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mensing literatur
 

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Mit 1.11.17 13:15 bewölkt, 10 Grad

halbedel seidenstein
fein mutter bleicher schein
großvater rauscht verrat
viel abend apfel tat


Do 2.11.17 12:13 wechselnd bewölkt, 10 Grad

Ob ich Kaffee wolle, fragte man, und ich sagte, ja gern. Der Kaffee kam, eine große Tasse mit aufgeschäumter Milch. Die Dunkelheit überfiel die Stadt, wir redeten, ich nahm eine Praline. Der Kaffee schmeckte komisch. Kein Wunder, in der Tasse war nur Milchschaum, der darauf wartete, dass ich den Kaffee aus der kleinen Bodumkanne, die daneben stand,
hinzu goss.


Fr. 3.11.17 17:27 Vollmond 11 Grad

Wein steht auf dem Tisch, Worte strecken ihre Füße, ich werde eine Leine spannen und sie zum Trocknen aufhängen. Wenn sie mich retten sollen, müssen sie sein wie ich. Abgehangen, ängstlich und voller Mut, humorvoll, todernst, vor allem müssen sie können, was ich nicht kann: Allein sein.


So 5.11.17 12:48 bewölkt, 9 Grad

ich höre ihn von fern
jeden tag
wird er ein bisschen lauter
is nix flüstert er
alles gut alles im lot
er lügt er hat recht


Mo 6.11.17 9:20 bewölkt, knapp über null Grad

Als ich zum ersten Mal feststellte, dass ich Dinge tun konnte, war Mittsommer. Ich hatte mit anderen gefeiert und war allein zurückgeblieben. Auf dem Heimweg kam ich an einer Kuhwiese vorbei. Die Kühe schauten mir nach. Legt euch, sagte ich. Sie knickten ihre Vorderbeine ein und legten sich. Verdaut, sagte ich, und schon fingen sie an. Auf den Rücken! Sie rollten sich auf den Rücken. Das sah ein bisschen ungehörig aus, deshalb riet ich ihnen, aufzustehen und Haufen zu scheißen. Seitdem ist nichts mehr, wie es war. Bald mache ich die Welt gesund. Bald werde ich den Zauberspruch sagen. Die Welt ist schön. Ohne uns wird sie blühen.

21:00

Ich hatte die Leica eingesteckt. Montags, hatte ich gedacht, montags ist sicher nichts los in der Stadt, wer fährt montags schon Kutsche. Es war kalt, aber mit Rangieren hielt ich mich auf dem Prinzipalmarkt zwischen halb eins und halb drei in der Sonne. Um drei hatte ich eine gebuchte Tour. Zwanzig vor standen drei asiatische Frauen neben der Kutsche. Ein sehr kleine dicke mit sehr großer Sonnenbrille, sehr bubigem Bubikopf, blauem Pullover und Selfie Stick. Die anderen zierlicher, ebenfalls Selfie-Sticks. Ich wusste nicht recht, Japaner, Chinesen, Koreaner? Eher Chinesen wegen der sehr kleinen Dicken, andererseits... keine sprach eine der mir bekannten Sprachen, jedenfalls nicht so, dass ich sie hätte identifizieren können. Da ich aber auf Englisch zu erklären versuchte, warum sie nicht fahren könnten, und sie bis auf die kleine Dicke, die mich durch ihre große Sonnenbrille giftig anschaute, heftig gikkerten und nickten, nahm ich an, dass sie letztendlich doch Englisch gesprochen haben mussten. Sie gingen dann weg und mein Telefon schellte. Man teilte mir mit, dass die 15:00 Gäste sich zwanzig Minuten verspäten würde. Jetzt waren die Asiaten weg. Seit zwölf hatte ich gestanden, hatte die kleine Runde gedreht bis zu Lamberti, die mittlere durch das Michaelistor am Domplatz vorbei, Pferdegasse und zurück, oder die komfortable große, die ich als zwanzig Minutentour verkaufe. Wenn ich in engen Kurven nicht aufpasse, muss ich zurücksetzen, der Wendekreis der Kutsche ist erbärmlich. Ich hatte also Zeit, zu schauen, und während ich gestern zweimal gefragt hatte, ob ich fotografieren dürfe, habe ich heute heimlich fotografiert. Oft habe ich die Köpfe so an-ab-oder durchgeschnitten, dass Persönlichkeitsrechte nicht verletzt werden, bei manchen habe ich das Foto so fokussiert, dass Gesichter aussehen, als seien Menschen bei langer Belichtszeit durchs Bild gelaufen. Ich hatte also Langeweile und Spaß. Ich hatte auch wieder Momente, in denen ich dachte, ich mache jetzt Winterpause. Erstens bin ich eine älterer Herr, zweitens ist die Bezahlung eine Unverschämtheit, kalt war es außerdem, feucht auch ztunehmen, auf dem Kutschbock tut mir der Rücken weh, aber ich habe Spaß.


