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zum letzten eintrag

So. 1.03.26 10:12

sie kamen frühmorgens
nicht wie sonst in der nacht
brachten feuer und tod
und verschwanden
dass sich nach feuer und tod
machtvakuen auftun
die in kämpfe münden
auge um auge zahn um zahn
interessierte sie nicht
sie wollten öl
sie wollten gas
sie sind nicht böse
sie wollen nur das beste für sich
wie unterm strich jeder


Mo 2.03.26 20:35

ich müsste aufstehen
einen mantel anziehen
den fahrradhelm aufsetzen
und losfahren.
in 30 minuten wäre ich im hot jazz
mit dem roller in 15 minuten
ich bin aber müde
ich habe umgegraben
ich habe beim ausheben eines baumstumpfes
einen zinken meiner grabgabel abgebrochen
word funktioniert
ansonsten geht nichts mehr
der rechner ist hin.

23:11

Zeit rennt nicht
Zeit trödelt nicht
Zeit kann nicht verschwendet werden
Zeit ist.

Ich muss Rat holen. Ohne Rechner bin ich aufgeschmissen.

Mo. 2.02.26 14:00

Ich weiß nicht, wer älter ist, die Dame oder der Hund. Der Mund der alten Dame ist verbittert, die Schnauze ihres Hundes grau. Beide können nur noch langsam gehen. Ich sage: Guten Tag und lasse ihnenVorrang. Der Hund wedelt kurz, sie schaut mich erstaunt an und grüßt spitz. Die Sonne scheint. Die Frage des Tages lautet: Gartenarbeit, in der Sonne sitzen, oder mit dem Roller über Land fahren.

PS. Habe umgegraben.

Do. 5.03.26 17:30 mild und sonnig

Ich habe ein HP Elitebook gekauft. Es hat Windows 11 und kann noch mehr als mein alter Lenovo. Beim Einrichten bin ich durch einen versehentlichen Klick auf eine Werbe App geraten, die ich nicht wieder wegbekam. Die KI riet, rechts oder links oben etwas anzuklicken, aber ich konnte auf meinem Rechner nichts finden. Also bin ich zurück zum Lapstore gefahren, dort hat mir jemanden das System einfach resettet. Das hätte ich natürlich auch selbst machen können, aber wahrscheinlich war mir das System noch zu unheimlich. Die nächsten Tage werden aufregend, denn ich bin mir nicht sicher, ob sich meine Programme auf den neuen Rechner übertragen lassen, und wenn, ob sie funktionieren. Mein dreamweaver ist gecrackt und zwanzig Jahre alt. Alles ist alt. So wie ich.

22:12

Zum Ende meines 77ten kann ich sagen, dass nichts so heiß gegesssen wie es gekocht wird. Man muss Ruhe bewahren. Muss sagen, leck mich am Arsch. Der Tag war turbulent. Morgen werde ich 77. Ich sollte ein grandioses Besäufnis veranstalten, aber mir ist nicht danach.

Sa. 6.03.26 18:10 mild und sonnig

Kaffee und Kuchen im Garten. Die Schwester war da, der große Sohn, der älteste Enkel, die Frau lag im Bett und bekam schlecht Luft.


Sa. 7.03. 26 19:23

Nach 77 Jahren und einem Tag hängt Stille überm Dorf. Man hört die Autobahn nicht. Der Himmel ist milchig, Saharastaub zieht über. Ich habe im Garten gearbeitet. Ein Rotkehlchen leistete mir Gesellschaft. Elstern flogen hin und her, schwarz-weiße Schönheiten mit gespreiztem Schwanz. Für welches Flugmanöver sie den wohl gebrauchen. Sie sind etwa so groß wie Krähen, aber die haben ihn nicht, er muss ihnen also einen Vorteil bieten. Jetzt, wo der Abend heraufzieht, kommt mir die Stille seltsam laut vor. Das einzige Gerräusch ist der böse Husten der Frau im Schlafzimmer. Er macht mich unruhig. Dazu das Schreien rund um den Globus. Kann man etwas tun? Ja, man kann glücklich sein. Ist Glück eine Illsuion? Ja.


So.8.03.26 21:45

Creman d'Alsac perlt mir aus den Mundwinkeln, jemand hält mich für einen Antisemit, der Garten ist fast fertig, es ist Krieg, Sie ist krank. Ich bin angezählt, ich schlurfe durch die Wohnung, mein Kopf voll dunkler Erinnerungen an die letzten Tage meiner Frau.


