August 2001                                 www.hermann-mensing.de      

mensing literatur

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Mi 1.08.01           10:40

Verflixt. Frau S. B. H., erfolgreiche Illustratorin, gebeten, Gustav Klimperbein zu bebildern, stellt dumme Fragen. Etwa: Was hat der Hund mit Gustavs Problem zu tun? - Antwort: Nichts. Der Hund ist ein Freund. Und Freunde sind  wundervoll. - Wo gibt es eine Lösung, eine Auseinandersetzung mit dem Problem? - Es gibt keine Lösung. Ich schreibe nicht Geschichten, um Probleme zu lösen. - So. Und nun zu der Frage, die auf der Skala der zu stellenden idiotischen Fragen die meisten Punkte erhält: Was soll der Leser mit dieser Geschichte anfangen? - Ja. Ich weiß es nicht. Ich dachte, er würde sie lesen, ich hoffte, sie würde Bilder in seinem Kopf entstehen lassen, ich ging davon aus, dass die Poesie des Textes genug Kraft besäße, ihn in seinem Alltag ein wenig zu stützen.  Offenbar sieht das Frau S. B. H. ganz anders. Also ihr fehle da ziemlich vieles, sagt sie, sie könne mit dieser Fassung nicht arbeiten. An dieser Stelle sei ihr also ein freundliches aber bestimmtes: dann lecken Sie mich doch am Arsch... zugerufen.  

12:34

Dass Frau Silke B. H. vieles fehlt, ziemlich alles, wie sie sagt, will ich gern glauben. Für Anregungen immer ganz der Ihre....

20:24

Irgendwo zwischen Höpingen und Havixbeck hielt ich am Straßenrand und notierte mir den Plot der Heinzelmanngeschichte, der mir in den letzten Tagen nicht einfallen wollte und den Schlaf geraubt hatte. Jetzt werde ich nur noch schreiben müssen, aber das ist nicht schwer. 

 

Do 2.08.01     9:45

Fragte meine Söhne, wie sie sich eine Zeitmaschine vorstellen, da ich eine benötige, um die Heinzelmännchen dahin zurück zu bringen, woher sie gekommen sind. Wir diskutierten verschiedene Möglichkeiten, Schränke, in die man geht, Toaster, Türen etc., aber nichts davon griff, bis Jan sagte, ein Kleidungsstück wäre nicht schlecht, eines, das man überstreift und schon wäre man fort. Werde das in die fünfte Version einarbeiten. 

10:45

In aller großen Kunst ist ein wildes Tier: gezähmt. Bei Mendelssohn, z.B. nicht. Alle große Kunst hat als ihren Grundbass die primitiven Triebe des Menschen. Sie sind nicht die Melodie (wie, vielleicht, bei Wagner), aber das, was der Melodie ihre Tiefe und Gewalt gibt. In diesem Sinne kann man Mendelssohn einen 'reproduktiven' Künstler nennen. - Im gleichen Sinn: mein Haus für Gretl  ist das Produkt entschiedener Feinhörigkeit, guter Manieren, der Ausdruck eines großen Verständnisses (für eine Kultur, etc.). Aber das ursprüngliche Leben, das wilde Leben, welches sich austoben möchte - fehlt. Man könnte also auch sagen, es fehlt ihm die Gesundheit (Kierkegaard). (Treibhauspflanze.) 1940 (1)

10:55

Gleiches gilt auch für M. Das ist ernüchternd, aber man kann damit leben.  

16:51

Wie ich oben genannte Illustratorin verfüttere.

21:30

Was mich an großen Geistern wie Wittgenstein nervt, ist ihre Herkunft.  Immer steckt das Großbürgertum dahinter und hält ihnen den Rücken frei. Da, wo ich herkomme, muss man erst mal sehen, dass man die Miete zahlt. - Neidisch? - Nein, nicht neidisch. Böse ein bisschen. Aber sie können sie ja auch nichts dafür. 

 

Fr 3.08.01    12:54

Desaster! Seit gestern gelingt es mir nicht mehr, meine Webseite aufzurufen. Niemand weiß Antwort auf mein Problem. Dieser Ärger macht mich krank! Muss mich vorsehen, dass ich den Rechner nicht zum Fenster hinaus werfe. Ist dies der Anfang vom Ende? Armageddon??? - Ich glaube ja. - Ist dies überhaupt eine Webseite? - Ich glaube NEINN. - Danke dir, Marcel R. R. -  noch Eselsmilch?

17:25

Die Anzeichen verdichten sich, dass es sich um ein Serverproblem handelt. Das heißt: ich bin nicht abrufbar. Scheiße. Ich will aber immer und überall sein. Wofür sonst risse ich mir seit August letzten Jahre den Arsch auf, ihr Fickfressen. JA. Ich liebe vulgäre Ausdrücke. Sie lassen sich von mir sprechen, eh ich eingreifen kann. Vielleicht liegt es an meiner Sozialisation. Die Nähe zur Hollandsiedlung, in der viele halbstarke Verbrecher wohnten. Die Nähe zur Herbertstraße, die voll war von Halsabschneidern und Alkoholikern. Die häufigen Besuche von Onkel Hans, den ich liebte, weil ihm nichts gelang, und den ich bewunderte, weil er um sich schlug und die spektakulärsten Streits vom Zaun brach, die man bei Familienfesten jemals gesehen hat. Ja, da kommt vieles zusammen und ich kann es nicht ändern. Ich will es auch nicht. Ich fühle mich wohl, wenn es derb wird. Gestern Abend zum Beispiel. Ein Gruppe 18jähriger fuhr auf Rädern die Dorffeldstraße herauf. Fotze, Pimmel, Arschloch, Yeah!!! schrieen sie im Chor. Wollte ihnen ein fröhliches: Fickt euch doch ins Knie, ihr Arschgeigen! hinterher rufen, rief stattdessen: Ruhe da, oder ich hole die Polizei!!! Na, ist das Deutsch?

