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mensing literatur 

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zum letzten eintrag



So 1.02.26 20:30

Der Vollmond hat mir die letzte Nacht verstrahlt. Ich war müde heute. Und nach einem Spaziergang erschöpft. Die Frau hat dann Waffeln gebacken, Vanille Eis und eingemachte Mirabellen gab es dazu. Sofaaufenthalt. Im Hinterkopf die Milonga, die um vier beginnen sollte. Gegen halb fünf kam ich auf die Beine. Es waren die da, die immer da sind, die, mit denen ich tanze und die, mit denen ich nie tanze, der Saal hatte ein tanzbares Parkett, es gab eine Bühne für die niederdeutsche Laienspielgruppe, beige Vorhänge, und morgen ist dort schon wieder ein Totenessen. Was die Milonga von anderen abhob war, dass ich zwei interessante Gespräche geführt und außerdem festgestellt habe, dass die, mit der ich am liebsten tanze, langweilig ist.

Mo 2.02.25 23:29

Mein Dreamweaver ist gecrackt, uralt, hat aber immer funktioniert. Vorhin war er plötzlich verschwunden. No way to get started. Ich hätte keine Berechtigung, vielleicht sei das Programm auch verschoben, sagte das System. Alles mögliche ausprobiert, festgestellt, dass ich in den letzten Tagen vier Windows Updates hatte, was nie ohne Folgen ist, und beschlossen, eine Systemwiederherstellung auf den 28.01.26 durchzuführen. Die hat funktioniert, aber was genau da jetzt stattgefunden hat, weiß ich nicht. Die einzige Veränderung, die ich vorgenommen habe, war eine Neuinstallation einer Firefox Version, angepasst für mein altes System. Ob's daran lag?

Di 3.02.26 20:50

Mausgrauer Tag, feucht und nicht erwähnenswert.

22:31

Herr M. schaut eine Doku über die Sowjetrepublik. Alles schon dagewesen, denkt er, immer dasselbe Muster, egal, wie das jeweilige Regime sein absurdes Theater nennt, denkt er, lustig geht anders.

Mi 4.02.26 14:40 sonnig

Bis halb elf im Bett mit frischem Orangesaft und Kaffee, anschließend Frühstück, Französischlernen auf dem Balkon, Schlagzeugspielen im Keller, Kaffee in der Sonne, den Meisen beim Werben zugeschaut, sie immer auf und davon, er hinterher. Auf meiner linken Wange erschien vor ein paar Monaten ein Pickel. Er war klein. Ich dachte, was will der da, hab ich den jetzt für immer? Seit gestern ist er ein wenig entzündet. Ich würd' ihn gern ausdrücken, ist aber verboten, sagt die Frau. Mein Computer spinnt. Habe erneut auf Systemwiederherstellung gedrückt und ihm anschließend verboten, jede Nacht Windows Updates zu laden. Jetzt funktioniert er. Mittags mit dem Rad durch die Bauernschaften Richtung Burg Hülshoff, Roxel gekreuzt, aus sentimentalen Gründen die alte Einflugschneise vorbei am Aasse gefahren, einen Freund besucht, und jetzt kommt's, als Zeichen der Hoffnung bei einsetzender Dämmerung drei große V-Formationen fliegender Kraniche gesehen und gehört. Es geht aufwärts. File under: The bright side of life.


Do 5.02.26 15:17 mittelgrau

Heute gibt es nicht den geringsten Anlass, etwas zu tun. Ich muss nur die Zeit bis zum Schlafengehen rumkriegen. Könnte ich's wie die Katze machen, die nach ein paar Tagen Abwesenheit heut wieder hier war, wäre ich gerettet. Die Jahreszeit zehrt. Kann man nichts machen.