Mo. 9.03.2026 13:45

Am Donnerstag kommt H., um Dreamweaver einzurichten. Wie ich die Dateien der letzten zwanzig Jahre wieder auf mein System bringe, werde ich sehen, ich habe es beim letzten Hardwarewechsel auch hinbekommen. Hauptsache, FileZilla funktioniert. Bis jetzt verweigert es jede Verbindung. Um sieben war die Autobahn laut, eine halbe Stunde später hatte der Wind gedreht, jetzt herrscht wieder die wunderbare Stille der letzten paar Tage. Zum Geburtstag waren Karin, Jan und Julius hier, kurz vor Mitternacht des ablaufenden 6. März rief Frank aus Berlin an. Was sonst geschah, ist im Trubel der Ereignisse untergegangen, da ich nichts aufgeschrieben habe. Es wird noch ein paar Tage dauern, eh ich mich mit dem neuen Rechner vertraut gemacht habe. Immerhin habe ich alle Fotos und Worddateien auf die Festplatte übertragen. Ich arbeite jetzt mit Libre Office.

Krankenwagen anrufen. Die Frau muss wieder ins Krankenhaus. Sie kriegt schlecht Luft. Sie fiept. Sie hustet bellend. Das beunruhigt mich. Sie hat das Clemens zu früh verlassen. Sie lag mit Afrat in einem Zimmer, eine libanesische Frau mit fünf Kindern und vielen Enkeln, einem herzlichen Wesen, mit der sie sich sehr gut verstand. Jetzt hofft sie, dass sie wieder aufs gleiche Zimmer kommt, aber das Clermens ist ausgebucht. Ich sehe, wie man sie auf der Trage in den Krankenwagen trägt. Sie hat eine Sauerstoffmaske auf. Man bringt sie ins UKM. Dort liegt sie Stunden in der Notaufnahme, landet für die Nacht auf der Gynakologie, weil sonst kein Bett frei ist und kriegt kein Auge zu. Am Morgen verlegt man sie in Quarantäne, man hat einen Para Influenza Virus bei ihr gefunden, hochansteckend. Da liegt nun, mutterseelenallein. Zum Glück bietet ihr eine Rotbuche vorm Fenster Gesellschaft. Nachts, sagt sie, hätte ein Vogel gesungen. Ein sehr gut aussehender Pfleger und eine kleine, dicke weibliche Hilfskraft sind Mexikaner und sehr freundlich. Ich erzähle ihnen die Gringo Geschichte aus Osxaca. Wir lachen. .

16:12

Ich habe eine Abneigung gegen Form und Struktur. Ich weiß um ihre Kraft und Schönheit, aber ich meide sie. Faulheit könnte der Grund sein. Feigheit auch, tiefer einzutauchen. Gestern hat jemand erzählt, Einstein halte den Tod für eine optische Täuschung. Darüber musste ich herzhaft lachen. Einsteins IQ lag zwischen 160 und 180, aber er hat nie einen Test gemacht, wenngleich es sie seit 1905 gab. Ich habe einen IQ von 122. Könnte es sein, dass meine Abneigung damit zusammenhängt?


Di 10.03.26 15:00

Gestern abend wurde mir kalt, ich hatte einen kurzen, trockenen Husten. Ich musste niesen und dachte, Scheiße. Ich fahre zur Apotheke und kaufe einen Test. Ich schiebe mir den Stab in die Nase und drehe ihn. Es kitzelt. Ich tauche das Stäbchen in den kleinen Behälter, schüttle, drücke und träufle die Flüssigkeit auf den Tester. In kurzer Zeit entwickeln sich zwei rote Streifen. Ich muss nachschauen, was sie bedeuten.

21:50

nie wieder friede
der macht keinen sinn
besser drauf treten
wenn er noch ein bisschen lebt
die gurgel kneten
bis er nicht mehr bebt
nicht zappelt
dieser jämmerliche hund
ich spüre
dass ich sieger bin
und alles tun darf
je entsetzlicher
je besser
endlich ergibt alles sinn
mach dir die welt untertan
begreife
dass du böse bist
gut ist nur eine list
dich selbst zu täuschen


Mi 11.03.26 12:05

Morgen ist es endlich so weit. H. kommt, um deamweaver zu installieren. Mit dreamweaver habe ich meine Webseite gebaut, die seit August 2000 online ist und funktioniert, mit dreamweaver kann ich Den Alltag führen, den ich fast täglich update und für einen wichtigen Aspekt meiner Arbeit halte. Ohne dreamweaver fühle ich mich verloren. Der Alltag ist ein Ort, der keiner, außer meiner Zensur unterliegt. Der neue Rechner gefällt mir. Ich verschaffe mir Überblick. Das Französischlernen habe ich heruntergefahren. Im Grunde hatte ich seit 250 Tagen nur nach Punkten gejagt, um mir einen Platz in der Rangliste zu sichern. DuoLingo ist so angelegt. Das mache ich nicht mehr. Ich lerne weiter, ohne auf Punkte zu schielen. Gleich besuche ich die Frau. Sie liegt auf der Erwachseneninfektion des UKM. Ich muss mir einen gelben Umhang anziehen, ich mühe mich in blaue Einmalhandschuhe, ich trage einen Mundschutz, dann darf ich hinein. Es geht ihr schon viel besser. Trotzdem ist jeder Besuch mit dunklen Erinnerungen verbunden.