 

Sa 4.08.01   9:46

Im kleinen Samstagstheater treten auf: ein Radfahrer, ein Scotch-Terrier, eine Scotch-Terrier-Besitzerin: Der Radfahrer: ein Lied flötend im Südpark unterwegs. Der Scotch-Terrier: curryfarbene Verdauung auf den Gehweg absondernd. Seine Besitzerin: zwanzig Meter voraus, sich extra nicht umschauend. Der Radfahrer zur Scotch-Terrier-Besitzerin: Sagen Sie, wollen sie das nicht wegmachen? Ihr Hund sitzt da hinten und macht einen Haufen. Sie: Unser Hund tut das nicht. Er: Wollen Sie damit sagen, ich lüge? Sie: Unser Hund tut das nicht. Der macht keine Haufen. Das war Pippi. Er: Aber ich habe es doch gesehen. Kommen Sie, ich zeige es Ihnen. Sie: Nein, da weigere ich mich. Da gehe ich nicht hin. Unser Hund tut das nicht.... 

Und so weiter und so weiter. 

11:06

O  Glück. Jeder kann wieder lesen, was ich von der Welt halte. Ist das nicht überflüssigster Luxus? - Mein Sohn löste mein Problem gestern in Sekundenschnelle. Sagte, seit man versuche, die Standards des www. vom Wildwuchs zu befreien und zu vereinheitlichen, könne es sein, dass die browser meine index.html, mit einem Großbuchstaben beginnend, nicht mehr identifizieren könnten, da das www.  klein schreibe. Benannte sie daher in index.html um, und siehe da, sofort funktionierte alles wieder wie gehabt. Seltsam ist allerdings, dass mein Sohn mir nie erklärt, wie er derartige Fehler diagnostiziert. Er klickt sich in Windeseile durch die Programme und lässt mir keine Chance, ihm zu folgen. Er will wohl, dass ich dumm bleibe. 

13:42

Nach fast fünfzehn Jahren gelang es M., eine schissgrüne Teleskopstange und einen Duschvorhang, der krebserregende Substanzen ausdünstet, zu installieren, so dass es nun möglich ist, sich in seinem Wandschrank großen Badezimmer zu duschen, ohne die Wohnung zu fluten. Er nennt das "more than a Badezimmer". Und während draußen der Samstag  friedlich verstreicht, fragt er sich , ob er sich das so vorgestellt hatte? 

17:25

Sah einen männlichen Fasan mit sehr langen Schwanzfedern seltsame Tänze aufführen. Flog von links nach rechts, taumelnd eher, aber doch graziös, stieg auf- und ab, schrille Schreie ausstoßend, flog Rollen über den rechten und linken Flügel und war dabei so schnell, dass seine Farben den durchflogenen Raum ausfüllten. Wünschte mir noch im Traum, ich könnte das zeichnen. 

19:37

Eine Schwierigkeit, wenn man philosophieren will, ist die, offen mit sich selbst zu reden. Sich daran zu gewöhnen, zu sagen, was man gerne sagen möchte, sei es auch noch so dumm. Zum Gescheiten kannst du nur durch die Tiefen der Dummheit kommen. (2)

Gilt auch für Schreiber.

 

So 5.08.01   10:48

Ein verwaschener Vollmond hing überm Aatal, als wir mit dem Rad aus der Stadt kamen. Die Luft war kühl und man ahnte, was vor sich ging. Wie das Nachtlicht über den honigblonden Stoppelfeldern lag und der Wind sang! Brauchte nur eins und eins zusammen zählen und wusste, dass bald festere Kleidung nötig ist. Heute weht es vom Meer graue Wolken heran, Tauben erzählen von vergeblicher Werbung, bei der ihre Flügel klatschen und Luft schwingend zum Singen bringen, sagen, wie schwer es ihnen fällt, immer diese Bögen zu fliegen, aufsteigend, absteigend, ohne rechten Sinn. Wenn sie wüssten, wie gern wir das sehen. 

11:29

Zu sagen, ich wäre ein wenig ratlos, trifft die Sache nicht ganz. Auch Mutlosigkeit nicht. Vielleicht ist 'Ahnung' die treffende Beschreibung dieses Zustandes. Er ist nichts Besonderes. Er kommt und geht, wie Jahreszeiten kommen und gehen. Aber an Tagen wie heute macht er den Kopf schwer und die Knochen müde. Andere flüchten vor ihm in Gotteshäuser, wo silberne Messkelche gereicht und Oblaten gegessen werden, das habe ich aufgegeben, seit ich gleich nach meiner Konfirmation einmal ohnmächtig wurde und fast kopfüber von einer Empore gefallen wäre. Ich nahm ihm das übel. Außerdem sind die Reden, die über ihn geführt werden, meist sterbenslangweilig. Ich lege mich lieber aufs Sofa und spreche dort mit ihm. Leg dich nur, sagt er. Du musst ja nichts, sagt er. Mir genügt, dass du bist. Also reg dich nicht auf. Warte, bis es vorüber ist. Gut, sage ich. Ich versuch's.

 

Mo 6.08.01    8:28

Jetzt gleich, ja. Gleich mach ich's.

10:03

Ab jetzt herrscht Zukunft, sagte ich. Zukunft? sagte er. Zukunft gibt es nicht. Es gibt wohl den Augenblick, in dem Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit eins sind. Den gibt es.

