstanden? Gut. Also, Sie wissen was zu tun ist.

Mir wäre natürlich am liebsten, Sie kauften, denn der Verleger kennt nur ein Argument: Verkaufszahlen. . Es sei denn, es handelt sich um jemanden, dessen Grundeinkommen gesichert ist, und der es sich leisten kann, aus reiner Liebe zur Literatur zu handeln, aber wer kann das schon.

 

Do 16.03.06 9:15

Während es in der Welt drunter und drüber geht, geht es bei Herrn M. gemütlich zu. Er muss nicht auf sein Existenzrecht pochen, wie dieses Land auf der anderen Seite des Mittelmeeres, das jeden Tag alles tut, damit seine Nachbarn es noch lieber haben als sonst, er muss nicht auf vom Himmel fallende Vögel achten, er sitzt drinnen, schaut schon seit Wochen auf die mit dem Kopf nach unten im Fallrohr der Garagendachrinne steckende Amsel und denkt sich seinen Teil, Herr M. muss eigentlich nur die Nerven bewahren und die Fahne der Hoffnung aufziehen, sonst nichts.

Da die Hoffnung gern mit Musik untermalt wird, fuhr Herr M. gestern ins westlichste Westfalen und hat dort im Nightsky-Studio ein neues Lied aufgenommen. Der zu vertonende Text und die von M. dazu erdachte Melodie zeigten sich sperrig, zumal M.'s Fertigkeiten auf dem Klavier minimal sind, dennoch: die Basis wurde gelegt.

Herr M. trommelte einen fast am Boden schleifenden Beat (Tempo:59), legte Klavier-Akkorde darüber und singsangte seinen Text. So verging ein schöner Tag, losgelöst vom politischen Alltag, fast so, als gäbe es den überhaupt nicht. Und während Herr M. weiter so vor sich hin träumt, geht rings um ihn die Welt in Stücke. Aber lassen Sie sich davon nicht unterkriegen, sehr verehrte Damen und Herren, es war ja, wie Sie wissen, nie anders.

 

Fr 17.03.06   15:45

Nach langer, unruhiger Nacht entschied Meister M., die Soap nicht mehr als ein umfassendes, in allen Aspekten von ihm zu kontrollierendes Projekt zu betrachten (was es ja eigentlich auch nie war), sondern sich auf die Kooperation mit vielen Köchen einzulassen.

Ob es zu viele sind, wir sich noch herausstellen. Ganz verschwunden ist M.'s Magengrimmen darüber jedoch noch nicht, aber zumindest die Arbeit mit dem Ko-Autor ist nun klar abgesprochen. Jeder weiß, was er tut und was nicht. Was die Regisseure machen, ist noch nicht klar. Sollten sie aber quer schießen, wird Einspruch erhoben.

Als die Nacht dann vorbei war, setzte M. sich ins Auto, fuhr in einen der größten Musikläden der Republik und kaufte sich eine schwarze Westerngitarre. Als er sie stimmen wollte, riss die G-Saite. So it goes, sagt sein alter Freund Kurt Vonnegut Jr. Er wird schon recht haben.

 

Sa 18.03.06   11:51

Vorgestern abend im Hot Jazz. Ich sitze mit zwei Saxophonisten am Tisch. M. ist jung, Münsteraner, D. geht auf die siebzig zu und ist Engländer. Ist mit der Army hergekommen und hängengeblieben. Ich kenne ihnen seit über zwanzig Jahren. Er ist sehr direkt. Oft sogar unverschämt. Wer ihn nicht kennt, ist leicht verletzt von seinen Bemerkungen.

Am Nebentisch sitzt R., ein Gitarrist, mit dem seit zwanzig Jahren hin und wieder spiele. R. trägt ein schwarzes T-Shirt, auf dem War spät gestern stand. "Ist dir nicht kalt?" fragt D. R. schüttelt den Kopf. "Stimmt ja", sagt D., "Juden ist immer warm." R. schaut kurz auf. D. lacht. Alle anderen am Tisch tun so, als hätten sie nichts gehört.

 

So 19.03.06   12:20

Waren im Pumpenhaus, um Tanztheater zu sehen. Dass es grandios würde, wussten wir nicht, die Ankündigung hatte nur interessant geklungen. Zudem ist es immer angenehm, sich die Zeit mit Theater zu vertreiben.

Ich mag Tanztheater.
Die Räume werden nicht durch Worte verstellt.
Stattdessen gibt es Bilder.
Traurige, mutige, humorvolle, verzweifelte, erschreckende, intime, keinesfalls und nie aber peinliche, aufdringliche.