17:09

Romananfang

Als sie nach einer durch einen Unfall erzwungenen Auszeit zurückkehrte, fiel ihr eine Frau ins Auge, um die sich die Tänzer rissen wie früher um sie. Die Auszeit hatte sie gelangweilt und Spuren hinterlassen. Sie war über fünfzig, ihr Strahlen war noch nicht verblasst, aber die neue blühte, sie war kaum 40. Niemand hatte sie je vorher gesehen. An einem Wintertag war sie aufgetaucht, hatte selbstgebackene Kuchen aus ihrer Heimat mitgebracht, und während die übrigen in Alltagskleidung trainierten, stach sie mit ihrer Kleidung heraus. Das gefiel ihr nicht. Sie würde was tun müssen.

22:55

wir sind
keine bösen menschen
wir sind hier
und wären gern woanders
fast verrückt von unseren wünschen
dieses großen durcheinanders
wir sind mutig
weil wir blieben
wir erklären
dass wir lieben
und tun so
als wär’n wir frei

23:12

als die sonne verschwand
und die nacht im hinterhof aufschlug
winselten hunde
und vögel verstummten
vom turm der knochenweißen kirche
schlug eine glocke die zeit hinaus aufs Meer
ich umarmte den himmel
und hielt mich warm

Do. 12.03.26 21:35

Ich lasse mich auf den Stuhl sinken. Der Dreamweaver ist installiert, ein Programm, von dem ich noch eine 20 Jahre alte Installations CD besaß. Ich saß neben H., konnte aber die Entscheidungen, die er traf, kaum nachvollziehen, höchstens ahnen. Er redete mit sich und dem System, er wies es zurecht, er sagte "geht doch", "nu mach schon", "siehste". Ja. Ich sah. Es wurden neue Passwörter eingerichtet, hier wurde ein Häkchen gesetzt, da ein Pfad definiert, das hätte ich nie hingekriegt, aber nun bin ich zurück im Alltag. Danke, Heiko.

Fr. 13.03.26 9:00 Regen

Der Blick aus dem Schlafzimmerfenster ist gut für die Seele. Er ist aber auch beängstigend, denn nach dem Umzug und den damit verbundenen Turbulenzen weiß ich, dass dieser Blick das letzte sein könnte, was ich sehe, wenn mein Leben endet. Ich bin erschöpft. Die Frau wird heute aus der Klinik entlassen. Das ist jetzt das zweite Mal in drei Wochen.

15:15

Die ersten Sätze zum 13ten März der letzten zehn Jahre.

2026 Der Blick aus dem Schlafzimmer ist gut für die Seele.
2025 Was nicht aufgeschrieben wird, hat nicht stattgefunden.
2024 Was nicht aufgeschrieben wird, hat nicht stattgefunden.
2023 Ferner Frühling.
2022 Menschenverstand ist nicht mehr das, was er war.
2021 Mein Krisenjahr ist voll.
2020 Alles auf Null.
2019 - kein Eintrag -
2018 Die ersten von mir zubereiteten Falafal fielen beim Braten auseinander.
2017 Joggerinnen mit fliegenden Pferdeschwänzen und festen Hintern.
2016 Bewegen, zurückrudern, reicht es?


21:50

Ganz langsam kehrt die Lust zurück, das Leben ist viel schöner, wenn sie zuhause ist.


Sa.14.03.26 11:34 Regen

Man sagt, dass sich die Zellen eines Menschen alle sieben Jahre erneuern und umstrukturieren. Tatsächlich spüre ich, dass sich Haltungen verändert haben. Ich bin bereit, Dinge hinter mir zu lassen. Verbindungen zu Menschen, von denen ich hoffte, dass es Freunde werden. Der Tango hat an Bedeutung verloren. Der Garten rückt in den Fokus. Ein Roman ist erschienen. Ein anderer Roman, Frauen auf Zebrastreifen, wartet auf Überarbeitung. Das Trio mit Gitarre, Bass, mit dem ich vor drei Monaten zum ersten Mal Keller geprobt hatte, hat sich vor zwei Wochen aufgelöst. Wir fanden keinen gemeinsamen Schwung. Ich müsste einkaufen, aber es regnet.

15:36

Es war grau und still, Vögel sangen, der Regen hatte nachgelassen, als ich zum Supermarkt fuhr. Ich hatte eine Einkaufsliste. Ich achtete auf Preise. Wir sind Aldi, hier war Edeka. Ich versuchte den Wert meines Einkaufswagens zu schätzen, 50, dachte ich, aber es waren 34. Die Petersilie war etwas armselig, Apfelsinen gab es nicht im Netz, nur einzeln, mit Blättern. Gut-und-günstig Produkte gab es auch, und eine verschwiegene Ecke für Spirituosen. Als ich wieder zuhause war, brachte die Post mir das neue Buch.