17:25

Würde gern Herrchen und Frauchen erschießen, während sie ihren Hunden beim Scheißen in Vorgärten zuschauen. Würde gern PKW sprengen, die mit achtzig durch unsere Straße fahren. Könnte mir auch vorstellen, Nazis mit Knüppeln zu erschlagen. Würde dabei Heil Hitler rufen, damit sie's nicht vergäßen beim in die Hölle fahren. In jedem Fall aber sollte Blut spritzen, so dass man anschließend nur noch den Tod feststellen kann. Ich würde meine Hände dazu in Unschuld waschen und mich unzurechnungsfähig erklären. Gründe fänden sich bestimmt. Paranoide Schübe etwa oder Wahrnehmungsstörungen. Und wenn man den ersten Schritt in die Gewalt erst einmal getan, tötet es sich unbeschwert (sollte vielleicht Krimis schreiben).

 

Di 7.08.01    11:13

mein leben im netz: wie vor den kopf geschlagen starre ich  auf meinen laptop, der schon wieder nicht tut, was er soll. mir sind die Hände gebunden. ich weiß nichts von ihm, er macht mit mir, was er will, das macht mich rasend. nicht einmal gewiefte systemanalytiker haben eine erklärung für seine zicken. das schlimmste aber ist, dass ich über diesen ärger nicht denken kann, meine arbeit stockt, ich will, dass alles wieder funktioniert, doch so lange das nicht gewährleistet ist, denke ich an nichts anderes. habe es heute früh mit einem download probiert, aber das hat auch nichts gebracht. werde mich wohl entleiben müssen. dachte an den klassischen  kreuzstich: unterm brustbein einstechen, nach unten durchziehen, dann mit letzter kraft einmal von links nach rechts durch die schon geöffnete bauchhöhle, so liebt es der traditionsbewusste japaner. arrigato goseimashta. 

17:35

großer vater bill gates, der du in seattle haust, dein digitales reich komme, dein wille geschehe, wenn nicht heute, so vielleicht morgen. hast du nicht aller welt versprochen, sie anzuleinen an deine nullen und einsen, auf dass alles einfacher werde und schnell und problemlos? - stattdessen verwirrst du uns, spinnst uns ein in dein netz dir geldbringender monopole und vertreibst produkte, die uns zum deppen deiner gnade machen. so etwa dein internet explorer, der sich seit tagen weigert, bestimmte webseiten aufzurufen. - und warum? - vorhin fiel es mir wie schuppen von den augen: weil das http://  fehlt, von dem du versprachst, es jedem aufruf automatisch hinzuzufügen. - du hast mich belogen! du hast mir eine woche schlechte träume beschert, hast hektik verbreitet und die stimmung im haus auf den nullpunkt getrieben. verdammt seist du, bill gates, verdammt bis ins letzte glied!!! soll es verdorren im digitalen dschungel! hoch leben die hammer, die sägen, die meißel, mit denen wir dein imperium zertrümmern. 

21:02

Bleiern ein flacher Himmel überm späten Sommer. Luft streicht fürs Erinnern herum. Meine Augen liegen schwer und tief in den Höhlen. Ein Glück, dass meine Finger die Buchstaben auch mit geschlossenen Augen finden. Gute Nacht, das wird sich erst noch erweisen. Ansonsten: enttäuschend, dass man um Hilfe bittet und keine bekommt. Sehr enttäuscht bin ich. Aber das musst du nicht sein, sagt sie, das ist normal, die haben andere Sachen im Kopf. Ja, ja, sage ich. Ja, aber wir lieben sie doch, können sie da nicht mal helfen. 

21:54  

Die Mutter sagt: Wenn du das Leben nicht aushältst, räume den Schrank auf. Dann gehen die Sorgen durch deine Hände, und der Kopf macht sich frei. (3)

 

Mi 8.08.01     7:43

Morgens sagt man "Guten Morgen", haben Sie was zu besorgen, bringt ihm, was er haben muss, Pfeife, Tabak, Fidibus....(4)

12:33

J2583 Honorar lt. Vertrag für 3 Seiten à DM 100.-- in "Rechtsherum - wehrt euch!" - Diesen Betrag überweisen wir in den nächsten Tagen auf das Konto ... bei der ... Na, ist das nichts? Ich bin ein reicher Mann. Werde das Geld nächste Woche vielleicht in ein Bild investieren, das Chris und ich in der Kunstakademie gesehen haben. Geld muss sich materialisieren, dann kann man Freude daran haben. Auf der Bank ist es sinnlos. 

14:11

Ung - Pil Byen ist ein in Korea geborener Künstler, der seit einigen Jahren in Deutschland lebt. Wir sahen seine Bilder in der Kunstakademie. Sparsam und rätselhaft. Er arbeitet auch mit Animationen.

19:24

Erst die Brote. Mit Butter und Marmelade. Dann das Ei. Die Kuppe abgeschnitten. Dazu handwarme Milch. Es ist eine Freude, ihr zuzusehen.  Wenn alles auf ist, und erst dann, nimmt sie Tropfen und Tabletten ein, danach isst sie den Joghurt. Eine Stunde darauf vertilgt sie ein Pfund Erdbeeren und einen Matjes Hering. Strange mother my mother.  94 Jahre alt. Seit sieben Jahren bettlägerig. Blind. Schwerhörig. Guter Dinge. 

 

Do 9.08.01    9:08

Guten Morgen.

