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Mi 1.07.26 14:43 wunderbarer Sommertag

Die Gerste kommt vom Halm. Der Mais steht mannshoch. Die Wiesen sind gemäht. Die Republik klagt. Es ist alles furchtbar.

22:50

Die Frau hat den seit der Aussaat fast hüfthoch gewachsenen Senf aus dem Beet gerupft. Der Mann hat ihn klein geschnitten, was schwieriger war, als er geglaubt hatte. Mit der Heckenschere funktionierte es nur mühsam. Die andere Schere, eine Rechtshänderschwere für Grobes, funktionierte besser, war aber schwer gängig Der Mann ölte sie, das half. Er hockte im Gras und zerschnitt den Senf auf Streichholzlänge. Die Frau wird ihn morgen als Dünger unterarbeiten. Sie hat zwei Pflanzen gekauft, die dort Platz finden sollen. Der Himmel war den ganzen Tag von stillem Blau und einer bis an den Horizont reichenden Herde weißer Cumulus. Der Mann hatte mit der Frau beim Essen die zweite Halbzeit England gegen den Congo verplaudert. Er hatte ihr von einer jungen Frau im Bus erzähllt, die ihm gestern halbschräg gegenüber saß. gestern, kaum älter als sechzehn. Sie trug eine große runde Brille mit gelbem, von roten Streifen unregelmäßig durchzogenen Rahmen. Obenauf die grünen Blütenblätter einer Ananas. Die Gläser schienen nicht echt. Von der Stirn bis zum Nacken trug sie einen Igel, rechts und links hingen ihre blonden Haare bis zum Hals glatt herab. Sie trug eine kurze blaue Hose und ein rosafarbenes T-Shirt und hatte mehrere trunbeutelartige Taschen dabei. Darauf und für alle gewollt sichtbar, weil immer wieder gerückt, lag ein in eine Schonfolie geschobenes Blatt Papier. No catcalling. Keine Kommentare. Keine Komplimente, stand darauf. Fett und groß. An den vier Ecken das nach unten weisende weiße Feministinnenkreuz auf lila Grund. Nun war die zweite Halbzeit vorbei, was ihm ein bisschen leid tat. Die Engländer hatten gewonnen. Kane hatte beide Tore geschossen. Anfangs hatte es so ausgesehen, als würde der Kongo gewinenn, was den Mann sehr gefreut hätte, denn ihm schien der sich anbahnende Erfolg der "kleinen" Nationen eine Tendenz dieser WM. Der Mann zeigt bei großen Turnieren Interesse für dieses aus psychologischer Sicht höchst spannendes Spiel, bei dem der Glaube an die Sache oft mehr bewirkt als größte Kunstfertigkeit.


Do 2.07.26 15:18 windig, bewölkt, hat gerade geregnet

Es hat geregnet. Es ist kühler geworden. Man trägt eine Jacke. Man läuft barfuß. Man friert an den Füßen. Man findet eine Vogelfeder auf der Fußmatte vor der Balkontür. Sieht aus, wie vom Spatz. Die Katz war es nicht. Die Katz ist seit 14 Tagen verschwunden. Der Wind weht über den bewaldeten Hügel an der A1 hinunter ins Dorf. Einförmig zischendes Rauschen. Plötzlich ein stilles Tal. Der Wind hat ausgesetzt. Die Vögel haben Regenpause. Das Kreuz Münster Nord hat nie Pause. Es verschlingt Reisende von einer in die andere Richtung, von einem Abenteuer ins Nächste, in die Liebe und Hass. Kein Wunder, dass das Geräusche macht. Zum Glück gibt es die Himmelsrichtungen und den Wind. Der Wind ist unser Verbündeter. Er hält den Verkehr in Schach. Manchmal macht er eine Melodie draus, zu der vielleicht die Amsel ein Solo beisteuert. Die Hitze hängt einem im Körper nach, als trüge meine überall kleine Sandsäckchen. Man geht gleich in den Keller, und übt Paradiddle. Mat wollte mit jemand übers Schreiben sprechen, sprach aber lieber über das Leben. Man weiß nicht, ob man für die Lesung proben soll. Man könnte einen Blick drauf werfen, das ja. Der Rest soll passieren. Möglich, dass wir uns sehen, morgen abend in Kinderhaus.