So 15.03.26 11:27 bewölkt

ich habe lang genug
mit mir an einem tisch gesessen
gesehen
was ich niemals sehen wollte
geweint, gelacht,
und wenn gewitter grollte
habe ich gehofft
dass mich der blitz trifft
ich war geblendet
von dem grellen licht
dem scharfen schatten für den augenblick
der anden erle die gespalten
nach kurzem zögern
stöhnend auf die plaza kippte
ich trank schwarzen kaffee
in popayan und liebte
dass ich so weit fort war
ein junger mann
der heute alt ist
nur eine stunde drauf
stieg ich in einen bus
der wie im rausch
durch dschungel
über berg und tal tiefnachts
abbog und in das nächste dorf einfiel
am kreuz im licht der gaslaternen
hing ein schwarzer jesus
ich habe mir nichts ausgedacht
ich kann nicht sagen
ob es wahr ist oder traum
ich habe daraus einen mann gemacht
und kenn ihn kaum

Mo 16.03.26 13:07 Aprilwetter

U., ein bildender Künstler, H., ein Gitarrist und ich kommen aus Gronau. Mit U. habe ich 7 eine WG gegründet, Mit H. habe ich in einer Band gespielt. U. sehe ich einmal im Jahr, H. sehe ich oft. Letztens rief er an, er sei in Gronau gewesen und U. habe ihm etwas für mich mitgegeben. Ich war gespannt. Gestern war annehmbares Fahrradwetter. Ich wollte mich bewegen, ich wollte unter Leute, und im Atelierhaus Schulstraße ging es um Druckkunst. Ich saß eine Weile in L.s Atelier, trank einen Roten, aß ein paar Datteln und unterhielt mich. Dann fuhr ich zu H. H. gab mir E.T.A. Hoffmann "Klein Zaches genannt Zinnober". Auf dem Innendeckel stand meine alte Adresse aus Gronau. U. hatte aufgeräumt. In einem guten Haushalt kommt nichts weg, schrieb er. Und so ist E.T.A. Hoffmann nach 55 Jahren zu mir zurückgekehrt. Ich habe mich sehr gefreut.

Di 17.03.26 00:04

Der Mann kaum über zwanzig. Er hat einen Sohn. Der Sohn lebt mit seiner Frau und seinen Eltern in Afghanistan. Der Sohn ist allein hier. Er wohnt in Altenberge. Er arbeitet in einem Restaurant. Sein Deutsch holpert noch, aber er spricht. Er ist über den Iran, die Türkei, Griechenland und das ehemalige Jugoslawien gekommen. Es ist schwer für ihn, so allein, sagt er.

00:12

wie meine laune
leise ohne gruss
verschwand
wie trostlos
als ich auf dem heimweg fand
mit dir ist nichts mehr los
und alles schmeckte schal
ich fuhr nach haus
dort lebe ich
mit einer schönen frau
ich hängte meinen mantel
an die garderobe
und beschloss
dass niemand
mir in die parade fährt


Fr 20.03.26
18:01 sonnig

bitte schön
auf wiedersehen
schneckenpost
und höhenflug
nichts ist erfunden
seltene entschlossenheit
und das vergnügen
taugt nicht zum gesunden
ja nein ja nein
sag
bist du noch gescheit
du willst dich noch
am ende überrunden
wartest du auf die ewigkeit
sehnst dich nach
was du schon immer hattest
was ist falsch
sitzt du im tiefen loch
du armes dier
du lebst doch noch

22:48

Beim Umformatieren mehrer Dateien habe ich die Aufzeichnungen des Dezember 2025 versehentlich unter Januar 2026 abgespeichert, ein Rettungsversuch beim Provider kam zu spät, ich hatte schon hochgeladen, jetzt ärgere ich mich. Ein ganzer Monat ist weg. Rekonstruktion ist nicht möglich. Das war die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht: heute nachmittag fiel mir auf, dass ich alle Fotos vom alten Rechner nur bis zum Dezember 2022 auf den neuen Rechner geladen hatte. Ich baute die Festplatte, dich aus meinen Lenovo ausgebaut hatte, wieder ein, hatte Zugriff, kopierte die entsprechende Fotos auf eine externe Festplatte und von dort auf meinen neuen Rechner. Das hat funktioniert.


Sa 21.03.26 14:31 bedeckt

Meine URL funktioniert nicht.

21:43

Meine URL funktioniert wieder. Dass sie nicht funktionierte, hatte damit zu tun, dass meine Domain beim Provider auf ein völlig falsches Verzeichnis verwies. Wieso, weiß ich nicht, vielleicht habe ich wieder auf irgendetwas geklickt, die Bedienung des neuen Rechners will auch erst gelernt sein, und muss dann Alltag werden. H., der mir heute noch einmal geholfen hat, war auch ein wenig ratlos, und er hat fast zwei Stunden gebracht, das Problem zu lösen. Voila. Ab sofort kann mich jeder, der will, wieder lesen, und ich kann, nachdem in der Flamenstrasse langsam Ruhe einkehrt, weil die Liebste auf dem Weg der Besserung ist, wieder ans Schreiben denken. Die Muße, die es dafür braucht, kann ich mir nicht aus der Rippe schneiden, die muss sich aus dem Leben ergeben. Das Leben ist schön. Und wenn ich wieder bei ihm und mit ihm agiere, wird es auch für mich schön. Vergessen darf ich nicht, dass der gerade erschienene Roman mich ein wenig außer Atem bringt. Ich bin in einem Alter, in dem viele die Zügel schleifen lassen und keine Ziele mehr verfolgen. Bei mir ist das anders. Ich will arbeiten, bis ich umfalle. Und das werde ich. Schönes Wochende.