11:38

flashback: als ich die monitore sah, als ich seine hand hielt, die heiß war, als ich ihm durchs haar strich, wünschte ich, dass es zu ende wäre, jetzt, augenblicklich zu ende. als ich ging, war ich sicher, dass er es schaffen würde. aus den tiefsten tälern der verwirrung war er immer wieder zurückgekehrt in sein spätes, mühsames leben, also würde das auch dieses mal wieder so gehen. etwas anderes konnte ich mir nicht vorstellen, obwohl ich ihm den tod herzlich wünschte. (august 97) 

13:11 

Kleines Alphabet: U (als Umlaut)

Überdruss. Ich meine, keine Lust, aufzustehen, wenn man nur daran denkt. Nicht einmal mehr Lust, einzuschlafen, weil man weiß, dass man sowieso schlecht schläft bei dem Gedanken, morgen wieder aufzustehen, sich hinzusetzen und weiterzumachen. So ein Überdruss. Um dann doch aufzustehen, sich hinzusetzen, und Stunden zu hocken und nichts weiter zustande zu bringen, als etwas hinzuschreiben und wieder wegzustreichen, hin- und weg, hin- und weg, bis der Nachmittag kommt und man Kaffee trinkt mit der Frau, die zum Glück diese Gabe hat, einen auf der Stelle zu heilen von allem was mit Ü und sonstigen Buchstaben auf der Seele liegt, mit ihr auf dem Balkon zu sitzen, über dies und das zu sprechen um dann  innerhalb einer Viertelstunde all das zu schreiben, was man die ganze Zeit vorher hatte schreiben wollen. Dann kein Überdruss mehr, bis zum Abend vielleicht, kommt drauf an, was man dann tut

16:57

Diese Rezension erscheint im Bulletin für Jugendliteratur Nr. 10, also im Oktober. 

Das genaue Gegenteil von (...)  ist der 16jährige Steff in Hermann Mensings Große Liebe Nr. 1. Der teils lakonisch (nach den Lakoniern, den Spartanern: wortkarg, kurz, treffend), teils jugendsprachlich expressiv (ausdruckskräftig) geschilderte Anti-Held verliebt sich bei einem Jazz-Workshop in Polen in die Tochter des Hausmeisters. Als regelmäßiger SMS-Versender ist er medial up to date. Polen kommen trotz ihres zurückgebliebenen Musikgeschmacks (Led Zeppelin!) recht gut weg und ihre katholische Familienfixiertheit ermöglicht einige witzige Episoden. Aber könnte es sein, dass der Autor (Jahrgang 1949) seine eigenen bewegten Jahre mit der heutigen Zeit verwechselt? (Nein.) Würde heute wirklich ein 16jähriger HipHop-Fan zu einem Jazz(!)-Workshop reisen? Hätte er tatsächlich noch nie geküsst? (Peter Bräunlein) (in Klammern: eigene Anmerkungen.)

Lieber Herr Bräunlein.  

Sie glauben ja nicht, wie viele 16jährige Jazz-Workshops besuchen.  Sie waren wohl noch auf keinem??? - 

PS: Und auch das mit dem Küssen ist durchaus möglich. 

 

Fr 10.08.01   10:10

Hoch lebe die - die - äh.... 

Nieder mit dem internationalen - na - na, dem - äh..... 

12:18

Wer junge Menschen vernachlässigt, wer ihnen Chancen stiehlt, wer sie dem wild spekulierenden Kapitalismus als fast food vorwirft, darf sich nicht wundern. Ich wünsche mir Aufruhr! Ich hoffe auf eine breite Bewegung.  

15:34

Ich wäre nur unterwegs. Ich wäre hier und dort und ich müsste nicht. Ich müsste nicht einmal sagen, ich wäre. Ich dürfte nur. Ich könnte alles, ich wollte nichts, und wäre trotzdem nicht abgeneigt. Das wäre schön. Eines Tages könnte das sein. Nur heute wohl längst noch nicht. Schade. 

18:29

Dreimal im Monat, das wäre denkbar gewesen, aber da es in einer Nacht erledigt sein wollte, hatte er sich Hilfe geholt, professionelle Hilfe, die auch kam und half und die er weit schlechter bezahlte, als er für diese drei Einsätze bezahlt worden wäre.  Aber natürlich muckten sie nicht, denn sie kannten ja das Prinzip: wer die Arbeit stellt, hat Anrecht auf höheren Profit, als der, der sie tut. So waren schließlich alle zufrieden. Seitdem geht das Gerücht, er könne es, wenn er nur wolle, und man solle nicht davor zurückschrecken, ihn wieder um Hilfe zu bitten, wenn es, wie geschildert, dreimal in einer Nacht erledigt sein wolle, ja, neuerdings hört man sogar, dass er anbietet, es viermal pro Nacht zu tun, wobei nach genauerer Recherche jedoch heraus kam, dass er Kontakt zu osteuropäischen Hilfskräften aufgebaut hat, die noch billiger sind und es noch schneller und besser können, notfalls fünfmal, in Ausnahmefällen auch sechsmal, und das - unschlagbar - zum Preis von drei. Kein Wunder, dass sein Geschäft blüht und er expandiert. Und die schönen Autos, die er neuerdings fährt. Und die geschmackvollen Anzüge, die er trägt. Und die goldene SECHS FÜR DREI am Revers,  alles gediegene Handarbeit. 

 

Sa 11.08.01    11:42

Ich lebe und ich sterbe, der Rest ist nicht von Bedeutung. (5)

12:53

Klingt gut, wenn es ein Popstar sagt, ist aber Unsinn.

14:14

Da ist die große Brücke, da ist der Firth of Forth. Da ist der Bahnhof, das sind hohe Stahlbögen, das ist rußgeschwärztes Glas. Da ist das Schloss, der tiefe Graben, ein Glen?, darin der Park, da tanzen Männer in Schottenröcken zur Musik eines Schlagzeugs und eines Akkordeons. Er kauft ein Flake 99. Sie macht ein Foto von ihm. Dies ist der letzte Tag einer Reise.  