Fr 6.02.26 15:09 mittelgrau

langsam wieder
über oder oberwasser
oder unterhalb ein wenig nasser
oberhalb nur halb so viel
nilpferde im friesen-priel
porzellan nur sauber liefern
unter kiefern die prinzessin kiefern
zahn gold am DT vermieten
weiter unsinn überall
auch im alle
oder doch ein großer plan
weiß nicht mann


Sa. 7.02.26 sonnig

Ich werde Computerspezialisten zu Rate ziehen müssen. Zwei Tag hat er funktioniert, heute hat er mir wieder den Zugang zu mehreren Programmen verweigert. Sie seien unter dem angegebenen Pfad nicht zu finden, sagt er. Wurden vielleicht verschoben, aber ich habe nichts verschoben. Ansonsten prächtiger Tag. Viel Zeit auf dem Balkon in der Sonne verbracht. Nachmittags mit den Nachbarn Kaffee, abends Gäste zum Essen.


Mo 9.02.26 sonnig 18:20

War ein wenig schwach auf den Beinen, hatten gestern Besuch und tranken zwei Flaschen Wein. Mein Computerproblem ist noch immer nicht behoben, aber in den nächsten Tagen kommt Hilfe.

23:27

wir wollen nichts
dem zufalll überlassen
wir wollen alles
fassen fassen
fass!!!
wir haben übern plan
den kopf verloren
wir leiden über beide ohren
und alles nur
weil denkende nicht handeln können
und handelnde sich keine zeit zum denken gönnen


Di 10.02.26 grau, etwas feucht

Nachmittag als Ehrenamtler mit Kuchen, kleinen Satzwechseln, Flirts an der Kasse, mit Auspreisen von Büchern und einsortieren in die Regale, jetzt redlich müde, heute müssen die anderen Tango tanzen. Überhaupt, Tango verliert ein wenig an Strahlkraft. Das Leben hingegen gefällt mir, obwohl ich von früh bis spät schreien könnte. Ich schreie. Du schreist. Wir schreien. Wenn wir morgen auf die Straße gehen und schreien, und übermorgen auch, eine ganze Woche lang Städte voll schreiender Menschen, das könnte etwas bewirken. Saß während der Zigarettenpause draußen und versuchte den Passanten Adjektive anzuhängen: bedrückt, entschlossen, traurig, zögernd, forsch, neugierig etc. Viele ohne deutbaren Ausdruck: leer. Kein Wunder, der Kapitalismus ist voll leerer Versprechungen.

22:00

Heute letzte Satzkorrektur. Zum Glück hatte der Lektor nur knapp 10 Anmerkungen, zu denen er eine Stellungnahme wollte, ich konnte also von Anmerkung zu Anmerkung scrollen. Gelesen habe ich den Roman nicht, er hängt mir zum Hals heraus. Er geht jetzt ins Druck, dann sollen andere ihn lesen und sich einen Reim darauf machen.


Mi 11.02.26 12:51 grau

Ich fühle mich wie ein Hochstapler, der fürchtet, dass ihm jemand auf die Schliche kommt. Jemand, der sagt, Herr M., Sie sind ein Hochstapler. Ihre Romane, ihre Gedichte, ihre Hörspiele und vertonten Texte, ihre Fotos, ihr Klavier- und ihr Schlagzeugspiel, ihr Tango und ihr öffentlicher Auftritt, nichts als eitle Hochstapelei. Wenn es dazu kommt, weiß ich zumindest, warum es dazu kommen konnte: weil ich faul bin. Es fällt mir zwar schwer, faul zu sein, dennoch liebe ich Faulsein. Als ich mit einer bayerischen Freundin vom englischen Garten 1966 an den Starnberger See fuhr, machte sie ein Foto von mir. Ich halte ein Schild. Lob der Faulheit! steht drauf. Was soll man mit so einem machen? In drei Wochen gibt es seinen neuen Roman. Die Korrekturen sind eingepflegt, jetzt geht es noch darum, ob Softcover oder Klappbroschur, dann kann man ihn kaufen. Ich suche. Anders kann ich mir mein Leben nicht erklären. Ich habe viel eingesteckt während der Schulzeit, aber in der Lehre habe ich mich gewehrt. Teils vehement. Und danach sowieso. Das hat mir Mut gemacht. Deshalb habe ich mich kreuz und quer durch die Welt getrieben. Kopflos, muss man sagen. Und so bin ich noch immer. Ich bin so, weil ich täglich erlebe, dass Dinge dazu neigen, sich von selbst fügen. Meine Aversion gegen Pläne versteht sich gut mit meiner Faulheit. In knapp drei Wochen werde ich 77. Ich sehe, was rundum los ist bei Menschen meines Lebensalters. Ich sehe auch, was bei jüngeren Menschen los ist. Ich würde nicht tauschen wollen. Ich will noch älter werden, ich will Romane schreiben, Klaiverspielen, Schlagzeugspielen, Tango tanzen, ich will eingehen in die Geschichte als einer der großen Hochstapler.