So 22.03.26 12:41 sonnig

Gedacht war das anders. Gedacht war, es ist kein Krieg. Es ist schon lange nirgendwo Krieg gewesen. Aber das hat nicht geklappt. Der Mensch ist ein Idiot, der seine Freiheit nicht erträgt. Trotz allem ist Sonntag. Gedacht war, ich säße in der Sonne. Die neue Maschine vor mir auf dem Tisch. Sie wartet auf mich. Sie will, dass ich sie aufklappe und zutexte. Das Licht hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich sah den Cursor nicht. Erst dachte ich, er sei weg und ich müsse wieder Knöpfe drücken. Ich will aber aus bekannten Gründen keine Knöpfe mehr drücken, man weiß nie, wohin das führt. Ich bin also rein gegangen, und natürlich war der Cursor noch da. Wo hätte er auch hingehen sollen? Was ich noch nicht so recht beherrsche, ist das Führen des Cursors mit dem Finger auf dem Touchpad, falls das so heißt. Das flitscht er mir immer noch weg, denn ich habe den Cursor Jahrzehnte mit dem Knopf in der MItte der Tastatur geführt. Gedacht war also die Eröffnung der Schreibsaison auf dem Balkon. Es war Kaffee gekocht, die Elstern flogen herum und manchmal sah es so aus, als stritten sie, meist aber schien mir, sie spielen. Dann fällt einer im siebzig Grad Winkel aus der Birke, die Flügel sind kaum ausgeklappt, die Schwanzfeder ein wenig gespreizt, und die andere fällt hinterher. So ist das eigentlich gedacht und den Menschen und Tieren. Schade, dass es nur bei den Tieren klappt. Aber man soll sie nicht idealisieren. Sie kämpfen auch. Um jeden Bissen. Um ihr Terrain. Wenn sie töten, ist es meist eine andere Art, ihre Nahrung. Untereinander töten sie auch, aber eher selten. Gedacht, getan. Wenn es doch dasselbe wäre. Ich habe mich reingesetzt. Auf der Fensterbank stehen noch Geburtstagsblumen, ein Riesenstrauß weißer Lilien. Draußen arbeitet der Frühling. Alles schwingt. Alles ist aus dem gleichen Material. Ich versuche mitzuschwingen.

15:54

ich habe wieder eine schraube locker
die angst hatte sie mir fest gesetzt
der motor lief kaum
wenn gestotter
ich dachte ende ist
entsetzt
potzblitz
ein unmordernes
wundervolles altes wort
beschreibt jetzt wieder
meine gegenwart
die welt ist schön wie eh und je
potzblitz nur eine schraube
und ich seh

Mo 23.03.26
9:23 sonnig

der tag füllt sich mit goldner luft
ich sitz im schlafanzug
der kaffee für die königin
treibt bittersüßen duft
für alle gibt es heut genug
sogar die wächter an den apparaten
glauben an das besondere
doch dann erscheint das andere
und alles ist verpufft

Di 24.03.26 12:06

Drei Löcher für rote, schwarze Johannis- und Stachelbeere gegraben.

22:05

Wir haben gegessen, als ich von Oxfam kam. Danach habe mich aufs Ohr gelegt. Als ich gegen acht aufwachte, hatte ich Bierdurst. Ich habe selten Bierdurst und erzählte der Frau davon. Sie hatte ihn auch. Vielleicht liegt das am Bärlauchpesto. Ich baute meine Batterie ins Rad, klemmte mir die Fingerkuppe des Mittelfingers der linken Hand, bemerkte im Licht des Supermarkts, dass sich eine ordentliche Blase gebildet hatte, kaufte Bier, fuhr heim und war froh, dass ich Feierabend hatte. Sollten die andern Tango tanzen. Ich tanze für mein Leben gern, aber das Drumherum stößt mir immer häufiger auf. Da ist etwas falsch, und alle tun so, als wäre es richtig. Da ist etwas in den falschen Hals gekommen und in den Kopf gestiegen, oder ich bin da falsch. Jedenfalls war ich stolz, dass ich nicht hingefahren bin, um falsch zu spielen. Zum Klavierspielen gehe ich heute auch nicht mehr in den Keller, obwohl es mich reizt. Ich nehme mir ein Buch, muggle mich in mein prächtiges Bett, sehe die dunkle Birke im Wind, lese ne halbe Stunde, dann ist richtig und gut gewesen.