 

So 12.08.01     10:41

Der Verfasser erhält als Honorar 3% vom Nettoladenpreis zuzüglich ...% MWSt. der verkauften, bezahlten und nicht remittierten Exemplare. - 

Endlich ist es wahr geworden. Ich hatte immer von so etwas geträumt. Schöne Frauen, Ruhm, Reichtum. Ja. Ich bin glücklich. Ich kann verlangen, dass die Abrechnung des Verlegers durch Bescheinigung eines vereidigten Buchprüfers glaubhaft gemacht wird. Das Leben meint es gut mit mir. Es verfolgt mich bis in meine Träume. Ja. Ich versichere, dass mein Werk nicht Rechte Dritter verletzt. Ich räume dem Verlag eine Option auf der Erwerb der Verlagsrechte an dem nächsten von ihm zur Veröffentlichung bestimmten Werken. Mit Haut und Haar ganz der Ihre. Hochachtungsvoll M.   

16:47

Schönes aus dem katholischen Sprachraum: 

Herz-Jesu Bücherei - Magen-Darm-Maria Kindergarten  - Hämorrhoiden - Josef Schule

 

Mo 13.08.09     8:01

Nur zu. Ein strahlender Augustmorgen motiviert mit herbstlichem Grau und Temperaturen um fünfzehn Grad. 

9:17

Wir hätten keinen Grund. Wir hätten einen Grund.

11:50

Man findet einen alten Pullover. Man zieht ihn an und hat seine Gegenwart verlassen.  Man schaut sich um. Man ist im Jahr 74. Im Wohnzimmer mit den burgunderfarbenen Sesseln und dem mächtigen Sofa. Man sitzt unterm Fenster und tut so, als wäre man wichtig. Dabei hat man nur diesen Pullover an. Ob man ihn wieder ausziehen kann?  

13:01

Während ich an einer Arbeit Monate sitze, nimmt sich ein Kritiker ein- zwei Abende, vielleicht eine Woche, aber dann muss die Rezension fertig sein. Daher, Herr Bräunlein: ihren Einwand, ein 16jähriger müsse schon geküsst haben, entkräftet Steffs Beziehung zu Marie seit Pamperszeiten. Solche Mädchen könnte man küssen. Tut man aber nicht so gern. Mal davon abgesehen, dass niemand mit 16 verpflichtet ist, das zu tun, was andere in diesem Alter tun. Dass Hip Hop und Jazz eng verbunden sind, würden Sie wissen, wenn sie sich in der Popmusik auskennen würden. Als Namen kämen in Betracht: Guru, Jazz-Kantine, Fanta Vier, Freundeskreis....Noch etwas? - Nein. Im Augenblick nicht.  

 

Di 14.08.01    7:41

Die Bühne ist gerichtet. Wenn nur keiner Mist baut jetzt. Wenn alle ihre Sätze sagen, ohne sich zu verhaspeln, könnte die Vorstellung gegen Mittag vergessen sein. Also: showdown! Alle treten noch einmal auf, die Fäden werden verknüpft, alle verbeugen sich. Danke. Und ab. 

13:01

Melde, dass mich alle mal am Arsch lecken können. Melde, dass es ausnahmslos nutzlos ist; dass ich es dennoch tue, hat damit zu tun, dass ich nicht anders kann. Melde auch, dass ich fertig bin.  

14:05

Dies nur am Rande, ihr Christen. 

15:07

I think I am trying to clear my head of all the junk in there (...) I think I am trying to make my head as empty as it was when I was born onto this damaged planet fifty years ago. I suspect that this is something that most white Americans and nonwhite Americans who imitate white Americans, should do. The things other people have put into my head, at any rate, do not fit together nicely, are often useless and ugly, are out of proportion whith life as it really is outside my head. I have no culture, no humane harmony in my brains. I can't live without a culture anymore.  (6)

flashback: 

Mi 15.08.1969

    

Woodstock (war aber nicht da)

Do 16.08.01    9:37

Einsilbig fuhr er fort...

Ich war am Meer. Ein Tag vor heut. War da mit Zug. War viel Sonn. Hab brand. Ist kom. Lag doch im Schatt. Viel Mensch lag prall in der Sonn. Strand schwarz vor Köpf und Körp. Viel Fleisch. Nicht all ästh. Schön ab schwimm im Meer. Treib tot Mann. Dacht an das Lied, das mein Vat im sang. Wij gaan naar Zandvoort an de zee.... 

11:07

Kann nun tun, was ich will. 

11:42

Was will ich?

14:26

Sitz viel und denk. Kreis um den Brei. Strengt an. Auch nicht viel Lust. Leg mich lieb lang.

17:46

Hab Bild kauft. Heißt: "Chefinsel". Hängt üb Schrank. Schau drauf beim Ess. Ist kräf. Und grün. Gut Ar. 

20:22

Als wär ich in Watt packt, als hätt sich die Welt puppt, als hätt mein Geist kein Raum mehr, so fühlt sich das an, ist wohl das Wett. 

21:42

Kein Sinn macht, Text mit mehr Silb Wort zu kürz. Muss schon Text sein, der für ein Silb Wort schrieb ist. z. B.: saß grad im Gart und schaut zu, wie die mäus Mück jag. Flieg eng Kurv, schnell hin und her wie Tanz in der Luft sehr sehr schön.

21.51

Ob B. weg ist? Ist B. fort fahr? Post im Kast liegt schon seit gest.  

 

Fr 17.08.01    12:36

Heut früh Max und Freund zur Bahn in E. bracht. Fahr nach Am. Kom heut Ab rück. Dann Zim weiß strich. Muss sein für neu Bild. Jetzt Kaf und dann klein schlaf. 

