September 2013                         www.hermann-mensing.de          

mensing literatur
 

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So 1.09.13 11:38

ach, schau,
der himmel hat betriebsausflug,
in stuben plötzlich wolkenflug,
auf ästen, nirgendwo, gedränge,
und in der menge kein betrug,
selbst hoden schlummern heute friedlich,
gepimpte brüste grüßen von balkon,
die kinder sind hauptsächlich niedlich,
doch meistens hat man nichts davon.

ach, schau,
jetzt kommt bewegung auf,
vorm haus übt jemand dauerlauf,
der nachbar müller spielt trompete,
die blaue fliege kackt auf die tapete,
ich packe meine wilde wut,
und stecke sie mir an den hut,
die welt ist sowieso verloren,
denk ich und übe nasebohren.


Mo 2.09.13 9:39

Kaum auf den Beinen und noch halb betäubt machte ich mich gegen acht auf den Weg, um bei Aldi meine Bestände aufzustocken. Unterwegs fiel mir ein, dass Piloten auf Interkontinentalflügen erst eine Stunde nach Aufwachen an den Steuerknüppel dürfen, zu recht, wie ich finde, denn ich fuhr wie der Teufel und kann von Glück reden, dass nichts passierte.

Entsprechend kopflos habe ich eingekauft, aber immerhin, der ein oder andere brauchbare Artikel ist dabei, jetzt heißt es, heißen Kaffee in die linke Herzkammer schütten und mit der Arbeit beginnen, denn Arbeit macht bekanntlich den Kopf frei, jedenfalls tut sie das bei mir, wenngleich noch nicht ausgemacht ist, ob das, was ich im Augenblick im Ansatz versuche, tatsächlich die Arbeit ist, die mich in den nächsten Monaten begleiten wird.

Ein Roman?

Möglicherweise ein Roman, vielleicht aber auch nur eine Übersprungshandlung, die meinen Ärger beschwichtigt, denn dass ich verärgert bin, stimmt, ich bin im höchsten Grade und trotz aller Einsicht in die nicht zu ändernde Lage verärgert, ich könnte platzen, ich wäre gern König und ergriffe dynastische Maßnahmen, die mein Reich und mein Erbe betreffen, aber da ich weder König bin, noch über ein Reich und ein Erbe verfüge, ist das albern. Ich bin albern in meiner Enttäuschung und Wut, ich weiß das, aber ich kann es nicht ändern, die Leichtigkeit ist dahin, meine Einsicht ist nur von intellektueller Natur, darunter aber liegt etwas, dass mit dieser Einsicht in keiner Weise korrespondiert, darunter liegt die tiefe dunkle Schicht der verletzten Eitelkeit, der Enttäuschung, und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Meine Frau würde helfen. Ich traf sie heute nacht im Traum, aber ich kann mich nicht erinnern, ob sie sich äußerte. Ich weiß nur, dass sie da war, vielleicht ist das schon Zeichen genug, mich zu beschwichtigen, aber alles in allem bleibt, dass ich jetzt am liebsten verschwände.

Der Herbst streicht ums Haus, die Leichtigkeit des Sommers ist dahin, die Meteorologen sagen, dass der Sommer noch einmal zurückkehrt, andiamo also, an die Arbeit, Meister, Ärger ist ein prächtiger Katalysator, um etwas zustande zu bringen, was vorher noch nicht da war, und so weit ich in diesem Nebel sehen kann, ist die Grundidee des Romans (der noch nicht einmal einen Titel hat, wo doch früher zumeist erst die Titel auftauchten und dann erst der Roman) sehr abenteuerlich, sie ist ein Fahrwasser voller Strudel und Klippen, und da hinein werfe ich mich und versuche, wieder zu Verstand zu kommen.

Alles fällt auseinander, man lese das oben stehende Gedicht, aber ich taumle nicht, am Arsch Welt, mach, was du willst, du wirst schon sehen, was du davon hast.


