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Di 2.04.24 16:33 bewölkt, windig, feucht zwischendurch

ein dunkles rosa
blütenrausch
den blick vom sofa
biete ich zum tausch
für einen blick hinter das wort
den zutritt zum geheimen ort
der tausend rätsel birgt und wunder


Mi 3.04.24 15:18 trüb, feucht

Kleine Tour am Morgen. Überraschung gegen Mittag. Mittagsschlaf. Stagnation.


Do 4.04.24 Sonne, Regen, Gewitter

Mit 191 Seiten Roman als PDF getarnt gegen Mittag ins Café Tilbeck gefahren und fast achtzig Seiten gelesen. Ich musste mir Überblick verschaffen. Der Roman hat den nötigen Kitt, er fällt nicht auseinander. Es geht also voran. Morgen weiterlesen, 'n paar Korrekturen, dann auf zum 36. Kapitel.


Fr 5.04.24 19:03 Sonne, Regen

Die Kirsche blüht. Angeblich soll es ein paar schöne Tage geben. Da wird sie strahlen. Ansonsten: bisschen matt, bisschen lustlos, aber im Hintergrund arbeitet es schon, ich muss halt nur warten wie die letzten vierzig Jahre.


Sa. 6.04.24 21:02 Sonniger Tag, warm

Nichts weiter, kurz in der Stadt, kurz im Garten, den Rest des Tages auf dem Balkon in der Sonne. Nicht gelesen, nicht gearbeitet, nichts getan, außer still vor mich hingedacht. Das wird in zwei Stunden auch abgestellt. Dann schlafe ich. Meine Lieblingsbeschäftigung.



So 7.04.24 14:55 nach anfänglichem Zögern sonnig

Der Stand der Dinge.




Mo 8.04.24 23:17 sonniger Tag

Ein schmuddeliges Gebäude am Bremer Platz. Ich muss in den ersten Stock. Die Frau am Empfang war auch damals schon die Frau am Empfang. Sie fragt nach meinem Namen, ich sage ihn ihr, sie gibt mir eine Plastikbecher für die Urinprobe. Es gibt zwei Toiletten, eine für Kunden, eine für Mitarbeiter. Ich pinkle, stelle den Becher auf einen Absatz über der Spülung und wasche mir die Hände. Dann gehe ich zurück zu der Frau und sage, sie solle die Maschinen langsam stellen, ich sei überhaupt nicht in Form, ich hätte die letzten Nächte wegen des Hustens viel zu unruhig geschlafen. Sie lacht. Ich gehe in das Wartezimmer. Ein großer, schlanker Glatzkopf mit weißen, sehr elegant sportlichen Turnschuhen, in denen man läuft wie ein Panther, bittet mich zum Sehtest. Mein Blutdruck ist gut, mein Sehtest nicht. Ich solle zum Augenarzt gehen und den Befund schicken. Zurück ins Wartezimmer. Dann nach Raum 1 zum psychologisch Reiz-Reaktionstest. Von fünf geometrischen Formen gleiche zuorden. Bilder anschauen, die nur für Bruchteile einer Sekunde auf dem Schirm sind, und dann anklicken, was ich gesehen habe. Autos, Motorräder, Menschen, Fahrräder, Verkehrszeichen. Dann: rote, glaue, gelbe, grüne und weiße aufleuchtende Punkte erkennen und den entsprechenden Knopf drücken. Eine Weile halte ich mit, aber eh ich rauskriege, wie ich es am Besten machen müsste, ist der Test vorbei und ich habe nicht bestanden. Ich könnte jetzt noch eine Fahrprüfung machen, um den Personenbeförderungsschein doch noch zu bekommen. Tu ich aber nicht. Ich werde keine Kutsche mehr steuern. Mit der Berufstätigkeit nebenher ist es in diesem Leben vorbei. 2024 wird ein interessantes Jahr. Man hat mich einmal gefeuern, noch einmal lasse ich mich nicht feuern. Ich kümmere mich nur noch um meine Leute und mich. Der Rest ist mir scheißegal. Und damit fange ich morgen an. Warum? Weil meine Jugendfreundin heute gestorben ist.


Di 9.04.24 19:09 schwere Wolken, windig, mild

Sie war das Blumenmädchen in dem Laden, an dem ich täglich vorbeikam, wenn ich zur Schule musste. Ich hatte mich in sie verliebt, wir lächelten uns zu, und dann trafen wir uns auf einer Party. Danach waren wir ein Paar. Drei Jahre lang. Wir schliefen in den Dünen in Bergen aan Zee, wir schliefen auf der Rückbank ihres Autos in Paris und in London und immer wieder in Amsterdam, wir redeten viel und ich fühlte mich gut bei ihr. Danach verloren wir uns aus den Augen. Das änderte sich, als ich vor gut zwanzig Jahren eine Freundschaftsanfrage auf FB erhielt, ihre Tochter. Ich erkannte sie an ihren Augen. Ich fragte, wie es ihrer Mutter geht. Seitdem besuchte ich sie ab und an. Wir tranken ihren Prött Kaffee, rauchten und staunten, dass es uns noch gab, wenn auch in anderen Umständen. Ich hatte zwei, sie drei Kinder, war geschieden, in ein kleines Haus umgezogen und tat dort, was sie immer getan hatte, prächtigste Blumensträuße binden. Vorgestern abend rief ihre Tochter an. Sie solle grüßen von ihr, sie sei in einer Klinik in O., man wisse jetzt, was sie habe, A L S wie Hawkings, sie verweigere die Sauerstoffmaske. Sie will sterben, sagte ich. Ja, sagte die Tochter. Gestern morgen erhielt ich die Nachricht. Sie hat mich tief getroffen. Wieder ist eine Geschichte abgeschlossen. Nachfragen kann ich nicht mehr. Alles ist nur noch Erinnerung, aber ich bin noch da, und spüre meine Sterblichkeit immer deutlicher. Danke.



Mi 10.04.24 10:15 bewölkt


ach eigenes
geeignetes
ist auch nicht mehr
als fliegenschiss
und ich vermiss
die traumgespinste
und das überwältigtsein
ach denk ich spinnste
oder biste doch normal
ist alles nur noch digital
ja ja nein nein
am liebsten würd' mir sein
mit freude gar nichts tun können
und mir die letzten jahre gönnen


Do 11.04.24 13:06 bewölkt, frisch

ach geh mich wech mit wiever
wat wust du dann met die
ze zind so spitz als bewer
en koud als't eis an't knie
ik moest nich öwer denken
ik nemm se als ze sien
doch wust du mi wat schenken
dann alles nur nich die


Di 16.04.24 14:23 bewölkt, kalt, regnerisch

Nach Komplikationen beim Hinzufügen der EÜR Anlage in das Elster Formular, die Gewinn und Verlust Rechnung für 2023 und dem Beantragen einer Zertifikatsdatei ist es mir heute gelungen, meine Steuern zu erledigen. Das müsste für heute reichen. Ob ich den Roman weiterschreibe, weiß ich nicht. Ich bin mal wieder lustlos. Alles kommt mir überflüssig vor. Alles längst gesagt. Die Pracht der Kirschblüte ist vorbei. Ich habe keinen Nebenjob mehr.


Do 18.04.24 16:59 frisch und windig

Der Wunsch, mich nur noch zurückzulehnen, wird immer offensichtlicher.