Sehr, sehr, sehr zu empfehlen.

 

 


Mehr zu der Choreographin Stephanie Thiersch und der Tänzerin Alexandra Naudet finden Sie hier.
http://www.mouvoir.de

 

MO 20.03.06   9:10

Während man in unserer Republik Demonstranten über die Ortsvereine mit Trillerpfeifen ausrüstet, ihnen Fähnchen in die Hand drückt, mit denen zu winken ist und ihnen Überwürfe aus Plastik anzieht, auf denen die Initialen ihrer Gewerkschaft stehen, liebt unser Nachbar Frankreich die spontane Demonstration.

Darum beneide ich ihn sehr. Zwar schlägt er hin und wieder über die Stränge, aber das ist ja der Sinn einer Demonstration, wie sonst sollte man denen, die in Regierungs- also Machtpositionen sind, Druck machen.

Der Germane hat (glaube ich) seit der Varus Schlacht kaum noch eigenmächtig revoltiert, sieht man von kleinen, kurzfristigen Zusammenrottungen ab. Was nicht heißt, dass ich ihn nicht mag, nein, nein, er sieht nur so putzig aus, wenn Ver.di ihn verkleidet hat und er da steht und trillert und Fähnchen schwenkt.

Die kopfüber im Fallrohr steckende Amsel ist noch immer nicht verrottet, der Himmel nicht aufgerissen, fenngleich fröhlich Finken fliegen und fom Fögeln mit Finkenfrauen träumen, freilich noch etwas früh, fürfahr, fährend Herr M. durch dieses Haus streicht, Wäsche aufhängt, Müll fort trägt, Fenster öffnet und wieder schließt, ein Haus, in dem er seit über zwanzig Jahren lebt, ein Haus, das in den letzten zwei Jahren eine seltsame Verwandlung durchgemacht hat.

Früher lebten hier Kinder, unsere sowieso, aber auch in den übrigen Wohnungen. Seit nun im Dezember die deutsch-afghanische Familie ausgezogen ist, leben keine Kinder mehr hier, sieht man von zweien ab, die so gut wie unsichtbar bleiben. Oben links wohnt augenblicklich niemand, die Familie über uns ist vor einem Jahr fortgezogen, seither wohnen dort drei IT-Spezialisten aus Friesland, fröhliche Männer, die am Wochenende nach Hause fahren, das phillipinische Paar, das gerade ein Kind bekommen hat, ist letztes Wochenende ausgezogen, der Geo-Physiker haust nach wie vor hinter Stapeln von Spiegel-Jahrgängen und anderem, unerledigten Müll. Uns gegenüber wohnen die schon erwähnten zwei Kinder mit ihrer manisch-depressiven jungen Mutter, die es seit über zwei Jahren schon nicht mehr erträgt, dass ihr Mann die Wohnung betritt, weshalb der sich in der Nachbarschaft eine Wohnung genommen hat. Nur wir sind noch übrig, sozusagen Stammpersonal, das in dieser Wohnung zwei Kinder groß gezogen hat, wovon eines schon seit fast drei Jahren in eigener Wohnung lebt.

Manche glauben, ich sei eine Art Hausmeister, und oft befürchte ich, dass es genau darauf hinausläuft, denn es gibt hier niemand, der sich um irgendetwas kümmert. Werbezeitschriften stapeln sich im Flur, Licht wird nicht ausgemacht, Türen werden nicht geschlossen, Mülleimer werden nicht in den seit gut einem Vierteljahr extra dafür gebauten Unterstand zurückgebracht, alles in der vagen Hoffnung, der Putzmann, der einmal die Woche kommt, werde das schon erledigen. Er ist ein Mann Anfang Vierzig, der das Haupthaar rundum rasiert und nur das etwas längere Haar auf der Schädelplattform ständig wechselnd gefärbt trägt. Er fährt einen Ford Mondeo, den er mit Chrom-Imitationen in Form von Ninja-Sternen, Blitzen und Leisten über und über beklebt hat. Ich halte ihn für dumm bis strohdumm, und glaube nicht, dass ich mich täusche.

In so einem Haus also bewege ich mich wie ein Geist. Früher begegnete ich Kindern im Treppenhaus, früher waren Geräusche zu hören, früher traf ich Nachbarn beim Wäscheaufhängen oder im Flur, im Augenblick treffe ich niemanden und könnte mich genausogut einsargen lassen.