Mi 25.03.26 14:46 windig und feucht

Die Frau ist beim Friseur. Der Friseur ist ein Kurde. Sie schwärmt von ihm. Ich habe meinen Kleiderschrank auf- und ausgeräumt. Zwei große Taschen warten auf den Container. Ich habe die Betten bezogen, E-Mails an Veranstalter geschrieben, Kaffee getrunken und mir Reels angeschaut. Gestern kam eine Mail. Eine Mary Caafe vom Banter Books Club schrieb, sie sei auf meine Werke gestoßen, auf diese einzigartige Mischung aus Alltag und Humor, Absurdidät und überraschende Wendungen. Genau diese Authentizität und kreative Freiheit spräche viele Leserinnen und Leser heute besonders an. Ihr Club versuche, Leser für solche Arbeiten zu finden. Hm, dachte ich, ein bisschen geschmeichelt. Dann dachte ich, steht das nicht alles in Rezensionen auf meiner Webseite? Was so eine Mitgliedschaft denn koste, fragte ich. 457 Euro, schrieb Mary. Das kann ich mir nicht leisten, schrieb ich und Mary schrieb, sie schätze meine Ehrlichkeit, aber ich könne in Raten zahlen. Ich bat die AI, ein paar Sätze zu mir zu schreiben. Hoppla, das ist ja merkwürdig! Ich konnte leider keine Informationen zu einem Dichter namens Hermann Mensing finden. Bist du sicher, dass der Name richtig geschrieben ist oder dass ich ihn richtig verstanden habe? Manchmal schleichen sich da ja kleine Tippfehler ein. Vielleicht gibt es ja einen ähnlichen Namen oder er ist unter einem Pseudonym bekannt? Lass es mich wissen, dann versuche ich es gern noch einmal! Ich beschließe, mich umzubringen, weiß aber noch nicht wie. Es klopft. Der Nachbar steht vor der Balkontür. Er hat selbstgemachten Senf und eine Gewürzmischung für uns. Ich beschließe, weiter zu leben.


Do 26.03.26 10:56 Regen, Graupel, Sonne und Wind

Die Frau schwört auf Blumenerde von Aldi, der 20 Liter Sack zu 1,49, im Gartencenter fast 8. Ich kupple meinen SUV ans Rad, von Nordwest ziehen dunkle Wolken heran. Wir fahren los. Im Supermarkt schieben zwei Kindergärtnerinnen einen Wagen, in dem sechs Kinder hocken. Eines beginnt zu weinen. Gleich darauf heulen alle. Sechs Säcke passen in den SUV, dazu 15 Töpfe mit winterharten Pflanzen. Der Himmel ist düster. Es ist unangenehm kalt, und als alles verstaut ist, beginnt es zu graupeln. Ich träume vom Süden, schalte das E-Bike auf die dritte Stufe und fahre los. Bei jeder Bodenwelle schiebt der SUV. Zuhause fahre ich in den Garten, stelle das Rad ab und kupple den SUV ab, um ihn in eine Ecke der Terrasse zu schieben. Mein Rad stürzt um, reißt ihres und das Vogelhäuschen gleich mit. Statt mit der Schulter zu zucken, anzufassen und alles wieder hinzustellen, muss ich mir anhören, ich sei nicht sorgfältig etc. pp. LMA, sage ich und die Stimmung gleicht sich dem Wetter an. Sechs Grad, es schneit. Meine Hosenbeine sind feucht, meine Füße sind kalt, der Süden ist weit, Frieden ein Fremdwort.

Fr 27.03.26 8:25 sonnig

dem dichter
war durch dichtung nicht mehr beizukommen
die flansche waren undicht
und die sechskantmuttern rosteten
in seinen leitungen klang fernes summen
die rohrzange im keller fand er nicht
die arbeit mit der biegezange war misslungen
es tropfte überall doch kein gedicht
kein wort das heller schien wurde gesungen
und er beschloss, so geht das nicht
er drehte die ventile zu
er fluchte und zwang sich zur ruh
er zischte sich ein frisches kaltes bier
und setzte alles das hier
dort wartet er seit 77 jahren
die lage ist verfahren