13:36

Schlaf lässt auf sich wart. Dessen tacke von Angst. Kommt aus dem Nichts, breit sich im Kopf aus und wüt rum, bis man steht und sich schütt. Erst dann geht sie weg. Ab: Zim ist gut word. Riecht noch nach Farb. Dusch jetzt mein Angst weg. Viel dann Schlaf? 

15:25

Sitz und träum von ein Silb Rom. Wild schicht mit Mord, Tod und Lieb. Mög im schluss an Net Buch End dies Mon. 

17:25

Kommt ein Wort mit drei od mehr Silb, schreib ich die erst groß, jed and ab klein. Z.B.:  Anschluss = schluss  oder An.  Auch mög, das ich zwei Silb wähl. So weit so gut. 

 

Sa 18.08.01   10:08

All Welt macht Krach. Ei sägt, ei an bohrt, wied ei an strahlt Dampf. Ich ruf "Ruh ihr Arsch!" , ab kei hört, je macht weit. Sind glück, wenn sie  ar  kön. Hab Angst vor Ruh. Könnt ja was pass. 

14:15

Liegt auf dem Tisch. Ist nackt. Schnur hängt noch am Bauch. Ma ist mü. Pa ist auch mü. Bei sind glück. War ei lan Nacht. Gleich wird das Kind fer macht. Ei  Win um den Po. Dann husch husch schlaf. 

16:09

Vielleicht doch eher etwas für die Poesie? Wir denken darüber nach. 

 

So 19.08.01    10:33

Die Aussage: Grauenhafte Langeweile heute kann nach dem einsilbigen System in viele Varianten aufgelöst werden. Etwa: Grau Lang heu.  Oder: Haft weil te. Auch: Te le te. Man sieht: der Sinn verschwindet völlig hinter dem Klang der einzelnen Silben. Da ich das System ja gerade erst entwickle, nehme ich mir alle Freiheiten. Ich könnte also auch Buchstaben, die schon zur nächsten Silbe gehören, mit in die vorherige ziehen. Etwa: Graue weile heut. Oder: Grauen lange ute. Was mich fasziniert, ist der Klang dieser einsilbigen Gebilde. So viel zunächst.

Der mel klart auf, die Wolk gehn fort, ein Drit Tas Kaf, bit sag das Wort. Sag grauen lange ute. Und mach nich so ne Schnute.

19:51

Die fe qualmt, der Tag hat viel Hit auf das Land legt, nun ab ist bend und wir wart auf die Nacht. Wir zen das leis gehn, und hof den folg Tag zu erstehn. 

 

Mo 20.08.01     8:38

Das Verrückteste an der Einsilbigkeit ist, dass ich bei manchen Texten schon nach einem Tag nicht mehr weiß, was sie bedeuten. Wir zen das leis gehn??? etwa.  Macht Spaß.  By the way: ich erwarte den 2000 Besucher. 

9:41

Am rand ein Wolk  und Licht fiel gold auf all, zum West weit dann ein Him wie Aug so blau, auf dem sich rosa Abend weidet, der Horizont ist plustert schwarz und grau riss glüh und rot und atmet Lust und Not. 

11:25

Fünf noch. Also, worauf warten wir? 

13:00

Und fahr und fahr und atme tief und denke Augenblicke nichts und breite Arme aus und flieg in diesen Abend der mich gestern halten wollte und lach mich aus mich aus mich aus. 

19:22

Burn out, sagt man, heißt das. Gut zu wissen. Immer gut, einen Namen für einen Zustand zu haben. Sonst könnte ja jemand kommen und sagen, er hätte da was ohne Namen. Undenkbar! Burn out, heißt das, sagt man. Und das haben wir jetzt. Sagen wir. Würde altersmäßig schon passen. Wären damit wieder da, wo wir zu Anfang waren. Auch da passen burn outs bestens. Ich wage sogar zu behaupten, mit einem geboren zu sein. Ja. Ich hatte sogar einen pränatalen burn out. Schätze, auch postmortal werde ich einen haben. Spätestens im Krematorium.  


Di 21.08.01   7:56

Er war da. Irgendwann zwischen gestern Abend und heute Morgen hat er sich eingeschlichen. Ich begrüße ihn also. Den 2000 Besucher. Wie er wohl aussieht? Was er wohl denkt? Ob er glücklich ist oder unglücklich? Hat er auch einen burn out oder meditiert er transzendental? Ist er Mann oder Frau? Oder ist das du?  

8:42

I am a lonely boy, lonely and blue, I have nobody, nobody but you.... (7)

9:49

stranger than paradise: junge männer, die autos in halsbrecherischem tempo im kreis fahren. 

12:43

saß im gart, aß frucht, trank wein, riet zum rat, mand ist rein. 

12:46

Völlig unerwartet verstarb das burn out vor eineinhalb Stunden. Ein rostfarbenes Hemd, ein paar italienische Schuhe und Boxershorts töteten es. 

RIP you asshole and don't dare to come back. 

20:50

alcohol is "a substance produced by a tiny creature called yeast. Yeast organisms ate sugar and excreted alcohol. They killed themselves by destroying their own environments with yeast shit. 

Kilgore Trout once wrote a short story which was a dialogue between two peaces of yeast. They were discussing the possible purposes of life as they ate sugar and suffocated in their own excrement. Because of their limited intelligence, they never came close to guessing that they were making champagne. (8)

20:57

Als er aus dem Wald trat, war es, als falle er. Ein aufregend schönes Gefühl war das, und er fragte nicht, was es zu bedeuten hatte. Er hoffte nur, es würde nicht weggehen. Tatsächlich ist es seitdem immer mehr geworden. Störend ist nur, dass man auf ihn schießt. Und dass er oft so allein ist.  Zum Glück geht es den anderen nicht anders, sie geben es nur nicht zu. 