Di 3.09.13 19:04

Schnell ist so ein Wort gesagt, ich hatte es noch nicht einmal gedacht, da flatterte es schon durch den Raum. Zu fangen war es nicht mehr. Es wollte auch nicht zum Fenster hinaus zu anderen vorschnellen Worten, es wollte gegen den Schrank treten und Geschirr zerschlagen, das wollte das Wort, und danach wollte es Platz nehmen im Magen, noch lieber aber im Herz, dort griff es fest zu und drängte mich. Ich hatte längst keine Chance mehr. Vergebung wäre eine weitere Lüge, ich konnte nur noch erbrechen, fortlaufen konnte ich nicht. Ich wünschte mir, das, das und das nie getan zu haben, dieses, jenes und alles andere nie aufgeschrieben oder auch nur gedacht zu haben, ich wünschte mir das kindliche Stammeln zurück, das sich an der Freude des Tons, nicht an der Bedeutung berauscht. Das wünschte ich mir, aber da hatte man mir längst die Kehle zugeschnürt und die Mikrofone abgeschaltet. Im Foyer standen Scharfschützen. Jetzt war alles vorbei und ich freute mich auf das Ende.


Mi 4.09.13 19:21

Die gute Nachricht ist, dass ich Heizkosten zuviel bezahlt habe. Die schlechte, dass die Rente meint, ich sei in einem Arbeitsverhältnis und hätte es nicht gemeldet. Ich weiß ja nicht, wie Rentenheinis funktionieren, aber ich weiß, dass ich die Einkommensprüfungen der letzten Jahren anhand meiner Steuerbescheide pünktlich abgeliefert habe, wieso sie dennoch nach einer Beschäftigung in 2010 fragen, ist mir schleierhaft. Kenne aber den obersten, für mich zuständigen Rentenheini, den werde ich morgen anrufen. Dieser Tage hatte aber auch andere Seiten. Etwa das Schwimmen im Kanal am Morgen und am Nachmittag. Heute klarstes, prickelnd frisches Wasser, das erst sticht, dann aber so angenehm den Körper quält, dass man gar nicht mehr rausmöchte und bis Dortmund durchschwimmen, schließlich schwimmt man im Dortmund-Ems Kanal. Jetzt hängt die Sonne zwischen den Häusern, ein Glas Rotwein steht neben mir, die Prognose für morgen ist prächtig. Aloha.


Do 5.09.13 9:28

Damals, irgendwann vor Beginn der weltweiten Klimaveränderung, hatte man dann und wann einen Mückenstich. Der sah aus wie ein Mückenstich, blieb und verschwand wieder, oder, noch besser, man hatte die Mücke, die sichtbar groß war, beim Versuch, Nahrung aufzunehmen, erschlagen. Heute aber, bei den weltweiten Migrationsbewegungen, erwacht man und fragt sich, wieso es hier, da und dort juckt, und dann findet man kaum stecknadelkopfgroße, rote Punkte und weiß nicht, wer sie verursacht hat. Und sie jucken auch nicht einen Tag, nein, sie jucken über Tage, man darf sie nicht einmal ansehen, dann wird es nur schlimmer, und natürlich fragt man sich, war das eine afrikanische Spezialmücke, die sich den Klimawandel zunutze gemacht hat, um in Europa zuzuschlagen. Man ist besorgt. Man fragt sich, wird man demnächst von Löwen gejagt oder lauern überall hinterhältige Speikobras. Man möchte es lieber gar nicht wissen.


15:58

heut herrscht sahara in westfalen,
ging nur behütet raus und schlich,
ergab mich still den höllenqualen,
trank caipirinhas gegen sonnenstich.


Fr 6.09.13 11:45

hach,
was könnte man heut großes tun,
den sozialen frieden wecken,
könnte merkel, diese dumme huhn,
auf den bratspieß stecken.

hach,
man hätte die und die idee,
die die welt zum guten wendet,
leider tut es an den zähnen weh,
wenn man denkt, wie alles endet.

hach,
man wählt bestimmt nie mehr,
pest und cholera heißt die option,
treibt den kompromiss ins meer,
schau, er schwimmt davon.

hach,
und konsens strahlt am horizont,
wird von allen heiß geliebt,
jeder wird davon besonnt,
weil's ihn gratis gibt.

nun,
natürlich müsste man dafür
seinen arsch bewegen,
müsste lauthals vor die tür,
doch ich werd mich in den schatten legen.

werde mich begatten lassen,
dabei den himmel schauen,
zwischendurch camparis fassen,
und auf gott vertrauen.



Sa 7.09.13 12:32

das tief sinkt tief in meine tiefsten tiefen,
noch tiefer als das tiefste tief,
die tiefsee kann als tiefnorm da nur schniefen,
so tief sinkt dieses tief ins tief.