Sa 28.03.26 12:21 Regen, Wind, kalt

Die Frau fühlt sich unverstanden. Der Mann ebenso. Das ist eben so bei Männern und Frauen, sagte eine Freundin vor Jahren. Warum zieht es sie seit Adam und Eva dann immer wieder zueinander? Um Kinder in die Welt zu setzen? Um sich die Welt untertan zu machen? Er hat zwei Kinder. Er weiß, was Schicksal ist. Das reicht, sagt der Mann, dreht die Heizung auf und füllt eine Wärmflasche. Er will lesen. Das Buch heißt Mann und Frau, geschrieben von Zeruya Shalev, einer israelischen Kollegin. "Magie - hier ist ungeheure Magie am Werk. Ein fabelhaftes, ein glänzendes Buch, rief Herr Reich-Raniki, als es 2000 im Berlin Verlag erschien. Mein Roman erschien gerade im Elsinor Verlag, und es gibt eine erste Reaktion. Leider nicht von Herrn Reich-Ranicki, der ist 2013 verstummt, auch nicht von anderen Großsprechern der Szene wie dem Inquisitor Scheck, sondern von der Buchhandlung Ernster (Esprit livre) aus Luxemburg, die schreibt: Dieses Buch ist wirklich außergewöhnlich. Es ist sowohl ein sehr fesselnder Thriller als auch ein sehr authentischer Gesellschaftsroman. Der Mann würde kürzen. Dieses Buch ist außergewöhnlich, würde er sagen. Er ist sowohl ein fesselnder Thriller als auch ein authentischer Gesellschaftsroman. Die Frau scheint eifersüchtig. It will soon pass, whatever it is, sagt Bobby McFerrin. Der Mann hat ein kleines schlechtes Gewissen. Als er kurz vor Mitternacht ins Bett gehen wollte, saß die Katze vor der Balkontür. Er öffnete, sie kam herein und strich durchs Wohnzimmer. Du kannst nicht über Nacht bleiben, sagte der Mann. Die Katze (weiblich) verstand sofort, entzog sich ihm aber.unter den Tisch, dann, nach erneuter Aufforderung und der Erklärung, der Mann habe ja nicht einmal ein Katzenklo, eng am Sofa entlang, zwischen Heizung und Sessel zur Tür, wo sie ihn noch einmal anschaute und hinausging. .Der Mann schloss die Tür. Die Katze setzte sich davor und schaute ins Zimmer. Der Mann löschte das Licht. Die Katze saß noch immer davor. Ich hätte die Balkontür öffnen und die Jalousie bis auf eine handbreit herunterlassen können, hat er noch zur Frau gesagt, die schon halb schlief. Die ist keine Streunerin, hat die Frau gesagt. Die gehört irgendwohin. Fasst man eine Katze falsch an, reagiert sie sofort, dann ist alles wieder gut. Behandelt man eine Frau nicht richtig (und niemand hat es einer Frau je recht machen können) kaut sie Tage darauf herum. Manchmal zieht der Mann Katzen vor. Sie sind so elegant und so bei sich und tragen einem nichts nach.


So 29.03.49
12:02 sonnige 8 Grad

Der Mann leidet offenbar an einer durch die Zeitverstellung verschuldeten Amnesie, er hat seine Telefonpin falsch eingegeben, hat gedacht, hä, das kann doch nicht sein, hat es wieder und wieder versucht, hat alle denbkbarten Pins ausprobiert, nur die richtige nicht, hat hyperventiliert, so dass sein Handy sich sperrte und nochmal sperrte, und noch 19 Minuten gesperrt ist. Mittlerweile ist er sicher, dass es nur diese 4stellige Zahl sein kann, die er immer eingibt, aber eben nicht heute früh. Was also tun? Sich beim Kundencenter der Telecom einloggen, Kundennummer und die letzten 6 Ziffern der IBAN bereithalten, das Problem erklären, die PUK notieren, die, so der Serviceberater, in das für die PIN gedachte Feld einzugeben ist, um eine neue PIN zu erstellen, aber nicht 1234.

17:50

Mit einer gewissen Kopflkosigkeit habe ich es gegen eins soweit gebracht, dass ich für fünf Stunden ausgesperrt bin. Dabei war mir meine PIN wieder eingefallen, aber sie war es nicht. Was zum Teufel habe ich denn all die Jahre eingegeben, dass es mir jetzt nicht einfällt. Du Idiot, sage ich, weiß aber, dass so etwas auch anderen ständig passiert. Ich bin jetzt eine Stunde und 6 Minuten vom nächstmöglichen Versuch entfernt. Allerding gibt es noch ein Problem: das Tastenfeld, das sich nach Ende der Vollsperrung öffnen müsste, öffnet sich nicht. SIM Karte ausbauen, bisschen warten, damit zwänge ich es, heißt es im Netz. Ich bin gespannt.

20:30

Auch der letzte Versuch ist gescheitert, ich werde morgen zur Telecom fahren und wette, dass sie das Problem ist kurzer Zeit beheben.

21:27

ich sitz in meiner uniform
mit knöpfen überall
mit nägeln vorn
und schlössern
mit löchern zum bewässern
mit einer nummer
die ich nicht vergessen darf
mit sätzen
die ich nicht verrate
ich sitze
mir tut alles weh
ich sehe und ich warte
ich höre lese
mach mir einen reim
ensetzt von dem gewese
mir ist unheimlich
was man wahrheit nennt
was auf truth social
bis zur unkenntlichkeit verbrennt
stattdessen feuerwerk
mit gold und licht
ich will das nicht
kapitalisten finden´s geil
ich schnappe mir ein beil