22:02

So sehen die italienischen Schuhe aus:

Und so sehe ich aus :-) wenn ich sie trage. Allerdings nicht nur deshalb. Auch, weil ich morgen ans Meer fahre. Mit dem Zug. Morgen Abend bin ich zurück. Also schafft euch. 

 

Do 23.08.01    9:25

Man könnte den Kopf ausschaben, sagte er. Das wäre mit einer lokalen Anästhesie leicht zu machen, wenn Sie wollen, auch mit einer kurzen Vollnarkose, aber im Grunde würde ersteres reichen. Danach würden Sie sich wie befreit fühlen. Ihre Tage würden wieder wie Tage beginnen und nicht wie dunkle Träume, ihre Nächte würden entspannen, ihre Gedanken wieder fließen, nicht rasen. Allerdings gibt es eine Nebenwirkung, die wir nicht hundertprozentig ausschließen können. Und? fragte ich. 

20:40

Nun, sagte er, Sie wären wahrscheinlich tot. 

22:05

Immer schimmert silberblau das Zimmer, Wagemut hat keinen Platz, lieber hätten alle immer, einen Silber-Schatz.  Lieber hätten alle keine Achselhaare, und stattdessen wären auch die Liebespaare,  immer silberblau gewesen und geschlechtlich längt verwesen. Immer also schimmert noch das Zimmer, während ich mir Denken schenke, und im Weggehn die Gelenke schwenke. Dankend sehe ich das alles immer silberblauer wird, bleib' hochachtungsvoll: verwirrt.  

 

Fr 24.08.01     8:29

Gleich wird letzte Hand an das Hörspiel gelegt. Vorher aber werde ich unseren Wellensittich töten. Er schreit wie am Spieß. Das stört mich.  Schätze, dass ich ihn mit dem Hammer erschlage. 

9:22

Schade, dass ich so oft zuschlagen musste. Wollte nicht still sitzen bleiben. Selbst Schuld, Karl. Jetzt, wo du tot bist, kann ich es ja sagen: ich habe dich nie gemocht. 

Scheint ein blutrünstiger Tag zu werden. Könnte am Klima liegen. Aber irgendwann kommt immer der Tag, an dem man die unangenehmen Dinge erledigen muss. 

11:04

Der Bäcker behauptete, die Schwedenmehrkorn-Brötchen seien ausverkauft. Konnte das nicht auf mir sitzen lassen. Kaufe schließlich seit Jahren dort. Werde also zwei Löcher graben müssen. Wobei das für Karl ja recht klein ist. Aber wohin mit dem  Bäcker?  

12:04

Keine neuen Gewalttaten. Nur diese mörderische Hitze. 

PS. 

Das Heinzelmann-Hörspiel heißt: 

"Das Zeitkarussell"

12:17

Haben Sie sich je gefragt, wie McDonalds seine Burger so platt kriegt? Hier ist die Antwort. Natürlich. Wir hatten es geahnt. Rassismus. Sexismus. Fleischesserei. Das alles geht Hand in Hand. 

14:17

weit lich geht die so spät unte, süd fällt sie wie tot ins all, hät ich eine liebl. unde, wär die 1. stund mein fall.  

 

Sa 25.08.01 

Es ist jetzt 11:25:35 Uhr

12:08

flashback: high sein, frei sein, terror muss dabei sein.

14:39

Der Drebuchförderpreis Münster.Land geht an die Autorin oder den Autor eines Spielfilmprojektes, das sich in herausragender Weise mit Münster und/oder dem Münsterland beschäftigt, d.h. der Film muss in Münster und/oder dem Münsterland spielen.

Alle sagen, ich soll  mitmachen. Aber ich weiß nicht, ob/und/oder ich will. Eine Geschichte hätte ich. Die eines schwarzen Sklaven, der 1697 vom Ur-urgroßvater der Annette von Droste Hülshoff in Mailand gekauft und mit auf den väterlichen Hof gebracht wird, dort als Kammerdiener arbeitet, Cembalo spielen lernt, 1711 Organist der Pfarre Roxel wird, die Tochter des Küsters heiratet und fünf Kinder mit ihr hat. 

Ob/und/oder/aber ist noch nicht geklärt. Habe noch bis zum 29.08. Zeit, mich zu entscheiden. Am 30.08. ist Abgabeschluss. 

16:48

Ozon-Alarm. 

And I think to myself, what a wonderful world....

 

So 26.08.01    11:15

Langsam. Sehr langsam. 

16:47

Stillstand.

 

Mo 27.08.01    8:38

In der Woche vom 3. - 7. September lese ich in 14 Schulen der Stadt Gronau. Jede Schule hat Informationsmaterial bekommen,  jede wurde aufgefordert, sich mit mir in Verbindung zu setzen, um Themen abzusprechen, zwei haben das bisher getan. Das nenne ich Engagement!

11:30

Zwei Schulen? sagt der Kulturamtsleiter der Stadt. Das ist sensationell! Ich hätte mit weniger gerechnet. 

12:13

Lehrerpack!!!