Di 7.11.17 10:35 Hochnebel, um die 0 Grad

Er war mir gleich aufgefallen mit seiner deutschen Michelmütze, schwarzweiß, quergestreift, Bauch und Hüften, Flanellhemd. Blech bzw. Messing und Silber in Nase und Ohr, im linken Ohrläppchen ein von den afrikanischen Völkern abgekupfertes Loch, das umso größer, um so cooler zu sein scheint. Südeuropäer mit Schwerpunkt Türkei oder Naher Osten. Er hatte den Prinzipalmarkt gekreuzt, stand unter den Arkaden vorm Rathaus und ordnete seine Kleidung neu. Beide Hände hinter den Hosenbund, hochziehen, rücken, gut so. Das karierte Hemd in die Hose stecken, aufschauen, umschauen, diagonal auf mich zusteuern und im Vorbeigehen sagen: Wie oft haben sie dich heute eigentlich schon nach dem Namen deines Pferdes gefragt? Dann lacht er. Ich lache auch. Die Kutsche ist meine Bühne. Die Fortführung meiner literarischen Arbeit mit anderen Mitteln. Hin und wieder fragen Menschen, die mit mir gefahren sind, was ich früher getan hätte. Wenn ich Kinderbücher geschrieben sage, sagen sie, sie hätten sich gleich sowas gedacht.


Mi 8.11.17 18:14 grau, kalt

Ich wollte ein Foto hochladen, Tag, Stunde, Minute und Sekunde nennen und erzählen, wie das war, als ich im Keller Lichtschalter und Waschmaschinen fotografiert hatte, und auf das Motiv aufmerksam wurde, aber ich hatte vergessen, wie man hochlädt, weil das Hochladen von Fotos ein wenig Konzentration verlangt, die mir nach vier Stunden Kutschfahrt und vierzehn verschiedenen Menschen, denen ich Münster erklärt hatte, abging. In der Erzählung vom Fotografieren allerdings gehe ich nun nach oben und setze mich ans Klavier. Ich habe die ersten Töne gespielt und überlege, ob sie irgendwohin führen, da sehe ich das Motiv, dessen Foto ich hochladen wollte. Es regnet. Die Wiese ist aufgeweicht. Ich gehe durch den Keller nach draußen, nähere mich ihm auf Zehenspitzen und fotografiere. Gestern habe ich das Foto wiederentdeckt, und es gefällt mir noch mehr, als beim ersten Hinsehen. So war das. Ich trank einen Kaffee und dann klappte das Hochladen wieder.



 

Sa 11.11.17 11:12 grau, kalt

Heute abend tanze ich Tango. Da kann die Welt Herbstlieder singen, Regenschleier weben, Windbräute über Land jagen, ich will tanzen, denn morgen bin ich tot oder nicht.