20:51

Dem Efeu im Garten mit der Harke zuleibe gerückt, was anstrengend war, denn der Harkenstil war für mich viel zu kurz. Mit der vierzackigen Stechgabel habe ich danach den Boden gelockert. Er ist schwer, lemig und durch und durch feucht. Wenn das Wetter sich bessert, werden wir den Boden vom Wurzelwerk befreien, dann wird Quarzsand eingearbeitet, danach kommt die Bepflanzung. Über das Was wird noch zu reden sein. Ansonsten kurz bei Max und Moritz, ein Hühnerbein gegessen, den beiden jungen Angestellten zugehört, spekuliert, in welcher Sprache sie worüber sprechen. Türkisch ist es nicht, Arabisch auch nicht, ich tippe auf Kurdisch, frage nach, es ist Persisch, aber das ist dem Kurdischen nah. Es regnet, ich will bald ins Bett.


Do 12.02.26. 21:56 regnerisch

alle zeit stand zur verfügung
gemauerte zeit gut verfugt
aber von dir kam kein wort
nicht eines
auf das ich so lange schon warte
es würde erlösung heißen
das wort hält
was es verspricht
und nachdem es gesagt ist
fängt der frühling an
und das raunen
der wind
der den winter vertrieben hat
lungert noch in den ästen der bäume
alle zeit steht frei
und ungebunden herum
alte und neue tage feiernd
anfang und ende
aber du schweigst
bald sind wir tot


16:40

Heute bei der Kriminalpolizei. Man hat mir Fotos von Dieben gezeigt. Ich sollte versuchen, denjenigen zu erkennen, den ich vor vier Wochen nach seinem Diebstahl bei Oxfam verfolgte. Gleich beim ersten dachte ich, der. Ich habe mir die anderen natürlich auch angeschaut, aber das Gefühl blieb.

17:01

weißt du noch
wie dunkel es war
vor einer stunde noch
vorgestern
stockdunkel
wie ist es so schnell
wieder hell geworden
hast du etwas gesagt
weil dir die dunkelheit angst macht
hast du das licht angeknipst
hast der sonne befohlen

weißt du noch
wie sehr ich dich liebe
wenn du die finger
vom lichtschalter lässt
und wie ich deine dunkelheit hasse
starr dunkel bei verschlossener tür
dabei könnte unsere sonne
viel häufiger scheinen
sogar nachts jeden tag
ja ja ja


Fr 13.02.26 13:59 grau, aber trocken

hilft mir beim gepäck
es regnet
am himmel sind zeichen
sag nichts
verlang keine wunder
es ist nichts geschehen
es ist nur ein langer weg
eh wir uns einig sind


Sa 14.02.26 14:19 grieselig

Gestern habe ich aus der Requisitenkammer meiner ältesten Sohnes ein Huawei-Pad mitgenommen, aber ich kriege es nicht ans Netz. Es gibt Authentifizierungsprobleme, die sich auch bei Zurücksetzung des Gerätes auf seinen Urzustand nicht beheben lassen. Eilt aber nicht. Nächste Woche kommt Hilfe ins Haus. Trotzdem, ich mag das Gerät. Obwohl es auch alt ist, ist ihre Bedienung, die Oberfläche und Wiedergabe der meiner täglich genutzten Maschinen um Jahre voraus.