So 5.07.26 12:05 bewölkt

Man muss feiern, wenn Feste zu feiern sind. Sind keine da, muss man eines erfinden. Irgendeines findet sich immer. Euphorisiert von dem bis auf eine Ausnahme weiblichen Publikum im Alter von 50 aufwärts, beschließt man im Anschluss seiner Lesung der Spitzegastronomie einen Besuch abzustatten. Vor nicht langer Zeit hat der König der Niederlande hier gewohnt, man hat ihn selbst davonfahren sehen Richtung Stadt mit viel Polizei. Vor etwas längerer Zeit war Wilkinghege im Besitz der Droste zu Hülshoff. Man fragt den dienstbaren Geist, mittdreißig, männlich, groß, schlank und aalglatt, nach einem Caipirinha. Den gibt es nicht. Man bestellt einen Riesling und einen Aperol Spritz. Der Geist eilt die Freitreppe hinauf ins historische Gebäude. Ein Bassist und ein Keyboarder kommen ihm entgegen. Sie haben den frühen Abend mit Hintergrundmusik beschallt, vielleicht aber auch einer Gesellschaft auf die Beine geholfen. Ein leichter Wind weht. Ein schwarzweiß mit Weste und Fliege bekleideter älterer Mann bringt die Getränke. Dem Aperol fehlt der Strohhalm. Der Mann ist schon wieder auf und davon, eh man etwas sagen kann. Als er in anderem Auftrag zurückkehrt, bittet man ihn um einen Strohhalm. Das hätte man aber auch gleich sagen können, sagt er pikiert und geht ab. Eine junge Frau bringt einen Strohhalm der Sorte, mit dem man früher, als man noch zu Schule ging, seinen Kakao schlürfte.Sie ist freundlich. Der Preis der Getränke (23 Euro) erscheint in Anbetracht des Personalaufwands angemessen. Man fährt heim, setzt sich auf den nächtlichen Balkon und trinkt den Wein, den einem der Buchhändler geschenkt hat und ist bald angetütert. Am nächsten Abend feiert man den 75 Geburtstag eines lebenslangen Freundes und trinkt alles, was einem angeboten wird. Heute kommt einem die Welt ein wenig verhangen vor. Zum Glück hat man Zeit, langsam auszunüchtern. Nebenan hustet die Frau.

Mo 6.07.26 23:10

fisch mir ein kompliment
das mir im halse stecken bleibt
mach weg was links und rechts
die rinde neidisch von den bäumen reißt
verjag die liebenden
sie lügen dreist
reiß illusionen von den wänden
lass alle stehn mit leeren händen
und sag es gibt was besseres
als dieses


Di 7.07.26 19:33 schwül heute

Gestern habe ich mir bei Geers einen Termin für eine Gehörtest geben lassen. Ich habe den Termin in meinen Terminkalender getippt. Als ich später noch einmal nachschaute, um mich zu vergewissern, fand ich dort folgenden Text, für den ich keine Erklärung habe. Ich schätze, da war ein Mikro an.

brechte und könnte
den namen fertig sein
als expresslapator in dem sinne
dann braucht man
bis zu zwei tage
irgendwann machen
gesagt er kommt
erst am mittwoch
ewiger onkel
dann wäre es natürlich
dementsprechend ja
an dem tag empfährlich
oder am tag des termins
weil danach haben wir
natürlich auch am donnerstag
versucht.