Aber ich will nicht klagen. Ich lebe gern hier. Ich kann hier Radau machen. Ich kann tun was ich will. Und ich bin sicher, früher oder später wird der Himmel aufreißen. Und dann sitze ich wieder auf dem Balkon, ob nun ein neues Geländer mich schützt oder nicht, mir egal, ich will nur ein wenig frische Luft und Kaffee im Freien.

Andiamo, an die Arbeit jetzt, es gilt, Szenen für die Soap zu entwerfen.

 

Di 21.03.06   10:35

Die Sonne scheint. Alle schöpfen Zuversicht. Das Schlimmste liegt hinter uns. Man könnte glaube, ich lebte ein Leben, wie es mir gefällt. Das stimmt. Aber dieses Privileg tilgt nicht meine Wut und Verzweiflung über den Zustand der Welt. Ich bin ein potentieller Weltverbesserer, der nichts tut. Ich rede nur. Ich schreibe Geschichten. Das ist alles. Gestern nacht ging ich vorm Zubettgehen noch einmal auf den Balkon, sah prompt eine Sternschnuppe und schenkte sie meiner Frau.

Heute früh Post von meiner ehemaligen Realschule.
Nachdem eine Verlegerin meiner Agentin vor zwei Wochen schrieb, ich sei "ein warmherziger, fantasievoller Autor", der "zweifellos schreiben" könne, meine Geschichte aber trotzdem nicht kaufte, erfuhr ich heute, dass ich Schirmherr für die neue Schulbücherei der Fridtjof Nansen Realschule geworden bin.

Das ist doch schön, oder?

Könnte nun folgende Kontakanzeige aufgeben:

Warmherziger, fantasievoller Autor, der zweifellos schreiben kann, Schirmherr der ... Bücherei, sucht geregeltes Einkommen, das ihm alle Freiheiten lässt. Alterssicherung inkl.

 

Mi 22.03.06   13:52

Brachte Szenen mit zur Soap Probe, erläuterte unser Konzept, schaute zu, wie die ein oder andere Szene angespielt wurde und sehe nun klarer. Der kann das sprechen und die das eher nicht, ich werde mich mit den Schauspielern zusammensetzen und Szenen durchsprechen, laut und langsam. Wo immer es hakt und zu große Fragen gibt, werde ich ändern, alles Weitere überlasse ich den Regisseuren.

Fazit: wir hatten eine äußerst erhellende Probe und es scheint, dass die Schauspieler langsam begreifen, wohin es geht mit der Soap. Hier und da beginnen schon erste Träume von Ruhm und Ehre, aber darauf lasse ich mich lieber gar nicht erst ein. Ich orientiere mich an unserem Plot, haue eine Szene nach der anderen raus, höre dabei Musik und überlege, welche zu unserem Stück passen könnte.

Was nun den Frühling angeht, es ist noch immer ein kalter Frühling.

 

Do 23.03.06   9:05

Frotz noch,
Himmel: blau mit Abgasstreifen
Menschen: dicke Jacken. Autos: Winterreifen.
Vögel: keilförmig nach Norden fliegend
Prominente: irgendwo. Im Süden. Liegend.
Mensing: dichtend. Texte: winterhart.
Ukulele spielend. Töne: zart.
Morgen in Utopia. M. im Zentrum. Wundaba.

16:30 Sonnenglanz.
Hätten. Würde. Katzenschwanz.
Rösslein. Nicht mehr. Gülle. Schwapp.
Abends Inder. Tofu. Schnap'
ssssss das war sein letztes Wort.
Thomas P. Tot? Tragt ihn fort.

17:10

Die Zeichen mehren sich: eine Biene summt durchs Wohnzimmer.

 

Fr 24.03.06   10:08

Ich habe zwei Söhne. Sie sind Feuer und Wasser. Den einen reitet der kategorische Imperativ, den anderen ein Minderwertigkeitskomplex. Der eine hat eine gymnasiale Ausbildung, die ihm einigen Einblick in andere soziale Schichten verwehrt, der andere ist an der Real- und Fachoberschule ausgebildet und hat diesen Einblick, beide sind intelligent genug, sich nicht über Fußball im Allgemeinen und Klinsmann im Besonderen zu streiten, dennoch tun sie es, sodass man sich als zuhörender Vater an den Kopf schlägt und wünscht, das alles wäre nicht wahr, aber dann erinnert man sich vage an Kain und Abel und sieht sich sofort eingereiht in die Ahnenkette menschlicher Idiotie, der man, das hatte man sich geschworen, als man selbst so alt war, wie die Söhne jetzt sind, nie und nimmer noch ein Licht aufsetzen wollte, niemals, aber dann hatte man es doch getan und das hat man nun davon.