17:50

Schon seit Wochen nehme ich weder ab noch zu, obwohl ich Kalorien zähle und weit unter Bedarf bleibe. Nicht, dass Sie das falsch verstehen, ich hungere nicht, im Gegenteil, ich esse alles und gut, aber immer nur die Hälfte. Nun hörte ich von anderen, dass auch sie nach einer Weile des Abnehmens auf einem Plateau gelandet wären, auf dem kein Pfund mehr schmolz. Man müsse da durch, sagte man mir, der Stoffwechsel habe registiert, was los sei, strebe wie immer die Erhaltung des Systems an und weigere sich daher, noch mehr Substanz abzugeben. Nach einer Weile aber ändere sich das wieder. Ich bin bei 90 Kilo. Ich will 85. Mehr nicht. Da ich nicht hungere, hält mich nichts davon ab, weiterzumachen. Im Frühjahr werde ich mein Ziel erreichen. Darauf freue ich mich. Und sonst? Was könnte man sonst sagen zur Welt? Angenommen, man wäre ein Schriftsteller, ein autonomer Mensch, an nichts gekettet, ein freier Mensch, der seine erste Geige spielt, was könnte so einer sagen? Zur Welt? Zur Gegenwart? Oh, könnte er sagen, die Welt ist unsagbar schön, ich bin unsagbar dumm, so wie ihr, ich kann mir noch soviel Mühe geben, ich werde dumm bleiben, ihr auch, und es steht zu befürchten, dass wir dumm sterben. Was für eine Verschwendung. Was für eine furchtbare Tragödie, wo wir doch alles erreichen könnten. Sogar das Paradies könnten wir zurückerobern. Mehr weiß ich auch nicht. Außerdem sollen mir meine Weisheiten gestohlen bleiben.


Mo 13.11.17 10:56 sonnig, 5 Grad

Wo all die Freunde wären, fragte ich mich, und die Söhne, und die Bekannten, wo die alle abgeblieben wäre, was die täten, wieso sich niemand um den anderen kümmere, ob das damit zu tun habe, das man von früh bis spät um sein Auskommen kämpfe, oder ob das einfach das Ergebnis falschen Lebens, falscher Erziehung, nicht vorhandener Werte sei, oder letztlich doch die Einsicht, die einem das Alter links und rechts um die Ohren haue, das Alter nämlich, das sich überall rumschleicht, da kann ich tanzen soviel ich will, da kann ich Fußballfelder umgraben und Grünzeugs pflegen, da kann ich Töne sortieren und Fotos machen, alles alles alles kann ich tun, es hilft nichts, es springt mich von allen Seiten täglich an. Es wird der Herbst sein, beruhige ich mich, es ist der Herbst, der Lebensherbst, der Jahresherbst, das heraufziehende Weihnachten, es ist das Leben, um das ich mich seit 68 Jahren drehe, diese aufregende, atemberaubende Leben, das niemandem Zeit lässt, sich zu kümmern, weil man sich ständig kümmern muss und nichts sicher ist, nie. Das wird es sein, sage ich mir und schlage mich zum Ritter, schließlich habe ich die Wahrheit nicht gescheut, die da heißt ... ach, das wissen Sie selbst ganz genau. Also. Die Sonne scheint. Das Bett muss bezogen, die Wäsche gebügelt, der Tag muss begangen werden wie ein Gottesdienst, ja, meinetwegen wie ein Gottesdienst, denn der Tag ist Gott, jeden Augenblick ist der Tag das Universum in Groß und Klein, in Gut und Böse, yessir, Mensing, du warst in Binsweisheiten schon immer ganz groß, aber im Rest eher ärmlich.


12:48

Ich lebe seit 34 Jahren in dieser Wohnung. Vom Wohnzimmer schaue ich gern hinaus. Die Silhouette hat sich bis auf das flache Dach zu Beginn der Schulte-Bernd Strasse nicht verändert. Die Häuser sind die Häuser, die Straße die Straße, nur bei Dächern, Sträuchern und Büschen tut sich ständig etwas. Heute scheint die Sonne. Ich liebe das Licht und habe es nötig. Da es im Überfluss flutet, kann ich ungefährdet von gestern erzählen. Ein durch und durch grauer Tag.

Ich werde mit dem Gefühl wach, eigentlich wäre es jetzt schon 8. Ich koche Kaffee. Kanne, Tasse mit Zucker und aufgeschäumte Milch stelle ich aufs Tablett. Das bringe ich mir ans Bett, stelle es ab, lege mich hin, gieße ein, passe auf, dass ich nicht kleckere, rühre um. Ich lese Zeitung. Ich schaue nach, wie viele Likes meine Texte und Fotos bekommen haben. Das tut der Eitelkeit gut, und es schmerzt sie.

Wenn ich aufstehe, frühstücke ich. Ich wiege das Ei, weil ich vergessen habe, wieviele Kalorien 100 Gramm Ei haben. Ich wiege den Teller, um aufs Gramm Müsli aufzufüllen. Das ist ein Ritual, das mich den Dingen näher bringt. Seit ich das tue, esse ich anders. Ich esse deutlicher. Ich rauche täglich Kraut. Ich trinke täglich drei bis fünf Tassen Cappuccino.