Do 9.07.26 18:13 ruhiges sommerwetter

dir gegenüber
eiine handbreit
deine letzte chance
von armlang
hört man nicht
nicht entzweit hälst du
die balance
du bist bereit
du hast gewicht dir gegenüber


20:11

eine handbreit
deine letzte chance
von armlang
hört man nicht
man hält balance
man ist bereit
man sagt
du hast gewicht

.
Fr 10.07.26 13:10 ruhiges sommerwetter

Draußen der Garten. Gerodet, bepflanzt, gepflegt. Prächtigster Sommer. Man hat die gewöhnliche Wegwarte und die nesselblättrige Glockenblume trockener, steinharter Erde entrissen, und sie heute morgen hier angesiedelt. Jetzt ist sie im Paradies und gibt sich mit der Alpen Pechnelke und den anderen alle Mühe, sie und ihn zu erfreuen und ihre Nerven zu befänftigen, denn Feinde sind überall. Trio. Da. Gefahr, Gefahr, da, da, Gefaaaahr!!!. Noch fließen Blut und Tränen woanders, quasi stellvertretend für sie Besserverdienende, die ja nichts dafür können, keine verhungernden Sudanesen oder sonstwelche Leidende im globalen Süden zu sein. Es ist unangenehm, ständig davon zu hören und zu lesen. Man hat selbst Sorgen. Sie sind kleiner, bleiben aber trotzdem Sorgen. Ihr setzt eine Krankheit zu, ihm geht seit gut einem Vierteljahr vieles kaputt. Seit Wochen ärgert er sich nun mit seinem Rad herum. Erst war die Kappe für den Akku kaputt. Beim Einbau stellte man fest, dass der hintere Reifen dringend erneuert werden müsse. Außerdem fiel ständig der Strom aus, verschiedene Erklärungen drei unterschiedlicher Fahrradhändler kursierten. Schließlich sagte einer, dass es die Batterie sein müsse, denn mit einer Ersatzbatterie hatte der Computer einwandfrei gearbeitet. Das sei Sache für den Deutschen Akku Service. Man fuhr hin. Man erklärte, dass sich die Batterie laden lasse, aber eben immer der Strom ausfiele. Man werde das prüfen, man werde anrufen, und man hoffte, man würde mit einer kaputten Zelle davonkommen. Gerade hat man angerufen. Die Sudanesen sterben, die anderen auch, der Planet stirbt uns unterm Arsch weg, der Akku ist schon trot. Ein neuer kostet 620 Euro. Ungewöhnlich für einen Dichter und höchstens mit dessen protestantischenr Herkunft zu erklären, hat er ein bisschen was auf die Seite gelegt. Nächste Woche wird er also zur Werkstatt fahren, draußen in Hiltrup in Sichtweite des Dortmund-Ems Kanals, seine EC Karte auflegen oder einschieben. Er muss, denn er ist ein halber Mensch ohne Rad. Das schmerzt mehr als die Sudanesen, die anderen und der Planet. Es ist Sommer im Paradies. Stört die Herrscher.