So 8.09.13 13:06

Der Besenwagen kommt, es regnet nicht mehr, der Münster Marathon, bei Regen gestartet, geht dem Ende zu. An der Ecke hatten Frauen aus der Nachbarschaft sich als Cheerleader postiert. Schwarz-rot-gold auf den Wangen, blauer Müllsack als Kleid, gelber Krepp als Gürtel, blaue, grüne und violette Puschel. Sie hatten viel Spaß. Es gab Bratwurst, Bier und Kaffee.

Beim Bäcker stand eine Trommelgruppe. Jeder Läufer rannte seinem Ziel hinterher. Die ersten kamen nach etwa anderthalb Stunden. Sechs Afrikaner, zwei Asiaten. Dann lange nichts. Die erste Frau, größere Gruppen, ausdünnende Gruppen, Einzelkämpfer. Von hier aus verbleiben 12 Kilometer. 30 Kilometer könne jeder laufen, sagt meine Nachbar, der sieben Münster Marathons hinter sich hat, dann aber würde es hart. Bratwurst reingeschoben. Mit unserem alten Zahnarzt über Kinder und Enkel geredet. Das Leben ist wieder schön. Letzte Woche war es scheiße.


Mo 9.09.13 20:42

Am Samstag war die Aufregung groß. Unsere Katze hatte einen Knick im Schwanz, und im Knick war eine blutige Wunde. Wir desinfizierten sie, wir versuchten, einen Verband anzulegen, aber das ließ sie nicht zu. Wir diskutierten, ob wir zu einem Arzt fahren sollten. Ich war dagegen. Die Katze verhielt sich normal. Ich meinte, das erledige sie selbst, da brauche es keinen Arzt. Ich erntete Unmut und schlug vor, das Wochenende abzuwarten, zu sehen, wie sie sich verhält. Sie verhielt sich wie eine gesunde Katze. Nur auf ihren Schwanz gab sie natürlich acht. Heute gingen wir dennoch zum Arzt. Der Arzt stellte fest, dass sie nicht fieberte, schaute sich die Wunde an, rasierte den Schwanz, desinfizierte und verband die Wunde, und sagte, die Bisswunde stamme von einer anderen Katze. 56,60 Euro. Freitag muss ich nochmal hin mit ihr.


Mi 11.09.13 12:23

Mitten im Geschwätz heißt der Roman, an dem ich arbeite. Ob ich ihn zu Ende bringe, wird sich zeigen, aber er lässt sich gut an. Hier dünnt mein Erzähldrang zunehmend aus. Dies ist ja kein Blog, jedenfalls nicht in der Art, wie der Blogger ihn ins Internet stellt, dies ist Der Alltag, länger im Netz als alle Blogs, die ich kenne, hier liest man von Eichhörnchen, die Nüsse vergraben, von Frauen, die ihre Männer am Nasenring durch die Manege ziehen, man liest von Unerfülltem, das gerade deshalb so prickelnd ist, weil es unerfüllt bleibt, man liest von Abgesängen und familiären Zerwürfnissen, die noch Generationen später nachwirken, man liest und man fragt sich, muss das sein, und natürlich lautet die Antwort Nein. Nichts muss sein, aber das alles kann man hier finden, man muss nur ein wenig Zeit mitbringen.


Do 12.09.13 17:45

gedicht für einen pflaumenkuchen

heilige pflaume vom lietzensee,
immer, wenn ich dich liegen seh,
immer, wenn ich dich mit sahne bespritz,
weiß ich, mein leben ist kaum mehr als ein witz.


Fr 13.09.13 10:00

Wenn ich im Schreibmodus bin, verändert sich die Welt. Menschen, Flora und Fauna, alle sind sofort auf meiner Seite und spielen mir die Argumente zu wie eine Ballmaschine beim Tennistraining. Da ist jedes Mal erstaunlich. Heute jedoch wird nicht geschrieben. Heute wird die Katze zum Arzt gebracht, damit die Wunde an ihrem Schwanz final versorgt wird. Danach will ich mal sehen, was der Tag sonst noch an Überraschungen bereit hält. Vielleicht ist ja etwas dabei.