Gestern habe ich viel gelesen. Heute werde ich vorlesen. Zweimal die Woche lese ich Willi (Name geändert) vor. Die Stunde kostet 25 Euro. Willi hat einen getakteten Tagesablauf gekaufter Dienstleistungen. Er ist wohlhandend. Manchmal tut er mir leid. Willi sagt aber, dass er ein glücklich Mensch sei.

Als ich ihn fragte, ob die Voraussetzung für Glück so ein schwerer Schlaganfall wäre, wie er ihn erlitten hat? Nicht zwingend, antwortete er. Die Mediziner sagen, eine von Willis Gehirnhälfte funktioniere nicht. Im Augenlick lese ich Alexis Sorbas. Das macht sehr viel Spaß.

Früher las ich für 300 Euro die Stunde. Morgen fahre ich für Mindestlohn Kutsche. Ich schau den weißen Wolken nach, und fange an zu träumen, heißt eine Zeile aus ein Lied meiner Kindertage. Genau das habe ich mein Lebtag getan. Ich schätze mich glücklich. Ich lerne sehr viel von Willi. So wie ich alles, was ich weiß, von anderen Menschen weiß. Ein Grund, warum ich fast süchtig bin, sie zu treffen. Der andere ist, mich zu vergessen. Nur zu nah sollen sie mir nicht kommen. Ich habe Grenzen. Ich erlaube, oder erlaube nicht. Pause Maximale Aufmerksamkeitsdauer bis zur nächsten Übersprungshandlung: 46 Minuten. Kaffee. Und dann losfahren.

PS. Wer ist Ich?


Di 14.11.17 10:14 bewölkt, 2 Grad

Die Stadtmusikanten wechseln ständig ihren Platz. Ich grüße, sie grüßen zurück. Die vom Balkan sind Autodidakten, die aus Russland und/oder der Ukraine ausgebildete Profis. Einer mit russischer Laute und einer mit Balalaika. Die Akkordeonisten und der Tenor, der mit geschwellter Brust und mit ausgebreiteten Armen singt. Der mit der Klarinette, der beides kann. Dagegen wirken die Musiker vom Balkan wild. Auch sie sind in ständig wechselnden Besetzungen unterwegs. Ihre Instrumente sehen mitgenommen aus. Sie spielen Jazz und Schlager, sie improvisieren und oft verlieren sie sich. Der kleine Mann mit dem braunem
Hut, der eine gedämpfte Trompete bläst, hat ein abenteuerliches Verständnis von Melodie und Rhythmus. Neuerdings spielt er auch Flöte. Dann klingt er wie jemand vom Balkan. Wenn er All of me spielt, klingt er verloren. Und dann ist da noch die junge Frau mit der weißen Geige. Sie spielt nichts Erkennbares, Skalen, die an klassisches erinnern, aber nicht klassisch sind. Jeden Tag sind sie unterwegs. Zehn, fünfzehn Akteure. Unter den Arkaden ist viel Platz. Und dann sind da natürlich die Bettler aus Rumänien. Profis, die Ärmesten der Armen, die morgens in einem Transit mit Dortmunder Kennzeichen in die Stadt gekarrt und abends wieder abgeholt werden. Sie müssen krank sein oder krank spielen, ob und was sie wirklich sind, spielt keine Rolle. Ich verstehe nicht, wieso man sie nicht aus der Stadt vertreibt.