Das Vaterherz schmerzt. Nicht, dass man sich Leid tut, nein, das wäre das letzte, was man sich tun möchte, da wäre Aufhängen oder stilistisch einwandfreies Entleiben nach japanischer Art schon viel eleganter, aber der Stimmungs-Mix am Morgen danach ist gefährlich, man tut besser daran, mir aus dem Wege zu gehen, ich könnte Sachen sagen.

Rechthaberei und Minderwertigkeitskomplexe haben genetische Ursachen auf beiden Seiten der Familie, hoffen wir, dass nicht noch der Suff hinzu kommt (Opa Heini, Onkel Hans, Onkel Heini), der Leichtsinn (Onkel Hans), das Selbstmitleid (Opa Hermann), der religiöse Wahn (Tante Habichvergessen), der Geiz (Tante Tita, Tante Anni), die Großmannssucht (Onkel Hans), die Überheblichkeit (Onkel Männe), der Hochmut (Opa Fritz) und was da sonst noch alles war.

Hört zu, Söhne unter der Sonne. Ihr werdet geliebt. Der eine dafür, der andere dafür. Der eine nicht minder als der andere. Dass ihr so unterschiedlich seid, dafür können wir nichts. Damit müsst ihr euch abfinden. Dass dem einen diese, und dem andere jene Vorfahren näher sind, lag auch nicht in unserer Absicht. Auch das regelt die Natur.

Solltet ihr dies also lesen (wobei ich davon ausgehe, dass der eine es tut, der andere aber eher verächtlich die Nase rümpfen würde, weil er glaubt, Lesen wäre etwas nicht mehr Zeitgemäßes), fasst euch an die Nase und sagt dreimal: ich bin ein Idiot.

Ihr dürft auch zu mir kommen, dann sprechen wir diesen Zaubervers gemeinsam. Danach wird es euch besser gehen. Danach darf großes Lachen einsetzen und Staunen darüber, wie groß und voller Wunder diese Welt ist und wie sehr Väter- und Mütter täglich ohnmächtig mit ansehen müssen, wie ihre Kinder dies tun und das.

16:05

Habe heute zwei Rauchmelder in unserer Wohnung installiert.

 

Sa 25.03.06   17:53

Ich bin's, der Schirmherr. War klocker 10:45 vor Ort und wurde schon sehnlichst erwartet. Hatte einen reservierten Platz neben dem stellvertretenden Bürgermeister und dem leitenden Regierungsschuldirektor. Hörte zunächst eine Rede vom Direktor der Schule. Dann trommelten Schüler zum Thema: Wo die Sprache aufhört, beginnt die Musik. Höchste Trommelkunst. Ob Musik, ist schwer zu beurteilen.

Dann kam ich. Erzählte fünf Sätze vom kleinen Realschüler Hermann, der eine dreitägige Aufnahmeprüfung machen musste, damals, vor fast 50 Jahren, und der in der Wartezeit zwischen Mittwoch und Freitag, dem Tag der Veröffentlichung der Prüfungsergebnisse, am Donnerstag die Nerven verlor, sodass seine Mutter zur Nachbarin ging. Eine Lehrerin der Realschule. Die steckte ihr, dass ihr Sohn bestanden hatte.
Was gut war, andernfalls wäre ich möglicherweise in Gronau versackt.

Las die Ballade von einer Kanaken Stadt. Man war beeindruckt. Ich hatte wie immer Klöße im Hals, diese Ballade rührt mich, das war bisher jedesmal so.

Der leitende Regierungsschuldirektors versuchte sich mit einer Satire aufs Buch. Furztrockener Bürokrat ohne Humor.

Die Schüler, die getrommelt hatten, setzten zu einem meditativen Tanz an, der verdeutlichte, was mit dem Leser beim Lesen geschieht. - Sehr eindrucksvoll. Wirklich.

Schön auch das Orchester zum Schluss. Man spielte Pippi Langstrumpf.

Nach einer dreiviertelstunde war das vorbei.

Ich trank Kaffee und aß von Müttern gebackenen Kuchen. Delikat.

Wurde dann in die Bücherei expediert, wo ich meinen Büchertisch aufbaute.
Zügige Umsätze in der ersten halben Stunde, danach eher schleppendes Geschäft, insgesamt dennoch nicht unbedeutend.