So 15.09.13 10:28

Die Protestanten läuten ihr bescheidenes Glöckchen, der blaue Himmel träumt dem vergangenen Sommer nach, der Nachbar mit den drei Autos (BMW, Mini, Porsche) joggt in atmungsaktiver Sportkleidung zum Brötchenholen. Alles ist gut, ich habe mich überzeugt, Stollen, Aachener Printe, Spekulatius und Dominostein, alles, was der weihnachtsaffine Mensch auch jetzt schon gern kauft, liegt aus, also kann nichts mehr schief gehen. Hier und da dreht sich jemand im Grab um, aber das muss sein, dieses ewige Stillliegen hält niemand aus. Gerade haben auch die Katholiken die Glocken angeworfen. Mehrstimmig rollen die Schallwellen über das Land. Soll einer noch sagen, wir wüssten nicht in Frieden zu leben. Überall herrscht Friede. Friede zwischen den Generationen, Friede zwischen den Staaten, es ist ein einziges Frohlocken, und man darf von Glück reden, jetzt zu leben.


Mo 16.09.13 10:51

Ab auf's Holodeck, es gibt atemberaubende Neuigkeiten. Gestern nämlich war der blaue Hut plötzlich fort, mit dessen Hilfe Herr M. seit Wochen eine Frau nach der anderen flachlegte. Sie hätten mal sehen sollen, wie verwirrt er herumlief, nackt geradezu ohne diesen in Bangladesh von sechsjährigen Kindern zu einem Stundenlohn von 1 Cent hergestellten Sonnenschutz. Er würde nie wieder vor die Tür gehen, rief er, aber zum Glück tauchte der Hut wieder auf. Er hatte sich versteckt. Er fühlte sich missverstanden. Herr M. regelte das in einem vertraulichen Gespräch. Außerdem stellte Herr M. gestern den Rekord für herbstliches Kanalschwimmen ein. Hunderte hatten sich versammelt, um zuzusehen, wie er unterkühlt untergehen würde, aber er hielt sich drei Stunden über Wasser, eh die Notrettung ihn mit einem Rettungsnetz herauszog. Seitdem schlagen seine Zähne aufeinander, aber er ist glücklich. Er hatte es gemacht wie Roberto Blanco, er hatte die Bildrechte an seinem Abenteuer exklusiv verkauft und sackt jetzt Kohle ein, aber heftig. Außerdem erscheint heute die von ihm verfasste Lebensbeichte seines großen Schwarms in den Siebzigern, Ingrid Steeger. Er hat viel geweint, während er das alles aufschrieb. Ansonsten ist alles gut. Sein von ihm gegründeter Verein für das Recht auf Selbstgefährdung hat schon sieben Mitglieder, Gemeinnützigkeit ist beantragt, so dass schon bald Spenden aquiriert werden können, die seine im Juni zu erwartende Rente großzügig aufstocken werden.


Di 17.09.13
8:39

Das muss am Alter liegen, dass die Füße plötzlich so schwarz werden und seltsam riechen, vielleicht sollte ich sie abbauen und durch Titanprothesen ersetzen, aber meine Kasse sagt, einen Winter würden sie's wohl noch schaffen, ich solle mich nicht so anstellen, schließlich gäbe es schlimmere Fälle als mich,
Menschen, die unter dem bedingungslosen Grundeinkommen litten, weil sie nun überhaupt nichts mehr tun müssten, nicht einmal mehr anstellen für Anträge und das alles, und die, die hätten echte Probleme, also vor allem mit Nieren und Leber, Sie wissen schon, das ganze innere Gekröse, also, ich könnte ihnen natürlich stattdessen eine Kur anbieten, Sie führen sechs Wochen mit einem AIDA Kreuzfahrtschiff durch die Karibik, da fallen ihren schwarzen Füße gar nicht auf, sind ja alles Neger da, was meinen Sie? Gut, sagte ich.


Mi 18.09.13 10:43



schnell sagt man der liebsten guten morgen,
hat den kopf schon prall gefüllt,
sagt, man müsse was besorgen,
zieht sich an und weiß, es gilt.

noch kaum wach, sitzt man schon hinterm steuer,
kreuzt die stadt und fließt ins land,
ist sich selbst nicht ganz geheuer,
ahnt, der abschied war nicht elegant.

ist im haus, wirft die maschinen an,
schafft sich in den grauen morgen,
hat ideen, weiß, was man nicht kann,
und was fehlt, wird man sich borgen.

wie man diesen zustand liebt,
der sich immer wieder anders zeigt,
wie man alles dafür gibt,
und doch stets derselbe bleibt.

anfang ist ein gutes ende,
ende prägt den nächsten satz,
ringsum machen alle wände,
schon für neue bilder platz.


