September 2021                     www.hermann-mensing.de      

mensing literatur 

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zum letzten eintrag



Mi 1.09.21 12:50 bewölkt

der bauwagen grün
ein doppelbett
tisch stühle ein ofen
ein kleiner balkon eine bank
auf der weide hinter den eichen
stehen fischreiher
in der ferne brüllen rinder
wo ich westen verorte ist osten
was mich verwirrt
im westen müsste das meer sein
aber das meer ist hinter mir
und ich suche nach worten
die bestätigen
dass es einen ort gibt
wo die niederlande im osten
und dahinter amerika im westen lauert
wenn ich den ins tiefe gras gemähten wegen folge
die durch das gelände führen
treffe ich auf hähne mit sichelförmigen schwanzfedern
und fülligen halskrausen
weiß schwarz und tiefgrau
stolze hähne
die hennen folgen nur einem
der andere lauert
versucht sein glück
wird aber immer vertrieben
zwei riesige sauen
rot mit gekrausten borsten
suhlen sich in der sonne
ein bach mäandert durch die wiesen
der nahe eichenwald ist voller pilze
fliegenpilze vor allem
aber ihre natürlich nachbarn
die steinpilze finde ich nicht
es ist mild und schwach windig
hunde bellen
der nordwesten der grafschaft bentheim
ist tausendfach grün
auf den felder mais und kartoffeln
meinem kugelschreiber gefällt
dass ich ihn führe
er kennt den taumel aus zeit und raum
des barfüßigen sünders
und die wolken über den baumkronen
verraten ihm nichts
wenn der magnetische pol
sich nach nur eineinhalbstündiger fahrt verschoben hat
was ist dann erst in den 72 jahren vorher geschehen
denkt er
ich war doch dabei
ich habe miete gezahlt und feuer entfacht
aber seit der westen nicht mehr da ist
wo er sein sollte
spüre ich ein grobe verletzung meines instinkts
ich sitze mit dem rücken zum meer
ich könnte ohne ablenkung
gedanken zu ende denken
die zurecht rücken was falsch ist
gleich hole ich ein flugzeug vom himmel
gleich rufe ich um hilfe
kohlweißlinge umflattern den pol
der sich nicht vom fleck gerührt hat
wohin sollten sie auch ohne ihn fliegen
ich tappe durch feuchtes gras über den bach
wo kein irrtum mehr möglich ist
alles standhält und nicht bloß geschrei ist
wer mit mir in die irre geht
darf sich nicht fürchten
lieber westen
sei wieder da
wo du hingehörst
ich rieche dich (sind das meine füße)
oder wird gülle ausgefahren
die sonne kommt durch
ich bin die selbst gewählte gefahr
im rauschenden grün
habe mich versammelt
um aufzuschauen zu mir
will grüßen
aber die worte bleiben aus
keins genügt
alle sind abhanden gekommen
tropft regen
auf meinen gegerbten kopf
gehe in das dunkle zimmer
in dem eine sehr alte eiche steht
setze mich an die bar
schaue durch das spinnennetz nach süden
der lampe auf dem thresen
ist das licht ausgegangen
der welt das geräusch
alles kann falsch sein
alles kann das gegenteil bewirken
alle können irgendetwas
ich trinke einen schluck rum
der eine warme spur in den magen zieht
bin ich ein guter oder ein schlächter
erkennt mich die freiheit als ihren helfer



Fr 3.09.21 12:30 sonnig

Ich bog vom Rohrbusch in den Dingbänger Weg, als die Antriebswelle meines Rollers kaputt ging. Also schob ich ihn zurück nach Hause. Unterwegs wurde mir von jungen Männern aus der Nachbarschaft, die ich seit Kindersbeinen kenne, aber nicht auf der Stelle erkannte, weil sie jetzt Bärte tragen, Hilfe angeboten. Das hat mich gerührt.


Mi 8.09.21 16:20 sonnig

die ratte
war heut noch nicht da
wäre ich gestern schnell gewesen
& hätte festes schuhwerk getragen
hätt' ich sie tot treten können
in die falle geht sie nicht mehr
da waren zwei andere vor ihr
eine ist darin verhungert
der anderen gab ich die freiheit zurück
zum dank hat sie alle gewarnt
ich hätte sie mit benzin übergießen
und anstecken sollen
sie hätte geschrien & man sagt
dass dann alle anderen flüchten
sie war unterwegs zu den tomaten
erkannte erst im letzten moment
meine in pantoffeln steckenden füße
floh und ich hörte sie lachen
ginge es nach mir
dürfte sie leben
aber sie ängstigt die königin
also muss ich es tun


Do 9.09.21 22:30 sonnig tagsüber, kleines Gewitter gegen neun

tief angewidert
hat der gute mensch
nur noch die lüge
die vermeintlich tröstet
und weiß doch
diese welt ist schön
was hindert ihn
sich umzukrempeln
sich
& dann
den irrsinn aufzugeben
die lüge zu entlarven
dem leben das zu geben
was des lebens ist
und jedes surrogat
empört zurückzuweisen
du TEUFEL gehst
verpisst dich wixxxer

Fr 10.09.21 13:00 wechseln bewölkt, bisschen schwül


tief anGwidert
greift der mensch zu lüge
die vermeintlich tröstet
er weiß
die welt ist schön
was hindert ihn
sich umzukrempeln
den irrsinn aufzug
& die lüge zu entlarv
dem leben das zu
was des lebens
und jedes surrogat
empört zurückzuweisen
du TEUFEL gehst
verpisst dich wixxxer

18:29

Es ist lange her, dass ich Die Wand von Marlene Haushofer gelesen habe. Gestern sah ich Verfilmung des Romans, und wusste nicht mehr, ob die Bilder dem entsprachen, was ich mir einmal lesend fantasiert hatte, oder ob es Erinnerungen an den Film waren, den ich - ebenfalls vor langer Zeit - schon einmal gesehen hatte. Das Buch hebt sich von anderen durch seine mächtige Geschichte ab. Der Film durch seine Bilder. Ich sitze am Spätnachmittag und versuche, meinen Schreibrhythmus, den ich in den zwei Monaten meines Dorfschreiberdaseins so strapaziert habe, dass er verloren ging, wiederzufinden. Das macht mich unruhig. Arbeit bis an den Grund der Erschöpfung würde helfen, einfache Arbeit, die jeden Gedanken verjagt. Ich wüsste auch, welche, gehe ihr aber aus dem Weg.


Do 23.09.21 13:20 blau weißer Himmel. Wind

gerade war ein schritt
das ende eines zweifels
auftritt, worte, teufelsritt
kollision am fels

des eitlen mit
der seltsam anderen art
der man nachjagt
viel vergiebt
liebt und meistens nicht
versteht

sturz mit kratzer
nicht einmal ein tropfen blut
selbstverschuldet
ausgangspunkt für ihre wut
die in schweigen kippte brütete
und noch stunden wütete