14:26


Prächtigster Sommer. Man hat die gewöhnliche Wegwarte und die nesselblättrige Glockenblume trockener, steinharter Erde am Wegrand entrissen, und sie heute morgen im Garten angesiedelt. Jetzt ist sie im Paradies und gibt sich Mühe, mit der Alpen Pechnelke und den anderen sie und ihn zu erfreuen und ihre Nerven zu befänftigen, denn Feinde sind überall. Noch fließen Blut und Tränen woanders, quasi stellvertretend für Besserverdienende, die nichts dafür können, keine verhungernden Sudanesen oder sonstwelche Leidende im globalen Süden zu sein. Es ist unangenehm, ständig davon zu hören und zu lesen. Man hat selbst Sorgen. Ihr setzt eine Krankheit zu, ihm geht seit gut einem Vierteljahr vieles kaputt. Seit Wochen ärgert er sich schon mit seinem Rad herum. Erst war die Kappe für den Akku kaputt. Beim Einbau stellte man fest, dass der hintere Reifen dringend erneuert werden müsse. Außerdem fiel ständig der Strom aus, verschiedene Erklärungen drei unterschiedlicher Fahrradhändler kursierten. Schließlich sagte einer, dass es die Batterie sein müsse, er hatte es mit einer Ersatzbatterie ausprobiert und da hatte der Computer einwandfrei gearbeitet. Das sei Sache für den Deutschen Akku Service. Man fuhr hin. Man erklärte, dass sich die Batterie zwar einwandfrei laden lasse, aber eben immer der Strom ausfiele. Man erwähnte das, um ihn den Mechaniker zu besänftigen, wie man dem Urologen versichert, man müsse nachts nicht raus. Man werde das prüfen, man werde anrufen, sagte der. Man hoffte, man würde mit einer kaputten Zelle davonkommen. Gerade hat man angerufen. Die Sudanesen sterben, der Planet stirbt, der Akku ist schon tot. Ein neuer kostet 620 Euro. Ungewöhnlich für einen Dichter und vielleicht mit dessen protestantischenr Herkunft zu erklären, hat er ein bisschen was auf die Seite gelegt. Nächste Woche wird er also zur Werkstatt fahren, draußen in Hiltrup in Sichtweite des Dortmund-Ems Kanals, der Mann mit den zwei stachelförmigen Oberlippenpiercings wird ihm erklären, warum da nichts mehr zu machen sei, er wird seine EC Karte auflegen oder einschieben. Er muss, denn er ist ein halber Mensch ohne Rad. Das schmerzt mehr als die Sudanesen und der Planet. Es ist Sommer im Paradies.

21:12

Man hat die gewöhnliche Wegwarte und die nesselblättrige Glockenblume aus trockener, steinharter Erde am Wegrand gegraben und heute morgen im Garten angesiedelt. Jetzt sind sie im Paradies und geben sich Mühe, mit der Alpen Pechnelke und anderen die Menschen zu erfreuen und deren Nerven zu befänftigen, denn Feinde sind überall. Noch fließen Blut und Tränen woanders, quasi stellvertretend für Besserverdienende, die nichts dafür können, keine verhungernden Sudanesen oder Leidende des globalen Südens zu sein. Es ist unangenehm, ständig davon zu hören und zu lesen. Man hat selbst Sorgen. Ihr setzt eine Krankheit zu, ihm geht seit gut einem Vierteljahr vieles kaputt. Verstärker. Laptop. Smartphone. Seit Wochen ärgert er sich mit seinem Rad herum. Erst war die Kappe für den Akku kaputt. Beim Einbau stellte man fest, dass der hintere Reifen dringend erneuert werden müsse. Außerdem fiel ständig der Strom aus, verschiedene Erklärungen drei unterschiedlicher Fahrradhändler kursierten. Schließlich sagte einer, dass es die Batterie sein müsse, er hatte es mit einer Ersatzbatterie ausprobiert und da hatte der Computer einwandfrei funktioniert. So etwas sei Sache für den Deutschen Akku Service. Man fuhr hin. Man erklärte, dass sich die Batterie zwar einwandfrei laden lasse. Man erwähnte das, um den Mechaniker zu besänftigen, wie man dem Urologen versichert, man müsse nachts nicht raus. Dass häufig der Strom ausfiel, hatte man schon gesagt. Man werde das prüfen, man werde anrufen, sagte der. Man hoffte, man würde mit einer kaputten Zelle davonkommen. Gerade hat man ihn angerufen. Die Sudanesen sterben, der Planet stirbt, der Akku ist tot. Er hat 20000 auf dem Buckel. Ein neuer kostet 620 Euro. Ungewöhnlich für einen Dichter und vielleicht nur mit dessen protestantischer Herkunft zu erklären, hat er ein bisschen was auf die Seite gelegt. Nächste Woche wird er zur Werkstatt fahren, draußen in Hiltrup in Sichtweite des Dortmund-Ems Kanals, der Mann mit den zwei stachelförmigen Oberlippenpiercings wird ihm erklären, warum da nichts mehr zu machen sei, er wird seine EC Karte auflegen oder einschieben. Er muss, denn er ist ein halber Mensch ohne Rad. Das schmerzt mehr als Sudanesen, globaler Süden und der Planet. Es ist Sommer im Paradies.