Fr 20.09.1312:45

Wie jeden Tag um diese Zeit muss ich den Kläffer der Dommelstraße erschießen. Er fällt dann um, ist einige Zeit tot, sein Herrchen reanimiert ihn, päppelt ihn auf, und am nächsten Tag ist er wieder da. So geht das jetzt schon seit Menschengedenken. Aber ich bin größer als Herrchen und Kläffer. Ich bin reinkaniert
, ich habe Söhne und Töchter überall, da hält mich ein Yorkshire Terrier nicht auf.

Gestern schönes Hochzeitsfest, Fahrradparade mit klappernden Dosen am Heck durch die Innenstadt, Essen beim Italiener und dann schneller Zugriff auf das Portemonnaie. Konnte der Gegenseite zuvorkommen. Immerhin ein kleiner Triumph in der Niederlage.
Abends dann herrliches Alleinsein auf dem Sofa mit mir und einem sehr zu empfehlenden Roman für Leser, die es drastisch und echt möchten, also all die, die Peter Handke für ein schleimiges Weichei halten und glauben, dass Grass wertlose Prosa schreibt. Karen Duve: Regenroman.


Sa 21.09.13 10:35

Stehe unter Drogen. Kaufte sie kürzlich
bei Aldi. Sie beschleunigen den Herzschlag, befördern die Verdauung auf drastischem, oft überschnellen Weg, werden in Südamerika angebaut, in Röstereien im Norden der Republik für die Süchtigen hergestellt, man trinkt sie, und dann ist nichts mehr wie zuvor.


Mi 25.09.13 9:59

Von zwei Lesern kritisch begleitet geht die Arbeit an meinem neuen Roman Mitten im Geschwätz gut voran. Mehr ist augenblicklich nicht zu sagen. Heute große Weihnachtsoffensive: zwei Lesungen zum Preis von einer. Irgendwie muss ja Geld reinkommen. Also Briefe eintüten, auf zur Post und wegschicken. Dann auf den Markt. Und höret: alle, die mich lieben, liebe ich auch. Und alle, die mich nur lieben, weil, liebe ich nicht.


Fr 27.09.1313:52

Gleich muss der alte Mann anstreichen und jetzt fragt er sich, was er anziehen soll? Welche Jeans könnte er opfern, er hat so schöne im Schrank, manche liegen da schon seit zehn Jahren, aber will er davon eine opfern? Er ist nämlich ein Kleckser. Kaum hat er einen Pinsel in der Hand, kleckst er. Kaum rollt er eine Wand, ist er von ihr nicht mehr zu unterscheiden. Vielleicht nackt, denkt er.


Sa 28.09.13
21:51

Das ging fix heute, das Umziehen über knapp 100 Meter von der Etagenwohnung in ein geräumiges Reihenhaus, das mich sehr an meine alte Straße erinnert. Unten die Küche und das Wohnzimmer, die steile Treppe nach oben, die Zimmer im ersten und die unterm Dach. Genügend Helfer waren vor Ort, den Enkeln und den Kindern der Helfer schien es bestens zu gehen, es waren Spezialisten da, die Ikea Küchen und Regalsysteme innerhalb kurzer Zeit fachmännisch zerlegen und wieder zusammensetzen konnten und solche wie ich, die mit Diversem auf Rollbrettern hin und her fuhren.

Gestern hatte ich ein paar Quadratmeter Wohnzimmerwand, Küche plus Zimmer im ersten Stock gestrichen, die, zumindest nach Augenschein, gut aussahen. Grund zur Freude. Man denkt nicht, wenn man streicht und Dinge von A nach B schiebt. Zurück in meinem Loch geht das Denken natürlich sofort wieder los. Macht aber nix, ich mache ja einen Roman draus. Morgen hinaus, vielleicht mit dem Rad.


So 29.09.13 12:01

ostwind, kräftig, blau gefegter himmel,
gegenan ein jet von a nach b,
meine träume reiten schimmel,
und mir tun die knochen weh.

blätter taumeln, lassen herbst herein,
der durch wälder rennt,
an den mauern wilder wein,
keiner, der mich kennt.


Mo 30.09.13
13:53

giebelgaub der bogenschütz,
hat erstaunte ellenbogen,
reitet übern berg, unnütz,
alles, alles ist gelogen.










 

 

 

 

 

 

 

 



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