Las vor zwanzig Zuhörern Die Reise ins Glück und Der Elefant.

Die Fridjof Nansen Realschule hat 900 Schüler. Viele hatten sich große Mühe gegeben, dem Fest ein Gesicht zu geben. Und dann kamen zwischen 11 und 16 Uhr doch nicht mehr als max. 200 Menschen. Dumme Eltern, die lieber den Samstagnachmittag sonstwo vertrödeln, als mit ihren Kinder eine entspannte Stunde an dem Ort zu verbringen, an dem sie jeden Tag sind, ob sie es wollen oder nicht. Aber lieber nein, sagen sie, was sollen wir denn da. Sollte aber mal eines dieser Kinder über die Stränge schlagen und bestraft werden, sind diese Eltern schnell mit absurden Drohungen gegen Schule und Lehrer vor Ort.

Ihr Schirmherr ruft ihnen ein dreifaches Aloha zu und wünscht noch einen vergnüglichen Samstagabend.

 

Mo 27.03.06   11:10

Seit Donnerstag letzter Woche sind die Temperaturen zwischen den Spitzen fast um 20 Grad geklettert, heute ist es feucht und warm, nicht sehr angenehm. Als ich gerade vom Einkaufen zurückkam, traf ich meine Lieblingsnachbarin, Frau K. Wir sprachen über König Hugo und dass er ja nun bald in unser Haus zieht, fragten uns, ob das eine längerfristige Sache wäre, ob es stimme, dass er verschuldet sei, verständigten uns über das Wetter und dann fiel der Satz, der mir endgültig klar machte, dass ich angekommen bin: Wir können so ein Wetter ja nicht mehr so gut vertragen, sprach Frau K., Mitte Siebzig. Ja, ja, antwortete Herr M., Mitte Fünfzig, auf die Sechzig zugehend.

 

Di 28.03.06   9:57

Was M. nun tatsächlich ist, ein Pfuscher oder ein hochbegabter Dilletant, ob er dies ist und das nicht, oder das und dieses nicht, wer könnte das weniger sagen, als M. selbst. M. selbst sitzt nur tagein tagaus auf seinem mit den Jahren schlaffer werdenden Hintern und nimmt Aufträge entgegen. Ja, sagt er, gut, da komme ich gern, nein, über den Preis können wir nicht mehr verhandeln, schließlich finanzieren sie damit die Existenz eines Schriftstellers, was immer das für eine Existenz sein mag. Und so wird er in den nächsten acht Wochen durch die Lande reisen, in Schulen lesen und versuchen, ein wenig Geld beiseite zu legen. Für schlechte Zeiten, sagte man früher, M. aber legt es für die Gegenwart zurück, woraus man schließen mag, was man will.

Kleine Beobachtung vom Send (Kirmes) in Münster: Herr M. verspürt ein dringendes Bedürfnis. Vorm Toilettenwagen steht ein ca.einssechzig großes Wesen in orangeroter Latzhose und blauem Anorak. M. geht an ihm vorbei, er will den Toilettenwagen betreten. Das Wesen sagt: Mit Zigarette dürfen Sie da nicht hinein. Das Wesen spricht Sächsisch. Ach was, sagt M., so weit ist das schon? Wozu soll das denn gut sein? Keine Erklärung. Nur: damit dürfen Sie nicht hinein. M. hatte sich seine Zigarette gerade erst angezündet. Also, sagte er, würden Sie meine Zigarette denn einen Moment festhalten, es dauert ja nicht lang? Das Wesen nickt. M. gibt ihm seine Zigarette. Das Wesen hält sie wie eine Kerze zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand. M. verschwindet, schlägt ab, was abzuschlagen ist, kehrt zurück und sagt: Sie haben nicht heimlich dran gezogen? Nein, sagt das sächsische Wesen. Eigene Schuld, sagt M., ist nämlich ein Joint. Das sächsische Wesen versteht nicht. Es erklärt jetzt, warum man den Toilettenwagen nicht mit Zigarette betreten dürfe. Er sei so neu, und es, das kleine sächsische Wesen, sei dafür verantwortlich, dass niemand Brandflecke nirgendwo hinterlasse. Aha, sagt M. und geht.