Sa 11.07.26 18:45 Sommer

ihm gegenüber
wuchs seit einem jahr
ein haus zum himmel
mit tausend fenstern
aus jedem schaut ein mensch mit tier
es herrscht hier nun seit ewigkeiten ein gewimmel
ein hickhack
unterstützt von hektolitern bier
diese bewohner wurden fest mit eingebaut
erörtern
früh bis spät die lage
mitunter werden sie sehr laut
was tun mit ihrer immer gleichen klage


So 12.07.26 9:42 Sommer

Männern aller Altersgruppen in weißen Hosen, Hemden, grünen Jacken und Hüten, an denen Rehhaarrosetten, an manchen Hahnenschlappen angebracht sind, haben sich auf dem Kirchplatz versammelt. Viele haben eine Flasche Bier in der Hand. Manche tragen einen Säbel. Das sind die Fahnenträger. Polizei und Ambulanz stehen bereit. Der Schützenverein St. Jacobi wird 400 Jahre alt. Der Westfälische Friede ist nicht in Sicht, als sich 1626 Männer zusammenschlossen, um sich gegen die marodierende Soldateska des 30jährigen Krieges zu wehren. Schützenvereine aus den umliegenden Dörfern sind zu Gast, sogar ein Frauenschützenverein. Jeder Verein hat eine meist kunstvoll gearbeitete Standarte. Die von Roxel wurde von Annette von Droste Hülshoff bestickt. Die Lautsprecher knacken und fiepen. Ein Redner sagt: Schützenbrüder, stillgestanden. Die Augen links. Die Schützen ignorieren das. In der Rede geht es um Heimat und Schutz, um Verbundenheit und Brauchtum. Der Oberbürgermeister spricht auch. Und der Mann von der Kirche. Er trägt einen Strohhut. Die Bratwürste duften. Es ist 30 Grad. Die Schützen werden aufgefordert, beim Abmarsch durchs Dorf zum Sportgelände an der Feldstiege Viererreihen zu bilden. Die Kapelle biegt um die Ecke. Die große Pauke wird von einer Frau geschlagen. Das Königspaar und sein Hofstaat vorneweg. Das mit den Vierrerreihen und dem Gleichschritt ist so eine Sache. Schon bald werden die meisten betrunken sein.

13:40


ihm gegenüber
wuchs seit einem jahr
ein haus zum himmel
mit tausend fenstern
aus jedem schaut ein mensch mit tier
hier herrscht nun täglich ein gewimmel
ein hickhack
unterstützt von hektolitern bier
seine bewohner wurden fest mit eingebaut
erörtern früh bis spät die lage
mitunter werden sie sehr laut
mit ihrer immer gleichen klage


Mo 13.07.26 10.56 Sommer

Das Zimmer ist abgedunkelt, die Welt licht und aufgeheizt. Man muss nirgendwohin. Man hat Wünsche. Man hofft, dass sie sich nie erfüllen, dann hätte man noch ein Problem. Man findet nachts nur unruhigen Schlaf und tags nie zu sich. Man liest Zeitung und ist entsetzt. Man hat viele Bücher und liest jedes noch einmal. Man hat ein Leben. Es vergeht jeden Tag schneller, aber das täuscht. Die Erde dreht sich, die Tage werden kürzer, das Paradies kann man nicht fassen. Man weiß, was falsch ist und richtig. Alles Gerede ist nutzlos. Man spürt Leere. Man wartet. Letting the days go by. Man war dabei, als die Talking Heads im August 1980 im Central Park spielten. Well, how did I get here?