Mi 15.11.17 gegen Mittag, bewölkt 8 Grad

Im Heim war es unruhig. Erwin geisterte gegen halb drei heute nacht über den Flur und klopfte bei der Witwe. Die Witwe rührte sich nicht. Sie hat kein Interesse an Erwin, außerdem schläft sie sehr tief. Erwin wurde wütend. Zum Glück hatte der polnische Pfleger Nachtdienst. Pjotr ist groß und hat kräftige Hände, kann kaum Deutsch, aber was er kann, sagt er mit tiefer Zuneigung. Kommt der doch, altaar Maan, sagt er zu Erwin und Erwin ließ sich widerstandslos in sein Zimmer zurückbringen. Heute früh konnte er sich kaum erinnern. Ob er schlafgewandelt sei? fragte er mich. Woher soll ich das wissen, antwortete ich. - Ob es möglich sei, dass er dement werde? - Natürlich, sagte ich. In unserem Alter ist alles möglich. - Wie das denn dann wäre? - Woher soll ich das wissen, sagte ich. Ich erinnere mich ja nicht einmal mehr daran, was ich gestern zum Frühstück hatte. Also komm mir nicht mit Demenz. Falls es Demenz ist, will ich es nicht wissen. Irgendwann werde ich mich nicht einmal mehr daran erinnern können, dass es Demenz gibt. - Ist das so? sagte Erwin. - Vielleicht, sagte ich. Muss aber nicht. Gibt auch tausend andere Arten, die Welt zu verlassen. Aber nun mal was anderes, Erwin. Lass die Finger von der Witwe. Du weißt doch, dass sie verrückt ist. - Ja, ja, sagte Erwin, aber sie ist doch ein so guter Mensch. - Und? Du bist 84, Erwin. Sie ist 88. Willst du sie heiraten? - Nein. Aber ich dachte... - Das ist nicht dein Ernst? - Erwin wird rot. Die Tagespflege taucht auf. Resolute Mittvierzigerinnen, die alles ganz genau wissen. Erwin und ich gehen auf den Balkon. Mein Enkel hat mir Gras mitgebracht. Erwin will auch mal, aber ich lasse mir von Amateuren doch nicht mein Gras wegrauchen.

17:41

die nacht flicht schlangen in ein hirn
gefangen hangen sünden dort
sie tragen hochzeitsweiß und rot
ein ausgekleideter gedanke
bereit zu allem und die schlanke
auf trittbrettfahren abonnierte kunst
das glas hoch und das andere zur brunst
kein ärgernis hält diesen knopf
gestatten: name: wohnort: tropf

Do 16.11.17 11:26 bewölkt, 8 Grad

Meine Zukunft könnte wieder automobil werden. Seit kurzem gibt es hier ein Stadtteilauto, und in Kooperation mit den Stadtwerken kann ich als Besitzer einer Plus-Card für den öffentlichen Nahverkehr mit einer monatlichen Gebühr von nur 5 Euro, die auf meine Umsätze verrechnet werden, ein Auto mieten. Für kurze Fahrten rechnet sich das. Bei längeren Fahrten sind die Autovermieter billiger. Hertz etwa vermietet mir einen Astra für drei Tage ohne Kilometerbegrenzung für 94 Euro. Das wäre bei meiner anstehenden Reise nach Bergen aan Zee mit dem Stadtteilauto nicht zu machen, denn die verlangen zwischen 22 und 25 Euro pro Tag plus 22 bis 25 Cent pro hundert Kilometer. Übern Daumen sind es nach Bergen hin und zurück etwa 600 Kilometer.


Sa 18.11.17 10:00 bewölkt, ungemütlich.

Ich habe Kaffee getrunken. Ich habe keine Pläne, bis auf den einen, heute abend gehe ich Tango tanzen. Ich habe keine Freunde, meine Frau ist vor über acht Jahren gestorben. Ich betrachte das Leben als temporäres Ereignis und versuche, es nicht allzu ernst zu nehmen. Natürlich gelingt mir das nicht.

Wie die Dinge stehen, werde ich in diesem Leben keinen Ruhm mehr erlangen. Ich weiß, dass Ruhm nichts ist, worauf man stolz sein könnte, aber Ruhm ist das Einzige, was mich immer interessiert hat. Nur ein Gerühmter kann sich einbilden, dass man ihn liebt.

Der Tag ist grau. Um ihn zu ertragen, werde ich mir vorstellen, dass dienstbare Geister mir Champagner brächten. Draußen wartete meine Limousine, damit ich herumfahren und Co2 ausstoßen könnte. Jemand sollte mir Frühstück bringen. Ich bin zu faul, mir selbst eines zuzubereiten. Wer kommt, und putzt meine Wohnung? Wer ist dienstbar, wer tut alles für mich, ohne ständig etwas dafür zu fordern? Wer ist anwesend, ohne mir auf den Geist zu gehen? Alles geht mir auf den Geist. Die Welt ist eine unzumutbare Störung. Ich liebe sie. Niemand glaubt mir.