11:55

Das Anbringen von zwei Rauchmeldern in unserer Wohnung hat mir merkwürdige Blicke meiner Söhne eingebracht. Ich nehme an, sie glauben, ihr Vater werde langsam wunderlich. Weit gefehlt, Söhne, wenn hier jemand wunderlich ist, dann seid ihr es. Wenngleich ich zugeben muss, dass mein Sicherheitsbedürfnis über die letzten Jahre zugenommen hat. Nie hätte ich zum Beispiel auch nur im Traum daran gedacht, Mitglied des ADAC zu werden, aber nun bin ich es und denke mir, fünfzig Euro im Jahr sind es mir wert, dass man mich, sollte ich auf meinen Fahrten zu Lesungen irgendwann irgendwo liegen bleiben, abschleppt und mir weiterhilft.

 

Mi 29.03.06   11:06

Man zitiert diesen Satz gern im Zusammenhang mit Künstlern. Ich hatte geglaubt, es gäbe heutzutage niemand mehr, der sich traut, etwas derart dämliches abzusondern. Gestern abend wurde ich eines Besseren belehrt. Nachdem H. und ich seit Wochen damit beschäftigt sind, der Soap Konturen zu verleihen, Handlungsstränge zu dramatisieren, den Personen Profil zu geben und schon über Cliffhanger nachdenken, hatte sich die Regisseurin ausgedacht, mit den Schauspielern Twin Peaks anzuschauen, weil sie z.B. den weinenden Polizisten so witzig findet.

Wir, die Autoren, hatten andere Pläne. Wir wollten einen Durchlauf der bisher geschriebenen Szenen lesen, um jeden auf den Stand der Dinge zu bringen. Nach etwa zehn Minuten, die die Regisseurin vorm DVD Player sitzend verbrachte, hilflos zappend und nicht in der Lage, die von ihr favorisierten Szenen aus dem Menü ansteuern zu können, machte ich meinem Unmut Luft, sagte, dass ich nicht begriffe, wofür das gut sein solle, was zu schon leicht erregtem Tonfall führte und schließlich mit einer kleinen Konferenz im Büro endete.

Dort fiel besagter Satz. Die Regisseurin meinte, ich mache ihr zuviel Druck, das sei hier nicht Stadttheater. So könne sie nicht arbeiten!!! (Schluchzzzz) Als ich einwarf, ich fände wichtig, alle Beteiligten auf der Stand der Dinge zu wissen, da der zweite Regisseur bei der vorletzten Probe noch nicht einmal das Skript gelesen hatte, wurde dieser fast ausfallend und sagte, das brauche er eigentlich gar nicht, er hätte ja den Text vor sich gehabt, und dann begänne er zu inszenieren. Überheblichkeit, gepaart mit chaotischem Nichtkönnen.

Dicke Luft also. Zum Glück war ich nicht allein. Meinem Mitautor ging und geht es ähnlich wie mir, und so haben wir hoffentlich gestern Abend ein paar Positionen geklärt. Ab sofort gelten Probenpläne. Pläne, die vorher veröffentlich werden, sodass wir, die Autoren, entscheiden können, ob wir anwesend sind oder nicht.

Der Eindruck aber, dass wir Autoren den Regisseuren um 19 Szenen voraus sind, bleibt, und ich habe zudem das Gefühl, dass sie nicht recht begreifen, dass man eine Soap, die einen 90 minütigen Piloten vorsieht, und dann fünf Monate lang je eine 45minütige Folge, nicht mit Improvisationen zu bewältigen sind.  

So, liebe Freunde des Theaters, das ist der Stand der Dinge. Ginge es nach mir, hoppelte der Hase anders. Ginge es nach mir, wären die Regisseure entlassen und jemand meiner Wahl würde eingestellt. Aber so liegen die Dinge nicht, also hopple ich im Vertrauen auf ein gutes Ende weiter.

 

Do 30.03.06  20:45

Volksgänossen!!!

Derrrr DEUTSCHE DICHTERRRRR Mensing wird morrrrgen in alllaaaaaarr Früüüü mit dem Automobbil aufbrrrächen, um im idyllläschen Bad Salzufflen zu läsen. PPPPUNKT 9 Urrrrr wird er seine Stimme übaaaarrr unschuldige Kinderrrr erheben und dieses urdeütsche Lied vortrragen:

Es war einmal ein kleinerr Pup
der liebte den Gestank
schon morgens sehnt er sich danach
und wurd davon fast krank.

Wenn dann die Zeit kam
pupte er, kreuzweis und in die Quer
seitdem nennt man den kleinen Pup
den großen STINKERER....

Heil!!!





 

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