Vorhin mit Rad und Bollerwagen (SUV) den wöchentlichen Aldi Einkauf erledigt. Hatte vier große Tüten dabei, die ich thematisch befüllt habe. Obst und Gemüse. Fleisch, Käse, Milchprodukte. Mit dem Kassierer um den Preis meiner auf dem Band liegenden Waren gewettet. Ich sagte achtzig, er siebzig. Es waren einundsiebzig. Wir haben die Fäuste aneinandergedrückt. Die Entfernung vom jetzigen Wohnort zur Filiale ist im Vergleich zum alten in etwa gleich, aber ich muss nicht mehr durch's Aatal. So ein Wocheneinkauf bringt Gewicht in den Bollerwagen, und mit dem ins Tal hinunter und wieder hinauf zu fahren, wäre trotz E-Bike anspruchsvoller. So wie es jetzt ist, fahre ich bis auf die letzten paar hundert Meter durch Wald, Wiese, Natur. Komme am Rüschhaus vorbei. Gievenbeck Südwest kenne ich noch als Wiesen- und Weideland, leicht gewellt, Kühe und Pferde. Ein paar Höfe, fast alle sind weg. Es grieselt. Ich bewege mich nicht mehr.

So 15.02. 26 19:58 sonnig und kalt

Frostige Fahrt mit dem Roller zum spec ops: Tango Brunch. Ein Tiger, eine rote Fliege, ein Rasta, es ist Karneval. Dann ein Rücken, den man sehen kann, wie man will. Zwei dreimal getanzt, nichts auf- oder anregendes. Anschließend den jüngsten Sohn im Garten eines Freundes getroffen. Festgestellt, dass wir beide Chris Geburtstag vergessen haben. Das ist uns noch nie passiert.


Mo. 16.02.26 14:22 Tauwetter

Heute früh lagen zehn Zentimeter Schnee, aber es taut. Nachher ist Karneval bei den Nachbarn. Ob ich mich als Orange verkleiden soll? Machbarkeitsstudie erstellen. Plan: ein ausgepresste und gesäuberte Orangenhälfte mit Gummiband auf dem Kopf befestigen, einfach, da Glatze. Paar orange Punkte im Gesicht. Frohsinn ist garantiert.


Di 17.02.26 22:10 grau

Der Nachbar trug ein rotweißes, bis an die Knie reichendes Hemd, einen sehr hohen, schräg aufsteigenden Zylinder mit St. Pauli Symbol, ist aber Schalke. Da ist er aufgewachsen, da ist er herumgefahren, von Gelsenkirchen über Dorsten bis Polsum und sonstwo. Wer weiß, wie er damals aussah, was er trug, welche Musik er hörte. Er ist so alt wie ich, er müsste das ein oder andere mitgekriegt haben. Er war glücklich wie ein Kind, als ich ihm von einer Weile anbot, mein Schlagzeug auszuprobieren, er erzählt davon, als wäre es gestern gewesen und glaubt, dass er Talent hat. Die Frau und ich waren nicht verkleidet. Das mit der Orange hatte ich mir zwar ausgedacht, aber nicht in die Tat umgesetzt. Den Schleier, den die Frau sich ins Haar stecken wollte, hatet sie auch nicht ins Haar gesteckt. Die Frau des Nachbarn trug einen Strohhut mit Luftschlangen, die andere Nachbarin einen eleganten Strohhut, eine ins Goldene changierende fließende Jacke und einen schwarz-weißen Rock. Die Frau und ich waren die einfältigsten. Die, mit dem größten Hochmut gegenüber Karnveval, denn wir halten uns ja für etwas anders. Wir bilden uns etwas ein auf unseren selbst entworfenes Leben, wir glauben, dass wir schon einen Schritt weiter sind. Vor vierzig Jahren habe ich einen Roman geschrieben, der "Balkonien oder der Sturz in die Nachbarschaft" hieß. In Nienberge erlebe ich ihn. Sie haben uns in ihre Gemeinschaft aufgenommen, sie sprechen schon von Sommerfesten, Grillen und Kästen Bier. Etwas so herzerwärmend Furchterregendes ist mir noch nie passiert. Von den alten Nachbarn, die im November zum Essen bei uns waren, und uns zum Abschied ihrerseits zum einluden, haben wir nichts mehr gehört.