Di 14.07.26 10:24 Sommer

Man will, dass es regnet. Man ginge nackt in den Garten. Aber es ist keine Wolke in Sicht. Das Denken fällt schwer. Man kann sich aber erinnern, dass man geschrieben hat. Sein Leben lang hat man nichts anderes getan. In den 80ern hat man unter dem Eindruck des drohenden Zerfalls der Ozonschicht "Aufwärts mit D." geschrieben. Der Roman sollte bei Rowohlt erscheinen, aber man bekam Krach mit dem Lektorat. Man liegt auf dem Sofa und bewegt sich nicht. Die Ozonschicht hat sich erholt. Alles wird wärmer. Man hat keine Angst, man ist alt, man stirbt eh, aber man fürchtet um seine Kinder und Enkel. Die Träume sind ausgeträumt. Bald regiert künstliche Intelligenz. Was kann man darüber sagen? Nichts. Nicht einmal Geoffrey Hinton, der Godfather der KI, weiß, wie sie funktioniert. Es weiß aber, dass sie neuronale Netze webt. Ende der Sechziger hat man mal eine Geschichte gelesen, in der ein Computer von der Größe eines kleinen Samsonite die Welt regierte. Gestern abend wollte man Trommeln, aber die Sommerpause hat begonnen. Schade um die Paradiddle, die man täglich übt. Man hätte sie gerne verschenkt.


Mi 15.07.26 10:58 Sommer

das waren emotionen pur
als während der hitze 2026
menschen auf den strassen kollabierten
menschen in A menschen in B töteten
und umgekehrt C und D überall
und die blauen wahlen gewannen
gänsehautfeeling großartiges leben
erfinden kann man so etwas nicht
man möchte sich noch einmal bedanken
bei diesen protagonisten
die leidenschaft zeigten und zeigen p

11:09 chatgtp

das waren emotionen pur
als während der hitze 2026
menschen auf den straßen einander halfen
fremde füreinander da waren
hände reichten statt wegzusehen
überall
und trotz aller herausforderungen
die hoffnung nicht verloren ging
gänsehautfeeling
großartiges leben
erfinden kann man so etwas nicht
man möchte sich noch einmal bedanken
bei diesen protagonisten
die mitgefühl zeigten und zeigen
und bewiesen
dass menschlichkeit stärker sein kann


Do 15.07.26 12:30 bewölkt, kühler

Ob man je die Gegenwart finden wird, weiß man nicht. Man hat aber gesucht. Man ist jeden Tag aufgestanden, um zu suchen und hat dabei alle Fehler gemacht, die ein Mensch machen kann. Wenn man gut war, hieß das noch lange nichts. Hinter dem Guten stand immer das Schlechte und redete einem dazwischen. Umgekehrt war es ähnlich, nur dass das Gute nicht immer so verführerisch war wie das Schlechte. Man ist gut gewesen, man ist schlecht gewesen, das kann man mit Sicherheit behaupten, darüber hinaus man nichts verstanden. Weder das Gerede der Politik noch das Gerede der Frauen. Frauen schienen genau zu wissen, was Männer gut und schlecht macht. Was sie nicht verstanden, war, dass Männer ihre Aufgaben haben, die mit den Aufgaben der Frauen wenig zu tun haben. Es gibt Momente, in denen sie sich dennoch treffen. Sofort glauben viele, das sei die Liebe für immer. Dabei scheint nur die Gegenwart auf, wo Vergangenheit und Zukunft sich treffen, man hat das schon oft erfahren. Das sind die schönsten Augenblicke des Leben. Wie gern würde man statt des herrschenden totalen Krieges den totalen Frieden verkünden, in dem nicht nur die Waffen schwiegen, sondern sich alles um die Welt dreht, die Welt als Flora und Fauna und alle Menschen. Aber da beißt sich der Hund in den Schwanz. Das Schlechte redet dazwischen, und so kommt es, dass selbst die, die in Verantwortung sind, und Gutes wollen, scheitern. Die Gegenwart ist immer da, nur wir sind lieber woanders. Deshalb riecht es überall nach Ende. Deshalb ist es wichtig, anzufangen. Der Tag schreitet voran. Das Fahrrad ist noch immer nicht fahrbereit. Es ist angenehm kühl. Die Katze liegt auf dem Sessel und schläft. Die Frau ist zur Kur.