Mo 30.03.26
21:58

Der Mann sitzt bei denen, die sich vor den Dönern gegenüber des Bahnhofs finden, er raucht, ohne dass er es genießen könnte, er sitzt da und denkt, bei Systemwechseln gibts immer Ärger, allein der Datentransfer vom alten zum neuen Rechner könnte einen zur Weißglut treiben, aber dass dann auch noch das Handy abschwirrt, ist ein bisschen ville, und als man ihm im Telekomshop sagt, trotz PUK könne das System nicht mehr gestartet werden, es brauche einen Reset, das machen wir nicht, gehen sie zu Dr. Ring Ding in der Windthorststraße, atmet er tief durch, geht und erklärt Dr. Ring Ding sein Problem. 89.99 sagt Dr. Ring Ding. Der Mann zuckt, er denkt, ich nehm es vom Spargeld. Eine Stunde, sagt Dr. Ring Ding, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Musiker. Deshalb sitzt der Mann bei den Arabern, Afrikanern, Indern. Die vom Balkan müssen woanders sein. Noch zwanzig Minuten, hat Dr. Ring eben Ding gesagt. Die vierzig Minuten vorher hat der Mann an einer zugigen Ecke vor Krimphove gesessen, einen schlechten Cappuccino getrunken, ein Küsschen gegessen, geraucht und geschaut, wie sie hin und her gehen. Auch hier kommen fast alle woanders her. In den Läden gibt es Billigtextilien für Muslima, Sonnenbrillen, Nagelstudios, Kioske, einen Geldautomaten und Billigcafes. Als der Wind auffrischt und ein Schauer herankommt, rückt der Mann näher an die Wand und trinkt aus. Der Schauer ist kurz. Ortswechsel Der Mann verlässt seinen Platz am Bahnhof und holt das Handy. Dr. Ring Ding sagt, der Mann müsse es nur noch einrichten, dann funktioniere es ohne PIN und Google. Das kommt dem Mann Spanisch vor. Er lässt es bei der Telekom einrichten. 30 Euro. Wir können alle Daten zurückholen, sagt Walid Chehab, mit dem der Mann sich gut versteht. Das muss doch ein feiner Job sein, mit so vielen verschiedenen Menschen sprechen, sagt der Mann. Chehab guckt kurz und sagt, geht auf die Psyche. Viele Arschlöcher? Ja, ne Menge, sagt Walid, verstummt und macht sich ans Einrichten. Fertig, sagt er irgendwann. Der Mann geht in die Eisdiele. Er checkt das Phone. Wo sind seine Kontakte? Er geht nochmal zur Telekom. Walid sagt, die könne der Mann zuhause synchronisieren. Er fährt heim. Aber er kriegt sie nicht synchronisiert. Der will ein Passwort und da soll er sich anmelden, er soll Codes eingeben, die Krätze kriegt er, aber immerhin, sein DB Ticket ist wieder drauf, die Vogelstimmenapp und Spotify, DuoLingo und FB, der ganze Mist, mit dem der Mann durch trübe Tage daddelt. Langsam muss Ruhe sein. Das Wasser war rauh. Der Himmel hing tief. Immer war etwas, und da der Mann nichts aufschiebt, hatte er zu tun. Dazu die nur langsam abflauende Sorge um die Frau. Gerade hat er im Keller noch ein paar Takte Klavier gespielt und mit Quarten experimentiert. Jetzt geht er schlafen. Und morgen fährt er noch mal zu Waled.

Di 31.03.26
20:12

Gestern, als es schon dunkel war, saß die Katze vor der Tür, am zweiten Tag in Folge, nachdem man sie wochenlang nicht gesehen hatte, bis auf einmal, da rannte sie nachts, als der Mann mit dem Rad auf den Hof fuhr, mit hocherhobenem Schwanz davon, als wäre er ihr Feind. Der Mann öffnete ihr. Sie kriegteein paar Brekkies, kaum eine hohle Hand. Dem Mann war die Packung von der Fensterbank gekippt, die Brekkies lagen am Boden, da hatte sie zu tun. Der Mann ging an den Tisch. Er war mit der Rekonstruktion seines Handys beschäftigt. Sie legte sich auf ihren Sessel, über dessen Lehne oft eines seiner Jacketts hängt. Die beiden reden nicht viel. Na du Süße, sagt der Mann, wenn er im Zimmer unterwegs ist. Schätzeken sagt er auch gern. Sie maunzt manchmal. Aber selten. Höchsten, dass sie mal ein halbes Auge wagt, und erregt mit dem Schwanz schlägt. Sie mag es zwar, angefasst zu werden, aber der Grat ist schmal. Als der Mann ins Bett wollte, ging er zu ihr und sagte, du musst jetzt gehen, du kannst hier nicht übernachten. Sie sah ihn an. Wirklich? Ja, hilft nix, sagte der Mann. Die Katze rührte sich nicht. Also gab er ihr einen kleinen Schubs. Sie ließ sich vom Sessel gleiten, ging langsam zur Tür und legte sich auf den Teppich. Seitlich, die Vorderbeine gestreckt, der Schwanz hin und her zuckend. Ne, ne, sagte der Mann. Er öffnete die Tür. Sie blieb liegen. Der Mann stupste sie mit dem Fuß. Sie stand auf, verließ das ZImmer, der Mann schloss die Tür, sie setzte sich davor und schaute herein, dann drehte sie sich um und ging.
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