Mi 18.02.26 15:32 kalt, fahle Sonne

Herr M. macht Steuern.

20:59

ein kiesel
melancholisch bei trost
dinge
die nicht getan werden müssen
tage
die kommen und sofort vergehen
städte
mit träumen
dir das herz erfreuen
kristallklar
frosch krähe adler
du weißt es
du kannst das wort nicht mehr ertragen
trotzdem sagst du es
glück
erfinde was anderes
nichtverstehen erhöht das vergnügen
von hohen bäumen umstandene poesie
die den schmerz verziert
sie entsteht aus unsicherheit
mit der zeit wird das verschwinden
kiesel kollern ins meer
das meer ist groß
im meer hört es auf
im meer fing es an

21:46

kiesel
dinge
die nicht getan werden müssen
tage
die kommen und sofort gehen
städte
mit träumen
das herz erfreuen
kristallklar
frosch krähe adler
du weißt
du kannst es nicht mehr ertragen
trotzdem sagst du
glück
erfinde was anderes
nichtverstehen erhöht das vergnügen
von hohen bäumen umstandene poesie
die den schmerz verziert
entsteht aus unsicherheit
mit der zeit wird das aufhören
kiesel kollern ins meer
das meer ist groß
im meer hört es auf
im meer fing es


Do 19.02.26 16:43 grau, windig, kalt

ich bin das pure westfalen
& kraule mein freudsches gemächt
von holland zu hälfte getragen
und meine glatze ist echt
ich bin ein soziales gewissen
& andererseit asozial
ich furze froh in die in kissen
und vieles ist mir egal


Sa 21.02.26 17:10 grau, milder

Der Computer spinnt wieder. Ich rette mich mit Systemwiederherstellungen bis zum nächsten Mal.

22:46

wenn man noch etwas sagen will
muss man es jetzt sagen
aber ob man noch etwas sagen kann


So 22.01.26 16:12 gau, 12 Grad

Frühling weckt in Nienberge eine andere Freude als in Roxel, denn er wird vor unseren Augen stattfinden. Schon morgens, wenn wir im Bett Kaffee trinken und frischen Orangensaft, in der Birke, in der oft Elstern und Krähen debattieren. In den Büschen, wo artistische Eichhörnchen unterwegs sind. Auf dem Balkon, beim Rauchen, im Garten. Hier demnächst Moos wegratzen, denke ich, dort bald Rosen setzen, sie, was hammwer fürn Glück gehabt, denken wir, wo ist der Haken. Gestern war ich mit einer Tanguera in der B-Side verabredet, Faltenrock. Unter 60jährige nur in Begleitung über 60jähriger. Sie ist unter sechzig. Sie tanzt ausgelassen. Der Saal war voll, es war entspannt und irgendwie feierlich, im besten Sinne feierlich, denn was wir hier feierten, ist ja gemeinsame Vergangenheit. Ich fand es rührend. Ich habe viel getanzt, wenngleich es mir auf gitarrenlastige Rockmusik nicht mehr so viel Spaß macht. Früher habe ich mich Sprünge getraut, aber die fühle ich nicht mehr. Freies Tanzen braucht einen freien Geist. Die einen konnten sich lösen. Die anderen nicht. Viele lächelten. Ich hätte gern einen Abend mit groovender Musik. Rock ist Marschmusik. Dazu schüttle ich meinen Kopf nicht mehr, außerdem habe ich keine Haare. Bei 12 Grad und Regen habe ich vorhin einen kleinen Spaziergang durch den Wald auf dem Autobahnberg gemacht, Schneeglöckchen gesehen und mir vorgestellt, wie es dort in drei Wochen in den Buchen zugehen wird. Ein Glück, dass man nicht hört, wie die Knospen aufbrechen.