13:46

hätte mich links gedreht, hätte gelacht, hätte salti geschlagen, hätte alles getan nur das nicht, hätte vergeben, ginge den gang und den nicht, hätte vieles versucht, nicht eines vergessen, hätte alles für dich getan und für niemanden sonst, wäre geflogen ohne vogel zu sein, wäre geschwommen, ohne schwimmen zu können, hätte schlösser in sand gesetzt und luft in bewegung, hätte nie mehr das getan, nur noch dieses, hätte schon nicht mehr gewusst, ob alles wahr ist oder nichts wirklich, wäre da nicht mein kopf, hätte da nicht einer diesen fimmel hinein gepflanzt, und da ist er nun, will nicht ruhen und hätte schon wieder einen neuen plan, der mit allem kollidiert was gang und gäbe ist. zum glück hättest du wieder verstanden. zum glück hättest du gesagt, hättest du dich links gedreht, hättest du gelacht, hättest salti geschlagen, hätte ich alles getan, nur das nicht, hätte vergeben und ginge den gang, aber da dieser fimmel in deinem kopf ist, weiß ich auch nicht, was noch zu tun wäre und was es bedeutete, täte ich es. 

22:58

Es ist wieder Luft da. Man atmet sie gern. Der Körper wird ganz leicht davon. Man ahnt, dass sie Herbst bringt. Der Herbst streicht schon vor. Seine Farben riechen gut. 

 

Di 28.08.01    00:32

Wir haben unsere Kinder nicht christlich erzogen. Wir dachten, wir sollten ihnen eine Chance geben. Dachten auch, Gott würde sich schon melden. Er ist aber sehr diskret, er macht kein Aufhebens, er kommt wirklich nur, wenn man ihn braucht, was ich ihm hoch anrechne. Wenn er bei mir auftaucht, frage ich ihn immer das Gleiche und er hat immer die gleiche Antwort. Manchmal frage ich nichts und wir reden die ganze Zeit keinen Ton. Dann sagt er irgendwann Gute Nacht. Oder: Schlaf gut, Hermann. - Tötest du mich heute Nacht? frage ich vielleicht. - Nö, sagt er. Wieso denn? - Ach nur so, sag ich.  

16:09

Geburtstagshiphop

Tante Erna ist da
Onkel Ewald kommt gleich
Mama hockt noch vorm Herd
um die Nase ganz bleich. 

Wenn der Kuchen nichts wird
flippt sie aus und wird grün
und wenn Erna wieder motz
wird sie ihr eins überziehn. 

Ding dang dong
da ist der Nächste
Onkel Ewald aber nicht
Tante Lissi kommt aus Dortmund
wo man so ganz anders spricht. 

Papa geht jetzt in die Küche
Mama hat Kaffee gemacht
und ich sitze da und hoffe
jeder hat was mitgebracht. 

Daher ab zur nächsten Strophe
wo Papa den Kuchen bringt
und die liebste Tante Erna
mir ein Ständchen singt. 

Tante Erna kann nicht singen
Onkel Ewald brummt den Bass
Tante Lissi kippt Kaffee um
ringsherum wird alles nass.

Plötzlich werden alle emsig
zaubern schnell Pakete her
überm Kuchen kreisen Wespen
und ich denke gar nichts mehr. 

Tante Erna schenkt mir Bargeld
Onkel Ewald dieses Ding
Tante Lissi, die aus Dortmund
hat was für das liebe Kind .

Und ich sitze da und staune
mittendrin im Nikotin
während draußen weiche Wolken
mit dem Wind nach Osten ziehn.

Alle wollen nur mein Bestes
doch der Hit an diesem Tag
kommt erst abends
wenn sich die Verwandtschaft
längst verpieselt hat. 

Dann wird es bei uns gemütlich
und ich kann in Frieden machen
was die Tanten nicht so lieben
wo sie nicht mal drüber lachen.

Und wär morgen dann noch Samstag
ginge ich ganz spät ins Bett
döste rum und träumte Sachen
dass es sich gewaschen hätt.

 

Mi 29.08.01      7:54

Danke, dass Sie mir bis hierher gefolgt sind. Heute schließt   sich der Kreis. Sie sind am Ende. Aber keine Angst. Alles fängt ja gerade erst an. 

 

Do 30.08.01   9:32

Jedem Buchstabe wird eine Farbe zugeordnet. Wenn man spricht, ergibt das farbenfrohe Gebilde aus Luft. 

 

Fr 31.08.01     8:51

Mit dieser Technik gelang es, den "Swatten Jehann", mein Hörspiel, das gestern Abend im hiesigen Gemeindesaal in Zusammenarbeit mit dem WDR aufgeführt wurde, in ein psychedelisches Ereignis zu verwandeln. Selbst ältere Mitbürger sahen plötzlich Farben, riefen "irre" und "geil".  War ganz verstört.  

10:56

Ich beteilige mich nicht. Ich scheiße auf den Drehbuchwettbewerb und lege stattdessen die Beine hoch.  Basta. Ackere sowieso schon wie ein Idiot, schlafe schlecht, und verdiene doch nicht mehr als ein Hilfskellner. Sollen andere sich um den Preis schlagen. Ich will keinen Preis, ich will Leser. 

18:23

Fürchtete heute für eine knappe Viertelstunde, der Sommer sei vorbei. Stellte dann aber fest, dass es erst am 23. September so weit ist. Schlief beruhigt am Steuer meines Maserati ein und verursachte einen Unfall mit hohem Materialschaden. Konnte jedoch flüchten und lebe nun woanders inkognito. Will dort kein Dichter mehr sein. Werde u. U. Müllfahrer oder ähnliches. 

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1. L. Wittgenstein (Briefe) // 2. L. Wittgenstein (1944 Tagebücher) // 3. Herta Müller "Herztier" Roman Rowohlt 1996 // 4. Wilhelm Busch "Max und Moritz" // 5. Tricky  Interview FR. v. 11.08.01 // 6. Kurt Vonnegut Jr. "Breakfast of Champions" Roman 1973 //  7. Frühkindliche Erinnerung Hitparade Paul Anka ??? ca. 1960-62 // 8. Kurt Vonnegut Jr. "Breakfast for Champions" Roman 1973 //

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