Mo 23.01.26 13:34 um die 10 Grad, regnerisch

achtung achtung
einer hat
deinen traum im visier
einer krümmt den zeigefinger
einer zieht durch
dein traum rollt vom sofa
kein blut keine rückstände
nichts
du zauberst einen neuen aus dem hut
der traum ist groß
er ist unsterblich
du denkst
träume lügen
schlimmer lügt nur politik
ein anderer sagt
wach auf
du sagst
ich schlafe nicht
du sagst
ihr reitet das apokalyptische pferd
ich will übersetzen
leck mich am arsch mit metaphern
sagt einer
was genau willst du
frieden sagst du
die menschen liebende
abwesenheit von krieg
arbeit für jeden und wohnung
gerechter lohn
anwesenheit von liebe
lächerlich sagt einer
geradezu kindisch
ein anderer sagt
ich hab's ihm gesagt
aber er will ja nicht hören
du sagst
ich setze mich ans klavier
ich setze mich ans schlagzeug
am liebsten sitze ich neben ihr
ich frage
hast du den zeigefinger gekrümmt


Mi 25.02.26 22:24 erster Frühlingstag

Die Frau hatte alten Schmuck gefunden war damit zu einem Juwelier gefahren. Nie hätte sie gedacht, dass soviel dabei herum käme. Ihre plötzlich geschrumpfte Geldsorge brachte sie auf die Idee, eine Grabgabel zu kaufen. Wir fuhren zu Hellweg. Da wir mit dem Rad unterwegs waren, und mit so einer Grabgabel viel passieren kann, bat ich die Verkäuferin um ein Stück Karton, um die Zinken einzupacken. Das ging gut. Unterwegs gruben wir Schneeglöckchen aus. Zuhause fehlte mein Fahrradhelm. Beim Juwelier war er nicht, da war ich mir sicher. Ich setzte mich auf meinen Roller und fuhr zurück zu Hellweg. Mein Fahrradhelm war da. Aber mein Roller wollte nicht anspringen. Die Batterie ist tot, sagte der Mann vom ADAC und telefonierte einen Pritschenwagen herbei, der mich und meinen Roller nach Hause brachte. Mein erster Versuch, die Batterie auszubauen, scheiterte. Die Schrauben waren schwer einsehbar und noch schwerer erreichbar und ich habe kein gutes Werkzeug. Heute unternahm ich den zweiten. Diesmal gelang es. Ich packte die alte Batterie in eine Tasche, fuhr zu Kortenbrede, kaufte eine neue und baute sie ein. Das Herausdrehen von zwei Schrauben war viel einfacher, als das Einschrauben. Drei kleine Wunden, eine auf dem linken Handrücken, ein leichter Schnitt im rechten Daumenballen, und ein Kratzer am linken Zeigefinger sind Zeugen. Aber immerhin, der Motor lief, die Batterie saß einigermaßen fest, bis auf die Schrauben. Mit denen fuhr ich zu U. in die Werkstatt. Er restauriert klassische Citroen Limousinen und Motorräder. Auf dem Bock stand eine Sechzylinder Honda von 1991. Er weiß alles über die Hersteller, die Geschichte der Firmen, er kennt Namen von Konstrukteuren und findet moderne Autos geradezu ekelerregend. Die Sonne schien, heute war der erste Frühlingstag, ich habe zwei Zitronenfalter, einige Bauchnäbel und und Kinder in T-Shirts gesehen. Man könnte glücklich sein, aber das Glück sagt, das ist nur schönes Wetter, zu Glück gehört mehr.


Do 26.02.28 15:50 zweiter Frühlingstag

Angela, Ghislaine, Friesia und Kosmos wollen in die Erde. Die Erde ist lehmig. Jedes zu grabende Loch macht Mühe. Aber Freya hilft. Freya sagt, sie hätte Nachricht von Ceres, Demeter und Priapos, die drei würden sich in germanischen Böden nicht so gut auskennen. Der Lehmboden wird mit Sand gemischt, das ist gut für die Drainage, sagt Freya. Zwei Löcher müssen noch bepflanzt werden.